Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Zweisprachigkeit 4
2.1. Begriffserklärung 4
2.2. Formen der Zweisprachigkeit im Hinblick auf den Zeitpunkt des Erwerbs der
Sprachen 5
3. Der Bereich der Schreibung 6
3.1. Groß- und Kleinschreibung im Russischen und Deutschen 6
3.2. Negativer Transfer in der Schreibung 7
4. Nominalflexion 8
4.1. Nominalflexion des Deutschen 9
4.2. Nominalflexion des Russischen 11
4.3. Negativer Transfer im Bereich der Nominalflexion 13
5. Koordination von Sprach- und Schrifterwerb in der Zweitsprache 15
6. Schriftsprachförderung von zweisprachigen Kindern 17
7. Schluss 19
Literaturverzeichnis 21
1
1. Einleitung
Sprache dient als wichtiges Medium zur Verständigung untereinander. Mit Hilfe von Sprache können wir Kontakt aufnehmen und unsere Gefühle, Gedanken und
Wünsche mitteilen. Auch der schulische und berufliche Erfolg ist ohne Sprachkompetenz nicht denkbar. Selbst ein Top-Manager kann nur dann erfolgreich sein, wenn er seine Ideen und Projektvorschläge überzeugend darstellen kann. Und ein Schüler kann Textaufgaben in Mathematik nur dann richtig lösen, wenn er auch die Aufgabenstellung verstanden hat. 1 Der Wohlstand einer Volkswirtschaft ist abhängig von der Anzahl gut ausgebildeter Menschen. In Deutschland ist eine Mehrsprachigkeit seit geraumer Zeit keine Ausnahme mehr bzw. heutzutage ein Regel. Die Kinder aus zugewanderten Familien gehen gemeinsam mit den deutschen Kindern in die Schule, wo sie auch gemeinsam Lesen und Schreiben lernen. Im Rahmen dieser Arbeit wird versucht, die Schwierigkeiten der zweisprachigen Kinder bzw. Jugendlichen im Bereich der deutschen Schriftsprache darzustellen und anhand von Beispielen die mögliche Auswirkung auf diese zu zeigen. Es wird auf die russische Sprache Bezug genommen und aufgezeigt, dass viele Schwierigkeiten beim Erwerb der Schriftsprache nicht nur an der Kompliziertheit des Sprachsystems der zweiten Sprache z.B. Deutsch liegen können, sondern auch an der Übertragung des grammatikalischen und graphematischen Systems der Muttersprache auf die zweite Sprache. Wer gilt als zweisprachig?
Dies muss zunächst beantwortet werden, bevor die Fragestellung näher untersucht wird. Auch reicht es nicht aus, eine Definition des Begriffs „Zweisprachigkeit“ zu kennen. Damit lassen sich Schwierigkeiten beim Erwerb der Schriftsprache (der Zweisprache) bzw. damit verbundene typische Fehler nicht erklären. Weiterhin muss geklärt werden mit welchem Alter und ab welchem Zeitpunkt das Kind mit dem Erlernen der deutschen Schriftsprache begonnen hat und ob bereits eine Kenntnis der Schriftsprache in der Muttersprache vorhanden ist.
1 vgl. Hellerung 2002, S. 7
2
Diese Faktoren spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle beim Erlernen der Schriftsprache bzw. bei den gesamten schulischen Leistungen. Da die mündliche Sprache nicht von der Schriftsprache zu trennen ist, wird an ausgewählten Beispielen der Zusammenhang zwischen Sprachproduktion und Denkstruktur aufgezeigt.
3
2. Zweisprachigkeit
2.1 Begriffserklärung
Es gibt eine unübersichtliche Anzahl von Definitionen des Begriffs Zweisprachigkeit, die aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Subjektive Bewertungen führen teilweise zu widersprüchlichen Inhalten. Alle Begriffsbestimmungen haben aber eine gemeinsame Basis: „sie beschreiben einen Zustand, in dem mehr als eine Sprache gesprochen wird“. 2 Laut Apeltauer ist die „Zweisprachigkeit die Fähigkeit zum alternierenden Gebrauch zweier Sprachen“. 3 Hier geht es um das Beherrschen der beiden Sprachen auf dem gleichen Niveau. Viel häufiger begegnet man aber den Personen, die nur eine der beiden Sprachen auf dem muttersprachlichen oder muttersprach-ähnlichen Niveau beherrschen. Diese Sprache wird als dominante Sprache bezeichnet und die Zweitsprache als schwache Sprache. Dominante Sprache kann sowohl Muttersprache sein, als auch die Sprache, die später erlernt wird. Im Laufe der Zeit können die Zweitsprache zur dominanten und die Muttersprache zur schwachen Sprache werden. Es gibt mehrere Faktoren, die Sprachwechsel beeinflussen, wie zum Beispiel eigene Motivation oder soziale Lebensbedingungen. Solche Umwandlung der Dominanz der Sprachen ist vor allem bei den Kindern mit Migrationshintergrund zu beobachten. Sie müssen beide Sprachen täglich verwenden, wobei die Muttersprache meistens nur als Kommunikationsmittel in der Familie verwendet wird und die Zweitsprache nicht nur als Kommunikationsmittel sondern auch als Unterrichtssprache. Und die Unterrichtssprache stellt in der Regel viel größere Anforderungen an das Kind dar, weil neben der mündlichen Alltagssprache die schriftliche Zweitsprache erlernt bzw. angewandt werden muss. 4
Dass dies ein großes Problem darstellt, zeigen die Ergebnisse der PISA Studie. 5 Dreimal mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund verlassen das deutsche Schulsystem ohne Abschluss als dies bei Deutschen Fall ist. Selbst nach längerem Schulbesuch und guten mündlichen Sprachkenntnissen schreiben viele Jugendliche völlig unverständlich. Auch werden 20% der Fünfzehnjährigen
2 Lengyel 2001, S. 13
3 Apeltauer 1997a, S. 7
4 vgl. Apeltauer 1997a, S. 7
5 vgl. Krempin 2009, S. 36
4
potenziellen Nicht-Lesern zugeordnet, die die sogenannte Kompetenzstufe eins nicht überschreiten. Das bedeutet auch, dass sie nicht in der Lage sind, einfache Texte selbst zu verfassen. 6
Die folgende schriftsprachliche Äußerung stammt von einem Schüler, der bereits in seiner Heimat die Schule besucht hat und erst im fortgeschrittenen Alter in die Bundesrepublik kam:
bitentsuldigenzi dasihnihtsraybenkan (9. Schj.) 7
2.2 Formen der Zweisprachigkeit im Hinblick auf den Zeitpunkt des Erwerbs der Sprachen
Abhängig von dem Zeitpunkt, wann der Mensch anfängt die zweite Sprache zu erlernen, unterscheidet man zwischen dem simultanen und sukzessiven Bilingualismus. 8 Simultane Zweisprachigkeit liegt vor, wenn zwei Sprachen parallel von Geburt an erlernt werden. Solche Fälle sind in den Familien zu treffen, wo die Eltern unterschiedliche Muttersprachen haben und eine zweisprachige Erziehung ihres Kindes wünschen. Jeder Elternteil spricht mit dem Kind in seiner eigenen Muttersprache.
In dem Fall des sukzessiven Bilingualismus, der häufiger anzutreffen ist, wird im Elternhaus eine bestimmte Sprache gesprochen und in der Umgebung eine andere. Die Kinder erlernen dann allerdings diese „Umgebungssprache“ erst später, wenn die Erstsprache schon einigermaßen ausgebildet ist, also nach dem dritten Lebensjahr. Hier wird von sukzessivem Bilingualismus gesprochen und kommt vor allem bei den Kindern aus den Arbeitsmigranten-, Aussiedler- und Flüchtlingsfamilien vor, die unter Migrationsbedingungen aufwachsen. In diesem Fall kann die Erstsprache auf die erworbene Sprache sowohl positiv, als Hilfe wirken, als auch negativ, als Hindernis, weil die Erstsprache meistens als Orientierung für das Kind dient. Es geht davon aus, dass die neue Sprache dieselbe Struktur hat wie die bereits beherrschte Sprache. In dieser Arbeit wird auf den Fall des sukzessiven Bilingualismus näher eingegangen.
6 vgl. Belke 2001, S. 101
7 vgl. Belke 2001, S.100
8 vgl. Grosjean 1996, S. 161
5
Arbeit zitieren:
Evgeniya Yakovleva, 2011, Schriftlichkeit unter Bedingungen der Zweisprachigkeit (am Beispiel Russisch/Deutsch) , München, GRIN Verlag GmbH
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