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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Sprachursprungstheorien in den “Siglos de Oro
2.1. Bernardo José de Aldrete 3
2.2. Juan de Valdés 6
2.3. Gregorio López Madera 8
3 Vergleich der Theorien von Aldrete, Valdés und López Madera. 11
4 Mögliche Kritik der Theorien 14
5 Fazit 23
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1. Einleitung
Die „Siglos de Oro“ waren eine Epoche politischer, religiöser und kultureller Veränderungen. Die Ideen der Renaissance verursachten einen Mentalitätswechsel und eine Veränderung aller Aspekte des menschlichen Lebens. Die theozentrische Konzeption der Welt wurde zu einer anthropozentrischen, das heißt dass der Mensch zunehmend zum Zentrum des Universums wurde. Somit rückten auch alle Dinge, die mit ihm verbunden sind in den Mittelpunkt. Zu diesen Dingen gehört auch die Sprache. Die Aufwertung der Volkssprachen ist ein Phänomen, das sich hauptsächlich im 16 Jh. entwickelt. Dies hängt einerseits damit zusammen, dass die Renaissance sowohl die Rückkehr zur Klassik bedeutete als auch die Bildung eines eigenen nationalen Charakters. 1 Ausschlagend hierfür sind jedoch auch politische Gründe. Nach dem Niedergang des feudalen Ständestaates, kam es zur Bildung von Zentralstaaten. Zentralisierende Tendenzen wurden nicht nur auf politischer und wirtschaftlicher Ebene angestrebt, sondern auch im Hinblick auf die Sprachpolitik. Die Volkssprache sollte sich als Nationalsprache durchsetzen und durch eine Grammatik normiert werden. Die Verfechter der Nationalsprache kämpften gegen die Überbetonung des Lateins und die restlichen Mundarten, die der neuen Nationalsprache weichen sollten. Die Frage nach dem Ursprung und der Geschichte der eigenen Nationalsprache hängt einerseits damit zusammen, dass sich die Humanisten mit der Herausbildung des Nationalstaates versuchten Gewissheit über die Herkunft ihres Volkes zu verschaffen. Es wurde jedoch nicht nur das nationale Selbstverständnis angestrebt, auch die Rolle des eigenen Staates innerhalb der Nationen sollte ermittelt werden. In dem internationalen Streit um die Hegemonie in Europa ging es unter anderem darum welche Nationalsprache den Sprachen der Antike gleichkommt und somit den Anspruch auf eine Universalsprache hat. Aufgrund dessen beschäftigten sich die Gelehrten des 16. Jh. zunehmend mit dem Ursprung und der Geschichte der nationalen Sprachen um eine ehrwürdige Herkunft herzuleiten und das hohe Alter der eigenen Nationalsprache aufzuzeigen. 2
In Spanien gab es während der „Siglos de Oro“ bezüglich des Sprachursprungs drei Positionen. Die meisten sahen das Latein als Ursprung der spanischen Sprache an. Diese
1 Vgl. ALDRETE, Bernardo José de (MCMLXXV): Del origen y principio de la lengua castellana ò romance que oi se usa en España. Ideas Lingüísticas de Aldrete. Edición facsimilar y estudio de Lidio Nieto Jiménez. Madrid Consejo Superior de Investigaciones Científicas), 37 ff.
2 Vgl. BAHNER, Werner (1956): Beitrag zum Sprachbewusstsein in der spanischen Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts. Berlin (Rütten & Loening), 5-6.
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Position hingegen zeigte sich in drei Varianten. Variante A: Das Spanische trennte sich vom Latein durch die Goten, Korruption also durch die Goten. Variante B: Das Spanische trennte sich vom Latein gleich zu Beginn, als es auf die iberische Halbinsel kam, das heißt, dass das Spanische die Sprache der iberischen Halbinsel war vor der Ankunft der Römer. Diese Position wird auch tubalistische Position genannt und basierte auf der biblischen Entstehungsgeschichte und einem Kommentar von Flavio Josefo 3 . Die Tubalisten betrachteten Tubal, Sohn von Jafet und Enkel von Noah, als Vater des Spanischen. Im Jahr 131 hätten sich die Nachkommen von Adam auf der ganzen Welt verbreitet, nachdem sie es gewagt hatten den Turm zu Babel zu erbauen und von Gott verachtet wurden. Tubal, der das fünfte Kind von Jafet war, wurde nach Spanien geschickt und dort habe das spanische Volk und sein Imperium gegründet. 4
Hinsichtlich der vorrömischen Sprachen gab es ebenfalls verschiedene Positionen. Für die Tubalisten ist es entweder das Baskische oder das Kastillische und für Juan de Valdés das Griechische (vgl. GAUGER 1989, 55).
In der folgenden Arbeit werde ich mich auf die Sprachursprungstheorien von Bernardo José de Aldrete, Juan de Valdés und Gregorio López Madera konzentrieren. Aldrete und Valdés gelten als Repräsentanten für das Sprachbewusstsein der „Siglos de Oro“ und López Madera wird als wichtigster Vertreter der „urkastillischen Theorie“ angesehen. Ich befasse mich zunächst mit den Grundideen dieser drei Autoren. Im zweiten Teil meiner Arbeit werde ich die Sprachursprungstheorien vergleichen und mich nach möglichen Gemeinsamkeiten und Unterschieden fragen. Der letzte Teil dient einer kritischen Untersuchung der jeweiligen Theorien. 2. Sprachursprungstheorien in den „Siglos de Oro“
2.1. Bernardo José de Aldrete
Der bedeutendste Beitrag zum Studium des Ursprungs der spanischen Sprache ist zweifellos das Werk von Bernardo José de Aldrete. Er veröffentlichte zwei Bücher, das erste davon erschien 1606 in Rom unter dem Titel „Del Origen y Principio de la lengua castellana o Romance que oi se usa en España“, das zweite trug den Titel „Varias Antigüedades des España, Africa y otras provincias“ und wurde 1619 in Amberes veröffentlicht (vgl. GAUGER 1989, 52).
3 Vgl. GAUGER, Hans-Martin (1989): „La conciencia lingüística en el Siglo de Oro“, in: NEUMEISTER, Sebastian (Hg.): Actas del IX Congreso de la Asociación internacional de Hispanistas, Frankfurt am Main (Vervuert Verlag), 54.
4 Vgl. DE SEVILLA, San Isidoro (MCMLI):Etimologías. Madrid (La Editorial Católica), 213 ff.
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Mein Interesse gilt speziell seinem Werk „Del Origen y Principio de la lengua castellana o Romance que oi se usa en España“, da er sich im ersten und zweiten Buch dieser Schrift ausführlich mit dem Ursprung der spanischen Sprache beschäftigt. Aldrete geht davon aus, dass das „romance“ sich von der lateinischen Sprache ableitet und von ihr sein „principio“, das heißt seine Wesensart und seinen Namen erhalten hat. Mit der Ankunft der Goten begann auch der Niedergang des Lateinischen, es wurde durch die Goten korrumpiert. (vgl. Gauger). Aldrete ist somit ein klarer Verteidiger der Korruptionstheorie. Diese Theorie existiert schon seit dem 15 Jh, Aldrete ist jedoch der erste der die Grundlagen für diese Theorie ausarbeitete (vgl. BAHNER 1956, 78).
Seine Schrift teilt sich in drei Bücher. Im ersten Buch beschäftigt sich Aldrete mit der Romanisierung der iberischen Halbinsel und der Tatsache, dass das Latein die Umgangssprache Spaniens war und im zweiten Teil mit der Sprachverwandtschaft des Lateinischen mit dem „romance“. Der dritte Teil dient der Untersuchung der nichtlateinischen Elemente der spanischen Sprache.
Aldrete vertritt die Ansicht, dass das Lateinische zunächst nur als offizielle Sprache verwendet wurde und dann zur allgemeinen Umgangssprache auf der iberischen Halbinsel wurde. Er vertritt den Standpunkt, dass das Lateinische zu Beginn durchaus den Charakter einer Volkssprache hatte, durch verschiedene Umstände habe es jedoch aufgehört eine Volkssprache zu sein und wurde mithilfe der Grammatik erlernt 5 . In Rom habe eine einheitliche lateinische Sprache bestanden. Grammatikschulen seien kein Beweis dafür, dass in Rom neben dem Lateinischen eine römische Volkssprache existiert haben könnte, da man keine Grammatikschulen benötige um eine Volkssprache zu erlernen 6 , diese hätte lediglich dazu gedient „dass man die Vollkommenheit der Sprache erlerne und große Verstöße und Fehler beim Sprechen vermeide, dass man die Sprache durch das Lesen von Dichtern, durch Kenntnis von Dichtungen und durch Unterweisung im kunstvollen Ausdruck verbessere […]“ (ALDRETE 1606, 52).
Um seine These zu bekräftigen, dass das Latein die vorrömischen Sprachen verdrängte und dann zur allgemeinen Volkssprache wurde, prüft Aldrete die Rolle des Lateins in den römischen Provinzen. Interessant ist seine Beobachtung, dass in den römischen Provinzen kein so reines und elegantes Latein gesprochen wurde wie in Rom, er vergleicht dies mit Toledo wo ein reineres Latein gesprochen wurde als anderswo (vgl. ALDRETE 1606, 56).
5 Vgl. ALDRETE, Bernardo José de (1606): Del origen y principio de la lengua castellana ò romance que oi se usa en España. Rom, 42.
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Aldrete beschäftigt sich sehr ausführlich mit der Sprachsituation in den spanischen Gebieten des römischen Imperiums. Auffällig ist, dass er keinen Bezug nimmt auf die vorrömischen Sprachen. Welche und wie viele Sprachen es gegeben habe als die Römer nach Spanien kamen sei unwichtig, diese vorrömischen Sprachen seien genauso wie in allen anderen Provinzen des römischen Imperiums untergegangen, da sich das Latein durchgesetzt habe (vgl. ALDRETE 1606, 87/88). Eine seiner Thesen ist, dass die politische Macht entscheidet, welche Sprache sich durchsetzt (vgl. ALDRETE 1606, 138). Die „urkastillische“ Theorie lehnt Aldrete ab, da nach dieser Theorie die Phönizier, Griechen, Karthager und Römer das „romance“ hätten lernen und ihre eigene Sprache verlieren müssen. Genauso hätte es mit den Goten geschehen müssen, die auch ihre eigene Sprache aufgegeben hätten und durch das „romance“ ersetzt hätten. Daraus würde folgen, dass die Eroberer die Sprache der Besiegten übernehmen würden und somit würde sich die Aussage namhafter Autoren, dass die Römer das Lateinische durchsetzten, als falsch erweisen (vgl. ALDRETE 1606, 174-176).
Im zweiten Buch befasst sich Aldrete, wie bereits erwähnt, mit der Sprachverwandtschaft des „romance“ mit dem Latein. Das entscheidende Ereignis für die Entwicklung und Entstehung der romanischen Sprachen sei der Einfall der Goten auf die iberische Halbinsel gewesen. Seine Theorie besagt, dass die Goten das Latein übernahmen, was zur Folge gehabt habe, dass das dieses seine Qualität verlor (vgl. ALDRETE 1606, 153/154). Dieses korrumpierte Latein nennt er „romance“. Nachdem die Goten das korrumpierte Latein übernommen hätten, hätten auch die Bewohner der ehemaligen römischen Provinzen, die von den germanischen Völker besiegt worden waren, begonnen das korrumpierte Latein der Goten zu imitieren (vgl. ALDRETE 1606, 154).
Aldrete ist sich durchaus der Tatsache bewusst, dass das Latein bereits vor der Ankunft der Goten begann zu zerfallen, dabei weist er auf Isidor de Sevilla hin:
“Destos, i de otros lugares del mismo sancto se colige con claridad del estado, que entonces tenia la lengua vulgar, i como se iua perdiendo la lengua Latina, i começaua el Romance, teniendo su principio en la gente popular, i ordinaria, de donde cundio di se estendio por todos. Lo qual fue mui apriessa, por auer se dexado en aquellos siglos, i casi acabado los estudios delas buenas letras, como se vee en los libros, que de aquellos tiempos tenemos.”(ALDRETE 1606, 158)”.
Trotz dieser Feststellung leitet Aldrete die romanischen Sprachen jedoch nicht von einem Vulgärlatein ab, dass durch eine innere Entwicklung entstand, weil die Korruptionstheorie zu seiner Zeit sehr vorherrschend war (vgl. ALDRETE 1606, 84). Aldrete führt die Sprachunterschiede auf der iberischen Halbinsel auf die „Reconquista“ zurück. Das korrumpierte Latein habe man bis zur Eroberung durch die Mauren auf der iberischen Halbinsel gesprochen. Danach sei diese Sprache nur noch in den Nordgebieten
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erhalten geblieben. Mit der „Reconquista“ habe sich das Kastillische durchgesetzt. (vgl. ALDRETE 1606, 142/143). Das Portugiesische und Katalanische seien politisch bedingt durch Vermischungen mit dem Französischen entstanden (vgl. ALDRETE 1606, 165). Aldrete lehnt die Theorie einer engen Verbindung zwischen dem Galizischen und dem Portugiesischen ab. Dazu heißt es: „Pues no hai razon, para que en Portugal se aia conseruado assi, i en Galizia no, si fue la de Galizia la misma, que la Portuguesa.“ (ALDRETE 1606, 66).
2.2. Juan de Valdés
Juan de Valdés lebte unter der Herrschaft von Karl V, in einer Zeit, in der Spanien sehr enge Kontakte mit dem italienischen Humanismus hatte. Es ist auch die Zeit des Erasmismus und der Reform. Er befand sich 1531 am Hof von Papst Clemens VIII, ein Jahr später reiste er anlässlich eines Treffens mit dem spanischen König nach Rom. Dieser ernannte ihn zum Archivar von Neapel. 1534, als Papst Clemens VIII starb, zog Valdés endgültig in diese Stadt, wo er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte. Valdés schrieb hauptsächlich über religiöse Themen, sein Buch „El diálogo de la lengua“ bildet dabei eine Ausnahme. Dieses diente hauptsächlich praktischen Gründen. Während seines Aufenthalts in Italien hatte Valdés Kontakt zu mehreren Persönlichkeiten der Gesellschaft Neapels 7 . Er richtete sich immer auf Spanisch an seine italienischen Zuhörer und Leser. Da nicht alle genug Spanischkenntnisse hatten um seinen Ideen folgen zu können, wollte ihnen Valdés das Verständnis von dem, was er schrieb und sagte, erleichtern, indem er eine Art Handbuch verfasste um sie mit den Eigenheiten des Spanischen vertraut zu machen (vgl.VALDÉS 1976, 11). Die Form des Dialogs war in der Renaissance nichts ungewöhnliches, da viele literarische Werke als Dialog geschrieben wurden. Valdés Beobachtungen zur spanischen Grammatik sind sehr spärlich, interessant ist jedoch seine Meinung zu einigen linguistischen Themen, die zu seiner Zeit debattiert wurden. Dazu gehört auch der Ursprung der spanischen Sprache. Den Ursprung sieht er genauso wie die meisten seiner Zeitgenossen in der lateinischen Sprache. Valdés sagt, dass er zunächst davon ausgegangen sei, dass das Baskische die vorrömische Sprache gewesen sei. Nachdem er sich genauer damit beschäftigt habe, sei er aber zu dem Entschluss gekommen, dass es das Griechische ist. Die Sprache, die vor den Römern
7 Vgl. VALDÉS, Juan de (1976): Diálogo de la lengua. Edición de Juan M.Lope Blanch. Madrid (Clásicos Castalia), 7 ff.
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