Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Die Stadtkohorte von Lugdunum
2.1 Das Einsatzfeld im Vergleich. 2
2.1.1 Wirtschaftliche Bedeutung. 2
2.1.1.1 Lugdunum: Handelsknoten und Zentrum Galliens. 2
2.1.1.2 Die Münzprägeanstalt. 3
2.1.2 Geographische Ausdehnung und „Dichte“ der Cohorten. 3
2.2 Aufgabenbereich der cohors urbana im Vergleich zu Rom. 5
2.2.1 Kriminalität als Alltagserscheinung. 5
2.2.2. Sicherung der öffentlichen Ruhe. 7
2.2.3. Gefahrenpotentiale: Die Plebs und Aufstände. 7
2.3 Innere Struktur. 8
2.3.1 Unterbringung. 8
2.3.2 Nummerierung der cohortes urbanae. 9
2.3.3 Rekrutierungsschicht der Offiziere und Mannschaftsgrade im Vergleich. 10
3. Fazit. 11
Anhang I. 13
Anhang II. 14
Anhang III. 15
Anhang IV. 16
Quellen und Literatur 17
Einleitung
Augustus gründete ca. 13 n. Chr. die cohortes urbanae unter dem Befehl des praefectus urbi 1 als Sicherheitspolizei der Stadt Rom. Als einzige weitere ihrer Art in Europa 2 ist die Stadtkohorte von Lugdunum ein Unikum in der römischen Provinzverwaltung. Die räumliche Entfernung zu Rom wirft Fragen auf: Was ist so besonders am antiken Lyon? War diese cohors urbana in Gallien tatsächlich derselbe Typ Einheit wie die Namensvetter in Rom, oder verbirgt sich hinter dem Namen schlicht eine Schutztruppe in einem besetzen Gebiet, die von ihrem Gründer Augustus aus Einfachheit und mangels eines besseren Begriffes nach der römischen
Sicherheitspolizei benannt wurde?................................................................................ Diese Arbeit wird, soweit es der sehr beschränkte Rahmen zulässt, ein möglichst vollständiges Bild der lugduner Kohorte von ihrer Gründung ca. 15 n.Chr. bis zur Auflösung im 3. Jahrhundert erstellen. Gleichzeitig soll ein Vergleich des Arbeitsfeldes, der Aufgaben und der inneren Struktur zwischen der lugduner und den römischen Einheiten angestellt werden, um etwaige Gemeinsamkeiten oder Unterschiede offen zu legen, wobei geschichtswissenschaftliche und archäologische Forschungsergebnisse wie auch zeitgenössische literarische und epigraphische Quellen Verwendung finden werden. Vor allem Helmut Freis war mit seiner Arbeit „Die Cohortes urbanae“ eine große Hilfestellung 3 , des Weiteren boten Jens-Uwe Krause und Wilfried Nippel einen wertvollen Überblick über Kriminalität und Justiz im römischen Reich. Für die Topographie Lugdunums ist der gleichnamige Essay von Amable Audin 4 aufgrund seines Kartenmaterials unverzichtbar gewesen 5 . André Pelletiers „Geschichte von Lyon“ 6 hat viele unklare Lücken, vor allem die Reihenfolge der stationierten Einheiten in Lugdunum, durch seine strukturierten Informationen erschlossen, wie auch die Erläuterungen vor allem des „Coins of the Roman Empire“ 7 bezüglich der Münzprägestelle und ihrer Bedeutung eine große Hilfe darstellte.
1 Mommsen: Staatsrecht, Teil 2, S. 1060.
2 Eine weitere existierte in Karthago, der drittgrößten Stadt des Reiches in der Kaiserzeit. Karthago war auch die größte Stadt in Römisch-Afrika, die Anwesenheit einer städt. Schutztruppe leuchtet eher ein als die in Lugdunum.
3 Freis liefert eine Wissensmenge, die weit über den Bedarf dieser Arbeit hinaus reicht. „Die Cohortes Urbanae“ ist ein Standardwerk zu diesem Thema: Freis: Cohortes, 1967.
4 Audin: Topographie, 1959. Die Forschungslage ist nicht mehr aktuell, doch treffen die Informationen hierfür immer noch zu.
5 Die weitere Literatur zu diesem Thema geht überraschend wenig auf die Stadtkohorte und ihre Kaserne ein.
6 Pelletier: Histoire,1990.
7 Mattingly: Coins, 1965.
1
Die Bedeutung von Rom als politisches, wirtschaftliches, kulturelles und soziales Zentrum des Imperiums ist allgemein bekannt, sodass es müßig ist und den Rahmen der Arbeit sprengen würde, darauf näher einzugehen. Lugdunum hingegen muss näher betrachtet werden: Die Stadt an der Rhône wurde 43 v. Chr von den Römern selbst gegründet und avancierte bald zur Hauptstadt der gallischen Provinz Lugdunensis, die nach der Stadt benannt wurde 8 . Schon der griechische Autor Strabo, der Gallien in der Zeit des Augustus bereiste, als Lugdunum noch nicht seinen Zenit erreicht hatte, schreibt:
Lugdunum selber [...] haben die Römer in Besitz. Es ist, abgesehen von Narbo, die volkreichste Stadt von allen, denn sie wird als Handelsplatz genutzt [...] 9
Die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt als Knotenpunkt des Handels zeigt sich dadurch, dass schon zwischen 20 und 18 v.Chr. von Lugdunum aus ein Straßennetz von vier überregionalen Straßen durch Agrippa angelegt, dem Schwiegersohn des Augustus 10 , und wurde unter Kaiser Claudius noch erweitert 11 . Die wirtschaftlich am meisten benutzte Flussroute verlief von Arelate (Arles) über Lugdunum zum Rhein 12 , während man in der Stadt selbst die sogenannte terra sigillata 13 , vor allem für den germanischen Markt, herstellte 14 . Zusammengefasst kann man Jones Recht geben, der die Stadt als „das natürliche Handelszentrum des Landes [...] [und] außerdem ein wichtiges Verwaltungszentrum“ 15 bezeichnete, in der sich der Sitz des Legaten von Lugdunensis sowie des Prokurators für weitere gallische Provinzen befand.
8 Zur Anschauung vgl. Anhang I A.
9 Strabon 4,3,2.
10 Kolb: Herrschaftsstrukturen, S. 210.
11 Vittinghoff: Sozialgeschichte, S. 469. Claudius wurde am 1. August 10 v. Chr. in Lugdunum geboren und zeigte daher sein Leben lang großes Interesse an Gallien und erreichte 48 n.Chr. die Aufnahme von gallischen Fürsten in den Senat (CIL XIII 1668 = ILS 212). Zur Anschauung vgl. Anhang I B.
12 Jacques: Struktur, S. 425.
13 Schlichtes, aber hochwertiges Tafelgeschirr aus rotem Ton, oft glasiert.
14 Jacques: Struktur, S. 428. Jones zählt des weiteren eine Reihe von Schiffer und Kaufmannsgilden auf, die in Lugdunum ihren Sitz hatten, z.B. die negotiatores vinarii Lugduni consistentes (CIL XIII 1911; zitiert nach Jones: Wirtschaftsleben, S. 70 f.).
15 Jones: Wirtschaftsleben, S. 70.
2
2.1.1.2. Die Münzprägeanstalt
Nicht jedoch die Funktion als Handelszentrum machte Lugdunum so wichtig für das Imperium, sondern die Münzprägestätte. Unter Augustus wurden in Gallien 15 v.Chr. erstmals Münzen hergestellt 16 , und „an overwhelming weight of evidence leads us to fix on Lugdunum, the chief city of that region [...]“ 17 . Die Indizien werden auch von Strabon unterstützt: Er erwähnt in seiner kurzen Beschreibung Lugdunums eindeutig, dass „die Statthalter der Römer [...] dort ihre Silber- und Goldmünzen [prägen]“ 18 . Häufiges Bildmotiv der Reversseite von municipalen 19 Bronzemünzen war der Altar des Provinzialkults in Lugdunum 20 , von Strabon als ein von den Galatern für Caesar und Augustus gestiftetes Heiligtum bezeichnet 21 . Die Geschichte der Münzprägeanstalt von Lugdunum ist wechselhaft 22 , zwischenzeitig geschlossen 23 , war sie unter Vespasian erneut die zweit-produktivste Prägeanstalt nach Rom 24 . Der genaue Standort der Münze ist nicht mehr zu ermitteln, doch nimmt Audin an, dass sie „sich in der Nähe der Kaserne befand (s. Anhang III), das heißt auf dem Plateau des [heutigen] Hügels St-Just. [...] Nichts davon ist erhalten.“ 25
2.1.2. Geographische Ausdehnung und „Dichte“ der Cohorten
Um den Vergleich der Einsatzgebiete der römischen cohortes urbanae und der lugduner Kohorte abzuschließen, soll hier noch knapp auf die topographische Ausdehnung derselben eingegangen werden, ohne dabei dem späteren Kapitel des Aufgabenbereiches vorzugreifen. Das Rom des ersten Jahrhunderts hatte etwa eine Million Einwohner 26 . Die Metropole erstreckte sich zu dieser Zeit auf einer Fläche
16 Amandry: Roman Provincial Coinage, S. 150. Dies war reichsweit die erste rein principale Prägeanstalt.
17 Mattingly: Coins of the Roman Empire in the British Museum, S. CXII.
18 Strabon 4,3,2.
19 Diese Münzen wurden bis Kaiser Tiberius von dem sog. consillium gallium für den regionalen Gebrauch geprägt.
20 Vittinghoff: Sozialgeschichte, S. 473. Zu einer detaillierteren Behandlung des Kaiserkults siehe: Raepsaet: Gallien, S. 174 - 176. Zur Anschauung vergl. Anhang IV B.
21 Strabon 4,3,2. Es gibt mehrere Möglichkeiten, was den Aufstellungsort und das Aussehen des Altars betrifft; aufgrund der modernen Besiedelung sind archäologische Forschungen sehr erschwert. Am wahrscheinlichsten ist mit diesem Altarmotiv der Tempel des Jupiterkults auf dem Forum gemeint. Siehe dazu Cleary: Rome, S. 40 - 42.
22 Für eine umfangreichere und detailliertere Geschichte der lugduner Münze, die hier aus thematischen und räumlichen Gründen nicht erfolgen kann, empfiehlt sich: Schmitt, Laurent: L’histoire de l’atelier de Lyon des origines à Claudius Albinus. In: Compas, Daniel (Hrsg): Lyon Monnaies Romaines. Collection Daniel Compas. Paris 2006, S. 11 - 13.
23 Vittinghoff: Sozialgeschichte, S. 473.
24 Carradice: The Roman Imperial Coinage, S. 4. Zur Anschauung vgl. Anhang IV C.
25 Audin: Topographie, S. 122. Gemeint ist der Hügel Fourvière, auf dem sich das heutige Lyoner Stadtviertel Saint-Just befondet.
26 Jongmann: Bevölkerung, S. 1077. Die Zahl wird durch steten Zuzug wie auch durch die ungesunden Lebensbedingungen in den späteren Jahrhunderten mehr oder weniger konstant geblieben sein.
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von ca. 23 km² 27 , ein Gebiet, dass nicht nur die sieben Hügel Roms umschloss, sondern auch weitläufige suburbia, Vorstädte, die vergleichbar den mittelalterlichen Städten eher ungeplant und verwinkelt 28 entstanden sind (s. Anhang II). Zusätzlich zu der schieren Größe der Stadt barg der Tiber bzw. die mit ihm einhergehenden kriminellen Möglichkeiten ein weiteres Risikopotential für die städtische Verwaltung 29 . Im direkten Vergleich mag Lugdunum kaum äußerliche Ähnlichkeiten mit Rom besitzen; selbst bei einer großzügigen Messung ist die Stadt an der Rhône maximal 2 km² groß 30 , und obwohl sie von der Forschung zu Recht als „Capitale des Gaules“ 31 bezeichnet wird, dürfte ihre Bevölkerung ungleich kleiner gewesen sein. Trotzdem war Lugdunum ein wichtiger Verwaltungssitz, der mit diversen Tempeln, Thermen, einem Forum und Theatern in einem kleineren Maßstab so prächtig ausgebaut war wie Rom 32 . Als Gegenstück zu den römischen suburbia existierten die cannabae 33 , welche wahrscheinlich ebenso schwer zu überwachen waren. Abschließend bedeuteten die Rhône und der Arar-Fluss (die Saône) mit ihrem regen Handelsverkehr für Lugdunum dasselbe wie der Tiber für Rom: Auch hier eine geographische wie verwaltungstechnische Übereinstimmung. Geht man nun von Hirschfelds Schätzung aus, dass in Rom „3000, später [...] 6000 Mann“ 34 stationiert waren, haben wir bestenfalls ein Verhältnis von 240 Sicherheitskräften/km² 35 . In Lugdunum, wo außer der Stadtkohorte keine weitere Sicherheitspolizei vorhanden war, betrug die Stärke der Kohorte 1200 Mann 36 : Das Verhältnis beträgt 667 Sicherheitskräfte/km². Das ist viel, erst recht für die Hauptstadt einer befriedeten
27 Die Fläche wurde vom Verfasser anhand der Karte (Anhang II) selbst errechnet.
28 Mit dem Prinzipat des Augustus begannen die großen stadtplanerischen Tätigkeiten, welche Sueton zu der Meinung bewogen, Augustus habe „an Stelle der Stadt aus Backsteinen [...] eine aus Marmor hinterlassen (Suet. Aug. 28,3 ). Die suburbia wurden erst unter Nero nach dem Brand von 64 n. Chr. mit einer einheitlicheren Architektur und einem effizienteren Straßensystem ausgestattet (Tac. Ann. 15, 43).
29 Dies ist nicht eindeutig belegt, ist aber aus der Bezeichnung der 568 v. Chr. (Mommsen: Staatsrecht, Teil 1, S. 611) erstmals erwähnten quinque viri cis Tiberim erschließbar, welche zumindest teilweise allein für das Gebiet jenseits des Tibers zuständig waren; So wurde eine Nachtwache zu beiden Seiten des Flusses erst ermöglicht - für diesen finanziellen und verwaltungstechnischen Aufwand muss es Gründe gegeben haben.
30 Vergleich dazu die Stadtkarte in Audin: Topographie, Fig. 5. Die Fläche wurde vom Verfasser errechnet. Durch die neue Bebauung ist es jedoch schwierig, die genaue Ausdehnung Lugdunums zu ermitteln; Einen Eindruck der Mühseligkeit archäologischer Forschung in Lyon gibt in seiner Gesamtheit Armand Despat (s. Fußnote 37).
31 Compas: Monnaies, S. 8.
32 Vgl. dazu Cleary: Rome, S. 62 - 96.
33 Audin: Topographie, S. 130 - 133. Ein „Vorort“ auf der Insel zwischen der Saône und der Rhône (das heutige 2. Arrondissement).
34 Hirschfeld: Sicherheitspolizei, S. 850.
35 Die vigiles sind hierbei nicht mitgerechnet, da sie in der Kaiserzeit als Feuerwache tätig waren.
36 Burdy: Guide, S. 56.
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Arbeit zitieren:
Patrick Charell, 2011, Die Stadtkohorte von Lugdunum, München, GRIN Verlag GmbH
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