INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 3
2. Theoretische Grundlagen 4
2.1. Kurze Skizzierung von den Grundlagen der interkulturellen Germanistik -
Wierlacher , Alois Steinmetz, Horst 4
2.2. Lese-Unterschiede. Zum interkulturellen Leser-Gespräch - Krusche, Dietrich 5
3. Analyse zu „Kaktus oder Zitrone“ von Rafik Schami 7
3.1. Historisch-kultureller Hintergrund: Gastarbeiterliteratur 7
3.2. Textanalyse 9
4. Zusammenfassung 13
5. Literaturangaben 14
5.1. Primärliteratur 14
5.2. Sekundärliteratur 14
5.3. Internetrecherche 15
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1. Einleitung
„Er ist ein Meister im Aufspüren kleiner Alltagsgeschichten und entlarvt in ihnen die gewöhnliche Absurdität unserer deutschen Realität. […] Immer wieder erzählt Rafik Schami von der Ablehnung, die einem Fremden bei uns entgegenschlägt, aber niemals so, daß der erhobene Zeigefinger sichtbar wird.“ 1
„Als Ausländer in Deutschland. Rafik Schami schreibt vom täglichen Leben der Arbeitsemigranten bei uns, von Heimweh und Diskriminierung, von Einsamkeit und Mißverständnissen, von Behördenkrieg und Sprachschwierigkeiten. Aber auch von manchem kleinen Sieg über den grauen Alltag.“ 2
Eben genannte Zitate sind dem Internetauftritt des Deutschen Taschenbuchverlags über Rafik Schami zu entnehmen. Diese Arbeit beschäftigt sich genau damit: mit einer Alltagsgeschichte von Migranten in Deutschland, die auf gewöhnliche Hindernisse treffen und die als Fremde in der Fremde leben. Im Zuge dessen wird zum Einen auf der Basis ausgewählter Vertreter der Interkulturellen Germanistik die Kurzgeschichte Kaktus oder Zitrone von Rafik Schami (1988) untersucht und diese zum Anderen - für ein besseres Verständnis - in den historisch-kulturellen Kontext eingeordnet. Die Anwendung der Theorien von einigen Vertretern der Interkulturellen Germanistik, unter anderem auch von Wierlachers Thesen, auf die Kurzgeschichte von Schami ist methodisch unproblematisch, da Wierlacher als Germanist, genauer gesagt als Begründer der Interkulturellen Germanistik, mit seinen Theorien direkt auf die Untersuchung von Literatur abzielt.
1 http://www.rafik-schami.de/buecher/3446191569-die_sehnsucht_faehrt_schwarz/
2 http://www.rafik-schami.de/buecher/3423108428-die_sehnsucht_faehrt_schwarz/
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2. Theoretische Grundlagen
2.1. Kurze Skizzierung von den Grundlagen der interkulturellen Germanistik -Wierlacher, Alois; Steinmetz, Horst
Alois Wierlacher charakterisiert die Beziehung vom Fremden und Eigenen als eine dialektische, die sich aus dem Verhältnis von Identität und Alterität ergibt. Demnach kann nur dort, wo es eine Vorstellung vom Eigenen gibt auch eine Vorstellung vom Fremden sein. Infolgedessen ist Fremdheit ein Interpretament von Andersheit. Dies impliziert aber, dass nicht alles, was anders ist, gleichzeitig als fremd gilt, sondern dass es einen breiten Spielraum der Andersheit gibt. Das heißt es gibt Personen oder Objekte, die trotz ihrer Andersheit nicht als fremd wahrgenommen oder bezeichnet werden. Dabei kann es sich um sichtbare naturhaft-körperliche, aber auch um gesellschaftlich-kulturelle Merkmale handeln. In kurzen Worten folgt demnach Fremdheit nicht notwendigerweise aus Andersheit, sondern entsteht erst aus der Interpretation heraus oder um direkt mit Wierlachers Worten zu sprechen: „Fremdheit ist das aufgefasste Andere“. 3 Wesentlich beim Verständnis vom Fremden, ist die Tatsache, dass es die Fremde per se nicht gibt, sondern sie stets eine Konstruktion ist. Demzufolge bildet die Basis für die Analyse von Schamis Kurzgeschichte Wierlachers Theorie über das Fremde und das Eigene und wird dahingehend interpretiert. 4
Horst Steinmetz schreibt in seinem Aufsatz Interkulturelle Rezeption und Interpretation, dass sowohl Rezeption, als auch Interpretation schwammige Begrifflichkeiten mit fließenden Grenzen sind. Denn beide Begriffe zielen auf die Aufnahme von literarischen Werken bzw. Autoren beim Rezipienten und auf deren Deutung im weitesten Sinn. Das literarische Werk scheidet aus der Alltagswirklichkeit aus und bildet in der Normalwirklichkeit eine Art Enklave. Dadurch kommt es zu einer Bildung von einem fremden und literarischen Produkt. Des Weiteren wird die
3 Wierlacher, Alois (Hg.): Das Fremde und das Eigene. Prolegomena zu einer interkulturellen Germanistik. München: Iudicium 1985. Dazu auch: Albrecht, Corinna: "Fremdheit". In: Wierlacher, Alois; Bogner, Andrea (Hg.): Handbuch interkulturelle Germanistik. Stuttgart, Weimar: Metzler 2003. S. 236.
4 Der ganze Absatz bezieht sich auf Wierlacher, Alois (Hg.): Das Fremde und das Eigene. Prolegomena zu einer interkulturellen Germanistik. München: Iudicium 1985.; Albrecht, Corinna: "Fremdheit". In: Wierlacher, Alois; Bogner, Andrea (Hg.): Handbuch interkulturelle Germanistik. Stuttgart, Weimar: Metzler 2003. S. 232-238.
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Fremdheit verschieden stark empfunden. Alle Rezeptionen und Konzeptionen sind kontextuell fundiert, das heißt Rezipient, wie auch Interpret, sind darauf angewiesen, dass ihre Textverarbeitung, die zum Verstehen des Textes führen soll, von bestimmten, außerhalb des Textes liegenden Verstehens- oder Referenzrahmens aus zu vollziehen ist. Das wiederum bedeutet, dass ohne außerliterarische Wirklichkeitsbezüge kein Textverstehen möglich ist, da sich die Bedeutung über Bekanntes einstellt. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten, da die Rezeption dazu neigt den Text zu normalisieren und ihn ins Eigene zu holen. Somit führt Rezeption zu Aneignung und das Erreichen dieser ist nicht erstrebenswert, da interkulturelle Literaturerfahrungen das Fremde anerkennen soll. Deswegen müssen literarische Texte, wird mit einem interkulturellen Anspruch an sie herangegangen, interpretiert werden. 5
2.2. Lese-Unterschiede. Zum interkulturellen Leser-Gespräch - Krusche, Dietrich 6
Wird ein Text bewusst als Fremdliteratur wahrgenommen, so ändert sich auch die Lese-Erwartung. Krusche unterstellt dem Rezipienten der Fremdliteratur eine höhere Risikobereitschaft und Neugier. Zudem ist er der Meinung, dass Fremdliteratur per se ein größeres Überraschungsmoment innewohnt. Demnach erhält der Text, was seine „potentielle ‚Andersheit‘ angeht, eine größere Vorgabe“. Distanz schafft, nach Krusche, eine Leseerleichterung, denn gerade der „fremde“ Text hat - möglicherweise gerade dadurch, dass wir uns seiner kulturhistorischen Fremde bewusst sind - eine größere Chance uns zu bewegen. Krusche versucht diese Distanz beim Lesen mit Hilfe einer Analogie zu verdeutlichen: „Daß ein Gespräch mit einem Fremden entspannter sein kann als mit einem Bekannten, denn dadurch, dass die Möglichkeit des Missverstehens hochgradig ist, sind besonders günstige Bedingungen dafür gegeben,
5 Jegliche Ausführungen innerhalb dieses Unterpunktes stützen sich auf Steinmetz, Horst: Interkulturelle Rezeption und Interpretation. In: Bogner, Andrea; Wierlacher, Alois (Hg.): Handbuch interkulturelle Germanistik. Stuttgart, Weimar 2003. S. 461-467.
6 Jegliche Ausführungen innerhalb dieses Unterpunktes stützen sich auf Krusche, Dietrich: Lese-Unterschiede. Zum interkulturellen Leser-Gespräch. In: Literatur und Fremde: zur Hermeneutik kulturräumlicher Distanz. München: Iudicium 1985. S. 139-160. Wobei ich mich hier aber nur auf Krusches ersten Unterpunkt Distanz als Lese-Erleichterung beziehe, da im Folgetext hermeneutisch-systematische Argumentreihen und empirische Fallberichte aneinander anknüpfen, diese sich ergänzen und sich auf das Sprechen über Lese-Erfahrung beziehen und dies im Rahmen vorliegender, schriftlicher Analyse nicht relevant ist.
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Arbeit zitieren:
Katharina Ströhl, 2011, „Kaktus oder Zitrone“ - Eine interkulturelle Untersuchung zu Rafik Schamis Alltagserzählung, München, GRIN Verlag GmbH
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