Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 2
2. Symbolismus in der russischen Literatur 3
2.1. Kritik am Realismus 3
2.2. Vorgehen der symbolistischen Kunst 4
2.3. Dekaden des russischen Symbolismus 4
3. Andrej Belyj 5
3.1. Erneuerung der literarischen Sprache bei Belyj 5
3.2. Programmatik Belyjs 6
3.3. Gesprächskreis Argonavty 7
4. Erzählung „Argonavty“ 7
4.1. Definition „Utopie“ und Anti-Utopie“ 8
4.2.Textanalyse 9
Schlussbetrachtung 11
Bibliographie 12
1
1. Einführung
Der Symbolismus hat den Realismus schlagartig als Epoche abgelöst oder sogar verdrängt. Diese neue Richtung in der russischen Literatur währte nicht lange, war jedoch bezogen auf den historischen Hintergrund im Russischen Zarenreich eine kulturelle Antwort auf den Wandel der Zeit und auf den bevorstehenden Zerfall des zaristischen Systems.
Die Aufgabe dieser Ausarbeitung besteht darin, den Symbolismus und seine sprachlichen Stilmittel, die zur Erneuerung der russischen Literatursprache beigesteuert haben, exemplarisch anhand stilistischer Beispiele aus einem Werk darzustellen. Es wird zu diesem Zwecke auf Belyjs Erzählung „Argonavty“ eingegangen. Des Weiteren gilt es, die Dekaden des Symbolismus vorzuweisen und die Merkmale einer Utopie sowie einer Anti-Utopie zu erläutern.
Die Dekaden und die Entwicklung des Symbolismus werden kurz erläutert, um die Strömung als eine besondere stilistische Epoche in den Fokus zu rücken. Um nicht Gefahr zu laufen die knappen Vorgaben zu sprengen, wird in der vorliegenden Arbeit nur auf Belyjs Schaffen bis ca. 1910 eingegangen, seine Schaffenszeit aber im Kontext mit anderen Philosophen und Künstlern seines Zeitalters kurz dargelegt.
2
2. Symbolismus in der russischen Literatur
Die Entstehung des russischen Symbolismus beginnt 1893 mit Dmitrij Merežkovskijs programmatischem Essay „О причинах упадка и о новых течениях современной русской литературы“ („Über die Ursachen des Niedergangs und über neue Strömungen der zeitgenössischen neuen Literatur“). Wie der Literaturwissenschaftler Reinhard Lauer feststellt, wird hier das Aufbegehren gegen die positivistisch-utilitaristische Ästhetik deutlich:
Nicht mehr das `Leben` mit der Betonung des für die Gesellschaft Nützlichen wurde als
Gegenstand der Kunst angesehen, sondern die Transzendenz, das eigentliche Sein. 1
Die positivistische Weltanschauung des Realismus wurde abgelegt. Tiefe Skepsis dem Realismus gegenüber und Zukunftshoffnungen am Ende des 19. Jahrhunderts sowie die Angst vor Entfremdung von dem eigenen Geschichtsbewusstsein riefen zahlreiche Kritiker auf den Plan. Da war eben Merežkovskij einer der Kulturkritiker, der die Geringschätzung des Dichterischen anprangerte und seinem Unbehagen an der bisherigen Kunst Ausdruck gab. 2
2.1. Kritik am Realismus
Merežkovskijs Absicht war es folglich, die Kunst nicht mehr auf rührende oder moralische Tendenzen auszurichten, sondern es auf die sog. „Wahrheitsliebe“ (pravdivost‘) des Künstlers ankommen zu lassen. 3 Er kritisierte das Rationalitätskonzept der Naturwissenschaft und Technik und wies insbesondere in seinem Essay auf die Sprachverderbnis und die Stagnation der Künste hin. So sollte seiner Meinung nach die Dichtung wieder als eigenständige Schöpfungs- und Erkenntniskraft wirken. 4 Merežkovskij kritisierte ferner die realistische Erzählkunst. Dieser wurde ein Verfall bescheinigt und tatsächlich widmeten sich am Ende des 19. Jahrhunderts vermehrt zweitklassige und epigonale Schriftsteller dem Roman als Gattung. Neuzeitliche Schriftsteller produzierten ab 1880 vermehrt kleinere literarische Formen wie Skizzen, Porträts und Etuden. 5
1 Lauer, Reinhard, Geschichte der russischen Literatur. Von 1700 bis zur Gegenwart, München 2009. S.
455f. Im Folgenden zitiert als Geschichte der russischen Literatur ab 1700.
2 Vgl. Holthusen, Johannes, Russische Literatur im 20. Jahrhundert, München 1978, S. 17. Im Folgenden
zitiert als Literatur im 20. Jhdt.
3 Vgl. Lauer, Geschichte der russischen Literatur ab 1700, S. 456.
4 Vgl. Städtke, Klaus (Hrsg.), Russische Literaturgeschichte, Stuttgart 2002, S. 229f. Im Folgenden zitiert
als Russische Literaturgeschichte.
5 Vgl. Holthusen, Literatur im 20. Jhdt., S. 18f.
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Arbeit zitieren:
Vitalij Baisel, 2011, Der russische Symbolismus und seine Sprache , München, GRIN Verlag GmbH
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