2
Bistums Passau im Februar 1803, fällt Passau an das Kurfürstentum Bayern 1 . „Am 22. Februar 1803 morgens 6 Uhr zieht die österreichische Besatzung ab und um 9 Uhr Vormittag rückt der bairische General v. Deroy mit dem 8. Linieninfanterieregiment in Passau ein.“ (Adressbuch der Stadt Passau, Ausgabe 1949/50;S. V) Gleichzeitig wird das Besitzgreifungspatent verkündet, Passau wird zur Grenzstadt und Hauptstadt des Unterdonaukreises 1 .
Nach der Säkularisation in Frankreich unter Napoleon werden im Frieden von Lunéville die Entschädigungsregelungen für die linksrheinischen deutschen Gebiete, die an Frankreich abgetreten werden müssen, getroffen 2 . Während der Verhandlungen, die zum Frieden von Lunéville führen, erhält Bayern am 24. August 1801 von Frankreich nicht nur die Zusicherung seines Bestehens sondern unter anderem auch das Hochstift Passau 3 . Die Pariser Konvention sieht am 26. Dezember 1802 die Dreiteilung des Fürstentums Passau vor 3,4 . Die Stadt , die Grafschaft Neuburg und andere Bezirke fallen an Bayern 3,4 . Das Abteiland östlich der Ilz an Kursalzburg und somit an Großherzog Ferdinand 3,4 . Gebiete in Österreich fallen an den Kaiser. 1805 werden die Territorien beim Frieden von Preßburg neu zugeordnet 3 .
2.2 Säkularisation in Passau
Die durch die Säkularisation verursachte Umwälzung ist nicht nur für die Entwicklung der Kirche in Deutschland von epochaler Bedeutung, sondern führen auch in Passau zu tief greifenden Veränderungen, sowohl gesellschaftlich, wirtschaftlich als auch politisch. Ihre Rolle wird in der Heimatbeilage der Bayerischen Staatszeitung „Unser Bayern“ im Februar 1977 von Dietmar Stutzer wie folgt beschrieben:
„Es hat wohl im damaligen deutschen Sprachraum keinen Staat gegeben, in dem diese Säkularisierung des Geistes einen ähnlichen Einfluß gewonnen hat wie im Kurfürstentum Baiern. Die Lehre vom Obereigentum und Oberaufsichtrecht des Staates am Kirchenvermögen wurde fast zur Staatsdoktrin, der im Aufbau stehende absolute Staat
2 Vgl. Encarta Enzyklopädie 2004
3 Vgl. Egon Boshof, Geschichte der Stadt Passau
4 Vgl. Ulrich Heltinger, Passau als Garnisonstadt im 19. Jahrhundert
3
des Montgelas forderte und erreichte die Unterordnung der Kirche unter den Staat und die totale Beseitigung aller geistlichen Privilegien mit der ausdrücklichen Begründung, daß „die Geistlichkeit aufhören müsse, einen Staat im Staate zu bilden und sich in weltlichen Handlungen den Gesetzen und der Obrigkeit des Staates zu unterwerfen habe.““
Der in D. Stutzers Beschreibung erwähnte Maximilian Graf von Montgelas ist geheimer Staatsminister des damaligen Kurfürsten Max IV. Joseph von Bayern (1799-1806) und geistiger Planer des Klosteraufhebung in Bayern 4 . Die Auswirkungen der Säkularisation sind in Passau besonders deutlich zum Ausdruck gekommen, da Passau einen hohen Anteil geistlicher Gebiete besitzt, zum Beispiel das Kloster St. Nikola, Mariahilf und das Kloster Niedernburg.
Die Aufhebung des weltlichen Fürstentums Passau wird am 25. Februar 1803 im Reichsdeputationshauptschluss in Regensburg endgültig festgelegt und erhält somit Gesetzeskraft 5 . Der Passauer Fürstbischof Leopold Leonhard Reichsgraf von Thun verliert seine Reichsfürstenfunktion, Passau seine Residenzstadtstellung und das Domkapitel löst sich auf 3 . Der Fürstbischof erklärt am 22. Februar 1803 seinen Untertanen das Ende seiner Regierung, hält sie an, dem neuen Landesherrn Folge zu leisten und zieht sich nach Prag zurück, wo er 1826 stirbt 5 .Das gesellschaftliche Leben in Passau bricht zusammen 3 . Arbeitsplätze „bei Hofe“ wie zum Beispiel die der Devotionalienhändler, der Hoflieferanten und andere gehen verloren 5 . Die Mönche und Nonnen werden schikaniert und vertrieben und Besitztümer der Kirche beschlagnahmt und verkauft 5 . 1808 vertreibt man die Nonnen aus Niedernburg und das Gebäude verfällt allmählich 5 . Der Kreuzgang des Doms wird als Steinbruch freigegeben 5 . 1815 beginnt man mit dem Abbruch der Turmpyramide der Klosterkirche St. Nikola und 1818 folgt der Abbruch des Frontispizes 3 . Bis 1945 wird das Kloster St. Nikola von der bayerischen Armee beschlagnahmt und zu einer Kaserne und einem Militärhospital umfunktioniert 5 . Bibliotheksbestände, Gemälde, Interieur und andere Güter, die ehemals im Besitz der Kirche waren, werden beschlagnahmt und verkauft 3,5 . Die Passauer Kirchen sind dadurch nicht nur materiell geschädigt, sondern auch ein Teil der kulturellen Besonderheiten geht
3 Vgl. Egon Boshof, Geschichte der Stadt Passau
4 Vgl. Ulrich Hettinger, Passau als Garnisonstadt im 19. Jahrhundert
5 Vgl. M.W. Weithmann, Kleine Passauer Stadtgeschichte
4
verloren 3 . Zwischen 1801 und 1809 verringert sich auch die Zahl der Wallfahrer nach Mariahilf erheblich 3 . Gläubiger, die dem Fürstbistum Darlehen gegeben haben, erhalten ihre Darlehen von Bayern vorerst nicht wieder zurück, da Bayern nicht bereit ist, den Anteil Österreichs als Nationalschuld zu übernehmen, obwohl Bayern nach dem Reichsdeputationshauptschluss dazu verpflichtet gewesen wäre 3 .
2.3 Das Bistum Passau nach 1803
Das angeschlagene Bistum Passau soll nach der Säkularisation erneuert werden. Jedoch erweist sich die Besetzung der Stellen als problematisch, da ab 1803 das Studium an der philosophischen Fakultät eingeschränkt worden ist 6 . Das Bistum Passau wird 1818 der Erzdiözese München-Freising unterstellt 5 . Im November 1821 wird ein neues Domkapitel gegründet und Karl Joseph Riccabona von König Ludwig I. zum Bischof ernannt 6,7 . Durch seine Arbeit gelingt es, die Diözese neu zu ordnen und Pfarreien, das Kloster Niedernburg und auch die Wallfahrt nach Mariahilf wieder zu beleben 6 . „Riccabona war der erste große Reformer des Bistums Passau nach der Säkularisation, der den Wiederaufbau der Ortskirche eingeleitet und der Ausbildung des Klerus neues Perspektiven gegeben hat.“ (F.X. Bauer, Das Bistum Passau unter Bischof Dr. Michael von Rampf (1889-1901), Seite 6).
3. Militärische Geschichte Passaus
3.1 Passau während der Kriege Napoleons
Während des 3. Koalitionskriegs steht Bayern an der Seite Frankreichs gegen England, Österreich und Russland 3,5 . 1805 wird die Stadt nach dem Rückzug der Österreicher an
3 Vgl. Egon Boshof, Geschichte der Stadt Passau
5 Vgl. M. W. Weithmann, Kleine Passauer Stadtgeschichte
6 Vgl. Prof. Dr. W. Schmid, Illustrierte Geschichte der Stadt Passau
7 Vgl. F. X. Bauer, Das Bistum Passau unter Bischof Dr. Michael von Rampf (1889-1901)
5
die französische Armee übergeben 3,5 . Passau entwickelt sich zwischen 1805 und 1810 zur Front- und Festungsstadt und muss in dieser Zeit viele Nachteile ertragen 3,5 . Die französischen Truppen nutzen das Kloster St. Nikola als Lazarett 3 . Durch die strategisch wertvolle Grenzlage Passaus an Donau und Inn, nimmt Passau in der Kriegsplanung Napoleons eine Schlüsselstellung ein 5 . Napoleon nutzt die militärisch gute Lage Passaus, um durch eine fortifikatorische Umgestaltung Passau zur Garnison auszubauen 3 . Im Zuge dieser Umgestaltung werden allerdings hauptsächlich Abrissarbeiten verwirklicht wie zum Beispiel der Abriss der Kirchen St. Elisabeth und St. Jakob 3 . Ein verheerender Brand am 24. Juli 1809, der viele Häuer der Innstadt zerstört, ließ die Armut in der Bevölkerung weiter wachsen, so dass 1809/1810 viele Bürger auswandern mussen 3,5 . Nach Abzug der Franzosen 1810 wird Passau nicht weiter zur Festungsstadt ausgebaut 3 . Das 8. Linieninfanterieregiment nimmt unter anderem 1849 am Krieg gegen Dänemark und 1866 am Krieg gegen Preußen teil 8 . 1868 wird das Regiment in die Pfalz verlegt und die neu gegründete 9. Jägerbataillon in Passau stationiert, welches 1878 dem 16. Infanterieregiment einverleibt wird und das Passauer Hausregiment bildet 1,8 .
3.2 Die Festungen Oberhaus und Niederhaus
Nach der Säkularisation fälll die fürtsbischöfliche Festung Oberhaus an Bayern 10 . Während des Bündnisses mit Napoleons soll die Festung Oberhaus als Operationsbasis für die Feldzüge nach Österreich dienen 10 . Eine fortifikatorische Umgestaltung der Veste Oberhaus war zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur schwer zu realisieren 4 . Teile der Festung sind hochgradig baufällig und einsturzgefährdet, so dass von den französischen Truppen hauptsächlich um die Festung herum gebaut wird 4 . Somit sinkt auch die strategisch-politische Bedeutung von Oberhaus nach 1815 4 . Die Festung ist im 19. Jahrhundert nicht nur Festung, sondern dient ab 1822 auch als Militärstrafanstalt 10 . Während der Nutzung als Strafanstalt gibt es kurzzeitig auch eine Seidenraupenzucht auf
1 Vgl. Adressbuch der Stadt Passau
3 Vgl. Egon Boshof, Geschichte der Stadt Passau
4 Vgl. Ulrich Heltinger, Passau als Garnisonstadt im 19. Jahrhundert
5 Vgl. M. W. Weithmann, Kleine Passauer Stadtgeschichte
8 Vgl. H. P. Heller, 2000 Jahre Passau
10 Vgl. H.W. Wurtser- R. Loibl, Ritterburg und Fürstenschloß
Arbeit zitieren:
Kirstin P., 2005, Passau im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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