4 Verhaltensorientierte Effekte des Target Costing 14
4.1 Überblick 14
4.2 Der Mensch im Mittelpunkt 15
4.3 Widerstandspotentiale bei der Einführung des Target-Costing 16
4.3.1 Organisatorische Änderungen 16
4.3.2 Arten von Widerständen 17
4.4 Aspekte der Motivation der Controllertätigkeit 18
4.5 Anreizsysteme zur Zielerreichung 20
4.5.1 Überblick 20
4.5.2 Ausprägungen von ausgewählten Anreiztheorien bzw. Motivationstheorien 21
4.5.3 Monetäre Anreizsysteme für das Target Costing 22
4.6 Target Costing Organisation 23
4.6.1 Verhaltenswirkung von interdisziplinäre Projektteams 23
4.6.2 Aufgaben des Controllers 26
4.7 Ursachen und Konsequenzen des Information Overload und Informationsasymmetrie 28
4.7.1 Information Overload 28
4.7.2 Informationsasymmetrie 29
4.7.3 Formen asymmetrischer Informationsverteilung 30
4.7.4 Konsequenzen des Information Overload und der Informationsasymmetrie 31
5 Möglichkeiten und Grenzen des verhaltensorientierten Target Costing 32
6 Schlussbetrachtung 33
7 Literaturverzeichnis 35
2
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Steigende Kundenansprüche und zunehmender Marktdruck führen dazu 1 , dass die Atmosphäre in einer großen Anzahl von Branchen seit einigen Jahren immer rauer wird 2 . Potentielle Ursachen für die raue Atmosphäre 3 sind u.a. durch die zunehmende Vernetzung von Märkten, sowie die rapide Veränderung von Kundenbedürfnissen und -erwartungen zu erklären 4 . Bei der Notwendigkeit zur optimalen Ausrichtung der Produkte an den Funktionalitäten und preislichen Anforderungen des Marktes, aufgrund des oben genannten Marktdrucks, stoßen traditionelle Rechensysteme an ihre Grenzen 5 , da die Produktpalette unter Qualitäts-und Kostenaspekten auf die Kundenbedürfnisse abgestimmt werden muss 6 . Zumal der Kundennutzen eines Produktes oft der entscheidende Wettbewerbsfaktor darstellt 7 . Weiterhin werden an die Unternehmen höhere Anforderungen im Hinblick auf Leistungsfähigkeit, Kommunikation und Geschwindigkeit gestellt 8 . Außerdem muss sich auf Grund von Veränderungen hinsichtlich der Mitarbeiter die Betriebswirtschaft nicht weiter mit der Knappheit von Produktionsfaktoren, sondern der Koordination und Motivation der Mitarbeiter widmen 9 . Um dieser Vielzahl von Herausforderungen gerecht zu werden, müssen Unternehmen vor allem gut geführte 10 , fähige Mitarbeiter, eine Kultur der raschen und klaren Entscheidung, eine offene Kommunikationskultur, aber auch geeignete Informationssysteme und Organisationsstrukturen besitzen 11 . Als fähige Mitarbeiter werden kreative und initiative 12 Mitarbeiter bezeichnet 13 . Auf diese veränderten Rahmenbedingungen sollten sich die Unternehmen so schnell wie möglich einstellen. Zumal verhaltensorientierte Ansätze und soziale Kompetenzen immer wichtiger werden 14 . Ein Lösungsansatz hierfür stellt das verhaltensorientierte Target Costing dar 15 , denn dieser Denkansatz könnte helfen, die Prozesse effizient zu gestalten und in der Organisation ein höheres Akzeptanzniveau zu schaffen16, weil in der Verhalten-sorientierung stehen menschliche Handlungen und Interaktionen im Mittelpunkt17.
1 Vgl. Dinger, H. (2000), S. 27
2 Vgl. Klier, M./Heidemann, J./Günther, B. (2010), S. 48
3 Vgl. Huber, J./Schneider, D. (1991), S. 169
4 Vgl. Kraus, F./Lingenfelder, M./Wieseke, J. (2010), S. 384
5 Vgl. Gleich, R./Staudinger, M. (2006), S. 141
6 Vgl. Buggert, W./Wielpütz, A. (1995), S. 223
7 Vgl. Dworske, A. (2008), S. 53
8 Vgl. Dinger, H. (2000), S. 27
9 Vgl. Weber, J./Hirsch, B./Linder S. et al (2003), S. 8
10 Vgl. Dinger, H. (2000), S. 27
11 Vgl. Sure, M. (2008), S. 31
12 Vgl. Altmann, H. (1989), S. 81
13 Vgl. Huber, A. (1998), S. 7
14 Vgl. Altmann, H. (1989), S. 86
15 Vgl. Ruhnau, H. (1988), S. 35 16 Vgl. Friedinger, M. (2008), S. 65 17 Vgl. Schulte-Zurhausen, M. (1995), S. 13
3
1.2 Gang der Untersuchung
In der nachfolgenden Ausarbeitung wird das Konzept des Target Costing, sowie die verhal-tensorientierten Aspekte dieses Konzeptes, näher erläutert. Anfänglich beinhaltet der Gliederungspunkt den Ursprung, sowie die Definition des Target Costing, die Grundlegenden Merkmale und Ziele, sowie die Abgrenzung zu traditionellen Kostenrechungssystemen. Im Anschluss wird der Prozess des Target Costing mit seinen einzelnen Prozessschritten, Zielkostenfestlegung, Zielkostenspaltung und Zielkostenrealisierung dargestellt. Darauffolgend wird auf die verhaltensorientierten Aspekte des Target Costing wie das veränderte Menschenbild im Kontext Controlling und der Mitarbeitermotivation durch die Controllertätigkeit eingegangen. Weiterhin werden diverse Widerstände bei der Einführung des Target Costing und deren Lösungsansätze diskutiert. Anschließend wird die Wirkung interdisziplinäre Projektteams innerhalb des Target Costing hinterfragt sowie auf die Ursachen und Konsequenzen des Information Overload und Informationsasymmtrie eingegangen. Weiterhin werden die Grenzen und Möglichkeiten des verhaltensorientierten Target Costing angesprochen. Abschließend wird in der Schlussbetrachtung das gewonnene Wissen kurz zusammengefasst und liefert ein mit dieser Ausarbeitung verbundenes Fazit der verhaltensorientierten Aspekte des Target Costing.
2 Grundlagen des Target Costing
2.1 Ursprung und Definition des Target Costing
Target Costing wurde 1965 von dem japanischen Unternehmen Toyota als Instrument des Zielkostenmanagements entwickelt 18 . Dieses Instrument wird seitdem in japanischen Unternehmen, wie Toyota 19 , konsequent umgesetzt 20 . Gegen Ende der 80er Jahre ist Target Costing über den amerikanischen Sprachraum auch in die deutsche Literatur 21 , unter der Bezeichnung Zielkostenrechnung, eingeführt worden 22 , was den eigentlichen Zweck des Target Costing nicht darstellt, da es kein System der Kostenrechnung ist 23 . Seit den 90ern wurde Target Costing auch in europäischen Ländern eingesetzt 24 . Seidenschwarz geht bei dieser Verzögerung von Sprachbarrieren “...zu einem scheinbar nicht vermeidbaren Zeitverzug des Eindringens in die westliche Hemisphäre geführt haben...“ 25 aus. Die Bezeichnung Target Costing stammt vom japanischen Begriff „genka kikaku“ ab, was übersetzt „Kostenplanung“ oder „Kostenschätzung“ bedeutet 26 . Im deutschen Sprachgebrauch hat sich die Bezeichnung
18 Vgl. Horváth, P./Niemand, S./Wobold, M. (1993), S. 3
19 Vgl. Thamm, E. (2008), S. 55
20 Vgl. Seidenschwarz, W. (1993), S. 5
21 Vgl. Horváth, P. (2009), S. 479
22 Vgl. Schiller, U. (2005), S. 594
23 Vgl. Freidank, C. (1994), S. 358
24 Vgl. Seidenschwarz, W. (2008), S. 617
25 Vgl. Seidenschwarz, W. (1993), S. 5
26 Vgl. Buggert, W./Wielpütz, A. (1995), S. 40
4
Zielkostenmanagement ebenso verbreitet 27 . Bei Target Costing handelt es sich um einen umfassenden Kostenplanungs-, -steuerungs-, und Kontrollprozess der in den Gesamtprozess der Produktentstehung integriert ist 28 und stellt somit ein unternehmensweites Managementsystem dar 29 . Kern dieses Ansatzes ist seine umfassende Marktorientierung 30 . Er entstand als Reaktion auf das Bedürfnis, hinsichtlich des Produktlebenszyklus, 31 möglichst frühzeitig Kosteninformationen für die Planung, Steuerung und Kontrolle zu erhalten 32 . Der im Target Costing angewandte Ansatz ist nicht neu 33 , sondern baut auf dem bereits vorhandenen Kostenmanagement auf und verbindet diesen mit dem neuen, notwendigen Gesichtspunkt der Marktorientierung 34 . Als neu kann hier angesehen werden, dass es sich nicht um eine vergangenheitsorientierte Kostenkontrolle handelt, sondern um eine Möglichkeit strategieunterstützende und zukunftsorientierte Kosten zu planen 35 . Target Costing soll nicht nur Kostenziele bestimmen und einhalten, sondern ebenso die Umsetzung von strategischen Unternehmenszielen unterstützen. 36
2.2 Grundlegende Ziele sowie Merkmale
Das vorrangige Ziel des Target Costing ist das zu entwickelnde Produkt so zu gestalten, dass bei der Einhaltung von den Zielvorgaben eine Mindestrendite für den gesamten Produktlebenszyklus erzielt werden kann 37 . Wobei der Verlauf sowie die Dauer des Produktlebenszyklus von den sich wandelnden Kundenwünschen abhängig ist 38 . Das Target Costing ist also als Kostenmanagement gekennzeichnet 39 , welches die zukünftigen Kosten festlegen soll, dabei auf den kompletten Produktlebenszyklus 40 eingeht, alle Unternehmensbereiche mit beachtet und sich durchgehend an den Kundenanforderungen orientiert 41 . Dadurch soll die Produktrentabilität auch bei wachsender Wettbewerbsintensität zu erhalten oder zu steigern sein 42 . Im Einzelnen lässt sich Target Costing durch die nachfolgenden Merkmale Charakterisieren 43 :
1. Einsatz des Target Costing zur frühzeitigen Kostenbeeinflussung 44
27 Vgl. Bergmann, M. (2002), S. 20
28 Vgl. Horváth, P./Seidenschwarz, W. (1992), S. 143
29 Vgl. Monden, Y. (1999), S. 11
30 Vgl. Scholz, C. (2000), S. 727
31 Vgl. Ziegenbein, K. (2007), S. 90 f.
32 Vgl. Seidenschwarz, W. (1991), S. 53
33 Vgl. Dollmayer, A. (2003), S. 8
34 Vgl. Eilenberger, G. (1995), S. 320
35 Vgl. Pietsch, T. (2003), S. 148
36 Vgl. Macha, R. (1998), S. 336
37 Vgl. Baum, H.-G./Coenenberg, A./Günther, T. (2007), S.137
38 Vgl. Zell, M. (2005), S. 90
39 Vgl. Glaser, H. (2006), S. 215
40 Vgl. Schmalen, H. (1987), S. 359 ff.
41 Vgl. Macha, R. (1998), S. 336
42 Vgl. Jórasz, W. (2008), S. 287
43 Vgl. Götze, U. (2007), S. 281
44 Vgl. Wöhe, G. (2005), S.1159
5
Andere traditionell agierende Kostenrechnungssysteme treten erst ab dem Beginn der Produktion in Kraft und vernachlässigen somit die kostensenkende Steuerung bereits während der Planungsphase der Prozessgestaltung 45 . Doch gerade in den frühen Phasen der Produktentwicklung, bei denen Target Costing ansetzt, sind die effektivsten Möglichkeiten zur Kostenbeeinflussung vorhanden, 46 denn hier können bereits 80% 47 der Herstellkosten eines Produktes determiniert werden 48 . Somit stellt dieses Zielkostenmanagement eine proaktive Unternehmenssteuerung dar 49 . Durch das Target Costing können daher bereits in der Vorentwicklung wichtige Entscheidungen für das Produkt getroffen werden 50 . 2. Durchsetzung strategischer Unternehmensziele 51
Durch die Orientierung am Markt findet eine Unterstützung des Unternehmens statt, seine langfristigen Ziele umzusetzen und somit eine Kostenführerschaft 52 zu erlangen 53 . Dies geschieht u.a. durch die permanente Kontrolle der Zielekosten und deren Erreichung 54 . Weiterhin unterstützt Target Costing, durch den gegenläufigen Informationsstrom (feed-back u. feed-forward), den strategischen Planungsprozess in zeitlicher und qualitativer Hinsicht 55 . 3. Anstreben einer starken Markt- und Kundenorientierung 56 Die Markt- bzw. Kundenorientierung im Konzept des Target Costing betrifft nicht ausschließlich das Kostenmanagement sondern ebenso das komplette Unternehmen 57 . Target Costing dient dem Vergleich Kundenpräferenzen und der Marktausrichtung 58 . Es werden demnach zuerst die Gesamtzielkosten des zukünftigen Produktes festgelegt, wobei die Preisgestaltung der Konkurrenz, sowie die Zahlungsbereitschaft der potentiellen Kunden mit einbezogen werden 59 . Dadurch werden nicht technische Möglichkeiten oder was ein Unternehmen für wünschenswert hält umgesetzt, sondern was der Kunde tatsächlich wünscht 60 . So kann das Overengineering verhindert werden 61 .
45 Vgl. Seidenschwarz, W. (1993), S. 83
46 Vgl. Hardt, R. (2002), S. 107
47 Vgl. Männel, W. (1997), S. 207
48 Vgl. Deyhle, A./Radinger, G. (2008), S. 803
49 Vgl. Seidenschwarz, W. (1997), S. 56
50 Vgl. Vollmuth, H. (2008), S. 466
51 Vgl. Buggert, W./Wielpütz, A. (1995), S. 55
52 Vgl. Porter, M. (1996), S. 34 f.
53 Vgl. Eilenberger, G. (1995), S. 320
54 Vgl. Götze, U. (2007), S. 281
55 Vgl. Möller, K. (2002), S. 40
56 Vgl. Küting, K (1998), S. 227
57 Vgl. Horváth, P./Niemand, S./Wobold, M. (1993), S. 4
58 Vgl. Seidenschwarz, W. (1997), S. 56
59 Vgl. Bösch, D. (2004), S. 552
60 Vgl. Weber, M. (2002), S. 335
61 Vgl. Chwolka, A. (2003), S. 135
6
4. Motivationssteigerung der Mitarbeiter 62
Das Ergebnis eigenen Arbeitens als späteren Nutzen des Kunden erleben zu dürfen ist für die Motivation der Mitarbeit enorm förderlich 63 . Da sich die Kostenfestlegung nicht an losgetrennten Unternehmenszielen, sondern an realen Marktanforderungen orientiert können sich die Mitarbeiter besser mit den Produkten identifizieren 64 und dies beeinflusst das Verhalten sowie das Kostenbewusstsein der Mitarbeiter im positiven Sinne 65 .
2.3 Abgrenzung Target Costing und traditionelle Kostenrechnung
Bei traditionellen Kostenrechungssystemen handelt es sich um eine interne Ermittlung von tatsächlichen Kosten während bzw. nach der Entwicklungs- und Produktionsphase 66 . Hier wird nach der traditionellen Entscheidungskette vorgegangen, folglich werden Investitionen getätigt, anschließend die Selbstkosten ermittelt und progressiv aufaddiert 67 , ergänzt werden diese um den Gewinnaufschlag und daraus wird auf den zukünftigen Preis geschlossen 68 . Es wird demnach von Vergangenheitswerten, den sogenannten Ist-Kosten ausgegangen 69 . Die Kostenbeeinflussung findet bei bereits gegebenen Rahmenbedingungen statt 70 , es wird eine Erreichung der Kostenstandards und keine Verbesserung wie beim Target Costing angestrebt 71 . Die traditionelle Kostenrechnung setzt erst nach der Entwicklungs- und Konstruktionsphase ein, doch zu diesem Zeitpunkt ist ein Großteil der Kosten bereits festgelegt 72 . Es werden lediglich noch Produktmerkmale und die Kosten der Produktion beeinflusst 73 . Vordergründig steht demnach die Frage, wie teuer ein Produkt auf Grund der Kosten werden wird 74 . Anders beim Konzept des Target Costing, hier wird eine marktsegmentspezifisch orientierte Kalkulation durch die Berücksichtigung der Präferenzen der Nachfrager durchgeführt 75 . Die Frage was ein Produkt kosten darf, um es verkaufen zu können 76 , ist vordergründig 77 . Genauer wird die Frage behandelt, welche Handlungen vorgenommen werden müssen um bestimmte Kostenstrukturen einzuhalten 78 . Das Target Costing entspricht somit einer retrograden Kalkulation 79 (Kalkulation als Rückrechnung) 80 , die bereits in den frühen Phasen
62 Vgl. Seidenschwarz, W. (1993a), S. 33
63 Vgl. Dollmayer, A. (2003), S. 12
64 Vgl. Moden, Y. (1999), S. 12 f.
65 Vgl. Götze, U. (2007), S. 281
66 Vgl. Baum, H./Coenenberg, A./Günther, T. (2007), S. 107
67 Vgl. Dollmayer, A. (2003), S. 12
68 Vgl. Wöhe, G./Döring, U. (2008), S. 1013
69 Vgl. Götze, U. (2007), S. 21
70 Vgl. Wöhe, G./Döring, U. (2008), S. 1015
71 Vgl. Freidank, C./Götze, U./ Bärtl, O. et al. (1997), S. 104
72 Vgl. Bronner, T. (1993), S. 1396
73 Vgl. Coenenberg, A./Fischer, T./Günther, T. (2007), S. 528
74 Vgl. Schmidt, A. (2001), S. 242
75 Vgl. Lebefromm, U. (1997), S.165
76 Vgl. Müller, H. (1993), S. 50
77 Vgl. Wielpütz, A. (1996), S. 232
78 Vgl. Blocher, M. (2007), S. 402
79 Vgl. Macha, R. (2006), S. 125
7
des Produktlebenszyklus 81 beginnt 82 . Wodurch ein Unternehmen in der Lage ist dem Druck der Konkurrenz standzuhalten aufgrund der Kostenbasis 83 . Beim Target Costing handelt es sich somit um einen marktorientierten, strategischen Ansatz des Kostenmanagements 84 .
3 Prozess des Target Costing
3.1 Übersicht der Prozessschritte
Die Systematik des Target Costing richtet sich grundsätzlich nach dem Planungsprozess eines neuen Produktes 85 . Somit lassen sich vier Basisprozessschritte des Target Costing unterscheiden 86 . Im ersten Schritt werden die erlaubten Produktkosten, basierend auf einer Marktforschungsstudie bestimmt 87 , hierzu wird meist die Conjoint- Analyse verwendet 88 . Es werden die Gesamtzielkosten festgelegt 89 , der Zielverkaufspreis (Target Price) um die angestrebte Marge (Target Profit) vermindert und als Resultat aus diesem Vorgehen ergibt sich die erlaubten maximalen Kosten (Allowable Costs) 90 . Im der zweiten Phase werden die zuvor festgelegten Zielkosten auf die einzelnen Produktkomponenten verteilt 91 , hierzu muss die subjektive Kundensicht hinsichtlich der Produktfunktionalität bekannt sein 92 , d.h. die Kosten-vorgaben sollten sinnvoll auf Basis des Nutzenanteils ermittelt werden 93 . Im Anschluss muss gewährleistet werden, dass die Kostenvorgaben bei der Entwicklung, sowie bei der Produktion eines den Kundenwünschen entsprechenden Produktes umgesetzt werden 94 . Im letzten Schritt findet die Abweichungsanalyse 95 statt, welche aufzeigt wie stark die zu prüfenden Kosten von den festgelegten Zielkosten abweichen und welche Ursachen diese Differenz bewirken. Der Prozess des Target Costing ist daher ein zentrales Element der Verknüpfung von Informationssystem und Kontrolle 96 . Weiterhin ist in Target Costing die Kontrolle hinsichtlich der Zeit, der Qualität und der Kosten durchaus Standard 97 .
80 Vgl. Siegwart, H. (1998), S. 303
81 Vgl. Gälweiler, A. (1990), S. 49 ff.
82 Vgl. Graumann, M. (2008), S. 346
83 Vgl. Blocher, M. (2007), S. 402
84 Vgl. Haberstock, L. (2002), S. 184
85 Vgl. Peemöller, V. (2005), S. 296
86 Vgl. Horváth, P. (2003), S. 543
87 Vgl. Dittmar, J. (1998), S. 8
88 Vgl. Glaser, H. (2006), S. 216
89 Vgl. Pietschmann, B./Vahs, D. (1997), S. 275
90 Vgl. Strizel, M./Zeibig, S. (2009), S. 323
91 Vgl. Götze, U. (2007), S. 284
92 Vgl. Bösch, D. (2004), S. 552
93 Vgl. Schmitz, H. (2001), S. 231
94 Vgl. Horváth, P./Niemand, S./Wobold, M. (1993), S. 13
95 Vgl. Amann, K. (1995), S. 55 f.
96 Vgl. Bösch, D. (2004), S. 553
97 Vgl. Küpper, H.-U. (2008), S. 227
8
3.2 Zielkostenfestlegung
3.2.1 Methoden und Vorgehensweise bei der Zielkostenfindung
Ausgangspunkt der Zielkostenermittlung ist die Überlegung, dass langfristig gesehen jedes Produkt die ihm zurechenbaren Kosten sowie die festgelegte Gewinnspanne erwirtschaften muss 98 . Für dessen Realisierbarkeitsprüfung ist Target Costing ein geeignetes Konzept 99 . Es können grundsätzlich verschiedene Ansätze gewählt werden 100 . Die fünf Arten des Herleitens von Zielpreisen 101 . Market into Company 102 : Wird als Reinform des Target Costing bezeichnet 103 , da es die eigentliche Subtraktionsmethode umsetzt, 104 denn bei dieser Methode wird vom ermittelten Zielpreis der geforderte Zielgewinn subtrahiert 105 . Die Zielkosten werden aus den am Markt ermittelten Zielpreisen abgeleitet 106 . Bei der Ermittlung werden systematisch die Kundenwünsche mit eingebunden und in der Produktgestaltung umgesetzt 107 . Out of Company: Bei dieser Methode der Zielkostenfindung werden die Zielkosten aus dem eigenen Unternehmen gewonnen 108 , also aus den existierenden Entwicklungs- und Produktionsverfahren 109 . Hierbei findet keine Marktorientierung statt 110 . Into and out of Company: Dies ist eine Verbindung der Market into Company und der Out of Company Methode 111 . Da ein Unternehmen bei dieser Methode Gefahr läuft die Bedürfnisse des Marktes nur vordergründig zu berücksichtigen 112 , findet dieses Verfahren in der Praxis nur geringe Anwendung 113 . Out of Standard Costs: Die Zielkosten werden auf Grund vorhandener Kostenvorgaben ermittelt und durch die Analyse der Kostensenkungspotentiale dezimiert 114 . Out of Competitor: Hier werden die Zielkosten annäherungsweise aus den Kosten der Konkurrenz abgeleitet 115 , d.h. dass Rechnungswesendaten externer Wettbewerber als interne Vorgabewerte verwendet werden 116 . Doch deren Beschaffung kann problematisch sein 117 . Weiterhin ist zu erwähnen, dass die Zielkostenrechnung die Ziellücke zwischen „allowable costs“ (den
98 Vgl. Peemöller, V. (2005), S. 297
99 Vgl. Schweitzer, M. (2001), S. 170
100 Vgl. Götz, U. ( 2007), S. 283
101 Peemöller, V. (1993), S. 376 ff.
102 Vgl. Schneider, D. (2007), S. 255
103 Vgl. Haunerdinger, M./Probst, J. (2007), S. 134
104 Vgl. Eilenberger, G. (1995), S. 322
105 Vgl. Gaiser, B./ Kiening, M. (1993), S. 64
106 Vgl. Preißler, P. (1995), S.
107 Vgl. Weber, J./Schäffer, U. (2006), S. 334
108 Vgl. Usadel, J. (2002), S. 17
109 Vgl. Thamm, E. (2008), S. 55
110 Vgl. Hardt, R. (2002), S. 109
111 Vgl. Götze, U. (2007), S. 283
112 Vgl. Pietsch, T. (2003), S. 147
113 Vgl. Bergmann, M. (2002), S. 56 f.
114 Vgl. Horváth, P./Niemand, S./Wobold, M. (1993), S. 11
115 Vgl. Preißler, P. (1995), S. 217
116 Vgl. Fröhling, O. (1994), S.128
117 Vgl. Dollmayer, A. (2003), S. 20 f.
9
höchstzulässigen Kosten) und den „drifting costs“ (die Selbstkosten auf Basis der bisherigen bzw. geschätzten Selbstkosten) schließen soll 118 .
3.2.2 Ermittlung der Kundenwünsche
Um die Kundenpräferenzen ermitteln zu können, muss die subjektive Kundensicht, hinsichtlich der Produktfunktionalität, bekannt sein 119 . Diese wird meist mit der Market into Company Methode durch Marktforschungsstudien gewonnen 120 . Eine häufig verwendete geeignete Marktforschungsmethode stellt, wie bereits erwähnt, die Conjoint-Analyse dar 121 . Allgemein lässt sich sagen, dass sich die Conjoint-Analyse 122 als dekompositionelles Verfahren 123 charakterisieren lässt 124 . Sie findet in einem iterativen Prozess statt 125 . Im Unterschied zu direkten Preisbefragungen werden bei der Conjoint-Analyse die Probanden nicht isoliert zum Preis befragt, sondern sie werden mit dem Gesamtprodukt konfrontiert, 126 um systematisch Informationen zu gewinnen 127 . Diese Analyse ist ein Verfahren, dass auf der Grundlage empirisch erhobener Gesamtnutzenwerte 128 versucht den Anteil einzelner Komponenten zum Gesamtnutzen zu ermitteln 129 . Die Kunden bzw. Proband bewerten das Produkt demnach mit diversen zusammengesetzten und variierenden Merkmalen und setzen diese dann in eine Präferenzreihenfolge 130 . Aus dem Wert der einzelnen Komponenten werden anschließend die Merkmale und Ausprägungen des Produktes angenommen. 131 Hiermit werden im Anschluss retrograde Produktkosten abgeleitet 132 . Je bedeutender der Nutzen einer Komponente ist, desto höher darf der Anteil an Produktionskosten sein 133 . Ein definitiver Vorteil dieser Methode ist die Realitätsnähe. Ein Nachteil wiederrum ist, dass diese Analyse komplex ist und ein umfassendes Know-how sowie viel Erfahrung erfordert. 134
3.3 Zielkostenspaltung
3.3.1 Definition Zielkostenspaltung
Die Vorgaben der Zielkosten beziehen sich hauptsächlich auf die Einzelkosten, wie Mate-rialund Lohnkosten, aber es sollten ebenso die Gemeinkosten der indirekten Bereiche ermit-
118Vgl. Graumann, M. (2008), S. 347
119 Vgl. Bösch, D. (2004), S. 552
120 Vgl. Preißler, P. (1995), S. 216
121 Vgl. Weber, J./Schäffer, U. (2006), S. 333
122 Vgl. Nitschke, F. (1998), S. 51 ff.
123 Vgl. Küpper, H.-U. (2008), S. 436
124 Vgl. Backhaus, K./Erichson, B./Plinke, W. et al. (2006), S. 558
125 Vgl. Föhr, S. (1991), S. 179
126 Vgl. Beck, J./Mödinger, W./Schmid, S. (2006), S. 351
127 Vgl. Schubert, B. (1991), S. 102
128 Vgl. Gutsche, J./Herrnann, A./Huber, F. et al. (2005), S. 639
129 Vgl. Backhaus, K./Erichson, B./Plinke, W. et al. (2006), S. 558
130 Vgl. Buggert, W./Wielpütz, A. (1995), S. 72 f.
131 Vgl. Mengen, A./Simon, H. (1996), S. 231
132 Vgl. Lebefromm, U. (1997), S. 165
133 Vgl. Baum, H./Coenenberg, A./Günther, T. (2007), S. 69
134 Vgl. Beck, J./Mödinger, W./Schmid, S. (2006), S. 352
10
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Angela Lörch, 2010, Verhaltensorientierte Aspekte des Target Costing, München, GRIN Verlag GmbH
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