Um das Sportsystem China zu beleuchten, ist es zunächst erforderlich einen Überblick über die Geschichte Chinas und die politischen Rahmenbedingungen zu geben, die in China vorzufinden sind.
China ist eine der ältesten Zivilisationen und Hochkulturen der Menschheit. So reichen erste Überlieferungen 3500 Jahre zurück. Von 221 v. Chr. - 1911 bestand China als Kaiserreich. Zwar gibt es auch Hinweise über bereits früher vorhandene Dynastien, diese sind geschichtlich allerdings nicht klar überliefert. Im Jahre 1912 wurde die letzte Dynastie gestürzt und die Republik China ausgerufen. Diese Zeit war geprägt durch die beiden Weltkriege, den Konflikt zu Japan und durch die Bürgerkriege innerhalb von China. In diesen Bürgerkriegen setzte sich letztendlich die Kommunistische Partei durch und rief im Jahre 1949 die Volksrepublik China aus, die noch bis heute besteht. Ihre Gegner wurden nach Taiwan vertrieben, die ihrerseits dort die Republik China gründeten, wodurch bis heute ein Konflikt zu Taiwan besteht.
Politisch geführt wird die Volksrepublik China bis heute von der Kommunistischen Partei (KP). Die Partei versteht China als „sozialistischen Staat unter der demokratischen Diktatur des Volkes“, wie es auch in der chinesischen Verfassung niedergeschrieben ist. Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident, der gleichzeitig das Oberhaupt der Kommunistischen Partei ist und repräsentative Aufgaben übernimmt. Die Gesetzgebende Institution ist die Nationalversammlung, die aus 3000 Abgeordneten besteht, wovon 2/3 Mitglieder der KP sind. Somit steht China im Grunde unter der Alleinherrschaft der KP, da keine Gewaltenteilung und keine Kontrolle der politischen Macht vorhanden sind. Zudem versteht sich China als „Einparteisystem“. Zwar existieren acht demokratische Parteien, allerdings sind diese der KP untergeordnet und können keinerlei Einfluss ausüben. Einerseits ist China heute durch ein immenses Wirtschaftswachstum, andererseits aber auch durch politische Korruption, soziale Ungleichheit und massenhafte Landflucht geprägt. Zudem ist die Meinungsfreiheit im Land eingeschränkt, da die Medien kontrolliert werden. Die Rolle des Sports in der Geschichte Chinas lässt sich wie folgt darstellen: In der Kaiserzeit galt der Sport als Bewegungskultur. Dementsprechend war nicht der Sieg, sondern das Erreichen einer größeren Moral ein erstrebenswertes Ziel des Sporttreibens. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der Sport in China zunächst eine geringe Bedeutung. Es galt nach wie vor das traditionelle Sportsystem, in dem keine Wettkämpfe ausgetragen
wurden und in der Mehrzahl nur Wushu, ein traditioneller Kampfsport, Bogenschießen und Polo ausgetragen wurden.
Im Jahre 1922 wurde daraufhin das Schulsystem reformiert, um die Gesundheit der chinesischen Bevölkerung zu fördern. Denn Chinesen wurden zu diesem Zeitpunkt durchschnittlich nur 37 Jahre alt. So wurden 1-2 Stunden Sport/ Woche für beide Geschlechter verpflichtend. Auch der Leistungssport erhielt erstmals eine größere Bedeutung, was dazu führte, dass im Jahre 1932 der erste Chinese zu den olympischen Spielen geschickt wurde und man sich der Welt erstmals über den Sport öffnete. Im Jahre 1952 allerdings zog man sich wieder von dem olympischen Spielen zurück, da das IOC Taiwan nicht von den Spielen ausschloss und die damalige Regierung Chinas nicht bereit war die „Zwei-China-Politik“ des IOC zu akzeptieren.
Dennoch blieb Sport Teil der kommunistischen Erziehung in China: So wurde im Jahre 1956 ein Spitzensportsystem eingeführt und die Nationalspiele, die bis heute eines der wichtigsten Sportereignisse in China sind, wurden im Jahre 1959 erstmals ausgetragen. International ist der chinesische Sport erst im Jahre 1971 wieder in Erscheinung getreten. So öffnete man sich über den Sport erstmals wieder der Welt, indem ein chinesisches Team zu den Tischtennisweltmeisterschaften geschickt wurde. Dies ist bis heute unter der sog. „Ping-Pong-Diplomatie bekannt und entschärfte die Beziehungen zwischen China und den USA. Im Jahre 1984 wurde erstmals wieder eine Mannschaft zu Olympia entsandt. China konnte in Los Angeles erstmals Erfolge bei Olympia erzielen und gewann 15 Goldmedaillen. Auch die Folgezeit war durch einen steigenden sportlichen Erfolg geprägt. Sport wurde genutzt, um die Modernität und Leistungsfähigkeit Chinas zu zeigen und innerhalb des Landes den Nationalstolz zu wecken, weshalb der Staat mehr und mehr dazu über ging den Leistungssport finanziell zu fördern und auch europäische Trainer nach China zu holen. Diese Entwicklung wurde durch die Vergabe der olympischen Spiele an China im Jahre 2001 noch verschärft. So wurden bis 2001 jährlich ca. 1,57 Mrd. € in den Sport investiert, was in den Folgejahren erhöht wurde und im Jahr 2008 einen Förderungsbetrag von ca. 2,65 Mrd. € erreichen sollte. Ein weiterer wichtiger Punkt in der Sportgeschichte Chinas ist die 1993 vorgenommene Reform des Sportsystems, welche eine höhere Eigenständigkeit des Sports durch die Kommerzialisierung der Ligen und Vereine einläuten sollte. Zudem wurde ein verbindlicher Verteilungsschlüssel für die Einnahmen der Sportler eingeführt.
Dem hohen Erfolgsstreben der Chinesen ist es zu verdanken, dass Sport jeder Bevölkerungsschicht gewährt wird. Besonders im Fokus lag dabei bis zu den Spielen 2008 allerdings die Förderung des Hochleistungssports, weshalb weniger talentierte chinesische Breitensportler lange Zeit keine guten Bedingungen vorfanden. Auch der Frauensport und kleine medaillenträchtige Sportarten wie Tischtennis, Schießen, Gewichtheben oder Rudern waren von hohem politischem Interesse, da man sich hier sehr schnelle Erfolge versprach. Die Förderung von Frauen wurde damit begründet, dass dies in vielen Ländern dieser Welt vernachlässigt wird und Frauen ohnehin leichter zu führen seien als Männer, weshalb man sich von den Frauen besonders hohe Erfolgsaussichten versprach. Dieses Sportförderungssystem, was in der Folge noch näher vorgestellt wird, ist allerdings mit einer Reihe an Problemen behaftet:
So werden Kinder bereits im Alter von fünf Jahren dem Elternhaus entzogen und müssen ihre Kindheit für die sportliche Karriere und den Erfolg des Landes opfern. Besonders problematisch daran ist, dass in der jüngeren Vergangenheit die schulische Ausbildung in den Sportschulen viel zu kurz kam, und somit die heranwachsenden Sportler kaum eine Perspektive für die Zeit nach ihrer aktiven Laufbahn hatten. Zudem ist die Ein-Kind-Politik problematisch für China. So geben die Eltern ihre Kinder lange nicht mehr so bereitwillig für den Sport her, da aufgrund der guten Wirtschaftslage in China die Eltern die Möglichkeit für ihr Kind erkennen auch durch eine gute Ausbildung beruflich erfolgreich zu werden. Zwei weitere große Probleme im chinesischen Sport sind die Sportfunktionäre und das Thema Doping. So setzen die Funktionäre die Athleten unter enormen Druck, da sie ihre eigene Karriere durch den Erfolg der Sportler pushen können, weshalb die Athleten teilweise gezwungen werden den Sport auszuüben und auch erpresst werden. Zudem ist allseits bekannt, dass in China eine Vielzahl an illegalen Medikamenten hergestellt wird, weshalb die Erfolge Chinas immer unter Vorbehalt zu bewerten sind.
Die schwerpunktmäßige Förderung des Leistungssports bewirkte zudem, dass im Jahre 1996 nur 15,5% der chinesischen Bevölkerung regelmäßig sportlich aktiv, 17,8% gelegentlich sportlich aktiv und ganze 66,7% überhaupt nicht sportlich aktiv waren. Neben der geringen Beachtung des Breitensports, hängt dies aber auch mit der hohen Ungleichheit der chinesischen Bevölkerung zusammen. Ein Großteil der Chinesen lebt unter ärmlichen Verhältnissen, weshalb andere Punkte im Mittelpunkt stehen, als sich sportlich zu betätigen.
Arbeit zitieren:
angehender Master of Arts Christian Stephani, 2010, Das Sportsystem China, München, GRIN Verlag GmbH
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