Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Berichterstattung in den Medien 4
Comic -Theorie 8
Detailanalyse der beiden Comics 11
Schlussfolgerungen 31
Literaturverzeichnis 32
2
2
Einleitung
Ich möchte in dieser Arbeit die zwei Wahlkampf-Comics „Sagen aus Wien“ (FPÖ) und „MR X.“ (SPÖ) vergleichen. Ich möchte dabei nicht einfach nur über Inhalte der Parteien schreiben sondern mich bei der Analyse vor allem darauf konzentrieren, mit welchen erzähltechnischen Mitteln die Comics Wirkung erzeugen möchten. Bei diesem Vergleich möchte ich auch die Sprache und das Zusammenspiel von Bild und Text behandeln.
Durch ein besseres Verstehen der Erzähltechniken kann man als Leser hoffentlich auch kritischer gegenüber politischer Propaganda sein und dieser nicht einfach blind folgen. Die Idee für diese Arbeit ist entstanden, weil die FPÖ und SPÖ im Wiener Wahlkampf 2010 Comics verwendet haben, und dies eine Form der Politikerkommunikation ist, die von „traditionellen“ Formen der Politikersprache doch deutlich abweicht. Daraus ergibt sich auch ein interessantes Analysepotenzial. (An dieser Stelle sei aber auch darauf hingewiesen, dass etwa die Wiener SPÖ auch schon in den 30er Jahren Comics verwendet hat. 1 ) Ich möchte dabei so vorgehen, dass ich zuerst die Medien-Berichterstattung über diese beiden Comics zusammenfasse. Danach möchte ich die Comic-Theorie vorstellen, die dann bei der genauen Analyse als Grundlage dienen soll. Ich werde mich dabei vor allem auf McCloud stützen.
Der Hauptteil der Arbeit ist dann eine genaue Analyse und ein Vergleich der Erzähltechniken der beiden Comics.
Obwohl ich mich, wie gesagt, auf die Erzähltechniken der Comics konzentrieren werde, möchte ich doch hier schon jetzt sagen, dass ich die die Hetzpropaganda vor allem im FPÖ-Comic in keinster Weise gutheiße und ich hoffe, dass meine Arbeit zumindest ein kleiner Baustein dagegen ist.
1 Siehe: Sommerbauer, 17. Oktober 2010: 14. 3
Berichterstattung in den Medien
Als die FPÖ im Wahlkampf zur Wiener Gemeinderatswahl im Herbst 2010 ein Wiener „Sagenheft“ mit Comicelementen an Wiener Haushalte versendete, haben die Medien dieses Thema natürlich gleich aufgegriffen und auch die Grünen und andere Organisationen haben diesbezüglich eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft geschickt. 2 Insgesamt wurden 944 Tatsachendarstellungen an die Staatsanwaltschaft gechickt. Der Paragraf sagt wörtlich, dass bis es mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft wird wenn zu: „feindseligen Haltung gegen eine Kirche, Religionsgemeinschaft, Angehörige einer Rasse, eines Volkes oder eines Volksstamms“ aufgefordert wird. 3
Doch die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren mit der Begründung ein, dass der Tatbestand der Verhetzung nach Paragraf 283, Strafgesetzbuch, nicht erfüllt sei. Die Anzeigen richteten sich vor allem gegen ein Bild, „das dem blauen Wiener Spitzenkandidaten Heinz-Christian Strache nachempfunden ist und einem blonden Buben eine ‚Hasse‘ anbietet, wenn er ‚Mustafa ane aufbrennt‘.“ 4
Sagen aus Wien, Seite 10. 5
Es wurde auch in den Medien mehrfach auf die Parallelen zu Kommunikationsweisen der Nationalsozialisten hingewiesen. So zitiert etwa Brickner den Blog-Autoren Kirchmeyr, der in seinem Blog auf eine vergleichbare Körperhaltung und eine ähnliche Kleidung bei der Darstellung Straches und einer Zeichnung im Stürmer hinweist. Als der Standard die FPÖ mit dem Stürmer-Vergleich konfrontierte, antwortete der FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl:
2 Siehe: APA, 26. September 2010. http://derstandard.at/1285199232845/Gruene-bringen-Anzeige-gegen-FPOe-Comic-ein. (Zugriff: 10. Januar 2011).
3 Brickner, 2011, 19. Januar. http://derstandard.at/1293371045660/Verfahren-eingestellt-Mustafa-Comic-Verfahren-gegen-Strache-eingestellt. (Zugriff: 25. Februar 2011).
4 Brickner, 2011, 19. Januar. http://derstandard.at/1293371045660/Verfahren-eingestellt-Mustafa-Comic-Verfahren-gegen-Strache-eingestellt. (Zugriff: 25. Februar 2011).
5 Bildquelle: Der Stürmer, 1. November 1935. http://derstandard.at/1285199391767/Strache-Comic-aehnelt-Stuermer-Zeichnung. (4. Februar 2011). 4
„Stürmer? Ich kenne nur Christina Stürmer. Mit der Nazi-Zeitschrift beschäftige ich mich nicht.“ 6
„Vielmehr habe die FPÖ-Broschüre ‚das Wissen der Wiener über ihre Geschichte und ihre Sagen vertiefen wollen‘. In einer Auflage von 550.000 Stück angefertigt, habe man das Druckwerk in Wien an alle Haushalte verschickt - und zwar unabhängig vom Alter der Angeschriebenen.“ 7
Auch der Spitzenkandidat für die FPÖ, HC Strache, argumentierte ganz ähnlich wie sein Generalsekretär:
„Das Comic ‚Sagen aus Wien‘ ist ein sehr gelungenes Comedy, mit lustigen Karikaturen und Geschichten aus der Wiener Vergangenheit. Häupl und HC werden in einer Zeitreise in diese Vergangenheit zurückgeschickt um zu sehen wie sich beide damals vielleicht verhalten hätten. Zum einen treffen wir Prinz Eugen, zum anderen auf den türkischen Belagerer Kara Mustafa (1683), welcher damals Wien in der Realität sehr grausam einnehmen wollte. Es zeigt auf wie die Wiener sich damals gewehrt haben und sich auch befreien konnten, dank der Hilfe Sobieskis. Es wird der Wiener Dialekt bemüht, es werden Wiener Wappen und Denkmäler und Holzstiche aus dieser Zeit in Erinnerung gerufen. Ein kleiner Wiener Bub (quasi ein kleiner David) hilft mit gegen den Heerführer Kara Mustafa (der große Goliath) und verpasst diesem ein blaues Auge. Hui und da treten die spaßbefreiten und humorlosen Grünen auf den Plan und reden von ‚Hetze‘.“ 8
Diese Argumentation ist bemerkenswert, da die Parallelen und die Anspielungen auf das heutige Wien eigentlich eindeutig sind, wenn man sich die „Sagen aus Wien“ näher ansieht. Und bemerkenswert ist auch, dass bei solchen FPÖ-Aussagen in der Presse nicht weiter kritisch nachgefragt wird und die Staatsanwaltschaft offenbar diese Parallelen auch nicht sehen wollte.
Kickl merkte auch an, dass seine Partei Comics verwendete, weil diese Form der Kommunikation interessanter sei:
„Es ist eine Form der verkürzten politischen Kommunikation, für Menschen, die keine Lust auf trockene Inhalte haben.“ 9
6 Brickner, 27. September 2010. http://derstandard.at/1285199391767/Strache-Comic-aehnelt-Stuermer-Zeichnung. (4. Februar 2011).
7 Bruckner, 28. September 2010. http://derstandard.at/1285199391767/Strache-Comicaehnelt-Stuermer-Zeichnung. (Zugriff: 10. Januar 2011).
8 Strache, Karl-Heinz im Standard-Chat: http://derstandard.at/1285199533831/Ich-wuerde-den-Kindern-in-den-Schulen-Wiener-Liedgut-naeher-bringen. (Zugriff: 25. Februar 2011).
9 FP-Generalsekretär Harald Vilimsky. In Sommerbauer, 17. Oktober 2010: 14 5
Unten ist noch einmal die Darstellung von Strache von Seite 10 und ein Bild aus dem Stürmer:
Sagen aus Wien, Seite 10 10 Der Stürmer
Man sieht deutlich die Parallelen. Insofern ist die Aussage des FPÖ-Generalsekretärs nicht nachvollziehbar. Es gibt in den „Sagen aus Wien“ auch noch weitere Anspielungen auf den Nationalsozialismus.
Im Standard wurde etwa auf die „direkten Anspielungen an nationalsozialistische Blut und Boden-Ideologie“ in der FPÖ-Wahlkampfbroschüre hingewiesen. Enigl schreibt etwa, dass der Basilisk als Vertreter von Rot-Grün dargestellt wird, den man umbringen müsse. Als Bekämpfungsmittel wird etwa das Mundwasser Odal im Bild gezeigt. Enigl schreibt über den Namen Odal: 11
„Diesen Namen trug ab 1939 das NS-Blatt ‚Odal - Monatsschrift für Blut und Boden‘. Die NS-Schrift wurde von Walther Darré herausgegeben, der als Chef des SS-Rasse-und Siedlungshauptamtes, NS-Reichsbauernführer und großdeutscher Ernährungsminister Hitlers Expansionspläne exekutierte. Darré forderte Überwachung der menschlichen Fortpflanzung durch ‚Zuchtwarte‘, vom germanischen ‚Od‘, Erbhof, leitete er ein eigenes Odalrecht ab, zu dessen Grundlagen neben Blut und Boden die ‚Wehrhaftigkeit‘ zählte.“
10 Bildquelle: Der Stürmer, 1. November 1935. http://derstandard.at/1285199391767/Strache-Comic-aehnelt-Stuermer-Zeichnung. (4. Februar 2011).
11 Siehe: Enigl, 28. 9. 2010. http://www.profil.at/articles/1039/560/278618/strache-comic-nsanknuepfung. (Zugriff: 10. Januar 2011). 6
Sagen aus Wien, Seite 26 12
Diese „Dämonisierung“ des politischen Gegners ist nicht neu. Die FPÖ (und natürlich auch andere Parteien) bedienen sich dieser Technik schon lange. 13 Und es ist wohl tatsächlich so, dass sich Comics aufgrund der oftmals verwendeten „karikaturhaften“ Darstellungen besonders „gut“ für solche Stereotypisierungen eignen. Also ist zu erwarten, dass sich die österreichischen Parteien auch in Zukunft des Comics bedienen werden.
Ich möchte diesen Abschnitt aber nicht beenden, ohne zu erwähnen, dass der SPÖ-Comic, der, wie wir sehen werden, auch mit Stereotypsierungen und Dämonisierung, wenn auch ohne Anspielungen auf den Nationalsozialismus arbeitet, in den Medien deutlich zurückhaltender aufgenommen wurde. 14
12 Bildquelle: http://www.profil.at/articles/1039/560/278618/strache-comic-ns-anknuepfung. (Zugriff: 10. Januar 2011).
13 Siehe etwa: Wörgetter, 28. Januar 2002. http://www.nlp.at/hl/medien/sn280102.htm. (Zugriff: 25. Februar 2011).
14 Siehe etwa: APA, 6. Oktober 2010. http://derstandard.at/1285200160635/SPOe-Comic-Haeupl-im-Kampf-gegen-Nazi-Zombies. (Zugriff: 25. Februar 2011). 7
Comic-Theorie
In diesem Abschnitt möchte ich nun die Comic-Theorie vorstellen, die ich für die anschließende Analyse der beiden Comics verwenden werde. Comics-Definition
Zuerst möchte ich definieren, was ich unter Comics verstehe. Ich möchte dabei der Definition von McCloud Definition folgen, auch wenn es dazu unterschiedliche Ansichten gibt. 15 McCloud versteht unter Comics:
„Juxtaposed pictorial and other images in deliberate sequence, intended to convey information and/or to produce an aesthetic response in the viewer.“ 16 Die „Sagen aus Wien“ sind zwar eigentlich auch zu einem Großteil nur Illustrationen zu Texten, aber ich bin der Meinung, dass wir diese Bilder auch unabhängig von den Texten als Comic lesen können, weil die Definition von McCloud erfüllt ist und es sich bei den Illustrationen um Bilder in einer Sequenz handelt, die eine Geschichte erzählt, die auch unabhängig vom Text gelesen werden kann.
Analyse-Schema
Bei der Analyse der beiden Wahlkampf-Comics werde ich das Analyse-Schema von McCloud verwenden, der die die folgenden Elemente von Comics unterscheidet: “Choice of Moment (Deciding which moments to include… and which to leave out.) Choice of Frame (Choosing the right distance and angle to view those moments.) Choice of Image (Rendering the characters, objects and environments in those frames clearly.)
Choice of Word (Picking words that add valuable information and work well with the images around them.)
Choice of Flow (Guiding readers through and between panels on a page or screen.)“ 17
Kritik an McCloud
Es sei hier nicht verschwiegen, dass McCloud von unterschiedlichen Seiten heftig kritisiert wurde. Trotz der teilweise sicher berechtigten Kritik möchte ich trotzdem das Kurzschema von McCloud verwenden, weil es mir durch die Einfachheit am geeignetsten für eine Kurzanalyse erscheint. Eine detaillierte Aufarbeitung der Kritik an McCloud und eine detaillierte Darstellung der Comictheorie ist nicht das Ziel dieser Arbeit. Ich denke, dass ein genaues Betrachten der Erzähltechniken (laut einem strukturellen Schema der Erzählelemente) als ersten Schritt sehr wohl Sinn macht, weil dadurch die Erzählweise
15 Groensteen, 1999/2007: 12-17.
16 McCloud, 1993/1994: 9.
17 McCloud, 2006: 10. 8
(hoffentlich) besser verstanden werden kann. Und dieses bessere Verstehen, wie der Text arbeitet, erleichtert dann in einem zweiten Schritt auch eine eventuelle poststrukturelle Analyse.
Ich muss allerdings zugeben, dass an dieser Stelle eigentlich ein tieferes Eintauchen in die Theorie nötig wäre, um mein Vorgehen besser zu begründen. Dies würde aber leider den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
Bezüglich meiner strukturellen Vorgehensweise wäre noch anzufügen, dass ich den Ansatz von McCloud eigentlich noch gegenüber anderen interessanten (und von Frahm kritisierten) Modellen rechtfertigen müsste. Hervorzuheben sind hier etwa Krafft 18 und Dittmar 19 . Aus den schon mehrmals erwähnten Platzgründen kann ich das hier leider auch nicht tun. Wie schon in der Einleitung erwähnt, möchte ich bei der Analyse auch besonders auf das Zusammenspiel von Wörtern und Bildern eingehen. Auch hierfür hat McCloud ein Analyse-Schema erstellt. In dem folgenden Bild unterscheidet er verschiedene Möglichkeiten, wie Bilder und Wörter kombiniert werden können:
18 Krafft, 1978.
19 Dittmar, 2008. 9
Arbeit zitieren:
Bernhard Kopf, 2011, Vergleich der Politikcomics der FPÖ und SPÖ im Wiener Wahlkampf 2010, München, GRIN Verlag GmbH
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