I. Inhaltsverzeichnis
II. Abkürzungsverzeichnis iv
III. Abbildungsverzeichnis v
IV. Tabellenverzeichnis vi 1. Einleitung 1
1.1. Problembeschreibung und Motivation 2 1.2. Ziel der Arbeit 3 1.3. Aufbau der Arbeit 4 1.4. Begriffsabgrenzung 5
2. Volkswirtschaftlicher Kontext 7
2.1. Internationalisierung der chinesischen Wirtschaft 7 2.1.1. Aktuelle Entwicklungen chinesischer Auslandsinvestitionen 8 2.1.2. Ziele und Motive 13
2.2. Status quo des deutschen M&A-Marktes unter Betrachtung chinesischer Investitionen 14
3. Bisherige chinesische Investitionsaktivitäten auf dem deutschen Markt 18
3.1. M&A-Strategien chinesischer Unternehmen in der Praxis 19
3.2. M&A-Aktivitäten chinesischer Investoren in Deutschland seit 1996 20
3.3. Merkmale der deutschen Zielunternehmen 24 3.3.1. Typische Zielbranchen 24 3.3.2. Charakteristika bekannter Transaktionen 26
3.4. Charakteristika der chinesischen Investoren 29
4. Herausforderungen im M&A-Geschäft mit chinesischen Investoren 31
4.1. Allgemeine Herausforderungen 32
4.2. Herausforderungen chinabezogener Unternehmenstransaktionen 38 4.2.1. Strategische Planung von Akquisitionen 39 4.2.2. Bewertung des Akquisitionsobjekts 41 4.2.3. Beurteilung chinesischer Investoren aus Sicht des Verkäufers 42 4.2.4. Akquisitionsverhandlung und Übernahme 46 4.2.5. Post Merger Integration 47 4.2.5.1. Unternehmensinterne Integration 47 4.2.5.2. Kommunikation der Unternehmenstransaktion im Außenverhältnis 48
5. Die Commerzbank AG in China 50
5.1. Organisation der Commerzbank AG in China 50
5.2. Analyse der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken 55
5.3. Implikationen und Handlungsvorschläge 56
6. Partizipation an chinesischen M&A-Geschäften auf dem deutschen Markt 60
6.1. Partizipation eines M&A-Beraters an Unternehmenstransaktionen 60
6.2. Beratungsansätze vor und während des M&A-Prozesses 61
6.3. Verhandlungsführung bei chinabezogenen Unternehmenskäufen 65
6.4. Finanzierung chinesischer Unternehmensübernahmen 66
6.5. Beratung bei der Post-Merger-Integration 68
7. Fazit und Ausblick 70
Anhang 71
Quellenverzeichnisse 78
II. Abkürzungsverzeichnis
ABCP Asset Backed Commercial Paper
AWG AWV C&M Corporates and Markets CCPIT China Council for the Promotion of International Trade CF Corporate Finance CFA Corporate Finance Advisory
CMIB CNY CSS Corporate Sales Solutions DCM Debt Capital Markets ECM Equity Capital Markets EFTA European Free Trade Association EU Europäische Union FDI Foreign Direct Investment
FX/MM GMT IfM Institut für Mittelstandsforschung KMU Kleine und mittlere Unternehmen M&A Mergers & Acquisitions Mio. Millionen MOFCOM Ministry of Commerce of China Mrd. Milliarden NBS National Bureau of Statistics of China ODI Outward/Overseas Direct Investment PBoC People's Bank of China POE Private Owned Enterprise PWC PricewaterhouseCoopers AG RMB Renminbi s.a. siehe auch SAFE State Administration of Foreign Exchange of China SETF Structured Export & Trade Finance SGSB Shanggong Holding Co. Ltd.
SMTCL SOE UNCTAD United Nations Conference on Trade and Development USD US-Dollar WTO World Trade Organization zw. zwischen
S e i t e
III. Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Die Entwicklung des nominalen chinesischen BIPs von 1970 bis 2010
Abb. 2: Aufbau der Arbeit
Abb. 3: Entwicklung der chinesischen ODIs von 1980 bis 2008
Abb. 4: Entwicklung der chinesischen Devisenreserven von 2000 bis März 2011
Abb. 5: Chinas jährliche ODIs - eine Betrachtung im Jahr 2009
Abb. 6: Motivpyramide chinesischer Markteintritte
Abb. 7: Ziel- und Käuferländer der deutschen M A-Statistik 2005
Abb. 8: Chinesische Direktinvestitionen in Deutschland
Abb. 9: Wechselkursentwicklung Euro/Chinesischer Renminbi
Abb. 10: Die 5 Markteintrittsmodi (Integrationsgrad und Ressourceneinsatz)
Abb. 11: Anzahl chinesischer Unternehmenskäufe in Deutschland
Abb. 12: Der M A-Prozess aus Käufersicht
Abb. 13: Unterschied zw. den Kulturen in ihrer Meinungsäußerung
Abb. 14: Unterschied zw. den Kulturen in ihrer Pünktlichkeit
Abb. 15: Unterschied zw. den Kulturen in ihrer Konfliktfähigkeit
Abb. 16: Unterschied zw. den Kulturen in der Unsicherheitsvermeidung
Abb. 17: Unterschied zw. den Kulturen in ihrem Selbstbild
Abb. 18: Unterschied zw. deutschen Beziehungen und chinesischen Guanxi
Abb. 19: Unterschied zw. den Kulturen in der Machtdistanz
Abb. 20: Filialen der Commerzbank AG in Asien
Abb. 21: Das Betreuungsmodell des International Desks der Commerzbank AG
Abb. 22: Das Client Service Team der Commerzbank AG
Abb. 23: SWOT-Analyse der Commerzbank AG in China
Abb. 24: Finanzierungskanäle chinesischer ODIs im Jahr 2010
Abb 25: Finanzierungskanäle chinesischer ODIs in den Jahren 2008 und 2009
IV. Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Regionale Verteilung der ODI-Bestände Chinas 2006 11
Tab. 2: Mergers & Acquisitions chinesischer Investoren in Deutschland seit 1996 21
Tab. 3: Faktoren bei der Bewertung chinesischer Unternehmen 44
Tab. 4: Fragen vor dem Verkauf an ein chinesisches Unternehmen 45
Tab. 5: Produktangebot der Commerzbank AG International 53
Tab. 6: Produktangebot der Commerzbank AG International "Plus" 58
Tab. 7: Zielbranchen chinesischer Investoren in Deutschland 63
Tab. 8: Partnerschaft oder Integration ? - Die Frage nach der Integrationstiefe 69
1. Einleitung
In den vergangenen Jahren wurden immer häufiger Beiträge in Tageszeitungen, Nachrichtenmagazinen oder Fachjournalen über chinesische Investoren in Europa veröffentlicht. Schlagzeilen wie „Vom Außenseiter zum Spielmacher“ 1 , „China greift an, der Westen schaut zu“ 2 , „Die neuen kalten Kriege“ 3 oder „Angriff aus Fernost“ 4 waren keine Seltenheit und begegneten dem Leser immer häufiger. Sie zeigen auch auf, wie differenziert mit den Markteintrittsbemühungen chinesischer Unternehmen in Europa umgegangen wird. Die Emotionen sind sehr verschieden und die Vorbehalte innerhalb der Bevölkerung teilweise sehr groß. Einerseits steht hierfür die große Freude über das hohe, in den letzten Jahren kontinuierlich anhaltende Wirtschaftswachstum in China und den daraus resultierenden Partizipationsmöglichkeiten für westliche und insbesondere deutsche Unternehmen. Andererseits herrscht teilweise die Angst vor, dass chinesische Investoren in Europa alles aufkaufen könnten, da in den vergangenen Jahren auch die Auslandsinvestitionen chinesischer Unternehmen beträchtlich gewachsen sind. Insbesondere Deutschland war für chinesische Investoren von besonderem Interesse aufgrund der Lage in der Mitte Europas und der starken Wirtschaft. In den folgenden Punkten der Einleitung wird zunächst beschrieben, welche Probleme sich daraus ergeben. Anhand dieser Problembeschreibungen wird nachstehend das Ziel der Untersuchung definiert. Mithilfe der Problemstellung sowie der Zielsetzung kann die Struktur der vorliegenden Arbeit bestimmt werden.
1 Schimmer, M. et al. (2010), S. 516
2 Hirn, W. (2010)
3 Hirn, W. (2007)
4 BMWI (2009)
1.1. Problembeschreibung und Motivation
Die Volkswirtschaft der Volksrepublik China wuchs in den vergangenen Jahren kontinuierlich an. Wie Abbildung 1 veranschaulicht, verdreifachte sich das Bruttoinlandsprodukt Chinas in der Zeit zwischen 2000 und 2010.
5 Abb. 1: Die Entwicklung des nominalen chinesischen BIPs von 1970 bis 2010 In Billionen Yuán
Damit ging die wachsende Bedeutung Chinas in der Weltwirtschaft einher. Ein Auslöser für das enorme Wachstum waren umfassende Wirtschaftsreformen im Jahre 1978. Die chinesische Regierung verfolgte damit das Ziel der Stärkung und Modernisierung der chinesischen Wirtschaft. 6 Die Reformen, die unter anderem die langsame Öffnung der chinesischen Wirtschaft für ausländische Investoren aber auch für die eigenen Ex-porte bedeuteten, wurden durch den Beitritt Chinas zur WTO im Jahre 2001 forciert.
Lange Zeit wurde China als verlängerte „Werkbank der Welt“ 7 betitelt. Diese Bezeichnung stütze sich auf die hohen Exportvolumina von lohnkostenintensiven Produkten oder billigen Massenprodukten aus China. Von der zunehmenden Binnennachfrage und dem wirtschaftlichen Aufschwung getragen, haben immer mehr chinesische Un-
5 Enthaltenin: Querschuesse (2011b); vgl. NBS (2011)
6 Vgl. Ni, M. (2004)
7 Vgl. Bork, H. (2008); vgl. Welt (2010); vgl. Hoffbauer, A. (2006); vgl. Lange, K. (2007); vgl. Sohm, S. et al. (2009), S. 13
ternehmen in den letzten Jahren den Eintritt in fremde Märkte neben Exporten auch über eigene Tochtergesellschaften oder Akquisitionen gewagt und treten nun international in Konkurrenz mit Unternehmen aus Industrieländern. Bei ihrem Markteintritt durch den Kauf eines bestehenden Unternehmens insbesondere in Deutschland sehen sich chinesische Unternehmen mit verschiedenartigen Problemen konfrontiert. Da diese Problemfelder aus Perspektive der im Bereich der Mergers & Acquisitions (M&A) als Intermediäre tätigen Akteure in bisherigen Untersuchungen zunächst nur ansatzweise behandelt wurden, soll die vorliegende Arbeit diese Betrachtungen erweitern. Des Weiteren ist nur ein begrenztes Literaturangebot vorhanden, das explizit die M&A-Aktivitäten chinesischer Investoren in Deutschland betrachtet. Die Erforschung chinesischer Investitionsaktivitäten im Ausland fand bisher nur in geringem Maße statt. Zum Einen handelt es sich um eine in ihrer Anfangsphase befindliche Entwicklung, dass chinesische Unternehmen in immer größerem Maße auf ausländischen Märkten investieren, und zum Anderen werfen statistische Grundlagen zur Er-forschung der chinesischen Unternehmenstransaktionen große Probleme hinsichtlich ihrer Validität und ihrer Auswertbarkeit auf. 8 Deshalb wird die Thematik der chinabezogenen Unternehmenstransaktionen in Deutschland in der vorliegenden Arbeit untersucht. Unternehmenstransaktionen lassen sich bei ihrer Untersuchung in erfolgreiche und gescheiterte Transaktionen gliedern. Mit Bezug darauf kann eine erfolgreiche Unternehmenstransaktion als ein abgeschlossener Unternehmenskauf oder eine am Ende stattgefundene Transaktion definiert werden. Untersuchungen von KPMG im Jahre 1998 und Analysen von Hayes, ebenfalls aus dem Jahr 1998, kamen zu dem Ergebnis, dass 80 Prozent aller Cross-Border-M&A-Vorhaben zu keinem Transaktionsabschluss führten. 9 Anhand der Analyse der Erfolgsfaktoren von internationalen Unternehmenstransaktionen müssen Lösungen gefunden werden, die das Fehlschlagen von Cross-Border-M&A-Vorhaben verhindern.
Außerdem müssen Ansätze erarbeitet werden, die eine starke Positionierung von M&A-Beratern, die diese Cross-Border-M&A unterstützen, ermöglichen.
1.2. Ziel der Arbeit
Die Arbeit gibt einerseits einen Überblick über die Historie der M&A-Aktivitäten chinesischer Investoren in Deutschland und deckt andererseits Potenziale und Möglichkeiten
8 Vgl. Schüller, M./Turner, A. (2005), S. 5
9 Vgl. Jansen, S. (2001), S. 9
für Intermediäre im M&A-Geschäft mit chinesischen Kunden auf. Hierfür werden alle im M&A-Prozess mit chinesischen Investoren bestehenden Herausforderungen identifiziert. Zudem wird beispielhaft für eine deutsche Großbank ein Überblick über das aktuelle Engagement der Commerzbank AG in China gegeben und anhand bestehender Strukturen Chancen und Möglichkeiten zur Partizipation an M&A-Transaktionen chinesischer Unternehmen in Deutschland aufgezeigt. Ferner werden Handlungsvorschläge aufgezeigt, die einer Bank die erfolgreiche Positionierung auf dem wachsenden Markt von Unternehmenstransaktionen chinesischer Investoren ermöglichen. Vor dem Hin-tergrund heterogener Akteure bei M&A-Deals chinesischer Investoren in Deutschland werden erfolgskritische Aspekte herausgearbeitet, welche zweckmäßig ausgestaltet erfolgreiche M&A-Transaktionen ermöglichen.
1.3. Aufbau der Arbeit
Abb. 2: Aufbau der Arbeit
1.4. Begriffsabgrenzung
Mergers & Acquisitions (M&A) ist ein aus dem angelsächsischen Sprachraum übernommener Begriff dessen direkte Übersetzung ins Deutsche Fusionen und Akquisitionen bedeutet. Darüber hinaus stehen im Deutschen dem Begriff M&A weitere Terminologien wie Unternehmenstransaktion, -zusammenschluss, -übernahme und -erwerb beziehungsweise -verkauf gegenüber. Eine allgemeingültige Definition hat sich in der Literatur jedoch noch nicht durchgesetzt. 10 Sowohl bei der Akquisition als auch bei der Fusion wird aus Managementsicht über eine Kapitalbeteiligung an einem Unternehmen als strategische Maßnahme Einfluss auf das Unternehmen gewonnen. 11 Da bei einigen Unternehmensbeteiligungen in Deutschland durch chinesische Unternehmen auch mit einer Beteiligungshöhe, die kleiner als 50 Prozent ist, maßgeblicher Einfluss auf das deutsche Unternehmen ausgeübt wird, werden diese ebenfalls in dieser Arbeit als M&A-Aktivitäten betrachtet.
Neben M&A-Deals können Investitionen von chinesischen Unternehmen auch über die Gründung eines Joint Ventures oder über Neugründungen von eigenen Tochtergesellschaften getätigt werden. Diese werden in der volkswirtschaftlichen Betrachtung dieser Arbeit ebenfalls erwähnt, in nachfolgenden Abschnitten von den Fusionen und Übernahmen chinesischer Investoren aber abgegrenzt. Da chinesische Direktinvestitionen im Ausland strengen devisenrechtlichen Bestimmungen unterlagen und dies heute in gelockertem Maße noch tun, wurden häufig Auslandsinvestitionen mittelbar über Hongkong getätigt. 12 Daher werden M&A-Aktivitäten aus Hongkong in dieser Arbeit in die Betrachtung chinesischer Transaktionen in Deutschland aufgenommen.
An M&A-Aktivitäten sind in der Regel mehrere Interessengruppen beteiligt. Weitere Gruppen sind unmittelbar davon betroffen. Zu den Akteuren zählen das Kaufobjekt, dessen Management und Mitarbeiter, das verkaufende Unternehmen beziehungsweise die bisherigen Eigentümer des Akquisitionsobjekts, und das akquirierende Unternehmen, das Käufer-Unternehmen. Externe Betroffene sind beispielsweise Wettbewerber, Kunden, Zulieferer, öffentliche Institutionen oder auch Fremdkapitalgeber wie Banken. Externe Beteiligte an M&A-Aktivitäten sind Experten, die sich auf die Beratung in bestimmten M&A-Prozessphasen spezialisiert haben oder den gesamten M&A-Prozess begleiten. Zu den Spezialisten zählen beispielsweise Wirtschaftsprüfer, Steuerberater
10 Vgl. Lucks, K./Meckl, R. (2002), S. 23; vgl. Jansen, S. (2008), S. 91 ff.
11 Vgl. Picot (2005), S. 20 f.
12 Vgl. Reisach, U. (2006), S. 104
oder Rechtsanwälte. Zu den M&A-Experten, die sämtliche Phasen des M&A-Prozesses betreuen, zählen Investmentbanken, Unternehmensberatungen oder spezialisierte M&A-Berater. 13 In der vorliegenden Arbeit werden die M&A-Abteilungen von Investmentbanken, Universalbanken sowie kleinere M&A-Beratungsunternehmen, die sogenannten M&A-Boutiquen, unter dem Begriff M&A-Berater zusammengefasst. 14 Diese Arbeit setzt sich insbesondere mit den Herausforderungen und Ansätzen chinesischer Unternehmenstransaktionen in Deutschland aus der Perspektive dieser zuletzt genannten Gruppe der Intermediäre auseinander. Ein Schwerpunkt wird dabei auf die Betrachtung aus der Perspektive des Buy-Side-Mandats, das heißt der Beratung des chinesischen Käuferunternehmens, gelegt. Einige Ansätze eignen sich jedoch auch als Hintergrundwissen für M&A-Berater bei Sell-Side-Mandaten mit chinesischen Interessenten.
13 Vgl. Lucks, K./Meckl, R. (2002), S. 29 ff.; vgl. Hinne, C. (2008), S. 105; vgl. Achleitner, A. (2000), S. 155 ff.
14 Vgl. Achleitner, A. (2000), S. 155
2. Volkswirtschaftlicher Kontext
Die chinesischen Auslandsinvestitionen nehmen stetig zu. 15 Obwohl sich die Zahlen der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) und des Ministry of Commerce (MOFCOM), dem chinesischen Wirtschaftsministerium hinsichtlich der chinesischen Outward Direct Investments (ODIs) unterscheiden, ist diese ansteigende Tendenz in beiden Quellen zu erkennen. 16 Die Unterschiede resultieren aus unterschiedlichen Berechnungsmethoden. Die Berechnungen der UNCTAD der Gesamtvolumen der ODIs beinhalten im Gegensatz zu den Berechnungen des MOFCOM reinvestierte Gewinne, Darlehen zwischen zwei, zum gleichen Mutterkonzern gehörenden, Gesellschaften und auch Geldanlagen beziehungsweise Investitionen privater Investoren. 17 Bei beiden Quellen ist jedoch ein kontinuierliches Wachstum der chinesischen ODIs in den letzten Jahren erkennbar.
In den folgenden Abschnitten wird einerseits die aktuelle Entwicklung der chinesischen ODIs und andererseits die zugrunde liegenden Beweggründe, also die Ziele und Motive der beteiligten Akteure, herausgearbeitet werden. Des Weiteren wird die Entwicklung speziell auf dem deutschen M&A-Markt unter Betrachtung chinabezogenen Unternehmenstransaktionen erörtert.
2.1. Internationalisierung der chinesischen Wirtschaft
Es gibt mehrere separat entwickelte Internationalisierungstheorien. Aus deren Kombination lassen sich Erklärungen für die Internationalisierung sowie Motive und Ziele ableiten, nach denen chinesische Unternehmen handeln. Die Entwicklungen dieser Internationalisierungsbestrebungen chinesischer Unternehmen in den letzten Jahren so wie deren Ziele und Motive werden im Folgenden betrachtet und deren Internationalisierungsstrategien in der Praxis analysiert.
15 Vgl. MOFCOM (2009), S. 65 ff.; vgl. Zhao, M. et al. (2007), S. 5
16 Vgl. MOFCOM (2009), S. 65 ff.; vgl. UNCTAD (2010), S. xix ff.
17 Vgl. Schüller, M./Turner, A. (2005), S. 5; vgl. Chung, O. (2007)
2.1.1. Aktuelle Entwicklungen chinesischer Auslandsinvestitionen
In den letzten Jahren schaffte es die Volksrepublik China unter die Top 20 der Herkunftsländer ausländischer Direktinvestitionen. 18 Im Jahr 2004 sorgte die Übernahme des PC-Geschäfts von IBM durch den chinesischen Computerhersteller Lenovo mit einem Gesamtvolumen von rund 1,25 Mrd. USD als erste chinesische Cross-Border-Transaktion mit Milliardenvolumen für große Aufmerksamkeit. Dies war bisher eine der spektakulärsten Übernahmen einer westlichen Marke durch ein chinesisches Unternehmen. Die ODIs chinesischer Unternehmen nahmen in den letzten Jahren kontinuierlich zu. Diese Entwicklung wird in Abbildung 3 im Zeitraum vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2008 veranschaulicht. Im Rahmen dieser Arbeit werden bei der Darstellung und Auswertung der aktuellen Entwicklungen jeweils die Zahlen der gesamten FDIs beziehungsweise ODIs der chinesischen Unternehmen verwendet. Es ist zu beachten, dass diese Zahlen auch die Investitionen in Neugründungen beinhalten.
19 Abb. 3: Entwicklung der chinesischen ODIs von 1980 bis 2008 Volumen in Mrd. USD, Jahre 1980 - 2008
Im Jahr 2003 lag der Anteil der Unternehmenskäufe an den ODIs bei 18 Prozent. 20 Im Jahr 2005 lag dieser Anteil bereits bei 44 Prozent. 21
18 Vgl. UNCTAD (2010), zit. nach Tirpitz, A. et al. (2011), S. 21 19 Enthalten in: Lavca (2009) auf Grundlage von MOFCOM (2009), S. 4
20 Vgl. Schüller, M./Turner, A. (2005), S. 6
21 Vgl. Zhao, M. et al. (2007), S. 10
Mit dem WTO-Beitritt Chinas im Jahre 2001 und dem Beginn der „Go-Global-Politik“ 22 der chinesischen Regierung konnten die chinesischen ODIs einen ersten starken Anstieg im Vergleich zu den Volumina davor verzeichnen. 23 Die chinesische Regierung strebt mit dieser Politik an, zu den führenden Industrieländern aufzurücken und ein wirtschaftliches Gleichgewicht zu erreichen. Dieses sehen die chinesische Regierung und die chinesischen Unternehmen in immer größerem Ungleichgewicht durch eine Vielzahl neuer ausländischer Konkurrenten, die in den chinesischen Markt eintreten. Dem dadurch härter werdenden Wettbewerbsdruck in China möchten chinesische Unternehmen daher auch durch die Erschließung neuer Märkte standhalten. 24 Zudem sind für die chinesische Regierung die enormen Devisenreserven, die inzwischen ein Volumen von über 3 Billionen USD 25 erreicht haben, ein Treiber ihrer Expansionspolitik. 26 Eine aktuelle Darstellung der Entwicklungen der Devisenreserven befindet sich in Abbildung 4.
27 Abb. 4: Entwicklung der chinesischen Devisenreserven von 2000 bis März 2011 In Billionen USD
22 Auch bekannt unter „Zou Chu Qu“ z.dt.: „Schwärmt aus!“ oder unter „Go-Abroad-Politik“
23 Vgl. Tirpitz, A. et al. (2011), S. 23
24 Vgl. Sohm, S. et al. (2009), S. 13
25 Vgl. PBoC (2011), zit. nach Querschuesse (2011a)
26 Vgl. Fuchs, H. (2007), S. 14
27 Mit Änderungen entnommen aus: Querschuesse (2011), auf Grundlage von PBoC (2011)
Wie diese Reserven bisher investiert sind, ist ein chinesisches Staatsgeheimnis. Es ist jedoch bekannt, dass die State Administration of Foreign Exchange of China (SAFE), die die Reserven verwaltet, große Summen in amerikanische Staatsanleihen angelegt hat. 28 Künftig möchte die SAFE jedoch über Staatsfonds vermehrt in Unternehmen auch in Auslandsmärkten investieren, da die US-Staatsanleihen für die chinesische Regierung aufgrund ihrer geringen Verzinsung zunehmend uninteressant geworden sind. 29
Die Go-Global-Politik schrieb die chinesische Regierung im Elften der Fünfjahrespläne fest. Mit den Fünfjahresplänen steuert die Volksrepublik China maßgeblich ihre Wirtschaftsentwicklung. Der elfte Fünfjahresplan galt vom Jahr 2006 bis zum Jahr 2011. Anschaulich wurde die Unterstützung der chinesischen Regierung wurde dies auch im Jahre 2006, als eine fünfzigköpfige Delegation aus chinesischen Unternehmern mit dem chinesischen Wirtschaftsminister durch Europa reiste. Im Kern ihrer Gespräche ging es um langfristige Investitionen vor allem durch M&A-Deals. Deutschland war dabei die erste Station der Delegation noch vor Großbritannien, der Schweiz und Spanien. 30 Im Jahr 2010 lag zum ersten Mal die Zahl der chinesischen Outbound-Transaktionen über der der Inbound-Transaktionen. Auch das Volumen aller Out-bound-Transaktionen übertraf das der Inbound-Transaktionen. 31 Outbound-Transaktionen sind Unternehmenskäufe chinesischer Unternehmen im Ausland. Bei Inbound-Transaktionen handelt es sich um Unternehmenskäufe ausländischer Unternehmen in China. Insgesamt wurden im Zeitraum zwischen 2003 und 2009 437 Cross-Border-Transaktionen durch chinesische Unternehmen getätigt. Das Gesamtvolumen dieser Transaktionen lag bei rund 130 Mrd. USD. 32
Die Betrachtung des Bestandsvolumens der Zielländer chinesischer ODIs im Jahr 2006 in Tabelle 1 zeigt, dass Hongkong bisher ein sehr beliebtes Ziel chinesischer Investoren war. Die Anteile der jeweiligen Zielländer im Jahr 2006 zeigen, dass Hongkong, die Britischen Virgin Islands und die Cayman Islands bis 2006 Hauptempfänger der chinesischen ODIs waren. 33 Dies liegt vor allem daran, dass in den kleinen Inselstaaten große Fondsvermögen verwaltet werden, die wiederum auch in Unternehmen in den USA oder in Europa angelegt sind. In den Berechnungen der nach Deutschland geflossenen
28 Vgl. Baird (2011), S. 3
29 Vgl. NZZ Online (2007)
30 Vgl. Zhou, X. (2010), S. 509; vgl. Wang, W. (2007), S. 11
31 Vgl. Zhou, X. (2010), S. 509
32 Vgl. Faerber, M.-R. et al. (o.J.), S. 9
33 Vgl. Tirpitz, A. et al. (2011), S. 21
FDIs konsolidiert die Bundesbank in der in Anhang 1 aufgeführten Tabelle diese mittelbaren Investitionen, sofern ihre Herkunft feststellbar ist. Das bedeutet, dass Investitionen aus Hongkong, deren Mittelherkunft in China liegt, in der Statistik auch zu den chinesischen Direktinvestitionen in Deutschland gerechnet werden. 34
35 Tab. 1: Regionale Verteilung der ODI-Bestände Chinas 2006
In Abbildung 5 wird darüber hinaus die Verteilung der chinesischen ODIs nach Kontinenten im Jahr 2009 veranschaulicht.
36 Abb. 5: Chinas jährliche ODIs - eine Betrachtung im Jahr 2009
34 Vgl. Bundesbank (2010)
35 Mit Änderungen entnommen aus: BWMI (2009), S. 10
Anfang des Jahres 2011 wurde der zwölfte Fünfjahresplan vom Nationalen Volkskongress der Volksrepublik China verabschiedet. Dieser beinhaltet die Wirtschaftsplanungen für die Jahre 2011 bis einschließlich 2015. Er gilt als Trendwende der chinesischen Wirtschaft in den Bereichen Umweltressourcen und Binnenwachstum. Neben der Abkehr von der Verschwendung hin zur Schonung endlicher Ressourcen liegt eine He-rausforderung Chinas darin, dass der staatlich gewollte und bisher auch stark geförderte Binnenkonsum in den vergangenen Jahren immer stärker wuchs und die Exportvolumina zuletzt sogar überstieg. Das Thema Ressourcenschonung plant die chinesische Regierung über Investitionen in erneuerbare Energien in Höhe der bereitgestellten Mittel, von über 430 Milliarden Euro, anzugehen. Von diesen Mitteln könnten auch deutschen Unternehmen durch Aufträge profitieren. 37 Dies bedeutet aber auch, dass die Liquidität bei den durch die Mittel geförderten chinesischen Unternehmen stark ansteigen wird und diese eventuell Zukäufe planen könnten. Da Deutschland in der Forschung und Entwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien auch aufgrund der umfangreichen staatlichen Förderungen der letzten Jahre sehr weit fortgeschritten ist, könnten sich einige deutsche Unternehmen in der Branche als Zielobjekte anbieten. In Punkt 3.3.1. wird auf die Attraktivität der Erneuerbaren Energien-Branche für Investoren weiter eingegangen.
Da FDI-Zahlen auch immer die Investitionen in Neugründungen eigener Niederlassungen oder die Gründung eines Joint Ventures beinhalten, stellt sich die Frage insbesondere für M&A-Berater, welchen Anteil Unternehmenstransaktionen künftig an chinesischen FDIs haben werden. Eine Umfrage des China Council for the Promotion of International Trade (CCPIT) unter Managern chinesischer Unternehmen hat ergeben, dass 39 Prozent derer, die bereits konkrete Vorstellungen haben, mit welcher Methode sie FDIs künftig tätigen werden, ihre Investments über Transaktionen von bestehenden Firmen und Assets im Ausland planen. Rund 41 Prozent möchten in ihre bestehenden Investments investieren und nur 19 Prozent planen Investitionen in Neugründungen. Rund 1 Prozent plant FDIs mit Joint-Venture-Partnern. 38 Daraus lässt sich die Prognose eines stark wachsenden M&A-Markts mit chinesischen Investoren im Ausland ableiten. Eine solche Entwicklung könnte sich auch unmittelbar auf den M&A-Markt in Deutschland auswirken.
36 Mit Änderungen entnommen aus: Kessel, J. M. (2010), zit. nach Qingfen, D. (2010)
37 Vgl. Hirn, W. (2011)
38 Vgl. CCPIT (2010), S. 25
2.1.2. Ziele und Motive
Für die Internationalisierung von Unternehmen beziehungsweise deren Eintritt in neue Märkte gibt es individuell verschiedene Gründe und Motive. Hauptziele, die chinesische Investoren bisher bei ihren Markteintritten im Ausland verfolgten, waren bisher die Erschließung von natürlichen Ressourcen, neuen Absatzmärkten, strategischen Knowhows über fremde Märkte, Managementmethoden und Technologien sowie Effizienzpotenzialen. 39 S. Sohm et al. haben diese Ziele in ein drei-schichtiges Modell gegliedert, das in Abbildung 6 dargestellt wird. Hinter der Eingruppierung lag die Bestrebung, die Ziele nach der strategischen Priorisierung innerhalb der chinesischen Unternehmen darzustellen.
40 Abb. 6: Motivpyramide chinesischer Markteintritte
Die chinesischen Unternehmen haben erkannt, dass sie in vielen Bereichen dem Wettbewerb in ihrer Branche mit eigenen Ressourcen nicht gewachsen sind und handel darum nach dem Grundsatz „If you can’t beat them, join them!“ 41 schreiben M.-R. Färber et al. in ihrer Studie zum Werkzeugmaschinenbau in China.
39 Vgl. Tirpitz, A. et al. (2011), S. 19 ff.; vgl. Buckley, P. J. et al. (2008), S. 735 ff.; vgl. Baird (2011), S. 8
40 Enthalten in: Tirpitz, A. et al. (2011), S. 16, zit. nach Sohm, S. et al. (2009), S. 136
41 Faerber, M.-R. et al. (o.J.), S. 34
Arbeit zitieren:
Stephan Miller, 2011, Möglichkeiten der Partizipation an zunehmenden M&A-Aktivitäten chinesischer Investoren auf dem deutschen Markt, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
BWL - Investition und Finanzierung: Möglichkeiten der Partizipation an zunehmenden M&A-Aktivitäten chinesischer Investoren auf dem deutschen Markt ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
BWL - Investition und Finanzierung: neuer Titel erschienen: Möglichkeiten der Partizipation an zunehmenden M&A-Aktivitäten chinesischer Investoren auf dem deutschen Markt
Stephan Miller hat einen neuen Text hochgeladen
Ausländische Direktinvestitionen und internationaler Wissenstransfer n...
Untersucht am Beispiel von Hig...
Ingo Liefner
Ausländische Direktinvestitionen und Regionale Industriecluster in Mit...
Harald Zschiedrich
Mergers & Acquisitions in der Volksrepublik China
Ein Leitfaden für Direktinvest...
Tobias F. A. Staude, Christian Theisen
Strategisches Management von Mergers & Acquisitions
State of the Art in Deutschlan...
Frank Borowicz, Klaus Mittermair
Best Practices for Mergers & Acquisitions in China: Leading Lawyers on...
Simone Yew, Brinton M. Scott, Henry H. Liu
0 Kommentare