Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Gedanken 3
2. Jesu Selbstbewusstsein 3
2.1 Jesu Gottesbild 3
2.1.1 Die Botschaft von der Gottesherrschaft 3
2.1.2 Das besondere Gottesverhältnis 5
2.2 Jesu Anspruch 6
2.2.1 Jesu Sendungsanspruch 6
2.2.2 Christologische Hoheitstitel 7
2.2.3 Pro-Existenz im Leben Jesu 8
3. Jesu Todesverständnis 9
3.1 Die letzten Tage in Jerusalem 9
3.1.1 Der sich zuspitzende Konflikt 9
3.1.2 Jesu Wissen um seinen bevorstehenden Tod 10
3.2 Jesu Selbstverständnis des Kreuzes 11
3.2.1 Die absolute Krise 11
3.2.2 Jesu Tod im Kontext seiner Botschaft 12
3.3 Todesdeutungen 13
4. Der nachösterliche Christus 14
4.1 Kreuz und Auferstehung 14
4.2 Darf der Christus den Kreuzestod sterben? - Christologische Denkmuster 15
4.3 Christologie heute 16
5. Fazit - Gehorsam bis zum Tod 17
6. Literaturverzeichnis 19
1. Einleitende Gedanken
Wer war dieser Jesus von Nazareth? Warum hat Gott sich gerade in diesem Galil€er geoffenbart? Wie hat Jesus sich, sein Leben und seinen Tod selber verstanden? Diesen Fragen soll in dieser Arbeit nachgegangen werden, in der Erwartung, n€her zu Jesus selbst vorzudringen und das Unfassbare, dass Gott selbst in ihm Mensch geworden ist, ein St•ck weit besser zu begreifen.
Auch wenn eigentlich nicht Jesu Botschaft von der Gottesherrschaft behandelt werden soll, so ist doch eine knappe Darstellung dieses zentralen Themas Jesu notwendig, denn Jesus und seine Botschaft lassen sich nicht getrennt voneinander betrachten. Es soll jedoch vorwiegend um die Aspekte gehen, die sein Selbstbewusstsein pr€gen.
Nach Meinung einiger Theologen ist der Begriff ‚Selbstbewusstseinƒ f•r eine theologische R•ckfrage nach der Person Jesu zu vermeiden, so sagt Merklein, dass dieser Ausdruck zu psychologischen Assoziationen verleite und deshalb lieber vom Selbstverst€ndnis Jesu gesprochen werden sollte. 1 Gnilka bevorzugt auch aus diesem Grund den Ausdruck ‚Sendungsautorit€tƒ. 2 Im Verlauf dieser Arbeit wird jedoch trotzdem der Begriff ‚Selbstbewusstseinƒ Jesu verwendet, mit dem Hinweis, diesen nicht in psychologischer Hinsicht zu verstehen.
2. Jesu Selbstbewusstsein
2.1 Jesu Gottesbild
2.1.1 Die Botschaft von der Gottesherrschaft
Die Botschaft von der „…†‡ˆ‰Š… ‹Œ• މŒ• bildet das zentrale Thema der Verk•ndigung Jesu, laut Kessler sei es im Grunde genommen sogar das einzige Thema seines Auf-
1 Vgl.Merklein, Helmut, Jesu Botschaft von der Gottesherrschaft, Eine Skizze, in: H. Merklein, E. Zen-
ger (Hgg.), Stuttgarter Bibelstudien 111, Stuttgart 1983, 145.
2 Vgl. Gnilka, Joachim, Jesus von Nazaret, Botschaft und Geschichte, Freiburg 1993, 251.
3
tretens. 3 Es stellt sich die Frage, wie Jesus zu seinem einzigartigen Verständnis von der Herrschaft Gottes 4 kam.
Im zeitgenössischen Judentum war die Hoffnung auf ein baldiges Kommen Gottes als König/Herrscher nicht neu, jedoch war der Begriff der „Gottesherrschaft“ in diesen eschatologischen Zusammenhängen selten und marginal. 5 Überhaupt keine Bedeutung hat der Ausdruck der Gottesherrschaft bei Johannes dem Täufer, bei dem es einzig um das drohende Zorngericht Gottes geht. Weil dieses Gericht unmittelbar bevorsteht („Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt“ Lk 3,9), fordert er zur Taufe und zur radikalen Umkehr auf. So ließ sich auch Jesus wie viele andere taufen (Vgl. Mt 3,13-17; Mk 1,9-11; Lk 3,21f) und war von der Botschaft des Täufers ergriffen.
Schürmann meint, Jesus habe schon gewusst, dass die Mission des Johannes scheitern würde, und bereits sein ureigenes Bild von der Basileia Gottes gehabt, als er zum Jordan kam. Dieses Verständnis sei sicherlich durch sein jüdisches Glaubensleben geprägt worden, aber vorrangig sei es von seinen bisherigen Gotteserfahrungen mit dem Gott, den er Abba nennt, bestimmt worden. 6
So verlässt Jesus die Wüste und greift die Gerichtspredigt nicht auf, sondern verkündet das kommende Reich Gottes mit dem unermesslichen Heil für die Menschen. Dieses trotz der nicht gelungenen Sammlung und Umkehr Israels. Das scheint auf den ersten Blick paradox, jedoch verdeutlicht z.B. das Logion „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“ (Lk 10,18), dass Jesus die Gewissheit hat, dass das Böse im Himmel durch Gott schon besiegt ist und es so auch auf Erden geschehen wird. Somit hat er im Gegensatz zu Johannes keine bis zum Äußersten gespannte Nächsterwartung, sondern eine entspannte Naherwartung. 7
Inhaltlich sind nach Kessler mehrere Kennzeichen der Basileia-Botschaft Jesu hervorzuheben: a) Die Gottesherrschaft ist nahe gekommen und schon in der Gegenwart erfahrbar, b) Gott richtet sein Heilsangebot uneingeschränkt an alle und wendet sich
3 Vgl. Kessler, Hans, Christologie, in: T. Schneider (Hg.), Handbuch der Dogmatik 2 1, Düsseldorf 2002,
268.
4 Anm.: Obwohl in den Einheitsübersetzungen zumeist vom „Reich Gottes“ die Rede ist, ist der Begriff
der „Herrschaft Gottes“ vorzuziehen, da er als dynamischer Begriff besser die Aktivität Gottes auszu-
drücken vermag. (Vgl. a.a.O., 267.)
5 Vgl. a.a.O., 268.
6 Vgl. Schürmann, Heinz, Jesus - Gestalt und Geheimnis, Gesammelte Beiträge, K. Scholtissek (Hg.),
Paderborn 1994, 31.
7 Vgl. Roloff, Jürgen, Jesus, München 2000, 73.
4
vor allem an die Verlorenen und c) die Gottesherrschaft ist an die Person Jesu gebunden, durch sein Wirken wird sie erfahrbar. 8 „Jesus versteht sich als das Werkzeug dieser göttlichen Aktion auf der Erde.“ 9
Die Basileia-Verkündigung unterliegt einer eschatologischen Spannung, sie bricht durch Jesu Wirken „Schon jetzt“ an (vgl. Lk 11,20 „Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen.“), ist aber „Noch nicht“ vollendet (vgl. Lk 11,2; Mt 6,10 „Dein Reich komme“).
Jesus verdeutlicht in seiner ganzen Lebensweise die Botschaft von der anbrechenden Gottesherrschaft, so wendet er sich in erster Linie an die Verlorenen, hält mit Außenseitern Mahlgemeinschaft, heilt Kranke und treibt Dämonen aus. „Sache und Person Jesu Christi sind unablösbar miteinander verknüpft“. 10
2.1.2 Das besondere Gottesverhältnis
Die zärtliche Gottesanrede „Abba“, das aramäische Lallwort für „Vater“, gilt als ein ipsissimum verbum Jesu. Die Gottesanrede „Vater“ ist bei Jesus nicht völlig neu, auch im Alten Testament wird Gott 15 Mal als Vater bezeichnet und es werden Vergleiche der Gottesbeziehung zu der von Eltern und ihren Kindern aufgestellt. In den Evangelien gebraucht Jesus 174 Mal die Bezeichnung „Vater“ für seinen Gott. Im griechischen Markusevangelium wird das aramäische Fremdwort „Abba“ an einer Stelle stehengelassen, im Gebet im Garten Getsemani, 11 Jesus hat Angst vor dem bevorstehenden Tod, gibt sich aber auch hier ganz dem Willen seines Vaters hin (Mk 14,36). „Daß [!] Jesus den Gott Israels in der Umgangssprache und mit großer Schlichtheit und Direktheit als ‚abba, Vater’ anredet, bezeugt, wie nahe und vertraut er ihm ist.“ 12
Nicht nur aus der Abba-Anrede, vor allem auch in Jesu gelebter Nähe zu seinem Gott lässt sich diese besondere Gottverbundenheit erkennen. Jesus hat aber kein nur für
8 Vgl. Kessler, Hans, Sucht den Lebenden nicht bei den Toten, Die Auferstehung Jesu Christi, Würz-
burg 2002, 83.
9 Kessler, Christologie 2002, 269.
10 A.a.O., 274.
11 A.a.O., 276f.
12 A.a.O, 277.
5
ihn geltendes Sohnesbewusstsein, sondern er möchte, dass alle Menschen sich als Söhne bzw. Töchter Gottes begreifen können. 13
Jesus verstand sich selber von der Basileia-Botschaft her. Da die kommende Gottesherrschaft im apokalyptischen Sinn jedoch nichts anderes als das Kommen Gottes selber bedeutet, hat sich Jesus also ganz von Gott her verstanden. 14 „Für Jesu Selbstverständnis ist es also so, daß [!] es nichts in seinem Leben gibt, was nicht von Gott selbst bestimmt ist.“ 15
Jesu Botschaft von der Gottesherrschaft und seine außergewöhnliche Gottesbeziehung stehen demnach in einem wechselseitigen Bezug und lassen sich nur schwerlich getrennt voneinander betrachten. Sie sind die entscheidenden Faktoren, die das Selbstbewusstsein Jesu bestimmen und ausmachen.
2.2 Jesu Anspruch
2.2.1 Jesu Sendungsanspruch
Das intime Gottesverhältnis Jesu zu diesem gütigen und liebenden Gott erklärt, mit welchem Hintergrund Jesus auf seine Weise handeln konnte. Sein Wirken ist geprägt von der Gottesherrschaft, die er durch sich selbst bereits angebrochen sieht. So nahm er für sich in Anspruch, Dämonen „mit dem Finger Gottes“ auszutreiben (vgl. Lk 11,20 „Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe“). „Damit stellt er sein Wirken auf eine Stufe mit den entsprechend qualifizierten Wundern der Schöpfung (Ps 8,4), des Exodus (Ex 8,19) und des Sinai, den mit Gottes Finger beschrieben Gesetzestafeln (Ex 31,18; Dtn 9,10).“ 16 Dass Jesus Heilungen vollbracht hat, gilt als unbestritten. Jesus wertet seine Taten als Zeichen des präsentischen Einbruchs des Heils Gottes (vgl. Lk 11,20 „…dann ist doch das Reich Gottes schon zu Euch gekommen.“). Zwar kann Jesus nur eine begrenzte Anzahl von Menschen heilen, aber er versteht sein Wirken als zaghaften, aber wichtigen Beginn der Gottesherrschaft (vgl. Mk 4,30-32 Das Gleichnis vom Senf-
13 Vgl.ebd.
14 Vgl. Jüngel, Eberhard, Der historische Jesus - eine Gesamtschau, in:
H. Schmidinger (Hg.), Jesus von Nazaret, Köln 1995, 32.
15 A.a.O., 33.
16 Kessler, Christologie 2002, 273.
6
Arbeit zitieren:
B.A. Maria Pohlmeyer, 2007, Gehorsam bis zum Tod - Das Selbstbewusstsein und Todesverständnis Jesu, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Theologie - Systematische Theologie: Gehorsam bis zum Tod - Das Selbstbewusstsein und Todesverständnis Jesu ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Theologie - Systematische Theologie: neuer Titel erschienen: Gehorsam bis zum Tod - Das Selbstbewusstsein und Todesverständnis Jesu
Maria Röttger hat einen neuen Text hochgeladen
Jesus von Nazareth. Zweiter Teil: Vom Einzug in Jerusalem bis zur Aufe...
Zweiter Teil: Vom Einzug in Je...
Benedikt XVI.
Wahrheit und Erfahrung 3 - Themenbuch zur Systematischen Theologie
Heiliger Geist, Kirche, Sakram...
Christian Herrmann
Grundkurs Theologie VI. Systematische Theologie
Konzeptionen und Probleme im 2...
Hermann Fischer
0 Kommentare