Sokrates nämlich löst den Monolog ab und verwickelt sein Gegenüber (hier Agathon) in ein Gespräch. Dies ist nun ein zweiter Hinweis auf den Wendepunkt im Symposion, welcher sich schließlich im Ende der Sophisterei und im Beginn der Philosophie, mit Sokrates als Vertreter, auszeichnet.
Im Dialog mit Agathon entsteht nun Übereinkunft über folgende Prämissen: Liebe (und so auch Eros) muss sich auf etwas beziehen, dass man begehrt. P1 P2 Begehren kann man nur das, woran man Mangel hat. P3 Eros begehrt, woran es ihm mangelt. K Da Eros das Schöne und Gute begehrt, kann er weder gut, noch schön sein. Wie sieht es nun mit dem Götterstatus des Eros aus? Immerhin wird keiner der Anwesenden bestreiten wollen, dass die Götter gut und schön sind. Eros jedoch werden diese Attribute nicht zugeschrieben. Ein weiterer Hinweis auf den Wendepunkt, denn erstmals wird Eros nicht mehr in den Himmel gelobt, ohne den Anspruch auf Wahrheit, sondern es wird versucht, das Wesen des Eros zu bestimmen. Obwohl Agathon in seiner Rede von einem zarten, jungen und schönen Eros gesprochen hatte, kann er hier Sokrates nur noch zustimmen. Denn beide stimmen darüber ein, dass man danach strebt, was man nicht hat, denn wenn man es bereits hat, dann kann man nur noch danach streben es auch in der Zukunft immer noch zu haben. Wie aber ist nun Eros zu beschreiben? Eros ist das Begehren zu etwas bzw. die Liebe zu etwas, welches nun mit einschließt, dass er der Liebe bedürftig ist. Da Eros nach dem Schönen strebt, muss es ihm auch daran mangeln. Eros ist also ein Mangelwesen und nicht der vollkommen schöne Gott, zu dem er vorher gepriesen wurde. (199c-201c) Nun beginnt Sokrates mit seiner eigentlichen Rede, die wieder in Dialogform gehalten ist. Dieser jedoch findet nicht während des Symposions statt, sondern schildert eine bereits vergangene Unterhaltung des Sokrates. Hiermit verkompliziert sich der Erzählstil des Symposions ein weiteres Mal. Denn Apollodores gibt das Symposion bereits indirekt wieder und nun tritt Sokrates auf, welcher in dieser indirekten Erzählung selbst ein Gespräch wiedergibt. Das Gespräch führte er einst mit Diotima, einer Priesterin aus Mantineia. Sie belehrte Sokrates damals genauso, wie er eben Agathon belehrte.
Da Eros also, wie bereits festgelegt, weder gut, noch schön ist, muss geklärt werden, was er
Arbeit zitieren:
Mendina Morgenthal, 2008, Eros als Mangelwesen, München, GRIN Verlag GmbH
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