Bibliographische Beschreibung
Diezel, Romy
Sozialpsychologische Aspekte der Abhängigkeit von Designer- Drogen und Möglichkeiten sozialpädagogischer Intervention. 39 Seiten Vechta, Hochschule Vechta (Uni), Fakultät Soziale Arbeit in Humandiensten, Bachelorarbeit, 2010
Referat
Die Bachelorarbeit befasst sich mit Aspekten einer möglichen Abhängigkeit Bezug nehmend auf Designer- Drogen. Dabei wurden entwicklungspsychologische Aspekte des Jugendalters und Entstehungsbedingungen einer Sucht am Trias der Abhängigkeit nach Kielholz und Ladewig und neurobiologischen Erklärungsansätzen untersucht. Zudem wurden Präventionsmöglichkeiten,
gerichtet auf die Technoszene, näher beleuchtet und Projekte dar geboten, die diese Lücke schließen könnten.
II
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis I
Einleitung 1
1 Begriffsbestimmung 3
1.1 Sozialpsychologie 3
1.2 Designerdrogen- synthetische Drogen 3
1.3 Sozialpädagogik 6
2 Abhängigkeit nach ICD- 10 7
3 Jugendalter aus der entwicklungspsychologischen 11
Perspektive und dem gesellschaftlichen Wandel
3.1 Historischer Wandel der Pubertät 11
3.2 Zeitliche Abgrenzung der Jugendphase 12
3.3 Entwicklungsaufgaben des Jugendalters 15
3.4 Gesellschaftlicher Wandel und Problemstellungen 18
4 Jugendkultur Technoszene 22
5 Trias der Abhängigkeit 26
5.1 Mensch 27
5.2 Mittel 28
5.3 Milieu 29
6 Neurobiologischer Erklärungsansatz von Abhängigkeit 30
7 Sozialpädagogische Interventionsformen 33
7.1 Primärprävention 35
7.2 Sekundärprävention 36
III
7.3 Tertiärprävention 38
8 Schlussbetrachtung 39
Quellenverzeichnis III
IV
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Methamphetamin- Crystal 4
http ://www.michaelshouse.com/blog/wp-content/uploads/
2009 /08/crystal-meth.jpg
verfügbar am: 10.05.2010
Abb. 2: verschiedene Formen von Ecstasy 5
http ://thefreshscent.com/wp-content/uploads/2008/10/ecstasy-pill-
collage -i2007h0004.jpg
verfügbar am 01.07.2010
Abb. 3: Furcht vor Arbeitslosigkeit nach sozialer 18
Schichtzugeh örigkeit im Zeitreihenvergleich
Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren (in )
Shell Deutschland Holding (Hrsg.) (2006): Jugend 2006.
Eine pragmatische Generation unter Druck.
Frankfurt am Main: Fischer, 76
Abb. 4: Belastung im Problembereich " Schule und Beruf" 18
nach Altersgruppen
http ://www.neuburg-
schrobenhausen.de /export/download.php?id 1161,
verfügbar am 23.06.2010
Abb. 5: Zufriedenheit mit dem eigenen Körpergewicht 19
www.neuburg -schrobenhausen.de/export/download.php?id 1161
verfügbar am 23.06.2010
Abb. 6: Problembelastung bei den 16- 18- Jährigen 21
http ://www.neuburg-
schrobenhausen.de /export/download.php?id 1161
verfügbar am 23.06.2010
Abb. 7: Trias der Abhängigkeit 25
http ://www.polizei.bayern.de/content/3/7/5/9/0/sucht2 TSGdy.jpg
verfügbar am 29.06.2010
V
Einleitung
Ich sehe den Abhängigen als Sucher; allerdings einen mißgeleiteten. Der Süchtige ist ein Mensch auf der Suche nach Lebensfreude, vielleicht sogar auf der Suche nach einer transzendenten Erfahrung -und ich möchte betonen, daß diese Art der Suche außerordentlich positiv ist. Der Süchtige sucht zwar am falschen Ort, aber er strebt nach etwas sehr Wichtigem, und wir können es uns nicht leisten, dieser Suche keine Beachtung zu schenken. Deepak Chopra, Wege aus der Sucht
Für Eltern ist das Erleben der Geburt und das Aufwachsen ihres Kindes wohl eine der schönsten Erfahrungen. Kinder geben ihren Eltern das Gefühl eine „richtige und komplette Familie“ zu sein. Sie wirken wie ein Spiegel ihrer Selbst in Bezug auf ihren Charakter, Verhaltensweisen usw. In späteren Jahren, als Jugendliche, wird es jedoch für viele Eltern meist schwierig, denn da beginnt die Zeit des Loslassens. Die meisten Jugendlichen gehen dabei ihren Weg hin zu einem autonomen Leben. Einige Hingegen schaffen das jedoch nicht allzu problemlos und geraten in eine Abhängigkeit.
Meine Beweggründe für die Bearbeitung und Auseinandersetzung mit dem oben genannten Thema beruhen auf persönlichen Erfahrungen. Da ich in der Technoszene meine Jugend verbracht habe und diese Szene auch jetzt noch einen großen Bestandteil meines Lebens darstellt, habe ich viele Freunde gehabt, die in eine Abhängigkeit von synthetischen Drogen geraten sind. Für die meisten stellte der Drogenkonsum von Designerdrogen nur eine Phase dar, die sie dann mit Aufnahme einer Ausbildung, Arbeit oder Studium wieder beendeten. Jedoch habe ich Bekannte, die selbst nach zehn Jahren noch keinen Schlussstrich ziehen konnten. Erst vor kurzem bekam ich die erschütternde Nachricht, dass ein guter Bekannter aufgrund der Folgen seiner Abhängigkeit Selbstmord begangen hat, welcher auch der Grund und die Motivation, dieses Thema zu bearbeiten, war.
1
Dabei stand die wesentliche Frage im Vordergrund, warum ein Jugendlicher überhaupt in eine Abhängigkeit gerät? Warum es gerade in dieser Entwicklungsphase zu einem gesteigerten Risiko kommt? Und welche Hilfen hierzu in Deutschland angeboten werden?
Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt vor allem auf entwicklungspsychologischen Aufgaben im Jugendalter, unter Einbezug des gesellschaftlichen Wandels und Ursachenmodellen, wie es zu einer Abhängigkeit kommen kann. Leider ist es an dieser Stelle sehr schwierig, den sozialpsychologischen Blickwinkel beizubehalten und kann nur bedingt berücksichtigt werden.
Vorab möchte ich darauf hinweisen, dass sich diese Arbeit nur auf Jugendliche im Alter von 12- 25 Jahren, beider Geschlechter und allen Sozialschichten bezieht. Zudem werde ich die Jugendkultur Technoszene um ein Vielfaches mit in diese Arbeit integrieren. Da ich aus persönlichen Erfahrungen erlebt habe, dass der Drogenmissbrauch zwar in eine Abhängigkeit führen kann und als beunruhigend erachtet, jedoch nicht zwingend als höchstproblematisch eingeschätzt werden muss, beruht diese Arbeit ausschließlich auf dem Begriff der Abhängigkeit. Des Weiteren werde ich mich nur auf synthetische Drogen beziehen und nur kurz den Mischkonsum anreißen. Keine Berücksichtigung bei sozialpädagogischen Interventionen fanden hierbei andere Hilfesysteme, wie Ärzte und Polizei. Diese Differenzierung habe ich gewählt, weil die Erarbeitung der Thematik zu weitläufig geworden wäre.
2
1. Begriffsbestimmung
1.1 Sozialpsychologie
„Die Sozialpsychologie ist die empirische Wissenschaft vom individuellen und kollektiven Erleben und Verhalten in Abhängigkeit der jeweiligen sozialen Situation. Sie erforscht die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten menschlichen Verhaltens im sozialen Kontext“ (Fachgruppe Sozialpsychologie, http://www.sozialpsychologie.de)
Sozialpsychologisch werden die psychologischen Einflüsse einer Person unter dem Aspekt ihrer sozialen Bedingtheit betrachtet. Die Interaktion zwischen dem Individuum und seiner Umwelt. In diesem Diskurs geht es vor allem um Risikofaktoren, welche ein Verhalten oder ein Faktum darstellen, die negative Folgen begünstigen
Im Folgenden sollen die psychosozialen Risikofaktoren von Jugendlichen im Alter von 13- 25 Jahren in den sozialen Bereichen wie Schule, Familie und Peer- Group untersucht werden. Problembereiche, die eine negative Auswirkung auf das Individuum in Bezug auf eine Drogenabhängigkeit haben können, aber nicht zwingend Auswirkungen haben müssen
12- synthetische Drogen
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung definiert „Droge“ wie folgt:Der Begriff „Droge“ umfasst insbesondere alle zu Rauschzuständen oder Abhängigkeit führenden Pharmaka, einschließlich synthetisch hergestellter Verbindungen (Designerdrogen) und Alkohol. 1 . (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), http://www.drugcom.de) Bezug nehmend auf die durch das Gesetz verbotenen Drogen, können diese kategorisiert werden in biogene und Voll- und halbsynthetisch hergestellte Drogen.
Im Bereich der biogenen Drogen unterscheidet man zusätzlich noch in pflanzliche und tierische Drogen. Zu den pflanzlichen Drogen zählen unter anderem Cannabis
1 Vgl. Schmidt, G., Algeier- Föll, R.; 2003, S. 30
3
und Pilzdrogen wie der Kubanische Täuschling mit seinen halluzinogenen
Inhaltstoffen. Eine tierische Droge ist beispielsweise das Gift der Erdkröte.
Unter die halbsynthetisch hergestellten Drogen fallen Kokain- Crack, Heroin und
LSD , da diese aus pflanzlichen Grundstoffen bestehen und chemisch aufbereitet
werden. Zu den vollsynthetisch hergestellten Drogen zählt man Amphetamine,
Methylamphetamine und MDMA. Im heutigen gesellschaftlichen Kontext werden
Designerdrogen als voll synthetisch hergestellte, psychotrope Substanzen
bezeichnet , welche in illegalen Laboren hergestellt werden und man demzufolge
die Inhaltsstoffe als Konsument nie genau analysieren kann. 2 Diesbezüglich
spricht man überwiegend von synthetischen Drogen. Die von Jugendlichen meist
konsumierten synthetischen Drogen sind Methamphetamine, Amphetamine und
MDMA. 3
Amphetamine , in der Drogenszene auch
„Speed“ und „Pepp“ genannt, haben durch
das Freisetzen von Dopamin und die
anregende Wirkung im zentralen
Nervensystem eine aktivierende und
euphorisierende Wirkung. Ängste werden
vermindert die Redelust und das
Abb. 1: Crystal
Selbstbewusstsein wird gesteigert. Hunger sowie
M üdigkeit bleiben aus. Diese Drogen werden als „Wachmacher“ und
Leistungssteigerer benutzt dienen der Gewichtsreduktion. Methamphetamine,
auch „Crystal“ oder „Ice“ genannt, haben eine ähnliche Wirkung wie
Amphetamine , jedoch ist diese um ein vielfaches größer und hat eine wesentlich
l ängere Wirkung, zum Teil bis zu 30 Stunden. Gerade Crystal wird als die
gef ährlichste unter den aktivierenden illegalen Drogen eingestuft, da diese eine
ausgesprochen hohe Giftigkeit für die Nervenzellen darstellt. Zu den Risiken
z ählen massive Schlaf- und Kreislaufstörungen, Magenschmerzen und sogar
Magendurchbruch , ebenso möglich sind Zahnausfall, Paranoia, Entzündungen der
Haut („Speedpickel“) und Organblutungen. Der chronische Konsum kann
au ßerdem Hirnblutungen und Schlaganfälle mit plötzlichen Lähmungen
verursachen. Tierexperimentelle Untersuchungen haben gezeigt, dass
2 Vgl. Köhler, T. 2008, 102
3 Vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, http://www.bzga.de
4
Methamphetamin eine hohe neurotoxische Wirkung hat, also das Gehirn somit nachhaltig schädigen kann. Forscherinnen und Forscher gehen sogar davon aus, dass Methamphetamin die toxischste (giftigste) Substanz unter den Amphetaminabkömmlingen ist. Diese Droge besitzt außerdem ein enorm hohes Abhängigkeitspotential.
4
Der Wirkstoff MDMA wird meistens in Form von
Pillen auf den illegalen Markt gebracht, auch genannt Ecstasy, Pillen oder Murmeln und wird oral mit etwas Flüssigkeit eingenommen. MDMA ist ebenfalls in kristalliner Form erhältlich, welcher ähnlich wie „Crystal“ zuerst zu Pulver zerrieben und anschließend nasal eingenommen wird. Nach Einnahme dieser „Glücklichmacher“
wird der Botenstoff Serotonin im Körper ausgeschüttet, welcher ein übermäßiges Glücksgefühl zur Folge hat. Dementsprechend spricht man auch oft von „Liebespillen“. Dabei Entstehen Gefühle wie, gerade genannt, das Empfinden von Glücks- und Liebesgefühlen, ein Gefühl der Nähe zu anderen Menschen, Offenheit, Mitgefühl und Akzeptanz Anderer, das Gefühl der Entspannung und Hemmungen werden bei bleibender Erhaltung einer geistigen Klarheit vermindert. Des Weiteren hat Ecstasy ebenfalls die stimulierenden Effekte der Ursprungssubstanz Amphetamin: Die Konsumenten fühlen sich wach und aktiviert. Zusätzlich entstehen ein gesteigertes Körperempfinden und optische Wahrnehmungsveränderungen. 5 Seitens der Risiken sind Herzrasen, Ansteigen der Körpertemperatur und Austrocknung, Depression, massive Angstzustände (Horror- Trip), psychotische Störungen, Nieren- und Leberversagen, Kreislaufkollaps und, verursacht durch das „Nichtwissen“ der Inhaltsstoffe, Tod zu nennen. 6
Wie daraus ersichtlich wird, bestehen bei dem Konsum von synthetischen Drogen erhebliche Gefahren, sowohl auf der psychischen, als auch auf der physischen Ebene. An dieser Stelle sollte nochmals die noch höhere Gefahr genannt werden, die des Nichtwissens über die genauen Inhaltsstoffe der konsumierten Drogen, da
4 Vgl. Thomasius, R.; u. a. 2009, S.492
5 Vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), http://www.drugcom.de
6 Vgl. Sauer, O; Weilemann, S. ; 2001, S. 44 ff.
5
Arbeit zitieren:
Romy Diezel, 2010, „Sozialpsychologische Aspekte der Abhängigkeit von Designerdrogen und Möglichkeiten sozialpädagogischer Intervention“, München, GRIN Verlag GmbH
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