Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Geographische Lage und die Bevölkerungsgruppen Spartas 3
2.1. Die Spartiaten 4
2.2. Die Periöken 5
2.3. Die Heloten 6
3. Spartas Sonderweg mit seiner besonderen Ausrichtung auf den Krieg 6
4. Die „Große Rhetra“ und der Gesetzgeber Lykurg 7
4.1. Das Doppelkönigtum 9
4.2. Die Gerusia 10
4.3. Die Volksversammlung 11
4.4. Das Ephorat 12
5. Schluss 15
6. Literaturverzeichnis
6.1. Quellen 18
6.2. Literatur 18
1
1. Einleitung
Sparta gilt neben Athen als 2. mächtige Polis der griechischen Staatenwelt, wobei die beiden Städte schon immer exemplarisch als Vertreter zweier verschiedener Gesellschaftssysteme und Verfassungsmodelle gegenübergestellt wurden. Dass Athen eine „Demokratie“ war, ist klar belegt und sei damit beiseite gestellt. Maßgeblich ist die Frage, welche politische Ordnung Sparta hatte. War sie eine Monarchie, also eine Staatsform, die sich in der Hand einer einzigen Person befand, eines Königs oder Tyrannen. War sie eine Oligarchie, in der sich die Staatsform auf eine Gruppe von wenigen Herrschenden stützte oder eine Demokratie, bei welcher die Regierungsgewalt in der Hand des Damos bzw. der Volksversammlung lag. Die Verfassung der Stadt Sparta enthielt Elemente, die es in keiner anderen Stadt gab, was die Beantwortung dieser Frage nicht leicht macht. So könnte man auch der These des Aristoteles folgen, der Spartas Verfassung im 4. Jahrhundert v. Chr. zum Modell einer „Gemischten Verfassung“ erhob und der Ansicht war, sie enthalte Elemente aus allen drei Verfassungstypen. 1 Die Beantwortung dieser Frage sei in der folgenden Darstellung zu klären.
Sparta verkörperte schon immer einen Mythos und gab vieles zu hinterfragen für griechische Philosophen, Geschichtsschreiber, Forscher und Mythologen. So wie Xenophon erging es sowohl vielen Zeitgenossen als auch der Nachwelt. Sie bewunderten die innere Ordnung Spartas, deren Stabilität über Jahrhunderte, das einfache, ernsthafte, jeden überflüssigen Prunk ablehnende, auf Abhärtung und Tapferkeit ausgerichtete Leben der spartanischen Bürger und priesen dieses als Grundlage des außenpolitischen Erfolges. 2 Und so schrieb Xenophon um das Jahr 375 v. Chr.:
"Nun, als ich einmal darüber nachdachte, dass Sparta, obwohl es zu den Städten mit der geringsten Bürgerzahl zählt, sich offenkundig dennoch als die mächtigste und berühmteste in Griechenland erwiesen hat, wunderte ich mich, wie dies überhaupt geschehen konnte. Als ich nun aber die Einrichtungen der Spartaner näher betrachtete, hörte ich auf, mich zu wundern." 3
1 Vgl. Lukas Thommen, Sparta. Verfassungs- und Sozialgeschichte einer griech. Polis, Stuttgart 2003, 1
[im Folgenden zitiert als: Thommen, Sparta].
2 Vgl. Ernst Baltrusch, Sparta. Geschichte Gesellschaft Kultur, München 1998, 11 [im Folgenden zitiert als:
Baltrusch, Sparta].
3 Xenophon. Die Verfassung der Spartaner, herausgegeben und übersetzt von Stefan Rebenich,
Darmstadt 1998, 51 [im Folgenden zitiert als: Xen.Lak.Pol].
2
Dieser Verklärung Spartas standen andere Urteile gegenüber, die Kritik und Abscheu ausdrückten. Man sprach von der einseitigen Ausrichtung des gesamten Lebens auf Krieg, von Unmenschlichkeit, von Unterdrückung, von Kulturlosigkeit, ja von Analphabetismus. Diese freie griechische Stadt lebte nach dem Grundsatz: „Der Einzelne ist nichts, das Vaterland, die Stadt ist alles. Erziehung, Wirtschaft, Kultur, Religion fügten sich in die Idee des Staates ein.“ 4 Auch die moderne Forschung ist geteilter Meinung über Sparta. Da es ein großes Problem in der Charakterisierung der politischen Verhältnisse und Entwicklungen gibt, hervorgerufen durch die umstrittene und schwierige Quellenlage über diese griechische Stadt. Sparta hatte nie eine eigene Geschichtsschreibung entwickelt. Historische Darstellungen erfolgten bis in hellenistische Zeit nur von außerhalb, insbesondere aus athenischer Sicht. Für Sparta sind in archaischer Zeit weder eine Chronik noch schriftliche Gesetzes- und Rechtsaufzeichnungen nachzuweisen. 5 Hinzu kommen auch Probleme bei der mündlichen Überlieferung, da hier die Information bei jedem Austausch umgeformt und aktualisiert wurde. Das berichtete 'Wissen' ist daher jeweils von Zeitbezügen beeinflusst. Tatsächliche Begebenheiten sind dadurch kaum noch zu fassen. 6
Teilaspekte der folgenden Darstellung werden sich mit der geographischen Lage Spartas, der Abstammung und dem auf Krieg ausgerichteten Leben der Spartiaten, sowie mit den mythologischen Hintergründen des Idealstaates Sparta beschäftigen. Schwerpunkt der Arbeit wird jedoch die Beschreibung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, der einzelnen politischen Institutionen und die Verfassungsgeschichte Spartas ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. sein.
2. Geographische Lage und die Bevölkerungsgruppen Spartas
Das antike Griechenland deckte einen geographisch größeren Raum als das heutige Griechenland. Neben dem „Mutterland“ siedeln sich die Griechen auch auf zahlreichen Inseln an. Herodot schrieb einst: „Das Volk der Lakedaimonier bewohnt viele Städte“, zu ihnen gehörte die Stadt Sparta. 7
4 Vgl. Baltrusch, Sparta, 12.
5 Vgl. Thommen, Sparta, 7.
6 Vgl. Thommen, Sparta, 9.
7 Manfred Clauss, Sparta. Eine Einführung in seine Geschichte und Zivilisation, München 1983, 106 [im
Folgenden zitiert als: Clauss, Sparta].
3
`Perioikische Lakedaimonier` und `Lakedaimonier aus Sparta` bildeten die Gesamtheit der Lakedaimonier, also einen Staat, der entsprechend der Eigenart griechischer Gemeinwesen nicht territorialer, sondern personaler Natur war. 8 Sparta liegt im Süden der griechischen Halbinsel der Peloponnes, in Lakonien, einer Ebene des Flusses Eurotas, der in Arkadien entspringt und in den Lakonischen Meerbusen einmündet. Eingerahmt ist diese Ebene von zwei Gebirgsketten, dem Taygetos im Westen und dem Parnon im Osten. „Sparta glich einer natürlich gesicherten Festung, die auch ohne Stadtmauern Schutz vor unliebsamen Besuch oder militärischen Angriffen bot.“ 9
Der heutige gebräuchliche Name für die Stadt ist Sparta, die Zeitgenossen aber sprachen häufiger von Lakedaimon. Sie bezogen damit auch Lakonien, das Sparta umgebene Land, in den Staatsbegriff mit ein.
Die Bewohner Spartas gehörten zum Stamm der Dorier, der sich von anderen Griechenstämmen wie den Ionern oder Äolern durch seinen Dialekt, aber auch durch besondere politische und soziale Institutionen unterschied. Die Bevölkerung des Lakedaimonischen Staates war dreigeteilt: Es gab die Spartiaten, die Periöken und die Heloten. Der kleinste aber allein bestimmende Teil waren die Vollbürger, Spartiaten; eine zwar freier, aber nicht mit bürgerlichen Rechten ausgestatteter Teil waren die Periöken; unfrei war die bei weitem größte Gruppe, die Heloten. 10
2.1. Die Spartiaten
Der Begriff `Spartiaten` wird für die vollberechtigten Mitglieder der Gemeinschaft der Lakedaimonier verwendet. Sie selbst nannten sich die `Gleichen‘ und waren in einer beängstigenden Minderheit. Die Spartiaten hatten im Gegensatz zu den Periöken das Recht, an dem Entscheidungsgremium der Lakedaimonier (Apella) teilzunehmen und für die Ämter des Gemeinwesens wählbar zu sein.
8 Vgl. Clauss, Sparta, 106.
9 Vgl. Baltrusch, Sparta, 13.
10 Vgl. Baltrusch, Sparta, 28.
4
Die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe war jedoch an mehrere Bedingungen gebunden: Beide Eltern mussten Bürger Spartas sein, Absolvierung der gemeinsamen Ausbildung (Agoge), Teilnahme an den Speisegemeinschaften (Syskenien) und schließlich musste ein Spartiat über Besitz verfügen, der genügend Einnahmen zur Führung des Spartiatenlebens abwarf, da sowohl die Beiträge für die Syskenien wie auch die Ausrüstung als Krieger von jedem selbst aufgebracht werden musste. 11 Wenn einer seinen Beitrag zu den gemeinsamen Mahlzeiten nicht mehr leisten konnte, wurde er aus der Gemeinschaft ausgewiesen und in einen geringeren Status innerhalb der Vollbürgerschaft versetzt, was einen Verlust seiner politischen Rechte einschloss.
Die Teilnahme an der gemeinsamen Lebensführung wurde somit zum entscheidenden Qualifikationselement des politischen und sozialen Lebens eines Spartiaten. „Die Vollbürger pflegten ihre Exklusivität und nannten sich die `Gleichen`, mit dem Hintersinn, dass alle anderen ungleich waren.“ 12
2.2. Die Periöken
Zum Staat der Lakedaimonier gehörten auch jene Städte, die an den Gebirgsrändern von Taygetos und Parnon lagen. Die Bewohner dieser Städte hießen folglich Periöken (Herumwohnende). Sie wurden die freien Bewohner Lakoniens genannt. Ein Unterschied in der Stellung zwischen Spartiaten und Periöken existierte rechtlich nach außen hin nicht. Ein Unterschied in der Rechtsstellung lag in der inneren Sphäre des Staates. Hier besassen die Periöken keine politischen Rechte, konnten folglich an den beschließenden Versammlungen in Sparta nicht teilnehmen und auch keinem Kollegium wie der Gerusia angehören. 13 In der Verwaltung ihrer Städte griff Sparta wenig ein, diese waren autonom. Sparta sorgte nur für den Schutz der Städte, um sich die Loyalität der Periöken zu sichern.
11 Vgl. Clauss, Sparta, 95.
12 Baltrusch, Sparta, 30.
13 Vgl. Clauss, Sparta, 107.
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Alexandra Orth, 2005, Die politische Ordnung Spartas - Aristokratie, Monarchie, Demokratie oder Oligarchie?, München, GRIN Verlag GmbH
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