Einleitung
Tod und Spektakel sind in der Antike oft zwei stark zusammenhängende Aspekte. Vor allem in der modernen Medienlandschaft werden historische Ereignisse, wie die Zerstörung der Großstadt Karthagos 146 v. Chr., mehr verklärend denn quellenbasiert, beispielsweise im Film Karthago in Flammen (1960) aufgegriffen und die einführend genannten Aspekte offenkundig in Ironie verbunden dargestellt.
Doch jenseits der von der Unterhaltungsbranche gern produzierten Heldentaten oder romantischen Liebesbeziehungen betrachtet, wird die Zerstörung Karthagos als nüchterne Konsequenz römischer Außen - und Expansionspolitik mit allen darauf folgenden Konsequenzen betrachtet werden müssen.
In dieser Hausarbeit soll vor allem die Verarbeitung der Zerstörung Karthagos in antiker Literatur betrachtet werden. Dabei werden die Ausführungen des Appian von Alexandria zum Geschehen die Basis der Untersuchung bilden. 1 Auf Berichte des Polybios, Livius oder Diodor soll aufgrund des inhaltlich begrenzten Rahmens dieser Arbeit verzichtet werden. Im ersten Hauptpunkt wird die Zerstörung Karthagos im historischen Kontext aufgegriffen und dargestellt. Einen weiteren Untersuchungsschwerpunkt stellt eine Betrachtung der Berichte des Appian dar. Dabei werden Kontext und noch immer im wissenschaftlichen Diskurs stehende mögliche Abhängigkeiten der Reflexionen Appians eingebunden. Im dritten Schwerpunkt wird die Zerstörung Karthagos spezifisch im Rahmen der Aspekte Tod und Spektakel beleuchtet. Aufgrund der vorliegenden Quellenlage ist besondere Aufmerksamkeit darauf zu richten, dass nahezu alle literarischen Fassungen dieses Themas und der Zeit von Seiten römischer Sicht vorhanden sind und diese erst nach der Zerstörung Karthagos und damit nach der Epoche des punischen Reiches entstanden sind. 2
1 Vor allem die Ausführungen zur Zerstörung Karthagos App. Lib. 127, 605 - 130, 624 bilden das Fundament der Betrachtungen.
2 Vgl. WALDHERR 2000, S. 196 - 198.
2
1. Der historische Kontext
Um einer genauen Untersuchung der Zerstörung Karthagos gerecht zu werden, gilt besonderer Beachtung der außenpolitischen Situation Roms im 2. Jh. v. Chr. Hierbei soll auf eine komplette Darstellung 3 des Vorabends und Verlaufs des Dritten Punischen Krieges verzichtet werden und dabei vielmehr für die Untersuchung gewichtige Aspekte herausgestellt werden. So stellte Rom nach dem Sieg im 2. punischen Krieg (218 - 201 v. Chr.) das punische Großreich durch einen Friedensvertrag weitestgehend unter politischer Kontrolle des Römischen Reiches. 4 Obwohl dieser Vertrag existierte, war eine militärische Intervention unausweichlich und von Rom gewollt. Eine, bereits in der antiken Literatur im Diskurs stehende Fragestellung bezieht sich auf den Grund des Krieges zwischen Rom und Karthago und der daraus resultierenden Zerstörung der punischen Stadt in letzter Konsequenz. In der antiken Rechtfertigung steht vordergründig das Motiv der Furcht, des „metus Punicus“, 5 vor einer wirtschaftlichen sowie militärischen Wiedererstarkung Karthagos. 6 Da Karthago jedoch in seiner geografischen, politischen und wirtschaftlichen Lage annähernd unfähig für großflächig angelegte außenpolitische Maßnahmen war, kann dieses Motiv nach HOFFMANN so nicht
gehalten werden.
7
So wird in moderner Forschung dieses
Furcht-Motiv
zurückgewiesen. Es wird davon ausgegangen, dass Rom nicht mehr nur, wie viele Jahre zuvor, als politischer Vermittler im afrikanischen Raum diente, sondern eine Direktherrschaft in Afrika, mittels militärischer Aktionen, als sinnvollste Lösung ansah.
8
Es lässt sich durchaus feststellen, dass der direkte politische Einfluss Roms ab 146. v. Chr. vom bisher rein italienischen Gebiet auf den gesamten Mittelmeerraum übergriff. So wurden Provinzen wie beispielsweise Afrika oder Makedonien eingerichtet und der Einfluss in nicht
3 Zusammenfassend dargestellt: HUSS 1990, S. 315 - 344.
4 Neben vielen Inhaltspunkten (Entmilitarisierung, Reparationen usw.) sei angemerkt, dass es Karthagos Führung verboten war, Kriege außerhalb Afrikas zu führen. Bei möglichen Kriegen auf dem Kontinent musste Rom konsolidiert und um Erlaubnis gebeten werden, Vgl. hierzu HUSS 1995, S. 70.
5 WELWEI 1989, S. 314.
6 Vgl. HEFTNER 1997, S. 408f.
7 Vgl. HOFFMANN 1960, S. 312f.
8 Vgl. BLEICKEN 1982, S. 152.
3
direkt kontrollierten Gebieten war enorm. 9
Die in antiker Histografie betrachtete Kriegsbegründung der Furcht wird vor allem im dritten Kapitel der Arbeit aufgegriffen werden, da diese Rechtfertigung sich im Vorgehen der römischen Soldaten widerspiegelt.
2. Appian
Appians ausführliche Schilderungen (siehe Kap. 3) zur Zerstörung von Karthago seien „zweifellos dem Berichte des Polybios entnommen“. 10 Diese Annahme wird von Appian selbst bekräftigt, da dieser Polybios als Quelle angibt. Dabei muss beachtet werden, dass Polybios, obwohl seine Reflexionen heute nicht mehr in seinen Werken überliefert sind, nach eigenem Bericht, selbst Augenzeuge dieses Krieges war. Auch deshalb wird einschlägig davon ausgegangen, dass dieser Berichterstattung gewisse Echtheit und Zuverlässigkeit zugesprochen werden kann. 11 Nicht zuletzt muss auch von gründlicher Berichterstattung der antiken Autoren ausgegangen werden, da neuzeitliche archäologische Ausgrabungen auch territoriale Beschreibungen weitestgehend bestätigen können. 12 Appian selbst schrieb vermutlich erst in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr., also knapp dreihundert Jahre nach den Ereignissen. Freilich unterliegt Appians Werk, wie mithin alle Werke antiker Autoren, gerade in der modernen Wissenschaft Kritik. Vor allem eine unzureichende Vorlagenangabe seiner Ausführungen lässt im wissenschaftlichen Diskurs Zweifel aufkommen. Dabei stehen sich in der Wissenschaft konträre Meinungen gegenüber, inwieweit Appian mehrere oder eine einzige Vorlage nutzte. 13 Von enormer Bedeutung trotz redlicher Kritik, welche sich m. E. weniger auf Glaubwürdigkeit als vielmehr auf, von Appian nicht eingehaltene Standards moderner wissenschaftlicher Methodiken und Ansätze bezieht, muss beachtet werden, dass vor allem militärische und diplomatische Geschehnisse gewisser
9 Vgl. GOLDSWORTHY 2000, S. 357.
10 WARMINGTON 1963, S. 252.
11 Vgl. BAGNALL 1995, S. 397; ebenfalls erachtet ELLIGER Polybios als „zuverlässige[n] Gewährsmann“ ELLIGER 1990, S. 18; WARMINGTON schreibt der Berichterstattung einen „teilweise rhetorischen Charakter“ zu, was aber „ziemlich echt“ klinge WARMINGTON 1963, S. 252.
12 Vgl. ELLIGER 1990, S. 18f.
13 Vgl. Appian von Alexandria 1987, Einleitung BRODERSEN, S. 1 - 6.
4
Arbeit zitieren:
Tobias Sowade, 2010, Die Zerstörung Karthagos 146 v. Chr. - Tod und Spektakel bei Appian, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike: Die Zerstörung Karthagos 146 v. Chr. - Tod und Spektakel bei Appian ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike: neuer Titel erschienen: Die Zerstörung Karthagos 146 v. Chr. - Tod und Spektakel bei Appian
Tobias Sowade hat einen neuen Text hochgeladen
Corpus Des Mosaiques de Tunisie, Volume IV: Karthago/Carthage Fascicul...
Ben Abed-Ben Khader, Margaret A. Alexander, Robert L. Alexander
0 Kommentare