Bojan Kustura 0649617 Anthropology of Conflict and Violence. WS 2010. LV.-Nr.: 240171
Inhalt:
1. Einleitung 3
2. Staatsgewalt aus marxistisch-strukturalistischer Sichtweise 3
2.1 Zur Person 3
2.2 Zentrale Fragestellung 4
2.3 Das Wesen der Hegemonie 4
2.4 Zivilgesellschaft und integraler Staat 5
2.5 Passive Revolution, Fordismus 5
2.6 Kritik und Alternativen zur Gramsicianischen Sichtweise 7
3. Staatsgewalt aus Diskurstheoretischer Sichtweise 10
3.1 Zur Person und zum wissenschaftlichen Kontext 10
3.2 Zentrale Thesen Foucaults 10
3.3 Die Überleitung zur Staatsgewalt 11
3.4 Überwachen und Strafen und der Bezug zur Macht 12
3.5 Berührungspunkt zwischen Foucault und Gramsci 13
3.6 Kritik und Aktualität seiner Thesen 14
4. Conclusio 15
5. Quellenverzeichnis 16
Seite 2 von 17
Bojan Kustura 0649617 Anthropology of Conflict and Violence. WS 2010. LV.-Nr.: 240171
1. Einleitung:
Selten erfreuen sich anthropologische Fragestellungen solch einer breiten zivilgesellschaftlichen, politischen und medialen Aufmerksamkeit. Allein die Ereignisse im Maghreb und in anderen Staaten des Nahen und Mittleren Ostens, welche sich in den letzten Monaten abgespielt haben, führten zu einem inflationären aufkommen politökonomischer und anthropologischer Begrifflichkeiten. Zentral in diesem Kontext steht ebenso der Blick auf die Zivilgesellschaft, wie auch die Autokratien, d.h. Macht, Herrschaft, und Gewalt. Im Rahmen unserer Lehrveranstaltung: „Anthropology of Conflict and Violence“ möchte ich einen zentralen Begriff aus strukturalistisch-marxistischer bzw. diskurstheoretischer Perspektive beleuchten, und auf etwaige Mängel bezüglich der Konzeption eingehen: den Begriff der Staatsgewalt. Um dies bewerkstelligen zu können, orientiere ich mich an den Theoremen von Michel Foucault und Antonio Gramsci. Ich will aber auch versuchen mögliche Kritikpunkte zu erörtern. Ich bin ebenfalls der Überzeugung dass sozialwissenschaftliche Theorien nur in Zusammenhang mit ihrem Entstehungskontext sinnvoll erfasst werden können. Aus diesem Grund ist es notwendig sich zunächst mit ihren EntwicklerInnen zu beschäftigen.
2. Staatsgewalt aus marxistisch-strukturalistischer Sichtweise 2.1 Zur Person:
Antonio Gramsci (1981- 1937) war ein italienischer Intellektueller und Schriftsteller der Anfang des 20. Jhdts. Lebte. Er wurde in Sardinien geboren als eines von sieben Kindern und konnte nur mit Hilfe eines Stipendiums in Turin studieren. Politisch war er höchst aktiv. Was sich letztendlich auch in seiner Gründungs- und Vorsitzendenrolle der Italienischen Kommunistischen Partei wieder spiegelte. (vgl. URL1)
Gramsci war u.a. auch marxistischer Theoretiker und Philosoph der sich mit Fragen der praktischen Philosophie auseinander setzte. Dies brachte ihm, zur Zeit des aufflammen des italienischen Faschismus, eine 11 Jährige Gefängnisstrafe ein, wo er auch 1937 mit nur 46 Jahren verstarb. Seine literarische Hinterlassenschaft aus dieser Zeit wurde unter dem Namen „die Gefängnishefte“ weltbekannt. Dabei handelt es sich um eine fragmentarische Schrift mit
Seite 3 von 17
Bojan Kustura 0649617 Anthropology of Conflict and Violence. WS 2010. LV.-Nr.: 240171
insgesamt über 3000 einzelnen Seiten, die von Gramsci selbst nie zur Veröffentlichung gedacht waren. (vgl. URL1) 2.2 Zentrale Fragestellung:
Eine der zentralen Fragen die Gramsci beschäftigte war jene warum es nach der Oktoberrevolution von 1917 in Russland, nicht zu einer Ausbreitung im weiteren Europa gekommen war. Die Antwort war in der „komplexen“ und „widerständigen Struktur der Zivilgesellschaft“ zu finden. (vgl. Gramsci, zit. n. Haugg, 1991: o.S.). Dies hatte für Gramscis Arbeit weitgehende Konsequenzen, denn es bedeutet:
„es kann und muss [daher] eine politisch [und kulturelle] Hegemonie auch vor dem Regierungsantritt
geben, und man darf nicht nur auf die durch ihn verliehen Macht und die materielle Stärke zählen“ (vgl.
ebd.).
Von daher stellt sich die Frage: Was meint der Begriff der Staatsgewalt bei Gramsci bzw. Foucault? Und welche Kritik kann an seiner Konzeption geübt werden? 2.3 Das Wesen der Hegemonie:
Diese, von Gramsci angesprochene, Hegemonie ist einer der zentralen Begriffe in seinem Theorem. Wohlgemerkt greift hier aber die bloße Übersetzung in Vorherrschaft zu kurz, denn es handelt sich hierbei nicht um die bloße Unterwerfung unter eine anonyme Staatsgewalt: „Hegemonie schließt bei Gramsci vielmehr die aktive Zustimmung der Subalternen zu ihrer
Unterwerfung mit ein: Zwang und Konsens. Hegemoniefähig wird eine gesellschaftliche Gruppe oder
Klasse nur, wenn es ihr gelingt, den engen Bereich der Eigeninteressen zu überschreiten, also von einer
korparativ-partikularistischen Phase in eine ethisch-politische Phase einzutreten, in der sie eine
progressive Funktion für die gesamte Gesellschaft übernimmt […]“ (vgl. Candeias, o.J.: S. 19).
Insofern geht es bei einem Hegemonialen Projekt um einen Prozess der Verallgemeinerung von Partikularinteressen (vgl. Demirovic, 1992: S. 154. zit. n. Candeias, o. J.: S. 19). Dies bedeutet von daher auch dass die „subalterne“ 1 Klasse, welche folglich nicht aktiv an der Macht beteiligt ist, echte Erwartungshaltungen und Interessen hegt, die zumindest graduell von der hegemonialen Klasse befriedigt werden müssen, um die Herrschaft bzw. das Gleichgewicht der an und für sich widersprüchlichen Interessensfraktionen innerhalb des Machtapparates d.h. des Staates zu gewährleisten (vgl. Candeias, o. J.: S. 20ff).
1 Angemerkt werden muss hier dass der Begriff der „Subalternen Klasse“ im marxistischen Sinne das so
genannte Proletariat meint, von Gramsci aber als Substitut verwendet wurde um der Zensur des faschistischen
Regimes in Italien zu entgehen (vgl. Spivak, 2008: o. S.).
Seite 4 von 17
Bojan Kustura 0649617 Anthropology of Conflict and Violence. WS 2010. LV.-Nr.: 240171
Das heißt die Unterwerfung unter die Staatsgewalt muss immer bis zu einem gewissen Grad freiwillig sein. Insofern bedeutet Hegemonie für Gramsci dass:
„das Staatsleben als ein andauerndes formieren und Überwinden von instabilen Gleichgewichten zu
fassen ist […] von Gleichgewichten, in denen die Interessen der herrschenden Gruppen überwiegen,
aber nur bis zu einem gewissen Punkt, d.h. nicht bis zu einem engen ökonomisch-korporativen
Interesse.“ (vgl. Gramsci, zit. n. Candeias, 2007: S. 20).
Von daher ergibt sich als Schlussfolgerung ein Verhältnis von Machtblock und geschichtlichem Block, wobei der Machtblock die widersprüchliche Relation zwischen „Regierten und Regierenden“ und der geschichtliche Block die widersprüchliche Einheit dieser beiden darstellt. Insofern ist die Trennung von Basis und Überbau im marxistischen Sinn eine relative (vgl. Candeias, 2007: S. 19ff). 2.4 Zivilgesellschaft und integraler Staat:
Der Kampf um die Hegemonie wird aber nicht nur auf der Ebene des politischen Verwaltungsapparates ausgefochten. Er bildet nur die Oberfläche des komplexen ganzen. Hinter ihm steht „eine robuste Struktur der Zivilgesellschaft“ (vgl. Gramsci, zit. n. Candeias, 2007: S. 22ff). Sie umschließt alle geführten Diskurse und alle Institutionen, die summa summarum ein widersprüchliches Gemenge an „Hegemonialapparaten“ darstellen in welchen die „gemeinschaftliche Ausarbeitung des ökonomischen und kulturellen Lebens“ stattfindet. Somit stellt Zivilgesellschaft jenen Raum zwischen Ökonomie und Staat dar, der wiederum umkämpft ist (vgl. ebd.). Es kann also festgestellt werden: Staat = Politische Gesellschaft + Zivilgesellschaft. D.h. „Hegemonie gepanzert mit Zwang“. Dieses Konzept ist auch bekannt als „integraler Staat“ (vgl. ebd.). 2.5 Passive Revolution und Fordismus:
Wie aber geschieht die Unterwerfung unter die Gewalt dieses integralen Staates? Ein wesentlicher Begriff des gramscianischen Theorems ist jener „passiven Revolution“. Gemeint ist damit die Durchsetzung der tayloristischen Arbeitskonzeption d.h. der Trennung von Konzeption und Durchführung von Arbeitsprozessen bei gleichzeitiger Outputsteigerung (vgl. ebd.: S. 24f). Dieses Phänomen wurde auch unter dem Synonym „Fordismus“ bekannt. Es handelte sich dabei laut Gramsci um eine Revolution von oben. Diese Revolution wurde aber mit Konsens und Zwang durchgeboxt. Konsens dahingehend, dass es höhere Löhne und
Seite 5 von 17
Arbeit zitieren:
Bojan Kustura, 2011, Was ist Staatsgewalt?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte: Was ist Staatsgewalt? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte: neuer Titel erschienen: Was ist Staatsgewalt?
Bojan Kustura hat einen neuen Text hochgeladen
The Antonio Gramsci Reader: Selected Writings 1916-1935
Antonio Gramsci, David Forgacs, J. Hobsbawm Eric
0 Kommentare