Inhaltsverzeichnis
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Deckblatt 1
Inhaltsverzeichnis 2
1. Informationen zum Autor 3
2. Informationen zum Buch 4
3. Aufgabenbereich 1: Sachtexte 5-11
3.1. Literaturgeschichtliche Einordnung 5-6
3.2. Autobiographische Bezüge 7
3.3. Zwischenmenschliche Beziehungen
und Kommunikation 8-9
3.4. Deutung des Endes 10-11
4. Produktive Verarbeitung 12-20
4.1. Etappen 12-13
4.2. Gespräch mit der alten Dame 14-16
4.3. Tagebuch des Zimmermädchens 17
4.4. „Träum süß“ 18-29
4.5. Rollos Abschiedsbrief 20
5. Abschließende Überlegungen 21-23
5.1. Warum gerade „Faserland“? 21
5.2. Leseeindrücke 22-23
2
1. Informationen zum Autor
Christian Kracht wurde am 29. Dezember 1966 in Saanen (Schweiz) geboren und ist ein schweizerischer Autor und Journalist. Nachdem er mehrere internationale Internate, z.B. Schloss Salem (Deutschland), Lakefield College School (Kanada) und Sarah Lawrence College (USA), besucht hat, wurde er Journalist für die B.Z. 1 und Tempo und anschließend übernahm er die Stelle des Indienkorrespondenten in Neu-Delhi. Anschließend zog es ihn nach Bangkok, wo er mehrere Jahre lebte und von dort aus mehrere asiatische Länder bereiste. 1999 trat er in der „Harald Schmidt Show“ auf und machte Werbung für Peek & Cloppenburg, was ihm Bekanntheit verschaffte. Seit 2008 lebt er mit seiner Frau Frauke Finsterwalder in Buenos Aires (Argentinien). In seinen zahlreichen Interviews versucht er oft mit seinen Äußerungen zu provozieren, z.B. bezeichnet er die Taliban nach dem 11. September 2001 als „camp“ 2 . Da eine Vielzahl seiner Aussagen nicht eindeutig sind, geht man davon aus, das er versucht allgemeine Verwirrung zu stiften.
Für seine Werke erhielt er 1993 den Axel-Springer-Preis für junge Journalisten und 2009 den Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar 3 .
Bekannte Werke von ihm sind der Roman „Faserland“ (1995), „1979“ (2001) und „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“ (2008).
1 Berliner Zeitung, heute: Berliner Kurier
2 Quelle: Interview mit Volker Weidermann und Edo Reents, in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 30.
September 2001
3 Literaturpreis, jährlich von der Stadt Wetzlar vergeben seit 1983
3
2. Informationen zum Buch
Der Roman „Faserland“, der 1995 verfasst wurde, gilt als Christian Krachts Debütroman 4 und ist eines der wichtigsten Werke der heutigen Popliteratur. Er wurde in mehrere Sprachen übersetzt, unter anderem ins Russische und Hebräische. „Der kleine Bildungsroman ,Faserland’ verändert in Deutschland die Wahrnehmung einer ganzen Generation, von der es hieß, sie habe gar keine Wahrnehmung“ 5 .
„Faserland“ erschien erstmals 1995 im Kiepenheuer & Witsch Verlag Köln, die mir vorliegende Ausgabe ist die 10. Auflage vom November 2009 Deutscher Taschenbuch Verlag & Co KG, München.
Der Roman erzählt von der Reise eines namenlosen, wohlmöglich ziemlich reichen Ich-Erzählers von Nord nach Süd durch Deutschland bis in die Schweiz. Auf seinem Weg zeigt er uns die Kommunikationsunfähigkeit seiner selbst und somit die der jungen Generation auf. Währenddessen schildert er sein Desinteresse, sein Wunsch nach Einfachheit und Unkompliziertheit, die Markenorientierung der jungen Generation und deren Konsum von Alkohol, Drogen und Sex, wobei hier nicht die heutigen Möglichkeiten sich zu amüsieren im Vordergrund stehen, sondern die eigentliche Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit der jungen Generation in den 90er Jahren. Während seiner Aufenthalte und Reisen reflektiert er Erlebnisse aus seiner Kindheit und benutzt sie als Beispiel für jetzige Erlebnisse (z.B. könnte er sich Karin als Freundin vorstellen, reflektiert dabei die gescheiterte Beziehung zu Sarah) oder als Mittel um den Leser die Vorgeschichte aufzuzeigen.
Als Ausweg aus diesem Kreislauf von Drogen, Sex, Alkohol und gesellschaftlicher Isolation (Rollo, viel Geld doch keine echten Freunde) beschreibt der Autor die Möglichkeit des Freitods, hierbei spricht er auch den Wert des Geldes für die Gesellschaft der 90er Jahre an, dessen Aktualität sich bis heute nicht verringert hat.
Ausgewählte positive und negative Kritiken:
-„Die Präzision der Wahrnehmung in einer Welt, die nur noch aus Markenartikeln besteht, diese Hellwachheit in der Leere, die Verdammnis zu kollektiven Banalitäten und das feine Unterscheidungsgefühl dabei - das habe ich noch nirgendwo so glasklar dargestellt gefunden.“ 6 -"Da schreibt ein widerlich arroganter Schnösel, der sein "Zeitgeist"-Dandytum 7 schon für Literatur hält und seine banalen Reisenotizen für erbarmungslos scharfe Beobachtungen". 8
4 Debüt= erste Arbeit, die eine Person in einem best. Bereich der Öffentlichkeit präsentiert
5 Quelle: Einbandtext Faserland- Christian Kracht DTV
6 Gregor von Rezorri
7 „Junge Leute, die in auffälliger Bekleidung Kirche oder Jahrmarkt besuchen“, nach Friedrich Kluge.
8 Martin Halter, Züricher Tages-Anzeiger
4
Nachdem Moritz Baßler vorschlug „Faserland“ als „Gründungsphänomen“ des „Literatur-Pop“ zu deuten 9 , begann die Diskussion um das „Phänomen“ „Faserland“. Der Definition des Begriffes „Popkultur“ nach zu urteilen, muss es sich bei dem Roman „Faserland“ um ein Werk aus der Popliteratur handeln, denn Popliteratur behandelt Themen wie z.B. Musik, Sex, Drogenkonsum, Reisen sowie die Verbindung mit Beispielen aus anderen Bereichen wie Fernsehen, Film, Literatur, Geschichte oder Musik. Um das zu beweisen, werde ich nun einige ausgewählte Textstellen anbringen, wie z.B. zum Thema Geschichte, dass „Göring, der hier auf Sylt Ferien machte, einmal seinen Blut-und-Ehre Dolch hier verloren hat, mitten in den Dünen, es gab eine riesige Suchaktion,[…]“ (Seite 17), oder auch ein Beispiel aus dem Bereich Musik „Nigel würde nie in Discos gehen, obwohl es ja auch noch extreme Unterschiede gibt, zum Beispiel zwischen Techno-Discos oder Acid-Jazz 10 -Discos, wie sie immer Prinz gelobt werden,[…], ,Car Wash’, etwa, oder ,Funkytown’, von Lipps Inc. 11 ,…“ (Seite 37). Auch aus dem Fernsehen und Film gibt es Beispiele, wie etwa „[…],Twin Peaks’, die Fernsehserie, die mal auf RTL lief.“ (Seite 44), oder „[…]wie in ,Der Exorzist’[…]“ (Seite 46), es wird aber auch Literatur angesprochen, wie z.B. „Thomas Mann habe ich auch in der Schule lesen müssen. Aber seine Bücher haben mir Spaß gemacht[…]. Diese Bücher waren nicht so dämlich wie die von Frisch oder Hesse oder Dürrenmatt[…]“ (Seite 154). Themen wir Konsum von Alkohol wird in Form der vielen Bars angesprochen in der er schon war und in denen es ihn während seiner Reise verschlägt, „Odin“, „P1“ oder „Ksar“, auch der Drogenkonsum wird auf den unzähligen Partys angesprochen, z.B. die Party, auf die ihn Nigel „schleppt“, als Nigel ihm Pillen gibt, die Studentenparty, wo Nigel mit dem Gürtel um den Arm und der Spritze in der Vene im Keller liegt, oder auch der Valiumkonsum von Rollo. Auch das Thema „Sex“ ist allgegenwärtig „ Ich sehe […], wie Nigel nackt auf dem Bett liegt, und auf seinem Gesicht sitzt dieses schwarze Model […] auf der Bettkante sitzt dieser Stüssy-Kappen 12 -Freak und hält Nigels Penis in der Hand, und mit der anderen Hand reibt der Jazzfreak an den Brüsten von dem Model herum […]“ (Seite 49).
Um das Thema „Reisen“ dreht sich sozusagen der ganze Roman, da der Protagonist durch ganz Deutschland reist, bis in die Schweiz, was auch ein typisches Element von popliterarischen Werken ist.
9 Quelle: Moritz Baßler: Der deutsche Pop-Roman. Die neuen Archivisten. München: C.H. Beck 2002, S. 110.
10 Musikrichtung, die Elemente aus elektronischer Musik, Soul, Funk und Jazz in sich vereint
11 US-amerikanische Studioformation aus Minneapolis
12 Art Schirmmütze
5
Ganz wichtig ist hierbei auch das Schema der Markenorientierung, im Text werden unzählige von Markennamen genannt, wie z.B. „Mercedes“, „Land-Cruiser“, „Roederer“, „Jever“, „Ralph-Lauren“, „Cartier“, „Rolex“, „Milka“, „Gaultier“ und andere. Die Passage „Ich würde ihnen von Deutschland erzählen, von dem großen Land im Norden, von der großen Maschine, die sich selbst baut, da unten im Flachland“ spielt meiner Meinung nach zu urteilen auf Thomas Manns „Zauberberg“ an, in dem Norden und Süden ein wichtiges Leitmotiv darstellen, die Nähe zur Sonne, und das Eis des Nordens. Viel wichtiger dabei ist aber, dass der todessehnsüchtige, aus dem Norden stammende Protagonist des „Zauberbergs“ thematisiert wird, was man gleichsetzen kann mit dem Ich-Erzähler aus „Faserland“, der von Sylt kommt und auf dem Zürichsee (vermutlich) den Freitod eingeht. Hierbei kann man erkennen, dass auch die für Popliteratur typische Intertextualität eine Rolle im Werk Krachts spielt. Dies waren natürlich nur einige Beispiele, von denen es im Text eine Vielzahl gibt. Also kann man sagen, dass alle wichtigen Kernthemen, die zu einem popliterarischen Werk gehören, erfüllt wurden. Kracht geht noch einen Schritt weiter und stellt in seinem Werk die Hoffnungslosigkeit der jungen Generation der 90er Jahre, sowie deren Desinteresse und Versuch zur Selbstfindung dar, die Jugend versucht die Lücke, die durch Identitätsverlust geschaffen wurde, mit Belanglosigkeiten und den oben genannten Ersatzbefriedigungen zu schließen, doch dies klappt nicht in allen Fällen ( Rollo).
Die (Schein)Blütezeit der Popliteratur war mit „Faserland“ auf ihrem höchsten Punkt, doch mit seinen weiteren Werken distanzierte Kracht sich vom Schema der Popliteratur, und es war auch gar nicht seine Absicht gewesen popliterarisch zu sein, so zumindest Hubert Spiegels 13 Meinung nach zu urteilen, obwohl ich davon ausgehe, dass auch noch im Roman „1979“ popliterarische Elemente mit eingebaut sind, da es sich dort auch wieder um Reisen dreht und Christopher nach einem Drogenexzess stirbt.
Summa summarum, der Text ist eindeutig ein popliterarischer Text, da er erstmal zeitlich in das Schema der Popliteratur passt und zum anderen die für die Popliteratur typischen Elemente enthält. Obwohl Kritiker sich darüber streiten, ob Kracht die popliterarischen Elemente gewollt oder ungewollt mit eingebracht hat, ist es trotzdem Fakt, dass diese Elemente vorhanden sind, und dabei spielt es nun keine Rolle, ob sie bewusst oder unbewusst mit in sein Werk eingeflossen sind.
13 deutscher Journalist und Literaturwissenschaftler
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Arbeit zitieren:
Sebastian Hüttl, 2011, Ausarbeitung zu Christian Krachts "Faserland", München, GRIN Verlag GmbH
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