Wie gelangen wir zu Wissen? Können wir sicher sagen, dass wir etwas wissen? Und überhaupt, was wissen wir eigentlich? Das ist nur ein kleiner Ausschnitt von Fragen, welche uns beschäftigen, wenn wir von Wissen oder Erkenntnis sprechen. Wir suchen regelrecht nach Erkenntnis und so ist es nicht verwunderlich, dass eben diese Suche nach Erkenntnis auch in der Philosophie eine zentrale Rolle spielt. Aber zentrale Rolle hin oder her- eine Antwort darauf gibt es immer noch nicht; nein es gibt sogar sehr viele Antworten. Genauso wie in der Ontologie, Sprachphilosophie und weiteren Disziplinen der Philosophie, haben viele kluge Köpfe viele kluge und interessante Antworten parat. Doch bevor wir nun von Wissen oder Erkenntnis sprechen, möchte ich zuerst festlegen, mit welchen Grundbegriffen wir es in dieser Disziplin zutun haben. Um das Kind beim Namen zu nennen: wir bewegen uns hier im Bereich der Epistemologie. Das Wort episteme stammt aus dem Griechischen und bedeutet so das Wissen und logos, ebenfalls aus dem Griechischen, bedeutet die Lehre. Also: die Epistemologie ist die Lehre vom Wissen; von dem, was wir wissen (können). Dementsprechend können wir verschiedene Kategorien aufstellen, welche sich mit den unterschiedlichen Aspekten des Wissens beschäftigen.
Zuerst ist die Frage nach der Quelle unseres Wissens zu stellen. Woher erhalten wir also unser Wissen? Etwa mittels unserer Sinneswahrnehmungen? Aber ist unser Wissen dann sicher? Unsere Sinne können uns doch ebenso gut täuschen. Weiterhin kann man sich fragen, worüber wir etwas wissen. Zuletzt stellt sich sicherlich noch die Frage, was wir denn wissen wollen und zu welchem Zweck?
Wie man bereits erkennen kann, lassen solche Fragen viel Spielraum für etliche Ant-worten. Wie aber kommen wir nun zu der einen, richtigen Antwort, wenn es diese denn überhaupt gibt. Es ist offensichtlich nicht gewährleistet, ob wir eine „richtige“ Antwort finden, wenn es doch so viele Möglichkeiten gibt. Aber diese Frage soll uns jetzt nicht beschäftigen. Wie gesagt, es gibt bereits viele kluge Antworten, die sich oft widersprechen, aufeinander aufbauen oder sich ergänzen. Eine möchte ich im Folgenden vorstellen.
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John Locke (1632-1704) gilt als Begründer des Empirismus 1 . Dem Empirismus unterliegen die Sinneswahrnehmungen, Erfahrung und Beobachtung als Erkenntnisquellen. Betrachtet man das Adjektiv „empirisch“, welches soviel wie „erfahrungsgemäß; dem Experiment entnommen“ bedeutet, wird der folgende Zusammenhang deutlicher. Da der Empirismus als Gegenbewegung zum Rationalismus anzusiedeln ist, beruht er vor allem auf sensualistische Aspekte, sprich auf Erfahrung. Wie kann man sich das vorstellen? Wenn Erkenntnis auf Erfahrung beruht, ist schließlich die Überzeugung, dass es sogenannte angeborene Ideen gibt, aufgehoben. Aber Idee bleibt auch hier nicht einfach Idee. Deshalb müssen wir zuerst klären, was eigentlich bei John Locke „Idee“ heißt und wie wir überhaupt zu diesen gelangen. Zunächst sind Ideen einmal synonym mit Vorstellungsinhalten. Also umfasst der Begriff „Idee“ alles, mit dem sich „unser Geist beim Denken beschäftigt“ 2 . Doch woher sollen denn diese Ideen stammen? Locke gibt uns zwei verschiedene Quellen der Ideen an: die Sensation und die Reflexion. Unter Sensation versteht Locke diejenigen Ideen, welche ich aus den Sinneswahrnehmungen habe. Wie bereits erwähnt gibt es bei Locke keine eingeborenen Ideen, denn den menschliche Geist stellt sich Locke bei der Geburt als „Tabula Rasa“ 3 vor- ein unbeschriebenes Blatt, eine leere Tafel. Nichts ist schon von Beginn an da, alles wird allmählich erlernt: Begriffe, Grundsätze und auch Sprache. „Nihil est in intellectu, quod non antea fuerit in sensu. (dt. Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in der Empfindung gewesen ist.)“ 4 Um nun jenen Zustand insoweit entwickeln zu können, dass sich das Blatt nun langsam füllt, benötigt der Mensch also die Erfahrung, welcher jene Sinneswahrnehmungen zu Grunde liegen. Mit der Sensation (oder auch äußeren Wahrnehmung) tasten wir uns nun nach und nach durch das Neuland Außenwelt. Wir sehen verschiedene Farben und Formen, riechen unterschiedlichste Gerüche, schmecken süß und bitter, hören verschiedene Geräusche aus unterschiedlichen Richtungen und fühlen weiche, sowie feste Materie. Also werden uns über die Sensation Ideen sinnlich wahrnehmbarer Eigenschaften nahegebracht.
Wichtig zu unterscheiden ist hier, dass wir durch die Sensation zwar Ideen von äußeren, Sinnlichwahrnehmbarem erlangen, aber nicht die Idee von dem Gegenstand (oder Körper) selbst, auf welchem man jene Sinneswahrnehmungen zurückführen könnte. Neh- 1 Helferich,C. Geschichte der Philosophie. Von den Anfängen bis zur Gegenwart und östlichen Denkens.
DTV: München. 2005. 6. Auflage.
2 Locke, J. Über den menschlichen Verstand. Mainer: Hamburg. 1968. 23. Auflage. Zweites Buch.
3 Helferich, C. Geschichte der Philosophie. Von den Anfängen bis zur Gegenwart und östlichen Denkens.
a.a.O.
4 Ebd.
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Arbeit zitieren:
Mendina Morgenthal, 2007, Erkenntnistheorie von John Locke, München, GRIN Verlag GmbH
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