1. Einleitung
Deutlichkeit als Kommunikationsprinzip gibt es schon seit der Antike (Asmuth 2003, S. 814). Was aber genau unter „Deutlichkeit“ verstanden wird, hat sich im Laufe der Geschichte verändert. Ebenso existieren unterschiedliche Bezeichnungen für das kommunikative Konzept der Deutlichkeit, und die Geltungsbereiche des Kommunikationsprinzips verschoben sich über die Jahre.
Das Ziel war es, herauszufinden, was unter dem Kommunikationsprinzip „Deutlichkeit“ verstanden wird und wurde, welche unterschiedlichen Bezeichnungen dafür existier(t)en und welche Aspekte dadurch jeweils hervorgehoben wurden, und welches die Geltungsbereiche von Deutlichkeit sind und waren. Dazu wurden Textstellen aus Stilistiken, Briefstellern, Anstandsbüchern etc. ab dem 18. Jh. bis zur Gegenwart auf Erwähnungen und Beschreibungen von Deutlichkeit hin untersucht.
2. Deutlichkeit als Kommunikationsprinzip
Deutlichkeit ist ein besonders wichtiges Kommunikationsprinzip, weil es eines der grundlegendsten Bedürfnisse von Kommunikation abdeckt: Die Verständlichkeit. Kommunikation funktioniert dann und nur dann, wenn das Gesagte/Geschriebene ver-standen wird. Deutlichkeit fordert von den Sprechenden/Schreibenden also, dass sie ein möglichst gutes Verstehen beim Rezipienten ermöglichen (vgl. Asmuth 2003, S. 814). Dies soll einerseits durch inhaltliche Deutlichkeit, andererseits durch Deutlichkeit auf der Seite des Ausdrucks geschehen. Diese Dualität erhält sich weitgehend bis heute. Deutlichkeit fordert auf der Inhaltsebene, dass die intendierte Äusserungsbedeutung identisch ist mit der tatsächlichen Äusserungsbedeutung (Klarheit), auf der Ausdrucksebene, dass die tatsächliche Äusserungsbedeutung leicht zu erfassen ist (Verständlichkeit). Kennzeichen der Deutlichkeit sind „1. Eindeutigkeit, 2. gute Anordnung, 3. hinreichende Ausführlichkeit bzw. Detailgenauigkeit, 4. Anschaulichkeit, 5. Ungewöhnlichkeit bzw. ästhetischer Glanz, 6. Verständlichkeit.“ (Asmuth 2003, S. 814f.). Die zentralen Punkte sind dabei die Eindeutigkeit, die gute Anordnung sowie die Verständlichkeit. Eindeutigkeit bezieht sich eher auf die Ausdrucksseite, die gute Anordnung auf die Inhaltsseite und die Verständlichkeit ist die Wirkung der beiden vorhergehenden Punkte (vgl. Asmuth 2003, S. 815). Die Punkte der Anschaulichkeit und des ästhetischen Glanzes waren vor allem in der Antike wichtig, haben sich jedoch im Zuge der Aufklärung auf andere Bereiche verlagert oder sind sogar ganz aus dem Bereich der
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Deutlichkeit verschwunden. Auf die Entwicklung des Kommunikationsprinzips der Deutlichkeit im Laufe der Geschichte werde ich später genauer eingehen. Die in der Antike gebräuchlichen Begriffe für dieses Kommunikationsprinzip, gr. saphéneia oder lat. Perspicuitas (wörtl: Durchsichtigkeit), wurden in Übersetzungen anfangs meist mit Deutlichkeit wiedergegeben, später auch mit Klarheit (vgl. Asmuth 2003, S. 817f.). Auch genannt wird die Verständlichkeit, die den zentralen Punkt der Forderung nach Deutlichkeit ausdrückt. Klarheit wird seit der Aufklärung mit Deutlichkeit weitgehend synonym verwendet, betont aber den inhaltlichen Aspekt des Kommunikationsprinzips (vgl. Asmuth 2003, S. 818/Adelung 1800, S. 112f.). Ausserdem ist Klarheit (wie perspicuitas) ein metaphorischer Begriff, der seine Bedeutung aus der Lichtmetaphorik bezieht (vgl. Asmuth 2003, S. 817). Dies unterstreicht, dass Klarheit vor allem als Denkprinzip und Eigenschaft von Gedanken gesehen wurde. Klarheit wurde im Zuge der Aufklärung ein prominenter Begriff in Bezug auf kommunikative Deutlichkeit, da Sprache stärker mit dem Denken in Verbindung gebracht und vom Gedanken Klarheit gefordert wurde. Deutlichkeit bezieht sich also seit der Aufklärung, trotz der weitgehend synonymen Verwendung mit Klarheit, mehr auf die Ausdrucksseite. (Vgl. Asmuth 2003, S. 853ff.)
Deutlichkeit wird in der Antike vor allem im Gerichtswesen gefordert, breitet sich aber mehr und mehr auch auf andere Bereiche aus. So wird in Bezug auf Briefe, geschäftliche Angelegenheiten, wissenschaftliche und sachliche Texte während und nach der Aufklärung verstärkt auch nach Deutlichkeit verlangt. In Briefen ist Deutlichkeit notwendig, weil der Rezipient wegen der Abwesenheit des Autors beim Lesen keine Erklärungen bekommen kann, der Brief also für sich selbst sprechen und verständlich sein muss (Vgl. Landmann C.T., 1813). Bei geschäftlichen Angelegenheiten und wissenschaftlichen oder Sachtexten ist Deutlichkeit unverzichtbar, da es darum geht, einen Inhalt ohne Einbussen des Inhalts zu übermitteln. In der Folgezeit der Aufklärung wird Deutlichkeit vermehrt zum allgemeingültigen Prinzip erhoben. Einen Ausnahmefall stellt die Dichtung oder Kunst dar. Zwar muss auch die Dichtung sprachlich verständlich sein, doch lebt sie von einer gewissen Dunkelheit und Unklarheit. In diesem Bereich ist Deutlichkeit eher ein Kommunikationsantiideal als ein -ideal. (Vgl. Asmuth 2003, S. 814ff.; S. 852ff.)
Die Funktion von Deutlichkeit besteht aber nicht nur darin, das Verstehen zu sichern und Missverständnisse zu umgehen, sondern auch durch das Vermeiden von Missverständnissen Konflikte zu vermeiden. Denn Deutlichkeit ist auch eine Form des Um-
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Arbeit zitieren:
Allegra Schiesser, 2008, Überblickspapier zum Kommunikationsprinzip „Deutlichkeit“, München, GRIN Verlag GmbH
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