1. Einleitung
Neben der hochdeutschen Sprache wurde das Niederdeutsche lange nicht gepflegt und wenig beachtet. Das liegt an der oft negativen Auffassung von Dialekten und der geringen Achtung, die den Menschen, die sie sprechen, entgegengebracht wird. Von Generation zu Generation gibt es dadurch immer weniger Menschen, die die niederdeutsche Sprache beherrschen.
Diese Arbeit setzt sich mit der Frage auseinander, inwieweit überhaupt noch niederdeutsch gesprochen wird. Auch soll geklärt werden, in welcher Situation das Niederdeutsche dem Hochdeutschen vorgezogen wird.
Dabei soll es auch um das bestehende Vorurteil gehen, dass das Sprechen von Dialekten ein Zeichen für eine geringe Bildung sei. Die verschiedenen Statistiken und Untersuchungen, die dazu herangezogen werden, beschäftigen sich größtenteils mit speziellen Orten oder größeren Gebieten. Da hier aber der gesamte Sprachraum untersucht werden soll können die angegebenen Werte höchstens als Richtwerte gelten.
Dazu habe ich eine eigene kleine Befragung in meinem Heimatdorf Velstove (Stadt Wolfsburg) durchgeführt, die sich aber nur auf einige spezielle Fragen konzentriert und so keineswegs als empirische Untersuchung gelten kann, da sie nur an Einzelpersonen durchgeführt wurde. Sie dient nur dazu, auf einige spezielle Sachverhalte hinzuweisen und auf besondere Fragen genauer einzugehen. Näher werde ich darauf in Punkt 3 eingehen, wenn ich mich mit der Frage beschäftige, in welchen Situationen die niederdeutsche Sprache angewendet wird und wann ihr das Hochdeutsche vorgezogen wird. Dabei hilft die Befragung, die Gründe für einige Tatsachen zu klären, die in statistischen Untersuchungen nicht berücksichtigt werden können.
Unter Punkt 4 wird dann untersucht, inwieweit die niederdeutsche Sprache (wieder) gepflegt wird und was zu ihrem Erhalt unternommen wird. Dabei soll geklärt werden, wie weit tatsächlich ein Imagewandel stattgefunden hat, durch den das Niederdeutsche wieder mehr Beachtung findet.
2. Wer spricht niederdeutsch?
Es gibt sehr verschiedene Studien, die untersuchen, wie viele Menschen niederdeutsch sprechen. Dabei haben diese Studien unterschiedliche Fragestellungen und Zielsetzungen.
Einige versuchen insgesamt die niederdeutsche Sprachkompetenz festzustellen und unterscheiden dabei nach aktivem und passivem Sprachvermögen. 1 Auch werden verschiedene Altersgruppen festgesetzt, um die Entwicklung von Generation zu Generation festzustellen. 2 Dabei ergibt sich, dass die niederdeutsche Sprachkompetenz von Generation zu Generation stetig abnimmt, die passive Sprachkompetenz jedoch sehr viel langsamer als die aktive. 3 Daran ist zu erkennen, dass die regelmäßige Verwendung des Niederdeutschen nicht weitergegeben wird, da aber die passive Sprachkompetenz auch bei jüngsten untersuchten Gruppe noch zu großen Teilen vorhanden ist, 4 zeigt sich, dass auch sie noch mit dem Niederdeutschen in Kontakt kommt. So ist festzustellen, dass niederdeutsch auch in Gegenwart jüngerer Menschen häufig gesprochen wird. Eine allgemeine Studie zur Kenntnis von Dialekten aus den 80er Jahren zeigt dabei längst nicht eine so deutliche Abnahme von Dialektkenntnis. Es liegen sogar Schwankungen vor, die der stetigen Abnahme der Kenntnis des Niederdeutschen gegenüber stehen. 5 Dies zeigt, dass andere Dialekte mehr gepflegt werden, oder zumindest über längere Zeit mehr geschätzt wurden als das Niederdeutsche. Auch wird deutlich, dass sich die Statistiken zwischen den Bundesländern etwas unterscheiden. 6 Grob zusammengefasst kann man sagen, dass die niederdeutsche Sprachfähigkeit gen Süden etwas abnimmt. So liegt die aktive Sprachkompetenz des Niederdeutschen in Schleswig - Holstein deutlich höher, als die in Nordrhein -Westfalen. 7
Sogar innerhalb von Niedersachen ist dieses Nord - Süd - Gefälle festzustellen, die aktive Sprachkompetenz des Niederdeutschen ist im nördlichen Niedersachsen beinahe doppelt so hoch wie im südlichen Niedersachsen. 8 Ansonsten ist zu
1 vgl. Stellmacher (2000), S. 102ff
2 vgl. Föllner, S. 110
3 vgl. ebenda, S. 110
4 vgl. ebenda, S. 110
5 vgl. Mattheier, S. 43
6 vgl. ebenda, S. 101ff
7 vgl. ebenda, S. 101ff
8 vgl. Föllner, S. 102ff
erkennen, dass es deutliche Unterschiede zwischen ländlichen Gegenden und Städten gibt. 9
Schon die allgemeine Studie zur Dialektkompetenz zeigt, dass es besonders bei der jüngsten untersuchten Gruppe starke Schwankungen zwischen in Städten lebenden und in ländlichen Gegenden lebenden Jugendlichen gibt. 10 Bei den über 60-jährigen ist dagegen fast kein Unterschied festzustellen, wodurch deutlich wird, dass vor allem in den Städten die allgemeine Dialektkenntnis abgenommen hat.
Diese lässt sich auch speziell auf das Niederdeutsche übertragen, das in ländlichen Gegenden tatsächlich häufiger verwendet wird, als in Städten, da im städtischen Umfeld die Vertrautheit fehlt, die als Charakteristik der niederdeutschen Sprachverwendung angegeben wird.
Eine weitere Fragestellung in diesem Zusammenhang ist die versuchte Schichteinordnung der Dialektsprecher. Bestehende Vorurteile gaben Anlass zu einer Untersuchung, ob Verwendung von Dialekt, ebenso wie die Verwendung des „restringierten Kodes“ ein Merkmal für die Angehörigkeit unterer sozialer Schichten sei. 11 Dabei wird aber deutlich, dass diese These problematisch ist, da es kein klares „Ja“ oder „Nein“ auf diese Frage gibt, weil sie ein viel zu eingeschränktes Blickfeld voraussetzt, das einige wichtige Faktoren außer Acht lässt. 12 Außerdem zeigt sich, dass es fast niemand mehr ausschließlich niederdeutsch spricht, 13 wie es einmal der Fall war, so dass die ausschließliche Kenntnis des Niederdeutschen tatsächlich eine große Einschränkung bedeutete, da man keine Möglichkeit hatte, sich mit Hochsprechern überhaupt zu verständigen. Stattdessen wird die Beherrschung des Niederdeutschen heute eher als Sprachvarietät und damit als Bereicherung angesehen. 14
9 vgl. ebenda, S. 118
10 vgl. Mattheier, S. 44
11 vgl. Hasselberg, S. 1468f
12 vgl. ebenda 1473
13 vgl. Föllner, S. 113
14 vgl. ebenda, S. 113
Arbeit zitieren:
Franziska Theresa Miethe, 2008, Niederdeutsch im aktuellen Sprachgebrauch, München, GRIN Verlag GmbH
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