Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Elisabeths problematischer Weg zum Thron und ihr schweres Erbe
bei Regierungsantritt 3
2.1. Legitimationsfrage 3
2.2. Vorurteile gegen weibliche Herrschaft 5
2.3. England, der religiöse Unruheherd 6
2.4. Innen- und außenpolitisch problematische Lage bei Regierungsantritt 8
3. Entwicklung des Mythos um Elisabeth I. 10
3.1. Geschickte Selbstinszenierung 10
3.2. Die Royal Entry als erste Propagandamaßnahme 11
3.3. Darstellung als Sternenkönigin Astraea 12
3.4. Elisabeth, die von Gott erwählte Ausnahme 13
3.5. Gloriana, die Feenkönigin 15
3.6. Englands Virgin Queen´ 15
4. Schluss 17
5. Literaturverzeichnis 18
1
1. Einleitung
Elisabeth I. war unter den Herrscherinnen und Herrschern Englands zweifellos die bedeutendste. Ihre politische Leistung ist um so bemerkenswerter, als ihr der Herrschaftsanspruch während ihrer gesamten Regierungszeit streitig gemacht wurde, weil sie nicht nur ein "Bastard", sondern obendrein noch eine Frau war.
„Ein weiblicher Monarch stellte im England des 16. Jahrhunderts eine Erscheinung dar, die von weiten Teilen der Gesellschaft als Anomalie aufgefasst wurde. Da sowohl der Kult und Mythos des Königtums als auch der dazugehörige Hof und Regierungsapparat männlich dominiert waren, hatte eine in diese Sphäre einbrechende Frau mit verschiedenen geschlechtsspezifischen Problemen zu kämpfen, nicht nur in der Machtausübung, sondern auch bei der Repräsentation und Inszenierung ihrer Autorität und Herrschaft.“ 1
Außerdem bestärkte Marys I. schlechte, von Gewalt und religiösen Wirren durchdrungene Regierung die zeitgenössischen Vorurteile gegen eine weibliche Herrscherin. Hinzu kam, dass die Herrschaftslegitimation Elisabeths bereits vor ihrer Thronbesteigung von ihren Gegnern in Zweifel gezogen wurde und ihre Thronfolge auch nach englischem Recht nicht eindeutig legal war. Zwar hatte Heinrich Elisabeth 1543 endlich in seinem Thronfolgegesetz nach Eduard und Mary als Nachfolgerin bestimmt, doch existierten immer noch zwei Gesetze, die Elisabeth zum Bastard erklärten und sie somit von der Thronfolge ausschlossen. 2 Bereits in den ersten Tagen ihrer Regierung sah sich Elisabeth einer Fülle von Problemen gegenüber. Von besonderer Dringlichkeit war die Beschäftigung mit der außenpolitischen Situation, die Mary hinterlassen hatte. Denn zum Zeitpunkt ihres Todes stand England noch an der Seite Spaniens im Krieg gegen Frankreich. In den beginnenden Friedensverhandlungen musste Elisabeth zum ersten Mal die englischen Interessen vertreten und das möglichst Beste für ihr Land erzielen. 3 Auch die dauerhafte Regelung der Religionsfrage war bei Elisabeths Herrschaftsantritt von enormer Wichtigkeit, da durch Heinrichs VIII. Bruch mit Rom, Eduards VI. Reformierungsversuchen und Marys I. Rekatholisierungspolitik zum Katholizismus die englische Nation in Glaubensfragen gespalten war. 4
1 Robert Valerius, Weibliche Herrschaft im 16. Jahrhundert. Die Regentschaft Elisabeths I. zwischen
Realpolitik, Querelle des femmes und Kult der Virgin Queen, Herbolzheim 2002, S. 239 [im folgenden
zitiert als: Valerius, Herrschaft].
2 Vgl. Günther Lottes, Elisabeth I. Eine politische Biographie, Göttingen und Zürich 1981, S. 16 [im
folgenden zitiert als: Lottes, Elisabeth I.].
3 Vgl. Lottes, Elisabeth I., S. 17.
4 Vgl. Lottes, Elisabeth I., S. 30f.
2
Zu guter Letzt befanden sich die Wirtschaft und die Währung Englands in schlechter Verfassung, was sich wiederum negativ auf die durch Marys Schulden hervorgerufenen zerrütteten Staatsfinanzen auswirkte. 5
Es stellt sich nun die Frage, wie es Elisabeth gelang, trotz all dieser inneren Wirren, einem von ausländischen Mächten bedrohtem England und der Vorurteile mit denen sie konfrontiert wurde, beinah fünfundvierzig Jahre Königin Englands und Namensgeberin für eine Weltanschauung und ein ganzes Zeitalter das "elisabethanische" zu sein. Eine Zeit höchster kultureller Blüte, die sich von 1558 bis 1603 erstreckte, den kulturellen Höhepunkt in England bildete und einen genialen Schriftsteller wie William Shakespeare hervorbrachte. Wie konnte diese Monarchin im England des 16. Jahrhunderts eine Ikone und Identifikationsperson für ihr ganzes Volk werden? Waren es möglicherweise eben diese Probleme und Hindernisse die ihre Mythifizierung geradezu erforderten?
2. Elisabeths problematischer Weg zum Thron und ihr schweres Erbe
bei Regierungsantritt 2.1. Legitimationsfrage
Als Elisabeth am 7. September 1533 zur Welt kam, war sie nicht nur zur Enttäuschung ihres Vaters Heinrich VIII., sondern auch seiner Berater ein Mädchen. In den Augen des gesamten katholischen Europas war sie ein `Hurenbastard´. 6 Elisabeths Recht auf den englischen Thron sowie ihre Anerkennung als Königin wurden immer wieder auf die Politik und den Lebenswandel ihres Vaters zurückgespiegelt. 7
Elisabeths Vater Heinrich VIII. hatte sich aus dynastischen Gründen von seiner ersten Frau Katharina von Aragon, die ihm ebenfalls nur eine Tochter und keinen männlichen Thronfolger gebar, scheiden lassen. Dies war jedoch ein schwieriges Unterfangen, dem Papst Clemens VII. nicht zustimmte. Heinrich, der leicht zu erzürnen war und unterdes jahrzehntelang nur unter dem Einfluß von Lordkanzler Thomas Wolsey die Position des Papsttums akzeptierte, machte sich daraufhin unter Abspaltung von der katholischen Kirche zum Oberhaupt einer neuen anglikanischen Kirche.
5 Vgl. Lottes, Elisabeth I., S. 18.
6 Vgl. Valerius, Herrschaft, S. 1.
7 Vgl. Jürgen Klein, Elisabeth I. und ihre Zeit, München 2004, S. 12 [im folgenden zitiert als: Klein,
Elisabeth I.].
3
Unter anderem schwächten mehrere Kriege gegen Frankreich die Ressourcen Englands und führten zur Münzverschlechterung. Daher versuchte Heinrich bereits Anfang der dreißiger Jahre mit Billigung des Parlaments schrittweise die Herrschaft über die Kirche von England zu erlangen. 1533 ließ Heinrich seine Ehe durch Thomas Crammer, den Erzbischof von Canterbury, für geschieden erklären. 8 Mit der Suprematsakte 1534 erkannte das Parlament Heinrich VIII. als 'Oberhaupt der Kirche von England' an und vollzog damit die Trennung von Rom. Heinrich war dadurch nicht nur frei für seine neue Favoritin und Hofdame Anne Boleyn, sondern es gelang ihm auch vorübergehend durch die Auflösung der Klöster die Staatsfinanzen zu sanieren und die Loyalität der zumeist zur Gentry gehörenden neuen Besitzer säkularisierter Klosterländereien zu festigen. Heinrichs zweite Ehefrau Anne Boleyn war in den Augen aller katholischen Gläubigen eine ehebrecherische Hure und wurde als treibende Kraft hinter seinem Bruch mit der römischen Kirche und der damit verbundenen Reformation gesehen. 9 Als Anne 1533 Elisabeth zur Welt brachte und kurz darauf eine Fehlgeburt erlitt, schwand ihr Einfluss auf Heinrich. Er war nicht bereit ihr eine weitere Chance zu geben und war entschlossen sie loszuwerden. Es folgte die Annullierung der Ehe und die Hinrichtung Annes wegen angeblicher Untreue und `Hexerei´. 10 Der zweifelhafte Prozess wegen Ehebruchs und die dadurch resultierende Hinrichtung hatten jedoch direkte Folgen für ihre gemeinsame Tochter Elisabeth. Sie war nach zeitgenössischkatholischem Standpunkt illegitim und wurde unter anderem wie ihre Halbschwester Mary I. durch einen „Succession Act“ bastardisiert und von der Thronfolge ausgeschlossen. 11 Heinrichs dritte Ehefrau, Jane Seymour, schenkte ihm 1537 endlich den lange ersehnten Sohn und Thronerben. Nach Heinrichs Tod 1547 wurde dessen einziger männlicher Nachkomme Eduard VI. König von England. Heinrich hatte vorausschauend, da sein Sohn noch minderjährig und daher nicht fähig war königliche Macht und Autorität auszuüben, in seinem letzten Testament 1546 einen zehnköpfigen Thronrat ernannt, der die Regierungsgeschäfte wahrnehmen sollte. 12 In einem dritten Succession Act hatte Heinrich bereits 1543 die Bastardisierung seiner beiden Töchter wieder aufgehoben und sie auch als rechtmäßige Erben hinter Eduard und anderen zukünftigen Kindern eingereiht.
8 Vgl. J. E. Neale, Königin Elisabeth, Hamburg 1936, S. 9f [im folgenden zitiert als: Neale, Königin].
9 Vgl. Valerius, Herrschaft, S. 37f.
10 Vgl. Neville Williams, Elisabeth I. Eine Frau führt England zur Weltmacht, Wiesbaden 1978, S. 18 [im
folgenden zitiert als: Williams, Weltmacht].
11 Vgl. Valerius, Herrschaft, S. 37f.
12 Vgl. Neale, Königin, S. 23.
4
Diese neue Thronfolgeregelung setzte jedoch voraus, dass beide Prätendentinnen heiraten und damit nicht tatsächlich regierende Herrscherinnen sein würden, da auch Heinrich die allgemein geltende Meinung des 16. Jahrhunderts vertrat und somit voll und ganz das Frauenregiment ablehnte. 13 Somit folgte nach Eduards frühem Tod Mary I. in der Thronfolge, als sie nach einer innen- wie außenpolitisch mit Krisen behafteten Regierungszeit 1558 ebenfalls verstarb, trat an ihre Stelle ihre jüngere Schwester Elisabeth.
2.2. Vorurteile gegen weibliche Herrschaft
Ferner wurde Elisabeth mit den Rollenvorstellungen von Mann und Frau und der Diskussion über die Möglichkeit weiblicher Herrschaft im England des 16. Jahrhunderts konfrontiert, da die Tudor-Gesellschaft der adeligen Dame zwar die Möglichkeit, Bildung zu erwerben bot, sie allerdings faktisch von der Macht fern hielt. Diese Debatte über das Für und Wider der Frauenherrschaft wurde bereits unter Elisabeths Vorgängerin Mary I. und der schottischen Königin Marie de Guise entfacht. So verwundert es auch nicht,
„dass obwohl Elisabeth im Gegensatz zu ihrer Halbschwester Mary, reinen englischen Blutes und protestantisch war, also somit eine positive Situation für alle Protestanten im Land schuf und auch die Kontinuität der Tudor-Thronfolge sicherte, die patriarchalisch strukturierte Gesellschaft weiterhin von einer weiblichen Herrscherin irritiert war, da nach den Normen des 16. Jahrhunderts nur Männer mit Autorität und Stärke ausgestattet waren und Frauen, das `schwache´ Geschlecht, von ihrer natürlichen Veranlagung her als ungeeignet für die Regentschaft angesehen wurden.“ 14 Auch Elisabeth erfuhr ab ihrem zehnten Lebensjahr eine humanistische Ausbildung und erlangte für damalige Verhältnisse ein außergewöhnliches Bildungsniveau, sei es in Fremdsprachen, Religion oder Rhetorik. 15 Jedoch hatten ihre Lehrer nie die Intention, dass Elisabeth ihren Bildungsfundus als Königin nutzbringend einsetzen sollte. Ziel ihrer Ausbildung war eher, sie zur perfekten Dame zu formen, um auf dem europäischen Heiratsmarkt eine gute Partie arrangieren zu können. Elisabeths Stellung als Herrscherin stand in direktem Widerspruch zur Geschlechterhierarchie, die eine öffentliche Autoritätsvergabe an Frauen nicht zuließ. Der Kampf mit den Geschlechterrollen und deren Modifikationen spiegeln sich sowohl in den Schriften für und gegen die Frauenherrschaft als auch in Elisabeths Selbstdarstellung wider.
13 Vgl. Valerius, Herrschaft, S. 46f.
14 Valerius, Herrschaft, S. 1.
15 Vgl. Klein, Elisabeth I., S. 13.
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Arbeit zitieren:
Alexandra Orth, 2006, Elisabeth I. - Mythos einer Herrscherin, München, GRIN Verlag GmbH
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