Mirjam - Die Gotteskünderin?
Vorlesung: Propheten im Alten Testament
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 3
2. Propheten 4
2.1 Der Begriff der Prophetie 4
2.2 Inhalt der prophetischen Rede 6
2.3 Der Prozess der prophetischen Rede 8
3. Prophetin, Frau oder Schwester 10
3.1 Frauen in der Bibel 10
3.2 Mirjam 11
4. Exegese 14
4.1 Das Mirjamlied 14
4.2 Auflehnung Mirjams und Aarons 16
5. Schlusswort 19
6. Literaturverzeichnis 20
2
Mirjam - Die Gotteskünderin? Vorlesung: Propheten im Alten Testament
1. Vorwort
Wenn man an Propheten denkt, fallen einem im Grunde genommen die großen Persönlichkeiten Jesaja, Jona und Ezechiel ein. Leider lassen wir dabei ganz außer Acht, dass uns die Bibel ebenfalls Geschichten von bedeutenden Prophetinnen erzählt. Deshalb ist diese Arbeit einer eben dieser Prophetinnen gewidmet: Mirjam, die Frau, der einer der ältesten Texte der hebräischen Bibel zugeschrieben wird: Das Mirjamlied (Ex 15, 21).
Bei der Aufgabe, Mirjam, die Prophetin des Alten Testaments, zu verstehen und zu erfassen, stößt man auf manche Hindernisse. Die größte Schwierigkeit liegt wahrscheinlich darin, dass die hebräische Bibel nur sehr wenig über sie erzählt, und dass aufgrund des Textumfangs auf den ersten Blick nur schwer zu erkennen ist, weshalb Mirjam das prophetische Talent zugesprochen wird.
Zunächst möchte ich mich in meinen Ausführungen mit dem Begriff der Prophetie auseinandersetzen und diesen definieren. Im Anschluss daran werde ich auf den Inhalt der prophetischen Rede im Allgemeinen eingehen und infolgedessen will ich versuchen, den Prozess der prophetischen Rede verständlich zu machen. Hier möchte ich mich im Besonderen auf die Inhalte der Vorlesung „ Propheten im Alten Testament“ und auf das Handbuch „Altes Testament unterrichten“ von Horst Klaus Berg berufen.
Es folgt eine kurze Darstellung der Frau in der Bibel, woraufhin ich mich näher mit der Bibelgestalt Mirjam befassen werde. Wer war sie? Welche Hauptrolle spielt sie in der Bibel: die der Frau, der Prophetin oder der Schwester?
Ferner werde ich das Mirjamlied in einen biblischen Kontext setzen, in eigenen Worten zusammenfassen und deuten. Ich habe beschlossen mich hauptsächlich auf das Mirjamlied zu konzentrieren, da sie nur explizit in dieser Textstelle als Prophetin auftritt.
Letzten Endes möchte ich mit Hilfe dieser Hausarbeit die Frage beantworten, warum Mirjam die einzige Frau ist, die in den fünf Büchern Mose als Prophetin bezeichnet wird. 2
1 In den folgenden Ausführungen werde ich Bibelzitate, wie dargetan, kennzeichnen. Die verwendete Bibel, ist im, Literaturverzeichnis angegeben.
2 Vgl. Fischer, 2002, S. 64
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2. Propheten
2.1 Der Begriff der Prophetie
Wir alle kennen den Begriff der Prophetie, jeder kann ihn für sich in einen Zusammenhang stellen, dennoch passt der Begriff Prophetie nicht mehr in unseren Alltag. „Ein Prophet ist jemand, der wahre Aussagen über die Zukunft trifft“. So in etwa klangen die Antworten, als ich einige meiner Mitmenschen bat mir zu definieren, was ein Prophet für sie darstellt. Manche fügten außerdem hinzu, dass ein Prophet ein Gesandter Gottes und dafür zuständig ist, das Wort Gottes zu verbreiten.
Diese Erkenntnisse bestätigen im Grunde genommen Bergs Thesen, dass Propheten schnell „in die Nähe von Wahrsagern, Pendlern oder ähnlichen dubiosen Gestalten“ 4 rücken oder, dass
„Propheten ins Dämmerlicht einer Sonderwelt [entrückt werden], in der wir sie als geschichtliche Schau-Stücke besichtigen, die Tiefe ihres Gottesverhältnisses bewundern und die Wucht ihrer Rede auf uns wirken lassen können. Aber ihren Weg [nicht gehen können], weder als Einzelne noch als Gemeinde, weil wir ihre Orientierungszeichen nicht kennen“ 5
Berg kritisiert diese Ansichten, da uns, seines Erachtens nach, dass nicht zufriedenstellen darf, weil es daran nichts zu lernen gibt. 6
An dieser Stelle ist es wichtig, auf das Prophetenverständnis im Alten Testament einzugehen. Aus dem Hebräischen und Griechischen übersetzt bedeutet das Wort „Prophet“ der Rufer/Rufende, der Verkündende und als Seher voraussagende. Ein Prophet besitzt ein hohes Berufungsbewusstsein und sieht seine Aufgabe in dem Willen Gottes
3 Jürgensen, 1997, S. 8
4 Berg, 1999, S. 228
5 Berg, 1999, S. 228
6 Vgl. Berg, 1999, S. 228
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Wort als heilswirksames Wort Geltung verschaffen zu wollen. Ein charakteristisches Element ist, dass Propheten die unterschiedlichsten Visionen haben, in denen Gott und sein Wort sich ihnen offenbart. 7
Ist es also so, dass wir akzeptieren müssen, dass Prophetie für uns nicht weiter zu hinterfragen ist und als tabu gilt? Diese Frage beantwortet Annelise Hecht in ihrem Aufsatz „Die Gabe, prophetisch zu reden“. Sie schreibt, dass sie die Gabe der Prophetie „wie Paulus als ein Begabung, andere zu trösten, zu ermutigen, das eigene Leben im Licht von Gottes befreiendem Wort zu sehen“ 8 , versteht. Sie geht noch weiter und beschreibt das prophetische Talent als etwas recht Alltägliches und als Gabe, die vielen Frauen und Männern gegeben ist, auch in unserer heutigen Zeit. 9 Wenn ich ihren Gedankengängen folge, beschreibt sie Prophetie als ein Inneres Drängen, ein klareres Sehen der Gegenwart, eine empathische Sicht, verbunden mit einem hohen Gerechtigkeitssinn. Allerdings schließt sie Gottes Absicht nicht aus!
Es ist demnach wichtig, sich seiner Definition des Begriffes Prophetie im Klaren zu sein. Besonders, meines Erachtens nach, wenn man sich mit der Bibelgestalt Mirjam auseinandersetzt, da man ihr, je nachdem wie man den Begriff Prophetie verwendet, nicht das Amt der Prophetin zusprechen würde.
So wie beispielsweise Rita Burns, die sogar so weit geht und Mirjams Titel Prophetin als einen Anachronismus bezeichnet, da der Text ihrer Meinung nach keinen Hinweis auf eine prophetische Aktivität gibt. 10 Athalya Brenner stimmt ihr zu, „daß die genaue Natur ihrer prophetischen Fähigkeiten nicht erklärt wird“ 11 und vermutet, „daß mit dieser Bezeichnung die nationale Bedeutung Mirjams betont wird.“ 12
Ich möchte im Verlauf dieser Arbeit darauf eingehen, warum Mirjams Tanz und Lied doch als Prophetie verstanden werden kann.
7 Vgl. Vorlesung (Power Point Präsentation)
8 Theuer, 2006, S. 9
9 Vgl. Theuer, 2006, S. 9
10 Burns, 1987, S. 134
11 Zitiert nach: Butting, 2001, S. 43
12 Butting, 2001, S.43
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2.2 Inhalt der prophetischen Rede
Ein Bibelzitat, das die Inhalte aller prophetischen Reden zusammenfasst und auf eine zentrale Aussage fokussiert. Berg redet hier von der „Erwählungszusage“, die in einem engen Bund steht mit bestimmten Heilserweisungen Gottes (Bsp.: Schöpfung, Exodus-Tradition) für sein Volk. Dieser enge Bund beschreibt das Verhältnis, die Zugehörigkeit Gottes und seines Volkes Israel. 13
Des Weiteren betont Berg, dass die Propheten mit diesen Erinnerungen in Übereinstimmung mit ihren Mitmenschen gelebt haben, allerdings weist er auf einen durchgreifenden Unterschied hin: „In der prophetischen Verkündigung verbindet sich die Erinnerung [meist] mit scharfer Kritik“ 14 . Ich grenze diese These ein, da in der Prophetie zwei Arten der Botschaftsübermittlung vorherrschen: Die Mahnbotschaft und die Trostbotschaft. 15
In der Mahnbotschaft werden meist soziale und kulturelle Missstände in der
gegenwärtigen Gesellschaft kritisiert, gemahnt und mit einem verurteilenden Ende zum Volk ausgerufen. Sie ist an die Menschen gerichtet, die sich vom Wort Gottes entfernt haben, wird als Gerichtsankündigung verstanden und ist kennzeichnend für die vorexilische Prophetie. Die Trostbotschaft hingegen ist an die Menschen gerichtet, die die Wirkkraft des Wortes Gottes nicht mehr spüren können. Sie ist charakteristisch für die Zeit des Exils. Die Menschen brauchten Hoffnung und Zuversicht in dieser Zeit. Prophetische Reden waren demnach hauptsächlich darauf ausgerichtet, das neue Heil zu verkünden. 16
Berg befasst sich hauptsächlich mit der vorexilischen Prophetie. Hier lässt sich, vor allem in den Mahnbotschaften, ein Grundmuster erkennen. Zunächst erinnert der Prophet an die Heilsgeschichte, die, wie zuvor erwähnt, ebenfalls als „Erwählung“ bezeichnet wird. Diese
13 Vgl. Berg, 1999, S. 230
14 Berg, 1999, S. 230
15 Vgl. Vorlesung (Power Point Präsentation)
16 Vgl. Vorlesung (Power Point Präsentation)
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Britta Himmeln, 2010, Mirjam - Die Gotteskünderin, München, GRIN Verlag GmbH
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