Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung von Studenten - eine empirische Studie- 2
-
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
3
1. Rahmenbedingungen in der Gesellschaft
1.1 Die ökonomischen Bedingungen in Deutschland
und ihr Einfluss 7
1.2 Die historischen Entwicklungen von den 1950ern
bis 1980ern 8
1.3 Der Strukturwandel in Deutschland ab den 1980er
Jahren 9
1.4 Die entgrenzte Jugend 13
1.5 Entgrenzung - begriffliche Einordnung 16
2. Junge Erwachsene
2.1 Eine begriffliche Einführung 18
2.2 Die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt 20
2.3 Studium als Erweiterung der Zugangsmöglichkeiten 22
2.3.1 Betrachtung der biografischen Studienverläufe
in der Sozialpädagogik 25
3. Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung
3.1 Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung -
theoretische Aspekte 29
3.2 Über die Entstehung des Begriffs soziales Netzwerk 30
3.3 Charakteristika sozialer Netzwerke 35
3.4 Formen von sozialen Netzwerken 38
Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung von Studenten - eine empirische Studie- 3
3.5 Forschungsgegenstand Networking am Beispiel des „YOYO“- Projekts 43 4. Betrachtung sozialer Netzwerke und soziale
Unterstützung bei Erziehungswissenschaftsstudenten der
Universität Hildesheim
4.1 Die Idee für die Befragung 50 4.2 Durchführung und Auswertungsmethode der Befragung 51
4.3 Erörterung der Ergebnisse 62
Resümee 66 Literaturverzeichnis
Anhang:
Fragebogen
Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung von Studenten - eine empirische Studie- 4
Einleitung
Das Interesse an sozialen Netzwerken und ihren Wirkungen auf ihre Mitglieder erfährt seit Jahren ein ständig wachsendes Interesse und hielt Einzug in die verschiedensten Wissenschaften. Auch Befragungen zu diesem Thema führten zu dem Schluss, dass Beziehungen zwischen Menschen und ihre informellen Unterstützungsleistungen als wichtigste Ressource in der Biografie gezählt werden (vgl. Röhrle 1994). Diese Verknüpfung von Personen mit ihren daraus gezogenen Hilfen findet mit wachsendem Interesse in der Politik und Wirtschaft größere Beachtung. Diese Entwicklung bringt zum Ausdruck, dass in der sozialen Unterstützung Kräfte und Potentiale schlummern, die es für unterschiedlichste Bereiche im Leben zu wecken gilt.
Angesichts des Strukturwandels als Folge von Technologisierung, Kapitalisierung, Globalisierung und der Krise des Wohlfahrtsstaates (vgl. Röhrle1994) sieht sich auch die sozialpädagogische Beschäftigungsförderung vor der Herausforderung, sich in diesem Bereich neu anzugliedern und neu orientieren zu müssen (vgl. Arnold/ Böhnisch/ Schröer 2005). In diesem Rahmen erhalten soziale Beziehungen mit ihren Unterstützungskomponenten eine neue Bedeutung. Als besonders schwierig werden die Gestaltung und der Einstieg der jungen Frauen und Männer in das Berufsleben gesehen. Sie stehen vor einem wichtigen Schritt: Dem Abschluss des Jugend-Seins und das Eintreten in das Erwachsenen-Sein und befinden sich in Übergangssituationen unter anderem in das Arbeitsleben. Die hauptsächliche Aufmerksamkeit in dieser Literatur wird auf Heranwachsende gelegt, die Probleme mit der Integration in das Berufsleben haben (vgl. Walther 2000; Arnold 2005). Die wachsende Konkurrenz, die zwischen den Bewerbern herrscht, steht im Zusammenhang mit dem steigenden Bildungsstand der Menschen, der niedrigere Abschlüsse verdrängt. Die Komplexität der Lebenssituation, die auf die jungen Frauen und Männer wirkt, macht das Aufstellen des Selbstkonzeptes für die spätere Orientierung auf dem Arbeitsmarkt und letztendlich das Finden einer Arbeitsstelle zu einer Herausforderung.
Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung von Studenten - eine empirische Studie- 6
Die Arbeit besteht aus vier Kapiteln, die einzelne Themenschwerpunkte behandeln. Sie wiederum setzen sich aus einzelnen Abschnitten mit Unterpunkten zusammen. Die ersten drei bilden die theoretische Grundlage mit eigenen Überlegungen für die empirische Untersuchung, die im letzten Kapitel vorgestellt und nach den Gütekriterien der Validität, Reliabilität und Objektivität ausgewertet wird. In meinen Ausführungen habe ich mich dazu entschlossen die männliche Version von Personenangaben und Professionen für eine leichtere Lesbarkeit zu verwenden. Trotzdem beziehen sich meine Aussagen immer auf beide Geschlechter.
Einen Einstieg in das Thema der Arbeit stellt das erste Kapitel über die Rahmenbedingungen in Deutschland dar. Sie werden in Bezug zu den Lebensbedingungen von Menschen im 21. Jahrhundert gebracht und hinterfragt, warum Lebensverläufe an ihrer Linearität verloren haben und welche neuen Konsequenzen dies hat. Es gibt einen zusammenfassenden Überblick über den Stand der Diskussionen in der vorhandenen Literatur. Durch die Frage, warum soziale Netzwerke mit ihren Unterstützungsleistungen wichtiger werden, sollen die Einflüsse der Strukturentwicklung auf Heranwachsende veranschaulicht werden. Dies soll unter Einbezug der Entwicklung der Bedingungen in Deutschland durch sowohl ökonomische, als auch ökologische Faktoren deutlich gemacht werden. Im weiteren Verlauf wird eine Definition von Jugend und seiner Entwicklung gegeben. Das Thema Jugendliche und ihre Lebensbedingungen beim Übergang in die Arbeit wird anhand der Fragestellung untersucht, mit welchen Besonderheiten sie sich im Zuge der Entwicklungen in Deutschland konfrontiert sehen. Dies führt zu einer weiterführenden Definition von jungen Erwachsenen und ihren Lebensbedingungen. In diesem Abschnitt wird speziell auf die
Übergangssituationen und den Faktor Entgrenzung durch die Veränderung der Rahmenbedingungen in Deutschland eingegangen und ihre Auswirkungen auf die Situation der Heranwachsenden mit Hilfe verschiedener Beiträge in der Literatur beleuchtet. Danach wird das Studium als eine Chance zur Erweiterung der Zugangsmöglichkeiten vorgestellt und biografische Verläufe anhand einer Studie über individuelle Studienverläufe bei Hochschülern der Sozialpädagogik von Cornelia Schweppe vorgestellt.
Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung von Studenten - eine empirische Studie- 9
Aufgrund eines gestiegenen Interesses an den Lebensläufen von Menschen in den Sozialwissenschaften werden die Entwicklungen in der Wirtschaft und Politik mit denen der individuellen Laufbahnen in Verbindung gebracht. Das Resultat, welches sich durch diese Betrachtungsweise in der Entwicklung abzeichnet, bedeutet nicht nur für Studierende eine Veränderung der Zugangsmöglichkeiten in die vom Strukturwandel geprägten Organisationen und Unternehmen, sondern auch für Menschen mit geringeren Abschlüssen. Stauber betont, dass durch die Epoche des gesellschaftlichen Prozesses der Modernisierung die Ansprüche an junge Menschen nicht nur gestiegen, sondern gleichzeitig vielschichtiger geworden seien (vgl. Stauber 2002, S. 113). Die Tendenzen dafür benennen Arnold u.a. in ihrer Einleitung im Buch „Sozialpädagogische
Beschäftigungsförderung“ (2005), indem sie die Entwicklung sowohl seitens des Arbeitsmarktes als auch seitens der Arbeitnehmer darstellen. Sie führen die Ergebnisse dieser Entstehung auf die geschichtlichen Hintergründe in Deutschland zurück, die im Folgenden aufgezeigt werden sollen.
1.2 Die historischen Entwicklungen von den 1950ern bis 1980ern Die Epoche der 50er und 60er Jahre wurde von den Folgen des zweiten Weltkrieges geprägt, die Deutschland in zwei Hälften spaltete. Das Land war zum einen in den ostdeutschen und „plansozialistisch gesteuerten“ (Arnold/ Böhnisch/ Schröer 2005, S. 17) Teil getrennt und zum anderen in den westdeutschen Bereich gesplittet. Ersterer war volkswirtschaftlich geprägt und eine sichere und langfristige Arbeit in der DDR galt als ein Garant, der vom Staat gegeben wurde und vom Volk einklagbar war (vgl. ebd.). In dem westdeutschen Abschnitt, der BRD, war diese Zeit von der „Vollbeschäftigung“ (vgl. ebd. S. 16) und dem konstanten Wachsen der Wirtschaft gekennzeichnet (vgl. ebd.). Auf den sich entwickelnden „arbeitsgesellschaftlich orientierten“ (ebd. S. 169) Staat bezogen, werden von den Autoren positive Effekte dieser Phase der bewegliche und empfängliche Arbeitsmarkt benannt, der neue
Beschäftigungsmöglichkeiten schuf. Durch die Ausbildung des „Postfordismus“ 2
2 Der Postfordismus kam aus der Massenproduktion und gilt als eine Weiterentwicklung des
Fordismus. Diese Wirtschaftsform, die besonders in den westlichen Industrienationen eingeführt
Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung von Studenten - eine empirische Studie-
(Walther2000, S. 52) wurde die größtenteils stabile und wachsende Konjunktur begünstigt. Sie garantierte steigendes Kapital und soziale Sicherheit in der Gesellschaft (vgl. Arnold/ Böhnisch/ Schröer 2005, S. 17ff). Daneben bildete die wachsende Konjunktur die Rahmenbedingungen, welche den heutigen Vorstellungen des „Normalarbeitsverhältnisses“ (ebd. S. 18) und des „erwerbsgesellschaftlichen Lebensentwurfes“ zugrunde liegen (ebd. S. 17) und an denen die Menschen in Deutschland beständig festhalten.
1.3 Der Strukturwandel in Deutschland ab den 1980er Jahren Seit den 1980er Jahren wird in der Bundesrepublik ein Strukturwandel in der „Arbeitergesellschaft hin zum digitalisierten Dienstleistungskapitalismus“ (Schröer/ Struck/ Wolff 2002, S. 9) sichtbar. Diese Entwicklung wird in der Literatur durch den Rückgang der Produktivität des bisher angewandten Modells 3 fordistisch-tayloristischen der Arbeitsteilung und seiner
Weiterentwicklung zum Post-Fordismus 4 begründet, welches in der Wirtschaft sowie in dem Dienstleistungsbereich und dem privatwirtschaftlichen Zweig angewendet wurde (vgl. ebd.). Es hatte die Schritte für die Arbeitsabläufe beziehungsweise einzelnen Arbeitsschritte zu sehr vereinfacht und für die Beschäftigten geradezu stupide rationalisiert, was seitens der Arbeiterschaft in wachsendem Maße auf Ablehnungen und Protest stieß (vgl. ebd.). Arnold u.a. führen die weitere Entwicklung seit der Epoche von 1980 in Deutschland auf die wachsenden Einflüsse von Automatisierung, Globalisierung wurde, bedeutete eine Aufwertung des geistigen Eigentums durch Einführung von Patenten. Der
einzelne Arbeiter an der Maschine galt als Experte der Arbeit (mehr Informationen siehe Fußnote 3;
4).
3 Der Fordismus bezeichnet die Entwicklung der Arbeitsteilung in der Massenproduktion mittels
Fließbandarbeit, die von Henry Ford in seiner Automobilfirma im Jahr 1913 eingeführt wurde (vgl.
Hirsch/ Roth 1986). Sie beruht auf den Überlegungen von Frederick Winslow Taylor, der Arbeiter in
seinen Unternehmen als Teile seiner Maschinen sah, die durch Ausbeutung der Naturreserven die
Produktion erhöhten (vgl. ebd.). Er führte in seinem Scientific Management (übersetzt bedeutet dies
wissenschaftliche Geschäftsführung) das Prinzip der hohen Arbeitsteilung mit Konzentration auf
kleine Arbeitsschritte ein (vgl. Todesco 1994).
4 Die Weiterentwicklung von Fordismus zum Postfordismus in den 1970ern wurde auf die
Stagnation der Produktion in der Massenproduktion und der wachsenden Konkurrenz mit Amerika
zurückgeführt. Das spezifische Wissen der Arbeiter über die Herstellung der Produktionsmittel war
von größerer Bedeutung als die Maschinen, die sie herstellten (vgl. ebd.). Die Literatur führt weiter
aus, dass geistiges Eigentum über die natürlichen Reserven als wichtiges Investitionsmittel zur
Steigerung von der Produktivität gelte (vgl. ebd.). Dies führte dazu, dass die Arbeiter sowohl
körperlich als auch geistig in Anspruch genommen werden.
Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung von Studenten - eine empirische Studie-
undeiner vermehrt technisierten Welt zurück, die eine soziale Veränderung von einer arbeitsgesellschaftlich geprägten hin zu einer „wissensbasierten Informationsgesellschaft“ (2005, S. 19) auslösten. Als ein Ergebnis davon wird in der Literatur vom „jobless growth“ 5 (ebd.) gesprochen. Der Begriff definiert, dass der bislang zentrale industrielle Zweig, der ungeachtet des Wirtschaftswachstums bisher die Hauptbeschäftigungsquelle für Arbeitnehmer bot, trotzdem nur geringfügige positive Auswirkungen auf die Arbeitsstellenentwicklung hatte (vgl. ebd.). Gleichbleibende Anzahl der Arbeitsplätze bei schneller Ausweitung des Sortiments und ihrer Produkte, Reorganisation der Arbeit und fortschreitende technologische Rationalisierungen bilden hier die Ausgangsbedingungen für diese Entwicklung in der Wirtschaft (vgl. ebd.).
An die Stelle des alten fordistischen Modells traten neuere Managementtypen wie die „lean production“ 6 (ebd. S. 19). Sie sollten als neue Führungsstrategie in den Unternehmen den Aufschwung in der wirtschaftlichen Produktivität antreiben. Als weiteres Resultat sollten sie bewirken, dass die Unternehmen und Organisationen dem globalen Wettbewerbsdruck standhalten, der über Kapitalverteilung, Leistungsfähigkeit und Einführung von Neuerungen entscheidet. Als Ideal wird an dieser Stelle der japanische Markt als anschauliches Beispiel genannt, der als führend in der Abwicklung von Anfertigung von Produkten gilt (vgl. ebd.). Diese Entwicklungen beeinflussten, durch die fortschreitenden Veränderungen, die Anforderungen an potentiellen Mitarbeitern, die sich in der Wirtschaft etablieren wollten. Sie beeinflussten aber auch den kommunalen beziehungsweise öffentlichen Sektor bis in das 21. Jahrhundert hinein (vgl. Walther 2000).
Die oben aufgeführten Veränderungen der Anforderungen der Arbeitgeber an den Arbeitsmarkt, führen laut den bisherigen Aussagen hin zu wenigen, aber
5 Obwohl die Wirtschaft ein ständiges Wachstum zu verzeichnen hat, hat dies indifferente
Auswirkungen für die Entwicklung des Beschäftigungsmarktes (vgl. Arnold/ Böhnisch/ Schröer
2005). Jobless growth bedeutet kurz, ein Stagnieren der Arbeitsplätze während die Produktion
ständig wächst und sich ausdehnt.
6 Als ein Beispiel dafür sind die Maßnahmen der lean production aufzuzählen, die auf der einen
Seite einen optimierten Gebrauch der Reserven innerhalb eines Betriebes, dadurch
Kosteneinsparungen und eine Verbesserung der Rentabilität versprechen. Diese werden erreicht,
indem beispielsweise unnötige Produktionswege gekürzt oder ganz weggelassen werden. Auf der
anderen Seite bedeuteten diese Ausführungsbestimmungen eine „Verschlankung“ (Arnold u.a.
2002, S. 20) des Unternehmens und für die Arbeitnehmer ein Wegfall von Arbeitsplätzen (vgl. ebd.,
S. 20ff).
Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung von Studenten - eine empirische Studie-
hochqualifizierten und aktiv mitwirkenden Arbeitnehmern, die belastbar, teamfähig und an verschiedene Arbeitsbedingungen anpassungsfähig sind (vgl. ebd.). Dazu werden unter anderem Fähigkeiten wie Kombinationsvermögen und Fertigkeiten im Problemlösen gezählt (vgl. Arnold/ Böhnisch/ Schröer 2005). Aufgrund dieser Aussagen lässt sich folgern, dass sich der Wettbewerbsdruck unter den Arbeitssuchenden auf dem Arbeitsmarkt erhöht. Speziell in dem industriellen Sektor findet eine „Höherdotierung für die Leistungsfähigen“ statt (ebd. S. 21).
Arnold u.a. (2005) führen weiter aus, dass sich dieser Trend in einer Bündelung der Fähigkeiten von speziellen Arbeitskräften in wenigen Mitarbeitern deutlich macht. Sie bilden in den Unternehmen einen festen Stamm und ihre Qualifikationen werden durch regelmäßige Schulungen optimiert, weiter ausgebaut und durch weitere Fähigkeiten auch im sozialen Bereich vervollständigt (vgl. ebd.). Dies lässt darauf schließen, dass im Fort- und Weiterbildungsbereich ständig in sie investiert wird. Dieser Mitarbeiterstamm findet für die Ausübung der Tätigkeiten ihre Unterstützung durch einen wechselnden und je nach Arbeitsziel unterschiedlich qualifizierten und befristet eingestellten Arbeiterstamm (vgl. ebd.).
Dies begründet den Wandel zur „unternehmerischen Wissensgesellschaft“ (ebd. S. 23). Unternehmer wird in diesem Sinne die an dem Arbeitsmarkt teilnehmende Person, welche ihre Arbeitskraft als „Humankapital“ (Arnold/ Böhnisch/ Schröer 2005, S. 54) und autonom Handelnder anbietet und vermarktet (vgl. ebd.). Die Autoren beschreiben eine Situation, in der es nur noch wenige fest angestellte Mitarbeiterstämme gibt. Laut deren Aussagen könnte gefolgert werden, dass dieser feste Mitarbeiterstamm auf die befristet angestellten einen Einfluss haben könne. Denn erstere seien die Experten in ihrem Fachgebiet und könnten durch ihre Lehrgänge und Weiterbildungen weitere Personen kennen gelernt haben, die sie für bestimmte Projekte empfehlen könnten. Diese Festangestellten wären laut meiner Definition Schlüssel- und Kontaktpersonen für das Finden einer Möglichkeit für den Berufseinstieg.
Auf der Seite der Personen, die ein solches Beschäftigungsverhältnis oder auch Normalarbeitsverhältnis (vgl. Arnold/ Böhnisch/ Schröer 2005) anstreben, ist
Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung von Studenten - eine empirische Studie-
Gefügenweitgehend gleich geblieben sind, obwohl sich ursprünglich die Rahmenbedingungen durch den strukturellen Wandel des Arbeitsmarktes (Arbeitsplatz, Normalarbeitsverhältnis) hin zu einem „digitalisierten
Dienstleistungskapitalismus“ (Schröer / Struck/ Wolff 2002, S. 9), einer „entgrenzten Arbeitsgesellschaft“ (Arnold / Böhnisch/ Schröer 2005, S. 172) und einer „wissensbasierten Informationsgesellschaft“ (Arnold / Böhnisch/ Schröer 2005, S. 19) geändert haben. Sie schufen Möglichkeiten durch Offenlegen von Räumen, die mehr Autonomie und Handlungsfreiheit versprachen. Diese Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt werden auch in der Jugend widergespiegelt. Inwieweit sie sich den neuen Bedingungen anpassen und zu welchen Ergebnissen dies führte, soll im Folgenden gezeigt werden.
1.4 Die entgrenzte Jugend
Der strukturelle Wandel in der Gesellschaft führte im Zuge der Globalisierung, Technologisierung und Automatisierung zu veränderten Zugangsmöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Die beruflichen Integrationsperspektiven, die aufgrund der Veränderungen hin zu einem „digitalen Kapitalismus“ (Arnold/ Böhnisch/ Schröer 2002, S. 163) in Deutschland an Verlässlichkeit eingebüßt haben, wirken auch auf die Heranwachsenden und bilden eine neue Gestalt von Jugend, mit einer Erweiterung dieses Begriffes (vgl. Schröer 2002). Der Begriff Jugend ist ein soziales Konstrukt, welches gegen Ende des 19. Jahrhunderts in die Gesellschaft als eigene Lebensphase im Zeitalter der fortschreitenden Industrialisierung eingeführt wurde (vgl. Arnold 2005, S. 168). Laut Arnold (2005) bedeutete diese Gruppe von Heranwachsenden eine Verbindung zu den bereits erwachsenen Mitbürgern, die durch „öffentliche Bildung und den Generationenvertrag“ (ebd. S. 169) miteinander verknüpft waren. Das Ende dieser Lebensphase wurde, abgekoppelt von der sozialen Wirklichkeit und dem endgültigen Einstieg ins Erwachsenenleben, abgetrennt durch das „Moratorium“ 8 (ebd.) der öffentlichen Bildung aufgeschoben (vgl. ebd.).
8 Der Begriff Moratorium bezeichnet in der erziehungswissenschaftlichen Sichtweise eine
Übergangsphase der Lebensabschnitte von Jugendlich-Sein hin zum Erwachsenen-Sein (vgl.
Walther 2000). In der heutigen Zeit stellen sie Bildungsinstitutionen dar, welche unter anderem
Schulen oder Universitäten sind, in denen den Heranwachsenden einen Raum für den
Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung von Studenten - eine empirische Studie-
DurchBildung und den Zugang zu ihr haben Menschen die Möglichkeit sowohl geistige und personelle als auch lebenspraktische, kulturelle und soziale Fähigkeiten zu erweitern (vgl. Bernhard 2001). Folglich könnte die Aneignung von Wissen hierbei als Mittel zur Erreichung von Bildung gesehen werden. Sie gilt als ein lebensbegleitender Entwicklungsprozess. Laut verschiedenen Aussagen in der Literatur ist zu schließen, dass Bildung im Zuge der Entwicklung der Wirtschaft eine stetige Aufwertung erfuhr (vgl. Walther 2000; Solga 2006; Arnold 2005). Als entscheidende Fähigkeit spielt das Lernen eine zentrale Rolle (vgl. Bernard 2001). Zertifikate und Abschlüsse gelten daneben als Nachweis für die erworbene Bildung und können bei besonders hohen Bildungsabschlüssen einen sozialen Aufstieg ermöglichen (vgl. Solga 2006). Solga (2006) führt die Tatsache, dass Individuen danach streben sich Wissen anzueignen auf eine „funktionale Notwendigkeit“ (S. 28) hin, wenn Menschen in höhere soziale Schichten aufsteigen möchten. Die Autorin selbst sieht jedoch die „Bildungsgesellschaft“ (ebd.) als ein Konstrukt an, in dem der mögliche Zugang zu Wissen und Bildung soziale Ungleichheit schafft, da sie durch „Begabungsunterschiede“ (ebd. S. 35) innerhalb der Individuen die Bildung eine ungleich zugänglich verteilte Ressource darstellt (vgl. ebd.). Aus diesem Grund ist zu vermuten, dass der durch die Moderne industriekapitalistisch geprägte Sozialstaat mit seinen verschiedenen wissensvermittelnden Institutionen als Moratorien, einen erheblichen Einfluss auf Heranwachsende und die Bildung hat. Arnold (2005) schlägt deswegen vor, die Wahl der Abschlüsse und Ausbildung immer in Beziehung zu den sozialpolitischen Entwicklungen zu betrachten (vgl. ebd.). Einen Beweis für diese These lieferte Paul Larzarsfeld bereits in der Zeit der Weimarer Republik. Er untersuchte 1931 die Berufswahl in großen Städten, die sich voneinander durch ihren Erfolg in der Konjunktur und anhand ihrer Industriezweige unterschieden. Der Forscher erkannte in seinen Studienergebnissen, dass der Berufswunsch der Jugendlichen sich in „den ökonomischen Aufbau der Städte und den Konjunkturschwankungen“ (vgl. ebd., S. 169) reflektierte.
Entwicklungsprozess, der beruflichen Orientierung und Ablösen vom Elternhaus finden. Seit dieser
Epoche sind Verlängerungen dieser Entwicklungsphasen bis Mitte des dreißigsten Lebensjahres zu
verzeichnen, welches auf veränderte Bedingungen in der Gesellschaft zurück zu führen ist (vgl.
ebd.).
Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung von Studenten - eine empirische Studie-
Arnold(2005) führt weiter aus, dass auch die Pädagogik des 20. Jahrhunderts auf diese strukturellen gesellschaftlichen Veränderungen reagierte und sich an die neuen sozialen Konditionen anpasste. Vor diesem Hintergrund kam der Begriff des „institutionalisierten Lebenslaufes“ auf (vgl. ebd., S. 170), der besagt, dass die industriell geprägte Gesellschaft an die Lebensphasen unterschiedliche Erwartungen hat (vgl. ebd.). Grundlage für diese Annahmen bildete die Vorstellung, dass Menschen verschiedene Entwicklungsstufen absolvieren, die von Lernprozessen begleitet werden und Schritt für Schritt in die nächste Lebensphase führen. Diese durchliefen sie in Bildungsinstitutionen (Moratorien), die sie durch Isolierung von der Gesellschaft und Bildung oder besser gesagt der Ausbildung entsprechend sozialisieren sollten (vgl. ebd.). Durch die bereits oben beschriebenen weiteren technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, so lässt sich für diese Arbeit zusammenfassen, ließ eine Vielzahl an Möglichkeiten für die Selbstverwirklichung wachsen. Durch „das Konzept der Individualisierung“ (Stauber 2002, S. 113) haben sich mehr Gelegenheiten für einen Einstieg in die freie Wirtschaft ergeben und Grenzen zwischen verschiedenen Zugangsmöglichkeiten in Bildungseinrichtungen sich verschoben oder erweitert. Das bedeutet für den Einzelnen, sich eine individuelle Daseinsberechtigung auf dem Arbeitsmarkt selbst erstellen zu können, aber sie dann auf diesem bestmöglich verkaufen zu müssen (vgl. ebd.). Solga (2006) führt in ihren Überlegungen neben den Problemen, die aus der Biografie für einen Eintritt in den Beschäftigungsmarkt stammen noch eine weitere Ebene hinzu. Die Grundbedingung, die diese Individuen für eine Arbeitsstelle zu erfüllen haben, sind die Abschlüsse oder Zertifikate. Diese müssen bei besser bezahlten Stellen, für den jeweils nächsten höheren Bildungsschritt und Zugang zu mehr Wissen ausgebaut werden (vgl. Solga 2006). Die Autorin bemängelt, dass sich in der Politik das eindimensionale Verständnis von Bildung (vgl. ebd. S. 311) durchgesetzt habe und dass Menschen mit ihren individuellen Fähigkeiten nur nach ihren Abschlüssen beurteilt werden.
Es erhöhte sich nicht nur der Wettbewerbsdruck durch Rationalisierungen, sondern auch die Komplexität auf dem Arbeitsmarkt (vgl. ebd.). In dieser schnelllebigen Zeit (vgl. Schröer/ Struck/ Wolff 2002) stellt es sich als eine besondere Herausforderung dar, die Ausbildungswahl so zu gestalten, dass sie
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Pamela Hackel, 2006, Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung von Studenten , München, GRIN Verlag GmbH
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