Gliederung:
1. Einleitung
2. Einführung “psychische Erkrankungen
3. Definition Psychose
3.1 Erste Äußerung einer Psychoseerkrankung
3.2 Auslöser einer Psychose
3.3 Frühwarnzeichen einer Psychose
3.4 Symptome einer Psychose
4.Auswirkungen auf bzw. Veränderungen in der Partnerschaft mit
einem psychisch kranken Partner
4.1 Veränderungsbereiche der persönlichen Situation der gesunden Partner
4.1.1 Seelische Belastungen und Gefühle des gesunden Partners
4.2 Veränderungsbereiche im alltäglichen Umgang miteinander
4.2.1 Absprachen
4.2.2 Kommunikation
4.2.3 Konfliktbewältigungsstrategien
4.3Veränderungen bzw. Auswirkungen einer psychischen Erkrankung auf
wichtige Bereiche des partnerschaftlichen Zusammenlebens
4.3.1 Sexualität
4.3.2 Kinder- und Familienplanung
5. Behandlungsmöglichkeiten psychisch kranker Menschen
5.1 Pharmakotherapie
5.2 Psychotherapie
5.3 Soziotherapie
6. Hilfen aus dem Bereich der Sozialen Arbeit für psychisch kranke
Menschen und deren Angehörigen außerhalb stationärer
Einrichtungen
7. Schlusswort
“Was wäre die Welt der “Normalen” ohne uns Begeisterte? Wer würde Gott und die Welt so kompromisslos und mit all seiner/ihrer Existenz so rückhaltlos vor den Kopf stoßen, wenn nicht WIR ANDEREN? Ohne uns gebe es keinen geistigen Stillstand, ohne uns keine kulturellen Revolutionen, ohne uns keinen Zauber. Seht ihr denn nicht auch, dass ein guter Teil multimedial verbreiteter Phantasie nur durch uns möglich und real erfahrbar ist?” (Beitrag eines psychisch kranken Menschen im Psychose-Leseforum)
1. Einleitung:
In den letzten Jahrzehnten bemühte man sich sehr, psychisch kranke Menschen aus Anstalten herauszuholen. Ermöglicht wurde dieser Schritt durch die Entwicklung wirksamer Medikamente gegen psychische Krankheiten. Im Zusammenhang mit dieser Eingliederungsoffensive wurde verstärkt darauf Wert gelegt, psychisch kranke Menschen als Mitglieder ihrer Familien und der Gesellschaft zu sehen.
Jeder Mensch braucht sozialen Rückhalt, um seine Grundbedürfnisse nach Fürsorge, Akzeptanz und seelischer Unterstützung- besonders in schwierigen Zeiten- zu decken. Sogar wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass ein starker Rückhalt die Genesung von körperlichen und psychischen Krankheiten erheblich beschleunigen kann. Deshalb entscheiden sich immer mehr Angehörige dazu, ihre psychisch kranken Partner auch während einer akuten psychotischen Krise zu Hause zu betreuen, was allerdings nicht selten eine sehr große Belastung darstellt, da die Kranken in dieser Zeit kaum in der Lage sind, ihr Alltagsleben allein zu bewältigen. Die Angehörigen werden oft 24 Stunden am Tag, wochenlang, monatelang oder gar jahrelang hautnah mit der völlig rätselhaften Erkrankung ihres Partners konfrontiert und können sich der Belastung nicht entziehen. Noch dazu kommen die Erfahrungen der Ablehnung und Stigmatisierung, die man oft bei Nachbarn, Bekannten oder Verwandten erlebt, wenn man einen psychisch kranken Partner an seiner Seite hat. Ebenso stellen neben der Erkrankung des Partners und den Reaktionen der sozialen Umwelt auch Scham- und Schuldgefühle sowie die Reduzierung der sozialen Kontakte eine schwere Überforderung für die gesunden Partner da. In dieser Studienarbeit werde ich die Auswirkungen vorstellen, welche eine Partnerschaft mit einem psychisch kranken Menschen nach sich ziehen sowie aufzeigen, welche Möglichkeiten der Bewältigung und Integration psychotischer Krisen sowohl dem gesunden als auch dem kranken Partner zur Verfügung stehen.
2. Einführung “psychische Erkrankungen”:
Es gibt eine Vielzahl psychischer Erkrankungen, die in unserer Gesellschaft vorherrschen. Unter den Begriff psychische Erkrankungen fallen die sogenannten Neurosen und Psychosen. Die Neurose bezeichnet eher eine Störung, deren Ursache lebensgeschichtlich bedingt ist oder in der Auseinandersetzung mit einem ungelösten, oft unbewussten frühen Konflikt liegt. Eine Psychose hingegen äußert sich hingegen in grundlegend verändertem Erleben sowie Verhalten und ist durch eine gestörte Realitätsvorstellung geprägt. Diese kann entweder durch eine körperliche Störung oder eine Störung des Gehirnstoffwechsels verursacht werden. Ich werde meine Studienarbeit ausschließlich auf den Begriff “Psychose” beschränken und konzentrieren, da der Begriff “Neurose” in der Medizin meist vermieden wird, weil er eher Vorurteile schafft als dazu dienen kann, Krankheiten zu beschreiben. Außerdem ist eine Unterscheidung zwischen beiden oft schwierig und nicht immer möglich (vgl. Gesundheit-Ratgeber, 2002). 3. Definition Psychose:
Das Wort “Psychose” ist laut Arbeitsgemeinschaft der Psychoseseminare (Internet) ein Sammelbegriff für tiefe existenzielle Krisen. Unter dem Begriff werden alle Krankheiten zusammengefasst, bei welchen schwere Beeinträchtigungen der psychischen Funktion vorliegen. Das Ausmaß der Krankheit ist meist so schwer, dass eine Bewältigung aus eigener Kraft so gut wie unmöglich ist. Der Bezug zur Wirklichkeit ist hierbei erheblich gestört und das Denken, die Wahrnehmung, das Wollen sowie das Fühlen sind beim betroffenen Menschen beeinträchtigt. Es wird zwischen den sogenannten affektiven und kognitiven Psychosen unterschieden. Bei den “affektiven Psychosen” (Depression, Manie, manisch-depressive Erkrankung) ist subjektiv gesehen nichts mehr, wie es einmal war- auch, wenn sich vielleicht objektiv nicht viel verändert hat. Sowohl Stimmung als auch Lebensgefühl und -energie können verändert sein, ohne, dass die Art der Wahrnehmung, des Denkens und der Sprache beeinträchtigt ist. Bei der “kognitiven Psychose” (Schizophrenie) verhält es sich eher umgekehrt, das heißt, die Sinneswahrnehmungen verselbständigen sich, das Denken wird sprunghaft, die Sprache unverständlich, ohne, dass Stimmung und Energie verändert erscheinen.
3.1 Erste Äußerung einer Psychoseerkrankung:
Den Anfang einer Psychoseerkrankung wird leider von den Partnern, besonders, wenn diese keine Erfahrungen mit diesem Thema haben, oft nicht erkannt. Die Partner wollen beim erstmaligen Auftreten dieser schleichend und unmerklich verlaufenden Krankheit oft nicht wahrhaben, was sie sehen und übersehen somit oft den Punkt, ab wann der Erkrankte behandlungsbedürftig wird.
Es ist keine Seltenheit, dass die gesunden Partner den Anschein von Normalität aufrechterhalten wollen- besonders im Hinblick auf ihre soziale Umgebung- und erfinden abstruse Erklärungen dafür, warum der Partner plötzlich derart “ungewöhnliche Eigenheiten” entwickelt. Oft wird hinter dem Rücken des Betroffenen- besonders im Verwandtenkreis- getuschelt, was den Kranken meist sehr verunsichert und seine Verfolgungsängste verstärkt. Die Betroffenen zeigen allerdings phasenweise wieder “normales” Verhalten, was natürlich deren Partner in ihrer Wahrnehmung zusätzlich irritiert. Wird aber letztendlich diagnostiziert, dass eine Krankheit vorliegt, sorgen sich die Partner darum, dass der Erkrankte ärztliche Behandlung in Anspruch nimmt (vgl. Beitler, S. 36/37). 3.2 Auslöser einer Psychose:
Man kann laut Beitler (S. 47) als Auslöser für das Auftreten von Psychosen sogenannte “Live-Events”, d.h. kritische Lebensereignisse verantwortlich machen. Beispiele für psychoseauslösende Anlässe sind: Trennung Todesfall eines Nahestehenden Überarbeitung, Stress Rauschgiftkonsum Schwangerschaft und Geburt u.a.
Es gibt natürlich viel mehr Auslöser für eine Psychose. Fast jedes Ereignis im Leben kann zu einer Psychose führen. Jedoch ist hierbei die Auswirkung und Intensität von Bedeutung, die der Betroffene dem Ereignis beimisst.
3.3 Frühwarnzeichen einer Psychose:
Da sich in diversen Gesprächen mit Partnern psychotisch Kranker herausstellte, dass es für diese eine enorme Belastung ist, permanent unter dem “Damoklesschwert” einer drohenden Psychose eines Familienmitglieds zu leben, bildete der “Bundesverband der Psychiatrieerfahrenen” eine Arbeitsgruppe, die sich den Namen “Selbstchecker” gab. Ziel dieser Vereinigung ist es, Frühwarnzeichen für eine drohende Psychose rechtzeitig zu erkennen und entgegenwirken zu können. Mit Frühwarnzeichen meint man jedoch nicht Symptome selbst, sondern Anzeichen vor den eigentlichen Symptomen einer Psychose. Diese Anzeichen sind jedoch individuell verschieden, da jeder der Betroffenen anders vor Beginn einer Psychose reagiert. Es gibt also kein Frühwarnzeichen, von dem man behaupten könnte, dass es bei allen Betroffenen auftritt. Im
Folgenden werde ich dennoch einige Beispiele nennen, um zu zeigen, was ein Frühwarnzeichen sein kann. Manche psychisch Kranke spüren im Vorfeld körperliche Veränderungen wie Müdigkeit, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Schweißausbrüche u.a. während andere zudem noch Veränderungen in ihrem Verhalten wie zum Beispiel Isolation, Grübeln, Abkehr von üblichen Tagesrhythmen, häufiges Ausgehen usw. angeben. (vgl. Beitler, S. 43/44) 3.4 Symptome einer Psychose:
Das Komplizierteste am Erkennen einer psychischen Störung liegt laut Beitler (S 37-39) darin, dass der Beginn der Erkrankung ein eher schleichendes und unmerkliches Hinübergleiten vom Normalzustand in die Psychose ist. Der Betroffene selbst hingegen merkt sofort, dass ich etwas verändert. Er tut dies aber meist mit der optimistischen Einstellung “das wird schon wieder” ab. In der Realität hat jedoch eine Spirale eingesetzt, die direkt in die Psychose führt. Folgende Symptome sind bei dieser Erkrankung zu verzeichnen:
Trennung von Innen- und Außenwelt:
Anfangs tritt eher die Innenwelt in den Vordergrund und den Betroffenen folglich absorbiert. Er wirkt in dieser Phase geisteswesend, zerstreut und es kann eine Weile dauern, bis er wieder ansprechbar ist und auf die Außenwelt reagiert. Später kann es sein, dass er Äußerungen, welche für den Zuhörer nicht mehr erschließbar sind wie zum Beispiel “die Außerirdischen sind da” tätigt.
Arbeit zitieren:
Katrin Bogner, 2005, Psychische Erkrankungen und ihre Auswirkungen auf die Partnerschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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