Gliederung:
1. Einleitung S.3
2.Kurzer Überblick über die Geschichte Afghanistans S.3
2.1 Ethnische Gruppen in Afghanistan S.4
2.2 Die Paschtunen S.5
3. Das Problem der Gewaltmärkte S.6
4. Ethnizität S.7
5. Paschtunistan - Utopie oder mögliche Lösung S.7
5.1 Externe oder interne Manipulation gegen einen Vereinigungsprozess S.8 6.
Segment äre Gesellschaft S.9
Literaturverzeichnis S.10
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1. Einleitung
Die Paschtunen sind in den Ländern Afghanistan sowie Pakistan ansässig und machen etwa die Hälfte der Bevölkerung Afghanistans (ca. 7 Mio. Menschen) aus. Sie gelten als ethnische Einheit, die in Stämme untergliedert ist. Diese Stämme sind jedoch eigenständige Einheiten, die durchaus als Ethnien angesprochen werden können.
Bereits Babur schrieb zu Beginn des 16. Jahrhunderts: "Es ist sehr ungewiss, ob in irgend einem Lande so viele verschiedene Stämme und Sprachen beisammen gefunden worden." 1 Im Folgenden wird zu klären sein, ob es möglich ist, in einem Land, welches im Zuge der Kolonialisierung territorial zerstückelt wurde, und das so viele verschiedene Stämme und Sprachen beherbergt, einen Nationalstaat Paschtunistan zu gründen.
2. Kurzer Überblick über die Geschichte Afghanistans
Um etwa 600 v. Chr. wurde Afghanistan durch den Perserkönig Ciro erobert. Vor der persischen Eroberung redet man von den sog. Omur, eine Vorbevölkerung, die im Laufe der Zeit von den verschiedenen Paschtunen-Stämmen assimiliert wurde. Die Legende besagt, dass eine Omur-Familie ein Findelkind groß zog, aus dessen Nachkommenschaft eine ganze Reihe namhafter Paschtunen Stämme hervorging; die sog. Karlanri-Stämme.
Nach der Herrschaft Ciros regierte Darius I (522-486 v. Chr.) das afghanische Gebiet. 330-327 v. Chr. fiel Alexander der Große in Afghanistan ein und macht es zu einer Provinz seines Reiches. Nach Ale-xander dem Großen wurde Afghanistan zunehmend indisch beeinflusst (Königreich der Baktriana; 250 v. Chr.-lOO n. Chr.), in den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten gelangte das Land auf-grund der Seidenstrasse zeitweise zu hohem Wohlstand und der Buddhismus expandierte immer mehr in dieser Region. Auch Indien hatte großen Einfluss auf das Land und so kam es zeitweise zu Massenkonversionen zum Brahmanismus. 652-664 n. Chr. fielen die Araber ein, eroberten das Land und führten den Islam ein.
1220 und 1222 eroberten und plünderten Ghenghis Khans Truppen Afghanistan. 1504-1525 n. Chr. gelangt König Babur an die Macht und ernennt Kabul zur Hauptstadt Afghanistans.
1747 wird Ahmad Kan gekrönt. Während seiner 26-jährigen Herrschaft gelingt es ihm, die verschiedenen afghanischen bzw. paschtunischen Stämme zu vereinen und das Reich zeitweise bis zum Meer von Oman und bis zum Indus Fluss zu erweitern.
Ab 1809 gab es ständig kriegerische Auseinandersetzungen mit den britischen Kolonialtruppen. 1839 kommt es dann zum ersten Britisch-Afghanischen Krieg.
1 Biblioteca Afghanica, S.122; (Babur = Mohammed Zahir -ud -din, Nachkomme von Tamerlane und Ghenghis Khan, Herrscher über Kabul zu Beginn des 16. Jahrhunderts; aus Ewans, M. "Afghanistan", S.18).
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1878-1881 herrscht der zweite Britisch/Afghanische Krieg im Land und 1919-1920 kommt es zum dritten und letzten Britisch/Afghanischen Krieg.
1921 akzeptieren die Briten schließlich Afghanistan als unabhängiges Land und ein afghanischer Staat wird mit Hilfe von Ahmad Shah gegründet. 1973 ruft Sardar Muhammad Daud die Republik Afghanistan aus.
Nach etwa 50 Jahren feudaler Monarchie setzt die ehemalige UdSSR 1979 Barak Karmal an die Macht und die sowjetische Invasion beginnt. Die folgenden zehn Jahre sind gekennzeichnet durch die verteilten Guerilla Kriege der afghanischen und paschtunischen Mudschahedin (Gotteskrieger) gegen die sowjetischen Besatzer.
1989 ziehen die sowjetischen Truppen ohne Erfolg ab. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen teilen sich die mächtigsten Anführer der verschiedenen Stämme das Land und es kommt zum Bürgerkrieg. In den folgenden Jahren etabliert sich die Taliban (Gottesschüler)-Herrschaft als gewaltsamer Versuch ,das afghanische Volk zu vereinen bzw. zu verwalten, was sich als besonders schwierig bei den Stämmen der Bergregion des Landes erweist. 2
Ab 11.09.2001 beginnt der gewaltsame Sturz des Talib-Regimes durch die USA und ihre Verbündeten. Nach dem Sturz des terroristischen Regimes der Taliban, dessen traurige Höhepunkte zahlreiche Menschenrechtsverletzungen, die Zerstörung jahrhundertealter buddhistischer Statuen und Denkmäler und angebliche Verbindungen zu Osama Bin Ladens Al Quaida-Organisation beinhalten, kehrt der afghanische König Muhammad Zahir aus dem Exil zurück und die Einberufung der Loya Dschirga (dschirga bedeutet Beratung; im Mongolischen) findet wieder statt. Seit der Befreiung von den Taliban ist das Land noch immer akephal bzw. kopflos und die verschiedenen Stämme beginnen erneut mehr und mehr Macht zu bekommen, was einern neuen Bürgerkrieg Tür und Tor öffnen könnte.
2.1 Ethnische Gruppen in Afghanistan
Die verschiedenen Einwohner Afghanistans sind durch eine Vielfalt ethnischer und sprachlicher Besonderheiten gekennzeichnet. In Nordafghanistan siedeln überwiegend Turkmenen, Uzbeken und Tadschiken. Im Westen leben die schiitischen persisch sprechenden Farsiwan im Iran und in Afghanistan. Im Süden leben die Belutschen und im Osten geht die Staatsgrenze mitten durch paschtunische Gebiete. Die etwa. 2 Millionen Nomaden überschreiten die Grenze regelmäßig auf ihren Wanderungen. Allen Gruppen gemeinsam ist, dass sie mehr neben- bzw. gegeneinander leben und kein ausgeprägtes Bewusstsein haben, primär Afghane und sekundär Mitglied eines Stammes zu sein. 3 Dies bedeutet, das Wir-Gefühl als Stammesmitglied ist meist intensiver als das Wir-Gefühl Paschtune oder gar Afghane zu sein.
In Afghanistan leben etwa. 6-7 Mio. Paschtunen, 2-3 Mio. Tadschiken, 2-3 Mio. Hazarer,2 Mio. Uzbeken sowie Baluchis, Turkmenen und Kirgisen.
2 Historical Dictionary of Afghanistan, S.331-428.
3 Wiebe, D. "Afghanistan", S.124.
Arbeit zitieren:
M.A. Oliver Kneip, 2002, Die Paschtunen - das Problem der Gründung eines Nationalstaates , München, GRIN Verlag GmbH
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