Deutsches Seminar der Universität Zürich HS 2010
Siechtum und Wahnsinn in der mittelalterlichen Literatur
Nadja Leuenberger
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Die Rolle des Waldes in der mittelalterlichen Literatur 3
1.1. Der Versuch einer Waldtypologie 4
1.1.1. Locus amoenus 4
1.1.2. Der Wald als Zufluchtsort 4
1.1.3. Der wilde Wald 5
1.1.4. Der Jagdwald 5
1.2. Natur vs. Kultur 5
2. Der Wald im Busanten 6
2.1. Der Baumgarten 6
2.2. Die Waldlichtung 7
2.2.1. Der Busant - ein Waldwesen 7
2.3. Der Wald und seine Benutzer 7
3. Die verschiedenen Etappen des Wahnsinns im „Busanten“ 8
3.1. Das Wahnsinnigwerden 8
3.1.1. Die Vergehen 8
3.1.2. Der Ringraub 9
3.2. Der Wahnsinn 9
3.3. Die Heilung 11
3.3.1.Die Rolle des Busanten bei der Heilung 11
Fazit 12
Bibliographie 12
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Deutsches Seminar der Universität Zürich HS 2010
Siechtum und Wahnsinn in der mittelalterlichen Literatur Nadja Leuenberger
Einleitung
Vorliegende Seminararbeit setzt sich mit der Rolle des Waldes in der mittelalterlichen Literatur auseinander und untersucht, ob der Wald allenfalls einen Einfluss auf den Geisteszustand einer Person haben kann. Zahlreiche Literaturwissenschaftler haben sich bereits mit der Waldszene im Iwein (Hartmann von Aue) oder im Parzival (Wolfram von Eschenbach) auseinandergesetzt, so beispielsweise Dirk Matejovski 1 , Marianne Stauffer 2 oder auch Bernhard Waldmann 3 . Die mittelalterliche Erzählung Der Busant wurde, Dirk Matejovski ausgenommen, der ihr ein eigenes Kapitel widmete (Wahnsinn und höfisches Ritualhandeln: Der Bussard), bisher kaum besprochen. Dies soll mit dieser Seminararbeit nachgeholt werden.
In einem ersten Kapitel soll die Rolle des Waldes in der mittelalterlichen Literatur, in einem allgemeinen Rahmen besprochen werden. Neben dem Versuch einer Typisierung von verschiedenen Waldtypen, soll auch das Zwischenspiel zwischen Natur und Kultur untersucht werden. Ich stütze mich dabei auf das Werk von Robert Pogue Harrison, der darin einen Überblick über die kulturelle Vorstellung des Waldes im Westen gibt. 4 Das zweite Kapitel wendet die Theorie auf die Praxis an und beschäftigt sich explizit mit den Stellen im Busanten, wo der Wald thematisiert wird. Damit sollen die verschiedenen Etappen der Verwilderung aufgezeigt werden. Zusätzlich soll besprochen werden, inwiefern der Busant ein Wesen des Waldes ist und welche Rolle er in der Maere einnimmt. Schlussendlich sollen die verschiedenen Etappen des Wahnsinns betrachtet werden, vom Vergehen, das den Wahnsinn auslöste, über den Wahnsinn selbst, bis hin zum zweigeteilten Heilungsverfahren.
1. Die Rolle des Waldes in der mittelalterlichen Literatur
Im höfischen Roman des Mittelalters taucht der Wald immer wieder als eines der Hauptmotive auf und dient häufig als Schauplatz für ritterliches Geschehen. Fern ab von Zivilisation muss der Ritter seinen Heldenmut beweisen und kann nach bestandener Prüfung gestärkt in die höfische Welt zurückkehren. Aber Wald ist nicht gleich Wald; im Folgenden soll versucht werden, anhand
1 Matejovski, Dirk: Das Motiv des Wahnsinns in der mittelalterlichen Dichtung. Frankfurt 1996.
2 Stauffer, Marianne: Der Wald. Zur Darstellung und Deutung der Natur im Mittelalter, Bern 1959.
3 Waldmann, Bernhard: Natur und Kultur im höfischen Roman um 1200. Überlegung zu politischen, ethischen und ästhetischen Fragen epischer Literatur des Hochmittelalters, Erlangen 1983.
4 Harrison, Robert Pogue: Forests. The shadow of civilization, London 1984.
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Siechtum und Wahnsinn in der mittelalterlichen Literatur Nadja Leuenberger
einer Typisierung des Waldes die verschiedenen Merkmale die dieser haben kann, hervorzuheben.
1.1. Der Versuch einer Waldtypologie
Am Anfang jeglicher Zivilisation war der Wald, diese Urtümlichkeit blieb ihm zu allen Zeiten erhalten: im Verständnis der Menschen blieb der Wald etwas Unkontrollierbares mit vielen unbekannten Faktoren. Er bot Unterschlupf für Menschen, die sich von der Zivilisation fernhalten wollten oder mussten. So konnte sich beispielsweise das Heidentum, unentdeckt von der katholischen Kirche, über lange Zeit erhalten. Der mittelalterliche Wald präsentiert sich in einer Vielfältigkeit, die Peter Wunderli folgendermassen umschreibt: „Der Wald kann sich unter den verschiedensten Blickwinkeln präsentieren: als wilder, unkultivierter und weitgehend menschenfreier Wald; als Aufenthaltsort von Ausgestossenen und „Aussteigern“, als Königsforst, dessen Jagdmöglichkeiten nur vom Herrscher genutzt werden dürfen; als Variante des locus amoenus usw.“ 1
Für die Kategorisierung des Waldes stütze ich mich auf die Typisierung von Peter Wunderli 2 , übernehme aber nur jene Typen, die mir für die Besprechung des Busanten interessant erscheinen und ergänze diese nach Bedarf.
1.1.1. Locus amoenus
Der Lustort Locus amoenus stellt einen idealen Naturausschnitt dar. Es handelt sich um einen idyllischen Ort im Wald mit singenden Vögeln, einer Quelle, schattenspendenden Bäumen, zu dem man nur durch den Wald gelangen kann. Dieser idyllische Ort kann eine Lichtung, eine Wiese oder auch eine Wegkreuzung sein, es handelt sich dabei nicht um eigentlichen Wald, sondern vielmehr um eine Waldeslichtung. Man könnte diesen Ort als eine Zwischenetappe zwischen Natur und Kultur bezeichnen.
1.1.2. Der Wald als Zufluchtsort
Der Wald, weil er „die absolute Negation der in der Gemeinschaft begründeten Menschlichkeit [ist]“ 3 , dient als Zufluchtsort für Ausgestossene der Gesellschaft. Dabei kann es sich um Übeltäter, wie Räuber, Mörder oder Entführer handeln, die sich aufgrund ihres Lebenswandels
1 Wunderli, Peter: Der Wald als Ort der Asozialität. Aspekte der altfranzösischen Epik, In: Semmler, Josef (Hg.): Der Wald in Mittelalter und Renaissance, Düsseldorf 1991, S. 69.
2 Vgl.: Ebd., S. 70f.
3 Stauffer, 1959, S. 60.
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Arbeit zitieren:
Nadja Leuenberger, 2010, Der Zusammenhang von Wahnsinn und Wald in der mittelalterlichen Erzählung "Der Busant", München, GRIN Verlag GmbH
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