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Inhalt
Einleitung 3
Die Gefangenschaft durch die Gesellschaft 5
Die Gefangenschaft durch falsch verstandene Ökumene 11
Ein kurzer Exkurs in Sachen Ökumene 11
Christliche Gemeinschaft und deren Bedeutung 13
Falsche Nachfolge 15
Die Verantwortlichen innerhalb der Kirchen und Gemeinden 17
Die Landeskirchen 20
Die Freikirchen 21
Christen und soziales Engagement 24
Christen und Obrigkeit 25
Schlussfolgerungen. 28
Nachwort 30
Literaturverzeichnis 31
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Einleitung
Dr. Martin Luther brachte zu seiner Zeit - anno Domini 1520 - eine Schrift mit dem Namen „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ heraus. In diesem entfaltet er sein Sakramentverständnis, bzw. kritisierte das der römisch-katholischen Kirche. Ich glaube, dass man auch heute, im Jahr 2010, immer noch von einer „Gefangenschaft der Kirche“ reden kann - eine Gefangenschaft, die sich nicht auf die Sakramente, sondern eher darauf bezieht, dass die evangelische Kirche immer mehr darauf bedacht ist, sich der Gesellschaft zu beugen und zugleich sich Ihrer einzuschmeicheln. So wendet sich diese Schrift gegen das größtenteils marode Christentum der evangelischen Kirche in Deutschland. Man könnte bald sagen, dass es vermessen ist, sich heute noch als „evangelische Kirche“, geschweige denn „lutherische Kirche“ zu schimpfen, ferner wäre es angebrachter, sich „neuprotestantisch“ 1 zu nennen. Von dem Gedankengut des großen und gesegneten Theologen Dr. Luther ist nicht mehr viel übriggeblieben. Auch das heutige (evangelische) Christentum befindet sich in einer babylonischen Gefangenschaft. Die Hure Babylon ist`s die die Menschen in ihr verderben rennen lässt, da sie geprägt ist vom Fürsten dieser Welt - dem Satan. Diese Hure ist nun heutzutage die Welt, ja die Gesellschaft. Eine Gesellschaft ist`s, die den Mensch als „Gott“ in den Mittelpunkt allen Denkens und aller Vernunft stellt und ihn doch dadurch verneint 2 , dass er zum schlichten Glied innerhalb der Produktionskette des Kapitalismus degradiert 3 wird. Das „christliche Abendland“ steht kurz vor dem Untergang, denn von etwas „Christlichem“ kann kaum mehr die Rede seien.
Durch die Liberalisierung des Christentums wurde die Frömmigkeit Dr. Martin Luthers verworfen oder radikal abgemildert. Oder es wurde, zum Anderen, wie erwiesen 4 , durch den Evangilikalismus „erneuert“, j e doch nicht reformiert - „ecclesia semper reformanda“ ist verkommen zu einer hohlen Phrase. Denn die „ecclesia“-Reformation wird oft nur durch neue Kirchenfenster sichtbar, nicht aber in den Herzen der Gemeindeglieder und der Pfaffen. Somit kommen auch nur selten gute Werke zu Tage; man lässt sich mehr und mehr vom Satan reiten, denn lieber sitzt man stillschweigend in der Kirchenbank und lässt sich vom Geschwafel, das vermehrt von der Kanzel kommt, berieseln, als alles zu prüfen und das Gute zu behalten 5 . Niemand ermahnt mehr seine Geschwister in Liebe, denn dazu kennt man die Geschwister kaum und zudem fehlt die Liebe in den Herzen für seinen Nächsten. Da, wo Deuteropaulinen,- und Jesaja`s 6 , Quellenscheidung, usw. gepredigt werden, kann auch
1 Ein berühmter Ausspruch Karl Barths war: „Lieber katholisch als neuprotestantisch“, was auch schon dessen Einwand gegen den heutigen (damals aufkommenden) Neuprotestantismus eindeutig zeigt. - Vgl. http://books.google.de/books?id=twEmAQAAIAAJ&q=karl+barth+Lieber+katholisch+als+neuprotestantisch%2 7&dq=karl+barth+Lieber+katholisch+als+neuprotestantisch%27&ei=17L7S4LmNpOezgS2w5CRCg&cd=1 -
2 Innerhalbdes Kapitalismus wird der Mensch schlichtweg zum Dienst der Profitproduktion reduziert. Vgl. Wolfgang Eichhorn, u.a., Marxistisch-leninistische Philosophie, Dietz Verlag, Berlin 1997, Seite 410.
3 Vgl. Menschenwürde wird durch Armut untergraben, ganz gleich, wie romantisch wir die einfachen Menschen mit schlichter Grazie und Charme ausstatteten. Vgl. Martin Luther King, Heinrich W. Grosse (HG) Worte für jeden Tag, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 19997, Seite 48
4 Vgl. Christoph Mohr, von der reformatorischen Lutherkirche zum pietistischen Evangilikalismus - ein obligatorischer Gnadenwandel (2010)
5 Vgl. 1. Th. 5, 21
6 Dies meint die irrwitzige Annahme, dass bspw. das Buch Jesaja, oder auch diverse Briefe des Apostels Paulus von mehreren Verfassern geschrieben wurde, was jedoch nur eine Herabminderung der Göttlichkeit der Heiligen Schrift gleichkommt.
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kaum ein rechtes Verständnis der Heiligen Schrift entstehen, denn „…wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buchs …, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens …“ (Off. 22, 19).
Trotz dessen gibt es Christenmenschen 7 , die es genau mit der Heiligen Schrift nehmen und nicht versuchen, ihr Ihre Heiligkeit abzusprechen. Doch hat Gott seinen Plan mit und für unsdie, die ihm nachfolgen wollen -, zu dem er treu steht 8 , doch inwiefern sich die Gänze 9 seines Leibes dessen bewusst ist, sei in Frage zu stellen. Denn wo man Christus nicht predigt, wie er in der Heiligen Schrift bezeugt wird, da kann wohl kaum ein rechter Glaube 10 kommen 11 . Was nützt es, vermeintlich an Christus zu „glauben“, wenn man meint, dass der Selbige im Geist auferstanden ist, nur Mensch oder nur Gott war, nicht von einer Jungfrau geboren wurde, usw. Nicht umsonst heißt es in Psalm 1: „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, da die Spötter sitzen,…“ Natürlich ist man diesen Spöttern immer und überall in der gefallenen Welt „ausgeliefert“, dennoch hat ja „Gott die Welt geliebt“ 12 und er liebt sie immer noch, genau so, wie er alle Menschen liebt. Jedoch will ich den ersten Psalm auch gar nicht auf die Gottlosen in der Welt, sondern auf Diejenigen innerhalb der „ecclesia“ beziehen - auf die, innerhalb der Kirche. Denn Kirche sollte eigentlich „ecclesia“ sein, nicht ein Gebäude - eine Kirche -, als fixer Steinklotz, der keine weitere Bedeutung für das Zwischenmenschliche, für das Christliche hat. Schon von der Wortbedeutung dieses Terminus „die Herausgerufene“ wird klar, dass da jemand ist, der ruft: Gott rief und ruft seine Gemeinde aus der gefallenen Welt heraus in die Beziehung zu und mit ihm. Eben das ist es, was Gemeinde, was Kirche ausmachen sollte und ausmachen muss. Christus sprach nicht umsonst davon, dass er seine Nachfolger kennt und diese ihn 13 . Er -Christus allein - ist das Haupt der Gemeinde 14 und nur er sollte auch innerweltlich - also im Alltäglichen und nicht nur, wenn überhaupt, am sonntäglichen Gottesdienst - genau dieses Haupt bleiben und das, wonach man als Christenmensch stets trachten sollte 15 .
7 Als „Christenmensch“ ist jener Christ, der in der wahren Nachfolge Jesu Christi lebt gemeint, wohingegen der Begriff „Christ“ jene meinen will, die sich selbst so schimpfen, in keiner lebendiger Beziehung zu Christus stehen - sozusagen „Nennchristen“. Die soll nicht implizieren, dass jenen „Christen“ das Heil abgesprochen wird. Vielmehr gilt es in der heutigen Zeit, unter Berufung auf Joh. 7, 38, in Analogie zu 2. Petr. 2,1, zwischen Christen und Christenmenschen zu differenzieren, auch wenn die Heilige Schrift nicht so differenziert.
8 „er führet mich auf rechter Straße um seines Namens Willen“ - Ps. 23, 3; „Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen.“ - Jos 1, 5
9 Hier soll die Rede von der sichtbaren und unsichtbaren Kirche seien - von denen, die nur zur Kirche gehören und von denen, die zu Gott gehören und die auch nur er vermag zu nennen.
10 Vgl. Röm. 10, 17
11 Abgesehen davon, dass die Predigt und deren Wirkung nicht vom Prediger, sondern von Gott abhängig ist. So kommt es nicht darauf an, ob ein Gläubiger oder ein Nichtgläubiger diesen Predigtdienst vollzieht - auch wenn es menschlich betrachtet ja Irrwitz ist, einen Ungläubigen predigen zu lassen.
12 Vgl. Joh. 3,16
13 Vgl. Joh. 10, 14-15
14 Vgl. Kol. 1, 18 und „welches ist die Gemeinde des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit“. - 1. Tim. 3, 15
15 Vgl. Kol. 3, 1
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Die Gefangenschaft durch die Gesellschaft
Seid nun mehr einigen Jahren ist es zum Normalen, man könnte fast sagen zur Doktrin, geworden, dass sich die evangelische Kirche immer mehr der humanistischen Gesellschaft anbiedert. Diese Anbiederung soll eine nominelle Attraktivität der Großkirche zur Folge haben. Doch dies ist, meines Erachtens, mehr als trügerisch. Man muss ja nur einmal die Frage stellen, ob man durch „Kirchenattraktivität“ und immer weiter heran schreitender Liberalisierung und damit einhergehender Unchristlichkeit, die Menschen erreicht, oder nicht eher abschreckt. Was ist schon eine Kirche, in der alles erlaubt ist, in der die Heilige Schrift zur Profanität verkommt und Individualität, Politik und soziales Engagement in den Vordergrund gerückt werden.
„Weil du bewahrt hast das Wort meiner Geduld, will ich dich auch bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen“ 16 heißt es schon in der Offenbarung. Somit wird verständlich, dass es durchaus „normal“ ist, wenn alle Menschen dieser Erde versucht werden und diese dadurch in „Verderben und Verdammnis 17 “ versenkt werden. Doch es ist eben auch zu lesen und vielmehr noch zu verinnerlichen, dass wir auch Bewahrung erfahren können und werden, so wir Gottes Wort bewahren. Es bewahren, nicht als Alliteration oder Metapher, sondern als das, was es ist - das Wort Gottes -, als heilig und unfehlbar.
Spätestens an dieser Stelle würde jeder Atheist nur zu gerne den Einwand machen, dass es hier um zu viel christliche Fiktion geht. Doch befinden wir uns auf dem Feld der Theologie, in die alles das, was hier angeschnitten wird, fällt. Denn dies ist die Lehre Gottes 18 und da wir uns in dieser befinden darf es meines Erachtens kaum großen Platz für humanistische Denkansätze geben. Jene Sparte geht stets von der Kognition des Menschen aus, doch innerhalb der Theologie spielt die Anthropologie 19 zwar eine Rolle, aber nicht die Bestimmende.
Als Geschöpfe des Schöpfers 20 vermögen wir es ja überhaupt nicht, auch nicht im Ansatz, den zu verstehen, der uns geschaffen hat; was für ein Gott wäre sonst Gott? Dann wäre er der allseits bekannte „liebe Gott“ der da schon helfen wird und ebenso der gleiche „liebe Gott“, der bei Naturkatastrophen vermeintlich wegschaut, oder gar aus Zorn die Selbigen verursacht. Doch wenn etwas geschieht, was wir Menschen nicht fassen können, ist es immer der „Herr Zufall“, der Wunder bewirkte, keines Falls aber Gott, der Allmächtige - eben dies ist menschliche Logik und menschliche Gerechtigkeit. Jene, die Gott nur als den zornigen Richter betrachten, sehen mit falschen Augen. Ihre Herzen sind verstockt 21 und ihre Augen sind blind für die Liebe und Gnade unseres Herrn. Es ist, als würden vor dem Antlitz Gottes
16 Vgl. Offenb. 3, 10
17 Vgl. 1. Tim. 6,9
18 Vom Griechischen „θεολογία“ - theós - Gott und logie vom Griechischen λόγος abstammend: das Wort, oder aber auch, wie in unserem Fall, Lehre bedeutend.
19 Bzw. geht aus der Heiligen Schrift eher eine „Theanthropologie“- die Gottmenschllehre hervor, da der Mensch aus der Gnade Gottes geschaffen wird und somit von ihm allein abhängig ist und es auch seien sollte.
20 „Gedenke an deinen Schöpfer“ (Pred. 12, 1); „Darum sollen auch die, … ihm ihre Seelen anbefehlen als dem treuen Schöpfer“ (1. Petr. 4, 19)
21 Vgl. Jes. 6, 10; Apg. 28, 27
6
schwarze Gewitterwolken aufziehen, die dessen Herrlichkeit verdecken; einzig und allein können diese Wolken durch das Licht der Welt 22 - Jesus Christus - verdrängt und somit das wahre Antlitz Gottes betrachtet werden.
Wir Kinder Gottes wurden nicht dazu geschaffen, um alles zu verstehen, sondern vielmehr zu Vertrauen, wie es Kinder tun 23 . Abgesehen davon sind viele Derer, die den christlichen Glauben als „Hokuspokus“ abtun, selber nicht besser, da sie zu Kartenlegern gehen, oder nach ihren Horoskopen schauen, was nun auch nicht gerade von großer Rationalität zeugt, geschweige denn von Intelligenz, das Eine zu verneinen und sich doch in die Hände von etwas Ungewissem, etwas Transzendentem zu begeben, das man nicht erklären kann.
Dennoch wird so etwas als „normal“ angesehen, genau wie Homosexualität, Pro-Islamistik, usw. Dabei wirft die Gesellschaft immer wieder jedem Christenmenschen Intoleranz, wenn nicht gar Schlimmeres, vor, der offen Homosexualität anprangert, vor. Doch dabei wird Eines vergessen, nämlich, dass die Christenmenschen aus folgender Logik heraus Dinge beanstanden (sollten): Gott hasst die Sünde, aber liebt den Sünder 24 , so geht es einem wahren Christenmenschen nicht darum, Menschen zu verurteilen 25 - auch wenn sie das Selbige nur zu gerne innerhalb ihrer eigenen Reihen gemacht wird -, sondern dessen Taten. Da sich Gott eindeutig gegen Homosexualität ausspricht 26 ist man als Christenmensch, auch wider jener Weltmeinung, dazu verpflichtet, sich der Sünde zu entziehen und seine Brüder zu ermahnen 27 , die es falsch handhaben. Ermahnung ist nicht zu wenig nötig, denn es werden Homosexuelle vor Gott getraut, ordiniert, usw. Doch all dies ist Irrlehre und dort werden auch die Sakramente nicht recht verwaltet. Denn nur was „Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden“(Mark. 10,9).
Gott offenbart uns in seinem Heiligen Wort, dass er sich eben gegen diese Sünde - die Homosexualität - stellt und sie hasst. Dennoch scheint es vielen Christen egal, manche meinen gar noch, dass dies „ungerecht und nicht der Wille Gottes seien könne“, doch sie irren und können anscheinend kaum lesen. Die Gesellschaft hingegen unterstützt ihren Irrtum, durch Gleichstellung homosexueller Ehen, mit Jenen, der Heterosexuellen. Eigentlich muss man sich dessen gar nicht wundern, da ja bekanntlich „[der] Teufel, [umhergeht] wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge“ (1. Petr. 5, 8). Anscheinend hat er schon so manchen Christen verschlungen, da nur Wenige sich gegen Homosexualität aussprechen.
22 Vgl. Joh. 8, 12
23 Vgl. Lk. 18, 17
24 Das Gott Sünde hasst wird aus Spr. 6, 16-19; Eph. 5,6; usw. deutlich. Schon aus der logischen Schlussfolgerung, das Gott Liebe und Licht ist, Sünde hingegen Verderben und Finsternis, wird der Dualismus zwischen beiden deutlich.. Dass Gott den Sünder liebt belegt zur Genüge: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ ( Joh. 3, 16)
25 Vgl. Mose 19,18; 1. Joh. 2, 11; 3. Mk. 12, 31
26 Vgl. 3.Mos. 18,22: „Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel.“; 3.Mos. 20,13: „Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen“ und bspw. Röm. 1,27- wer dies natürlich durch Quellenscheidung, o.ä. zerpflückt und es nicht als Wort Gottes ansieht, für den stellen diese Verse auch kein Problem dar, doch jeder rechte Christenmensch wird auch dies als heilig und unfehlbar ansehen. Denn wo man auch nur ein Stück christlicher Wahrheit, die nur durch die Heilige Schrift definiert werden kann, verdrängt, verdrängt man im gleichen Zug auch Kreuz und Auferstehung Jesu Christi, Stück um Stück.
27 Vgl. Röm. 12, 8; Röm. 15, 14; 1. Kor. 14, 31; 1. Tim. 6, 2 und vor allem: 2. Tim. 4, 2: „Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre“
7
Jedermann jedoch, der Sünde ausübt, oder bei der Ausübung wegschaut und nicht für Christi Wahrheit aufsteht, sondern sich duckmäuserisch der Masse unterordnet, wird schuldig an Gott selbst und seinen vermeintlich gleich schwachen Geschwistern.
Ebenso verhält es sich mit dem „Gender Mainstream“ - da ein jeder Mensch sich aussuchen mag, was er sei. Ob Mann, ob Frau, oder etwas zwischendrin - alles ist erlaubt. Solch gräuliche Taten sind der Welt normal, doch darf dies nicht Maßstab für die Braut 28 Christi - die Gemeinde - sein. Viel mehr sollte man als Christ gegen den Strom schwimmen 29 und „ohne Tadel und lauter …, [als] Gottes Kinder, ohne Makel mitten unter einem verdorbenen und verkehrten Geschlecht “ (Phil. 2, 15) und Salz und Licht der Erde sein (Matt. 5, 13-14).
Denn: „Wer sich aus Verantwortung der Schuld entziehen will, löst sich … aus dem … Geheimnis des sündlosen Schuldtragens Jesu Christi und hat keinen Anteil an der göttlichen Rechtfertigung…“ 30 . Die Welt will uns einreden, wir seien ohne Sünde und bedürfen somit keiner Vergebung durch den Höchsten. Menschen sind für sich allein verantwortlich, das nimmt ihnen niemand ab - zugleich sind sie allesamt durch die Erbsünde 31 innerhalb der gefallenen Welt in der selbigen gefangen und lassen ohne Christus dem Satan freien Raum in ihren Herzen. Dies alles soll nicht bedeuten, dass Gott nicht seine Kinder allesamt liebt, sonst hätte er wohl kaum seinen eingeborenen Sohn für die Schuld der Welt bezahlen lassen. 32
Denn: „Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“ (Mk. 2, 16). Nur muss dieser Ruf, dieses Geschenk des Glaubens, auch passiv 33 angenommen werden. Diesem Ruf zu folgen bedeutet gleichzeitig, der Wahrheit zu folgen.
Christliche Wahrheit ist immer und unausweichlich an das Kreuz Jesu Christi gebunden 34 und heutzutage mehr denn je gefordert, da wir im Zeitalter der „billigen Gnade“ 35 leben. Diese jedoch auf das schärfste abzulehnen ist, denn „billige Gnade ist … Leugnung des lebendigen Wort Gottes“ 36 , doch scheint dies nur die Wenigsten zu interessieren. Der Einzug der billigen Gnade in die Kirchen und Gemeinden ist sehr vorangeschritten und wird von vielen Pfaffen und anderen „Oberen“ der Kirche präferiert. Es ist auch schlichtweg das Einfachste, einem
28 Vgl. 2. Kor. 11,2 ; Eph. 5, 25Off. 19, 7, usw .
29 Vgl. Joh. 15, 18-20; Röm. 12,2
30 Vgl. Hartmut Walsdorff, u.a., Dietrich Bonhoeffer, Märtyrer-Heiliger-Vorbild?, Kirchengemeinde Dietrich Bonhoeffer, Berlin 1995, Seite 31
31 Vgl. Ps. 51, 7; Röm. 5,8
32 Vgl. Matt. 26, 28
33 Passiv in Betrachtung auf die Heilstat Gottes, die dieser schon vor der Grundlegung dieser Welt an uns geübt hat (vgl. Eph. 1,4). Innerhalb unseres menschlichen Rahmens sind wir nur begrenzt in unserem Denken und vor allem im Handeln. Den wie könnte ein Knecht (denn wer als Knecht berufen ist in dem Herrn, der ist ein Freigelassener des Herrn; desgleichen wer als Freier berufen ist, der ist ein Knecht Christi - 1. Kor. 7, 22) sich über seinen Herren erheben? Daraus folgt die einzig logische Konsequenz, dass man als Mensch nicht über die Taten seines Herren verfügen, sondern sie nur annehmen kann. Da die Heilstat Gottes noch dazu einen omnipotent-transzendenten Charakter hat, ist es uns Menschen unmöglich, aktiv daran teilzunehmen. Andere Stellen, die sich für die Prädestination aussprechen sind u.A. Folgende: Röm. 9, 29, 9, 11, Ephes. 1,4, usw.
34 Vgl. Dietrich Bonhoeffer, Martin Kuske und Ilse Tödt (HG): Nachfolge, Gütersloher Verlag, Gütersloh 2008 3 Seite 78
35 „Billige Gnade heißt Gnade als Lehre, als Prinzip, als System; heißt Sündenvergebung als allgemeine Wahrheit, heißt Liebe Gottes als christliche Gottesidee“ Vgl. ebd., Seite 29
36 Vgl. ebd. 29
8
Jedem die „billige Gnade“ zuzusprechen, auf das Jeder meinen könne, er würde selig werden und das ganz ohne in die Nachfolge Christi zu treten und somit sein altes Leben wie bisher weiterleben zu können. Dem hingegen ist Christi „Reich … in geistlichen Gütern wie Wahrheit“ 37 zu finden.
Doch ist sowohl die „christliche Wahrheit“, als auch die „teure Gnade“ genau so in Vergessenheit geraten, wie Dr. Luthers „theologia crucis 38 “, woraus sich dessen Rechtfertigungsverständnis ableitet - und doch sind dies essentielle Fundamente für das Leben und den Glauben eines Christenmenschen. Denn als Solcher kann man nur in der Wahrheit 39 leben, aus der Gnade schöpfen 40 und durch die eine Wahrheit und den einen Glauben auf dem göttlichen Weg 41 in der Nachfolge 42 leben.
Eben gerade dies geschieht hingegen kaum: man sucht sich eher Rat in der Welt und empfängt somit auch nur den Geist der Selbigen 43 , doch ist zugleich „die Weisheit dieser Welt … [eine] Torheit bei Gott“ (1. Kor. 3, 19). Diejenigen, die diese Weisheit in Anspruch nehmen, sind verblendet, denn der Satan ist mitten unter sie gekommen 44 und „begehrt die Menschen, … zu sichten, wie den Weizen“ (Lk. 22, 31).
So kam es, wie Professor Nietzsche sich innigst wünschte: „Der Übermensch ist der Sinn der Erde. Euer Wille sage: der Übermensch sei der Sinn der Erde!“ 45 , denn „Todt sind alle Götter: nun wollen wir, dass der Übermensch lebe“ 46 . Diese Philosophie steht, zwar nicht ganz in Nietzsches Sinne, aber im Übertrag passend, im Mittelpunkt des heutigen Weltbildes. Der Mensch ist alles, er selbst kann Gott sein - und spielen - und das mit frohem Herzen und es ist ja auch durchaus verständlich, sich selbst als „Übermenschen“ zu deklarieren. Trotzdessen bedeutet dies nicht, dass man sich als Christ aus rein logischer Selbstverständlichkeit zu etwas hinreißen lassen sollte, denn wenn man seinen Gedanken aus lauter Profanität freien Raum lässt, hat der Satan ein leichtes Spiel. So kann, bzw. konnte es, geschehen, dass nicht wenige Christen verblendet waren und sich somit im Liberalismus oder selbstzufriedener Orthodoxie 47 verfingen.
Dadurch konnte Nietzsche ebenfalls seinerzeit den Begriff „Nihilismus“ prägen. Man kann, so man sich in diese Zeit hineinversetzen mag, verstehen, wenn der Herr Professor davon sprach, dass es „nichts mit der Moral und der Wahrheit“ und ferner, dass „Gott tot“ 48 sei. Ein Zeitkritiker wie Nietzsche wird nicht umsonst davon gesprochen haben, das es „Kein Hirt und
37 Vgl. Dr. Martin Luther, Von der Freiheit eines Christenmenschen: http://www.christenmenschen.de/
38 „In ihr wird gelehrt, man werde weise, indem man die Torheit suche, man erlange Macht, indem man vor ihr fliehe, man habe alles im Überfluß, indem man auf allen Überfluß verzichte“- hier zeigt sich das Fundament der Heiligen Schrift wohl so unweigerlich deutlich, dass es durchaus logisch scheint, diese „theologia“ abzulehnen. Vgl. Pierre Bühler, Mohr Siebeck, Kreuz und Eschatologie, 1981, S. 113
39 Vgl. Ps. 26, 3
40 Vgl. Röm. 6, 14
41 Vgl. Joh. 14, 6
42 Vgl. Matt. 8, 22
43 Vgl. 1. Kor. 2, 12
44 Vgl. Hi. 1, 6
45 Vgl. Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra, Ein Buch für Alle und Keinen, Anaconda Verlag, Köln 2005, Seite 7
46 Vgl. ebd. Seite 60
47 Gemeint ist hier landeskirchliche, wie freikirchliche Orthodoxie.
48 Vgl. Friedrich Nietzsche, Also sprach Zrathustra, a.a.O., Seite 3
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