1. Einleitung Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den
Sprachkontakterscheinungen im Pennsylvaniadeutschen. Es soll der Frage nachgegangen werden, ob der Sprachkontakt des Pennsylvaniadeutschen zum amerikanischen Englisch den Sprachtod des Pennsylvaniadeutschen bewirken wird. Hierzu wird im zweiten Kapitel die Einwanderungsgeschichte der
Deutschstämmigen geschildert. Im dritten Kapitel folgt die Darstellung der Sprache. Es werden die Entstehung und Verbreitung behandelt. Außerdem wird die Gruppe der Pennsylvaniadeutsch-Sprecher genauer betrachtet. Im Anschluss sollen die verschiedenen Phänomene der Sprachkontaktsituation theoretisch betrachtet werden. Im folgenden fünften Kapitel werden dann konkrete Beispiele des Lehnguts thematisiert. Die Betrachtung der Auswirkungen des Sprachkontakts, bis hin zum möglichen Sprachtod, erfolgt im sechsten Kapitel. Es folgt eine kurze Schlussbetrachtung.
2. Einwanderungsgeschichte der Deutschstämmigen
Abhängig vom Zeitpunkt ihrer Einreise nach Amerika werden die Einwanderer in drei verschiedene Kategorien eingeteilt
(Schwartzkopff 1987: 7) 1 . Jede Kategorie steht für einen bestimmten Zeitraum.
2.1 Erste Einwanderungsphase
Die Einwanderer, die vor 1776 nach Amerika kamen, werden als „colonists“ bezeichnet (Schwartzkopff 1987: 7). Die meisten unter ihnen waren britischer oder irischer Abstammung. Nur wenige deutschstämmige 2 Einwanderer kamen zu dieser Zeit bereits nach
1 Schwartzkopff bezieht sich hier auf die Arbeit von Hawgood, J. A.: The tragedy of
German-American. New York - London. 1940.
2 Mit „deutschstämmig“ sind alle Personen, die deutschsprachig waren, gemeint.
Also auch Personen aus der Schweiz, Österreich, dem Elsass, Luxemburg.
2
Amerika 3 . Dieses Bild änderte sich jedoch zum Ende des 17. Jahrhunderts. Zwischen 1683 und 1710 kamen zahlreiche Deutschstämmige nach Amerika. Von 1710 an war Pennsylvania sehr beliebt unter den deutschstämmigen Einwanderern, sodass sich 1727 bereits 20.000 von ihnen in Pennsylvania niedergelassen hatten (Schwartzkopff 1987: 8) 4 . Bis zum Unabhängigkeitskrieg soll die Zahl der Deutschstämmigen in Amerika auf 110.000 gestiegen sein, wobei die meisten Einwanderer aus der Pfalz, Württemberg und Baden stammen (Schwartzkopff 1987: 8f.) 5 . Die Motivation für die Auswanderung der Deutschstämmigen ist auf die damalige Situation in der Heimat zurückzuführen. Der Westfälische Frieden von 1648 hatte bewirkt, dass es drei offizielle Religionen 6 im deutschen Gebiet gab. Häufig erklärten die einzelnen Herrscher ihre eigene Glaubensrichtung als einzig zulässige für ihre Untertanen. Andersgläubige wurden zum Teil brutal verfolgt, konnten sich jedoch unter Herrschern ihrer Religion ansiedeln. Anders erging es den Anhängern der nicht offiziellen Glaubensgemeinschaften. Sie wurden in der Regel daran gehindert, ihren Glauben auszuleben (Raith 1982: 8ff.). Hinzu kamen die schlechten Lebensbedingungen in weiten Teilen des deutschen Gebietes, das sich nach dem 30jährigen Krieg in einem katastrophalen Zustand befand. Außerdem waren die Pfalz, das Elsass und Baden den Übergriffen und Plünderungen der französischen Armee unter Ludwig XIV. ausgesetzt. Der spanische Erbfolgekrieg 1707 und die folgenden Missernten mit entsprechenden Hungersnöten taten ihr übriges (Schwartzkopff 1987: 10ff.).
3 Vereinzelte deutsche Namen lassen sich jedoch bereits 1607 in Jamestown
finden (vgl. Schwartzkopff 1987: 7).
4 Siehe Fußnote 4.
5 Siehe Fußnote 4.
6 Katholiken, Lutheraner und Reformierte. Wobei die beiden letzteren sich später
zu den Evangelischen zusammenfanden.
3
2.2 Zweite Einwanderungsphase
Die Einwanderer, die zwischen 1776 und 1895 nach Amerika kamen werden als „old immigrants“ bezeichnet (Schwartzkopff 1987: 7). Besonders nach 1830 hat die Einwanderung „geboomt“. Noch immer stammten die meisten Einwanderer aus dem Südwesten des späteren deutschen Reiches. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellten die Deutschstämmigen den größten Teil der gesamten Einwanderer in Amerika. Der Höhepunkt dieser Entwicklung war 1890 erreicht. In diesem Jahr gaben 6.857.229 7 der in Amerika wohnenden Personen an, deutschstämmig zu sein (Schwartzkopff: 1987: 12f.) 8 . Auch in dieser zweiten Einwanderungsphase waren die Verfolgungen auf religiöser, politischer und rassischer Basis, wiederholte Hungersnöte, die schlechte wirtschaftliche Situation in der Heimat die Hauptgründe für das Verlassen der Heimat. Hinzu kamen die positiven Berichte über das Leben in Amerika und die Angst vor dem Wehrdienst (Schwartzkopff 1987: 14ff.).
2.3 Dritte Einwanderungsphase
Die Einwanderer, die ab 1895 nach Amerika kamen werden als „new immigrants“ bezeichnet (Schwartzkopff 1987: 7). Allerdings ist die Hochzeit der deutschstämmigen Einwanderer in dieser Phase bereits vorbei. Ein letztes Hoch war 1923 9 zu verzeichnen. Die Zahlen und insbesondere die Stetigkeit aus der zweiten Phase wurden jedoch nicht mehr erreicht. Die Einwanderer stammen nun in der Mehrzahl aus Ost-, Südost- und Südeuropa.
7 Diese Zahl machte elf Prozent der amerikanischen Gesamtbevölkerung aus.
8 Schwartzkopff bezieht sich hier auf die Arbeit von Eichhoff, J.: Deutsch als
Siedlersprache in den Vereinigten Staaten von Amerika. In: Debus, F. und J.
Hartig: Festschrift für Gerhard Cordes. Band 2. Neumünster. Seite 68 - 91. 1976.
9 75.000 Deutschstämmige wandern in diesem Jahr nach Amerika ein,
4
3. Sprache der Pennsylvaniadeutschen
Für die Sprache der Pennsylvaniadeutschen gibt es viele Bezeichnungen: Pennsylvania German, Pennsylflaanisch,
Pennsylvaniadeutsch oder auch Pennsylvania Dutch 10 . Da die vorliegende Arbeit die Sprecher als Pennsylvaniadeutsche bezeichnet, erscheint die Bezeichnung Pennsylvaniadeutsch am besten zu passen. Im Folgenden wird die Abkürzung PD verwendet.
3.1 Entstehung
PD ist die älteste Minderheitensprache der USA. Sie ist im 18. Jahrhundert durch deutschsprachige Einwanderer in Nordamerika entstanden. Zwischen 1750 und 1775 11 herrschten in den Siedlungsgebieten „linguistische Mischungen“ (Louden 2005: 253) und Phänomene des „Ausgleichs“ (Louden 2005: 253) der Unterschiede der verschiedenen Mundarten der einzelnen Einwanderer. Bereits 1780 kann laut Louden von einer „relativ einheitlichen Mundart“ ausgegangen werden. Hierzu Arter-Lamprecht: „Die charakteristische pennsylvaniadeutsche Mundart gibt es sicher seit 1800.“ (Arter-Lamprecht 1992: 28). Schwartzkopff behauptet, dass auch das Englische einen gewissen Einfluss auf diese Koiné hatte (Schwartzkopff 1987: 75), allerdings erklärt oder belegt sie diese Behauptung nicht. Im Gegenteil relativiert sie die Aussage, da sie zuvor bemerkt, dass die Englischkenntnisse der Einwanderer kaum existent waren (Schwartzkopff 1987: 74).
3.2 Verbreitung
Ursprünglich war das PD im Südosten Pennsylvanias angesiedelt. Doch nach den oben erwähnten Anpassungsprozessen und dem Ende des Unabhängigkeitskriegs im Jahre 1783 fand eine Öffnung zum Mittleren Westen hin statt. Von da an wurden auch die westlich
10 Mit „Dutch“ ist nicht das heutige Niederländische gemeint. Vielmehr ist es eine
falsche Wiedergabe der dialektalen Bezeichnung „Deitsch“ ( Seel 1988: 3).
11 Anfang dieser Zeitspanne war der Höhepunkt der deutschsprachigen
Einwanderer, das Ende war der Unabhängigkeitskrieg.
5
des Ohio gelegenen Gebiete besiedelt. Denn die steigenden Einwandererzahlen waren selbstverständlich mit wachsendem Bedarf an Lebensraum verbunden. Es entstanden Siedlungen u. a. in Ohio, Indiana, Illinois und Iowa sowie im kanadischen Ontario (Arter-Lamprecht 1992: 28). Seinen Höhepunkt hatte das PD zwischen 1870 und 1890. In dieser Zeit sprachen rund 750.000 Menschen, von denen 600.000 in Pennsylvania lebten, diese Sprache 12 (Seel 1988: 3). Im Jahre 2005 gab es ca. 200.000 Sprecher (Louden 2005: 253).
3.3 Sprecher
Die Gruppe der Sprecher des PD ist inzwischen mindestens 13 bilingual und spricht neben dem PD auch Amerikanisches Englisch. Darüber hinaus lassen sich jedoch deutliche Unterschiede zwischen zwei verschiedenen Sprechertypen erkennen. Die eine Gruppe, die in den Anfängen den weitaus größeren Teil der Sprecher ausmachte, wird „non-sectarians“ genannt (Seel 1988: 6). Diese Sprecher werden von Seel als „weltlich“ bezeichnet. Das PD steht in keinem Zusammenhang zu den religiösen Einstellungen der Sprecher. Diese gelten als der „modernen amerikanischen Gesellschaft angepasst“ (Seel 1988: 6). Erstsprache der „non-sectarians“ ist heute Englisch, PD wird nur noch selten an die nächsten Generationen weitergegeben und weist keine eigenständige Funktion mehr auf (Seel 1988: 7.). Die andere Gruppe trägt die Bezeichnung „sectarians“ und meint diejenigen Sprecher, die Mitglieder einer „konservativen religiösen Sekte“ (Seel 1988: 6) sind. Früher war diese Gruppe den „non-sectarians“ zahlenmäßig deutlich unterlegen. Seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts ist dieses Verhältnis umgekehrt (van Pottelberge 2004: 295). Die aktive Verwendung mit
12 Die Bezeichnung Sprache erscheint aus heutiger Sicht sinnvoller als die
Bezeichnung Mundart, denn nach der Herausbildung des PD bestand kein Kontakt
mehr zum Hochdeutschen. Auf Grund des Unabhängigkeitskrieges kamen auch
kaum neue deutschsprachige Einwanderer nach Amerika, Kontakt zum
deutschsprachigen Europa existierte ebenfalls kaum. PD war somit von den
Veränderungen im Hochdeutschen getrennt (vgl. Louden 2005: 253).
13 Ein Teil der Sprecher, der den Amischen Alter Ordnung angehört, kann als
multilingual bezeichnet werden, da diese Sprecher zusätzlich Hochdeutsch
sprechen (vgl. Arter-Lamprecht 1992: 27ff.).
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Arbeit zitieren:
Jessica Berger, 2011, Sprachkontakterscheinungen im Pennsylvaniadeutschen, München, GRIN Verlag GmbH
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