1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit einem der bedeutendsten Bettelorden des Mittelalters, dem ordo fratrum minorum, dem Orden der minderen Brüder, den sog. Franziskanern.
Die Bearbeitung dieser Aufgabe erscheint wegen der Bedeutsamkeit des Ordens in der mittelalterlichen Geschichte, aber auch heute und vor allem wegen den bemerkenswerten Ziele und der damit verbundenen Lebensweise der Mönche dieses Ordens interessant.
Die Intention dieser Arbeit liegt darin, den Orden der minderen Brüder anhand von Quellen- und Forschungsliteratur überblicksartig, von der Gründung bis zum Tod des Ordensführers und der damit verbundenen ersten Spaltung des Ordens im Jahre 1226 darzustellen. Hauptaugenmerk liegt dabei auf den beiden wichtigsten Regelwerken des Franziskus an seine Anhänger, der Bullierten Regel und des Testamentum. Bezug genommen wird auch auf einen zweiten großen, nicht minder bedeutenden Orden, den der Dominikaner. Erläutert werden sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Bettelorden. Abschließend wird ein Ausblick auf die vielfältigen Tätigkeitsbereiche des Franziskanerordens und seine Bedeutung in unserer Zeit gegeben.
2 Hauptteil
2.1 Die Ordensgründung und das Leben des Franziskus
Zu Beantwortung der Frage wie der Orden der Franziskaner gegründet wurde, ist es im Vorfeld nötig, die Definition des Ordensbegriffes vorzunehmen: Orden können als religiös orientierte, zentral geleitete und hierarchisch strukturierte Personalverbände umschrieben werden. Ihnen kommt der Charakter einer freiwilligen Organisation und eines Teilsystems der Kirche zu. 1 Gegründet wurde der ordo fratrum minorum von einem der wichtigsten Heiligen der katholischen Kirche Franziskus von Assisi, welcher als Sohn eines politisch einflussreichen wie wohlhabenden Kaufmannes als Giovanni Bernadone 1181/82 in Assisi geboren wurde. Er durchlief einen für damalige Zeiten typisch
1 G. SCHMELZER, Religiöse Gruppen, S. 206f.
3
verlaufenden Sozialisationsprozess, welcher eine städtische Schulbildung und gesellschaftlich betrachtete Nebenerscheinungen wie Luxus und Verschwendung mit sich führte. Ein Prozess des Umdenkens setzte ein, als Franziskus 1202/03 in Perugia für etwa ein Jahr in Gefangenschaft geriet. 2 Durch die Erfahrung von Hunger und Entbehrungen schlug er gegen 1206 einen neuen Lebensweg ein. Ein Leben in Armut sollte die von ihm angestrebte Nachfolge von Jesus Christus ermöglichen. Dieser Überzeugung folgte eine große Anhängerschaft. Das Franziskus sich der Kirche völlig unterwarf ermöglichte 1209 die Anerkennung seiner Glaubensgemeinschaft durch Papst Innocenz III, welche mit der Erlaubnis zur einfachen Bußpredigt einher ging. Der Orden breitete sich europaweit aus. Auf ihren Wanderungen zogen Franziskus und seine Anhänger barfuß durch ganz Italien bis nach Ägypten. 1220 zog sich Franziskus von der Leitung des Ordens und damit in die Einsamkeit zurück. Sein Glaube blieb jedoch zeitlebens ungebrochen und bestimmte sowohl Geist als auch Körper derart, dass Franziskus 1224 die Wundmale Jesus Christus empfing (Stigmatisation).
Papst Honorius III bestätigte 1223 die endgültige Regel 3 für den Orden der Franziskaner. 4 Ein weiteres wichtiges Regelwerk diktierte Franziskus kurz vor seinem Tod im September/Oktober 1226, das Testamentum. 5 Nachdem Franziskus 1226 starb, wurde er bereits zwei Jahre nach seinem Tod heilig gesprochen. 6
2.2 Merkmale und Lebensweise des Ordens der minderen Brüder
Das Leben der Mönche erfolgt verschiedensten Regeln sowie Regelwerken, die den Franziskanerorden charakterisieren. Diese Regelwerke wurden von Franziskus von Assisi verfasst und sind heute als Quellenschriften überliefert. Im Folgenden werden sie im Bezug auf eine Quellenschrift vorgestellt 7 .
2 Die Gefangenschaft ereignet sich aufgrund von Auseinandersetzungen verfeindeter Städte.
3 Die endgültige Regel ist auch als bullierte Regel bekannt und wird unter Punkt 2.2.2 behandelt.
4 Darauf wird unter Punkt 2.2.2 noch genauer eingegangen.
5 Das Testamentum wird ebenfalls detaillierte unter Punkt 2.2.3 betrachtet.
6 J. OBERSTE, Mittelalter, S. 104f.
7 Hrsg. L. HARDICK und E. GRAU, Schriften.
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2.2.1 Das Leben in Askese
Die Askese stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie Übung. Dabei geht es im ursprünglichen Sinne vor allem um Training der Athleten. Später entwickelt sich die Askese, wie wir sie heute definieren, als religiös begründete Enthaltsamkeit im Bezug auf verschiedene Lebensbereiche. 8 Das Leben in Askese verlangte danach von den Mönchen ein Leben nach strengen Vorschriften. Buße und Armut, materiell als auch geistig, sexuelle Enthaltsamkeit, strikter Gehorsam, Handarbeit und Stillschweigen sind Bedingungen für den asketischen Lebensstil, welchem der Franziskanerorden unterlag. 9
2.2.2 Das Leben nach der Bullierten Regel
Die bullierte Regel, in der Literatur auch als endgültige Regel auffindbar, ist als geistiges Dokument 10 mit Gesetzescharakter zu verstehen und damit für die Mönche verpflichtend. Sie wird an dieser Stelle in Auszügen zusammengefasst. Die Lebensweise der Minderen Brüder sollte von Gehorsam, Armut und Enthaltsamkeit geprägt sein. Bruder Franziskus verspricht [des Weiteren] Gehorsam […] dem Papst […] und die anderen Brüder sollen verpflichtet sein dem Bruder Franziskus. 11 Den Brüdern wird es verboten Geld anzunehmen: Ich gebiete allen Brüdern streng, auf keine Weise Münzen oder Geld anzunehmen [...]. Geistliche Freunde, die nicht Mitglieder des Ordens sind, konnten falls nötig, Geldgeschäfte abwickeln. Arbeiten sollte, laut Franziskus von Assisi, wer Arbeit ausüben konnte. Dass die Entlohnung der Arbeit einzig in Form von Lebensnotwendigkeiten, wie Nahrungsmitteln oder Bekleidung erfolgen durfte, ist unbedingte Voraussetzung. Bei der Arbeit war darauf zu achten, dass genügend Zeit zum Gebet verblieb. Darüber hinaus war das Leben der Ordensmitglieder in völliger Armut zu führen: Die Brüder sollen sich nichts aneignen, weder Haus noch Ort noch irgendeine Sache. Es durfte keinerlei Eigentum besessen werden. Nur wer sein Leben in Besitzlosigkeit führte, konnte Reichtum im Himmel erhalten.
8 Hrsg. Bibliografisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Lexikon, S. 505.
9 F. CHRISTIANI, Die Lebensordnung, S. 62f.
10 Hrsg. L. HARDICK und E. GRAU, Schriften, S. 98.
11 Ebd. S. 99.
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Arbeit zitieren:
Katja Neumann, 2009, Merkmale und Lebensweise des Ordens der Franziskaner, München, GRIN Verlag GmbH
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