Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung 3
2 Asymmetrien in der Europäischen Währungsunion. 5
3 Modellbetrachtung. 7
3.1 Modellbeschreibung. 7
3.2 Modellrahmen 7
3.3 Analyse des Modells 9
4 Auswirkungen einer Steigerung der Geldmengenwachstumsrate 10
4.1 Einführung 10
4.2 Langfristige Auswirkungen 11
4.3 Anpassungsprozeß 14
4.3.1 Anpassungsprozeß in der Gesamtunion 14
4.3.2 Wirkungen auf die einzelnen Unionsländer 16
5 Betrachtung der Modellergebnisse im Vergleich mit Ergebnissen anderer
Modelle 19
6 Analyse der Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die Europäische
W ährungsunion 19
7 Abbildungsverzeichnis 20
8 Literaturverzeichnis 21
9 Anhang 24
9.1 Das Summensystem 24
9.1.1 Die zwei Zustandsgleichungen des Summensystems. 24
9.1.2 Der Zeitpfad der Zustandsvariablen des Summensystems 31
9.1.3 Der Zeitpfad des Gesamtoutputs 36
9.2 Das Differenzensystem 37
9.2.1 Die Zustandsgleichung des Differenzensystems 37
9.2.2 Der Zeitpfad der Preisniveaudifferenz 37
9.2.3 Der Zeitpfad der Einkommensdifferenz 38
9.3 Hinweise zur Erstellung der Simulationen 38
2
1 Einleitung
In jüngster Zeit werden immer wieder Forderungen laut, die Europäische Zentralbank solle aufgrund der schwächelnden Konjunkturlage 1 ihre Geldpolitik expansiver ausrichten 2 .
Gemäß Maastrichter Vertrag ist das erste Ziel der Europäischen Zentralbank die Wahrung der Preisstabilität. Wenn es ohne Verletzung dieses Zieles möglich ist, soll weiterhin auch die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Union unterstützt werden 3 .
Die Europäische Zentralbank orientiert sich bei ihrer Geldpolitik an einer sog. Zwei-Säulen-Strategie 4 . Die erste dieser Säulen ist der Referenzwert für das Wachstum der Geldmenge M3 5 . Der Referenzwert wird auf der Basis der maximal gewünschten Inflationsrate (2%), der Wachstumsrate des realen Bruttoinlandsprodukts (2-2,5%) und der Verringerung der Umlaufgeschwindigkeit der Geldmenge M3 (ca.0,5-1%) ermittelt, er beträgt zur Zeit 4,5 %. Die zweite Säule bildet eine breit fundierte Beurteilung der Aussichten für die Preisentwicklung 6 . Diese Beurteilung erfolgt anhand verschiedener Indikatoren, aufgrund derer sich die zukünftige Entwicklung der Preise abschätzen lässt. Bezüglich der Informationspolitik der Zentralbank ist anzumerken, daß die Begründungen für die geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank nicht immer klar kommuniziert wurden 7 . Dies liegt auch in ihrer Zwei-Säulen-Strategie begründet, die keine Definition eines klaren geldpolitischen Zieles darstellt 8 und somit zu Unklarheiten führt. Ein weiterer Grund ist darin zu sehen, daß verschiedene Mitglieder des EZB-Rates sich in ihren öffentlichen Aussagen
1 Vgl. Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute e.V., Essen (2001) S.31ff, Institut für Wirtschafts-forschung Halle (2001) sowie EUROFRAME group of
European Research Insti-tutes (2001) S.11-14.
2 Siehe. Tober, Silke (2001) und EUROFRAME group of European Research Institutes (2001), S.76.
3 Vgl. Bofinger(1999), S.3.
4 Vgl. Europäische Zentralbank (1999), Monatsbericht Januar 1999 S.50 sowie Bofinger(1999), S.13.
5 Vgl. Europäische Zentralbank (1999), Monatsbericht Januar 1999 S.52.
6 Vgl. Europäische Zentralbank (1999), Monatsbericht Januar 1999 S.54.
7 Vgl. EUROFRAME group of European Research Institutes (2001), S.76.
8 Vgl. Feldstein, Martin (2000), S3f.
3
widersprochen haben, und somit nicht klar zu erkennen ist, wessen Meinung nun "die" Meinung der Europäischen Zentralbank ist 9 . Außerdem ist öffentlich bekannt, daß es Differenzen bezüglich der als ideal angesehenen Geldpolitik zwischen den einzelnen Teilnehmerstaaten der Währungsunion und somit auch zwischen den Mitgliedern des Zentralbankrates geben kann 10 .
Zur Zeit wird die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank allgemein als neutral bis restriktiv eingeschätzt 11 . Dennoch stellt sich die Frage nach einer Lockerung des geldpolitischen Kurses angesichts des Konjunkturabschwungs bei gleichzeitig wegen des Stabilitätspaktes restriktiver Fiskalpolitik in Europa 12 , einem expansiven Kurs der Geldpolitik in den USA 13 sowie dem Wegfall der inflationären Einmaleffekte (Ölpreissteigerung, BSE-Krise) 14 .
Es wird von verschiedener Seite gefordert, die Europäische Zentralbank sollte den Referenzwert für die Geldmengenwachstumsrate erhöhen, da die Faktoren, die zur Bestimmung der Wachstumsrate dienen, falsch eingeschätzt wurden 15 . Andere Meinungen sehen dagegen keinen Bedarf für eine Lockerung der Geldpolitik 16 , da sich nach ihrer Auffassung die EZB nicht an der amerikanischen Notenbank orientieren sollte, sondern sich lieber auf die Sicherung der immer noch nicht in allen Mitgliedsstaaten gegebenen Preisstabilität konzentrieren sollte. Das Geldmengenwachstum lag in den letzten Monaten stets über dem Referenzwert 17 , schwächte sich aber in jüngster Zeit ab, was eine Lockerung der Geldpolitik rechtfertigen könnte 18 .
9 Vgl. Feldstein, Martin (2000), S.4.
10 Vgl. Casella, Alessandra (2000), S.4.
11 Vgl. EUROFRAME group of European Research Institutes (2001), S.19, Tober, Silke (2000), S.1 und Institut für Wirtschaftsforschung Halle(2001), S.18.
12 Vgl. Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute e.V., Essen (2001), S.82 sowie Sell, Friedrich L. (1998), S.258.
13 Vgl. Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute e.V., Essen (2001), S.83.
14 Vgl. Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute e.V., Essen (2001), S.33.
15 Vgl. Tober, Silke (2000), S.2 und EUROFRAME group of European Research Institutes (2001), S.76.
16 Siehe Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungs-institute e.V., Essen (2001), S.84 und Institut für Wirtschaftsforschung Halle (2001), S.18.
17 Vgl. EUROFRAME group of European Research Institutes (2001), S.20f.
4
In dieser Arbeit werden zunächst in Kapitel 2 die Asymmetrien in der Europäischen Währungsunion beschrieben, im Kapitel 3 wird ein Modell einer asymmetrischen Währungsunion erläutert anhand dessen in Kapitel 4 die intertemporalen Auswirkungen einer Erhöhung der Geldmengenwachstumsrate erläutert werden. In Kapitel 5 werden diese Ergebnisse mit Ergebnissen anderer Modelle verglichen, danach wird in Kapitel 6 die Übertragbarkeit dieser Ergebnisse auf die Europäische Währungsunion hinterfragt.
2 Asymmetrien in der Europäischen Währungsunion
Die Europäische Währungsunion ist durch das Vorliegen von Asymmetrien gekennzeichnet, dieses kann anhand starker Unterschiede verschiedener makroökonomischer Kennzahlen beobachtet werden. So sind innerhalb der Union erhebliche Unterschiede in der Inflationsrate, der Beschäftigungsrate und im Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Produktion der einzelnen Mitgliedsstaaten zu beobachten 19 . Auch im Grad der Offenheit der Volkswirtschaften unterscheiden sich die Mitgliedsstaaten erheblich 20 .
Da es sich bei der Europäischen Währungsunion um eine Währungsunion selbständiger Staaten handelt, die ihren zentralen Instanzen, wie z.B. dem Europäischen Parlament, nur geringe Entscheidungsbefugnisse zugestehen, bestehen auch Unterschiede in der Fiskalpolitik der einzelnen Mitgliedsländer der Union 21 . Zwar begrenzt der Vertrag von Maastricht den Handlungsspielraum der nationalen Regierungen bei ihren Budgets 22 , dennoch bestehen große Unterschiede z.B. in der Abgabenbelastung der Privaten 23 . Weiterhin ist davon auszugehen, daß innerhalb der Unionsländer auch Unterschiede in der Art der Transmission der geldpolitischen Impulse bestehen 24 .
18 Vgl. Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungs-institute e.V., Essen (2001), S.85.
19 Vgl. Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungs-institute e.V., Essen (2001), S.35 und S.85 und EUROFRAME group of European Research Institutes (2001),
S.28.
20 Vgl. Dornbusch u.a.(1998), S.12.
21 Vgl. EUROFRAME group of European Research Institutes (2001), S.101.
22 Vgl. Wood und Gramlich (2001), S.3 und S.15.
23 Vgl. Wood und Gramlich (2001), S.9.
24 Siehe Dornbusch u.a.(1998), S.28, Casella (2000), S.4 sowie Favero und Giavazzi(2001), S.11.
5
Die angebotsseitigen Asymmetrien werden durch das unterschiedliche Lohnsetzungsverhalten in den einzelnen Mitgliedsstaaten verursacht 25 . So wurde in Deutschland in den letzten Jahren eine maßvolle Lohnpolitik betrieben 26 , während z.B. in Italien und Spanien starke Anstiege der Arbeitskosten zu beobachten waren. Eine Anpassung der Löhne an die Inflationsrate erfolgt in den einzelnen Ländern asynchron, dies wird sowohl durch die unterschiedlichen Laufzeiten der Tarifverträge als auch durch die Unterschiede in der konjunkturellen Lage der Staaten verursacht 27 . Es besteht die Gefahr, daß bei hohen Lohnsteigerungen Inflationsdruck erzeugt wird und somit die Europäische Zentralbank gezwungen wird, durch restriktive Geldpolitik diesem entgegenzusteuern 28 .
Im Vergleich der Union z.B. mit den USA zeigt sich ein weiteres Problem. Die Arbeitsmärkte in Europa sind sehr heterogen, da immer noch, auch nach Wegfall der rechtlichen Barrieren, eine Immobilität der Arbeitskräfte zu beobachten ist 29 . Die Nachfragesituation unterscheidet sich innerhalb der Union deutlich, so war 1999 die Nachfrage in Deutschland und Italien eher schwach, während in Spanien, Portugal und Irland eine sehr starke Nachfrage herrschte. Diese Unterschiede werden auch in Zukunft weiter bestehen, da die Strukturen der Volkswirtschaften hinsichtlich der Industriestruktur, der unterschiedlichen Ansätze der Fiskalpolitiken und der konjunkturellen Zyklen immer noch sehr unterschiedlich sind 30 . Aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung der Beiträge der einzelnen Wirtschaftssektoren zum Gesamtoutput in den einzelnen Ländern kommt es zu Unterschieden in der Zinssensitivität der Nachfrage. Staaten mit einem hohen
25 Vgl. EUROFRAME group of European Research Institutes (2001), S.24f und Europäische Zentralbank (2000), Monatsbericht Mai 2000 S.75.
26 Vgl. Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungs-institute e.V., Essen (2001), S.45.
27 Vgl. Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungs-institute e.V., Essen (2001), S.35.
28 Vgl. Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungs-institute e.V., Essen (2001), S.88f.
29 Vgl. EUROFRAME group of European Research Institutes (2001), S.63f, Feldstein, Martin (2000), S6, Europäische Zentralbank (2000), Monatsbericht Mai 2000 S.75 und Dieckheuer (1999),
S.592.
30 Vgl. Feldstein, Martin (2000), S5f.
6
Anteil der Bauwirtschaft, der Investitionsgüterindustrie und der Industrie der langlebigen Konsumgüter weisen eine höhere Zinssensitivität der Nachfrage auf als Staaten in denen dies nicht der Fall ist 31 .
3 Modellbetrachtung
3.1 Modellbeschreibung
Bei dem betrachteten Modell handelt es sich um ein dynamisches Modell einer kleinen asymmetrischen Währungsunion, die aus den zwei Unionsländer 1 U und
U besteht. Das Modell ist dadurch gekennzeichnet, daß sowohl auf der Angebots- 2
als auch auf der Nachfrageseite Asymmetrien auftreten. Auf der Nachfrageseite wird die Asymmetrie durch unterschiedliche Zinssensitivität der Güternachfrage, auf der Angebotsseite durch unterschiedliche Lohngleichungen vom Philips-Kurven-Typ, erzeugt 32 .
3.2 Modellrahmen
Der Modellrahmen besteht aus folgendem Gleichungssystem 33 : ( ) ( ) ( ) * c τ − − − + + − + + − − + = b p p b y b y b y b b g p i a y a a y 1
1 5 2 1 4 3 2 2 1 1 0 1 1 1 21 1 1 0 1
( ) ( ) ( ) * c τ − − − + + − + + − − + = b p p b y b y b y b b g p i a y a a y 2
2 5 1 2 4 3 1 2 2 1 0 2 2 2 22 2 1 0 2
( ) ( ) * + 3 τ − = 1 e p p
1
( ) ( ) * + 4 τ − = 2 e p p
2
( ) ( ) ( ) c c − + + + − + + = i l y l l p i l y l l p m 5
2 2 2 1 0 2 1 2 1 1 0 1
( ) * + = = 2 e i i i 6
1
1 1 ( ) ( ) e δ − + = = y y p w p 8
2 2 2 2 2
( ) ( ) * c α α α α α α = + + + + + = e p p p p 1 9
3 2 1 3 2 2 1 1 1
( ) ( ) * c α α α + + + = e p p p p 10
3 1 2 2 1 2
31 Vgl. Dornbusch u.a.(1998), S.11f.
32 Vgl. Wohltmann und Clausen (2001), S.149.
33 Das Modell ist der Quelle Wohltmann und Clausen (2001) entnommen.
7
( ) τ − + + = p p f f f y 11
2 1 2 1 1 0 1
( ) ( ) τ − + + = p p f f f y 12
1 2 2 2 1 0 2
Bezeichnungen: y -Reales Sozialprodukt i -Nominalzins -Realzins c − p i
g -Staatsausgaben für Güter- und Dienstleistungen p -Preisniveau des im Inland produzierten Gutes τ -(externe) terms of trade e -Wechselkurs der Unionswährung (Preisnotierung) m -Geldmengenaggregat der Union w -Nominallohnsatz
y -natürliches Outputniveau (langfristiges Gleichgewicht) p -Verbraucherpreisindex (Kaufkraftindex) c
Die Variablen des jeweiligen Unionslandes sind durch Indexierung gekennzeichnet. Die Auslandsvariablen sind mit einem Stern gekennzeichnet. Bei allen Variablen, mit Ausnahme der Zinssätze in den Unionsländern und im Ausland, handelt es sich um logarithmierte Größen. Variablen, über die ein Punkt gezeichnet wurde, bezeichnen die Ableitung dieser Variablen nach der Zeit (entspricht in entlogarithmierter Form ihrer prozentualen Änderungsrate). Variablen, die mit einem Querstrich gekennzeichnet sind, bezeichnen das langfristige Gleichgewichtsniveau dieser Variablen. Alle Modellparameter sind positiv.
Die Gleichungen 1-6 beschreiben die Nachfrageseiten der beiden Unionsländer, die Gleichungen 7-12 die Angebotsseite beider Länder. Bei den Gleichungen 1 und 2 handelt es sich um die Standard-IS-Gleichungen einer Währungsunion, sie beschreiben das Gleichgewicht der Güternachfrage in den beiden Unionsländern. Die Asymmetrie in der Zinssensitivität wird durch die unterschiedlichen Faktoren 21 a und 22 a erzeugt.
Die Gleichungen 3 und 4 definieren die terms of trade des jeweiligen Unionslandes gegenüber dem Ausland.
Gleichung 5 beschreibt den gemeinsamen Geldmarkt der Währungsunion, es handelt sich um eine Standard-LM-Gleichung.
8
Arbeit zitieren:
Dennis Puschmann, 2002, Die intertemporalen Auswirkungen expansiver Geldpolitik in einem dynamischen Modell einer kleinen Währungsunion, München, GRIN Verlag GmbH
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