Inhaltsverzeichnis
Einf ührung 3
Übersetzer als Verführer 5
Le Plaisir du Traduction 7
Rules of the Game 9
Einwandbehandlung 12
Literaturverzeichnis 15
2
Einführung
Die Idee, dass Literatur verführen will, kommt aus Geoffrey Millers Buch „The Mating Mind“.
Die Idee, dass man mit geheimnisvollen Texten verführen kann, stammt aus Barthes „Le Plaisir du Texte“ und aus der Verführungsliteratur, wie etwa Robert Greenes „Art of Seduction“.
Diese Theorien wollen wir im Folgenden genauer ausführen und daraus eine Verführungstheorie der Übersetzung entwickeln.
Einwand: Der Student will sich nur lustig machen.
Das stimmt natürlich. Ich glaube wirklich, dass der Germanistik (und auch den Religionen) ein gesundes Maß an Selbstironie und Humor gut tun würden. Aber ich bin tatsächlich der Meinung, dass (literarische?) Übersetzungen vor allem dann gut sind, wenn sie auf originelle Weise vom Originaltext abweichen.
Schwäbisch 4
2 www.wikipedia.com.
3 http://www.banksy.co.uk/outdoors/horizontal_1.htm.
4 http://www.gea.de/magazine?skip=18.
3
Im speziellen Fall von Asterix ließe sich vielleicht auch die Humor-Theorie von Freud zur Erklärung heranziehen. Durch die Abweichung von der Norm in der Dialektübersetzung empfinden wir Lust, weil dadurch unsere Zensoren getäuscht werden: Laut dieser Theorie empfinden wir Freude daran, wenn man Regeln und Grenzen der Sprache überschreiten kann:
“Freud, who never returned to the subject after writing his 1905 book on the theory of jokes, suggested that "censors" in the mind form powerful, unconscious barriers that make it difficult to think "forbidden" thoughts. But jokes can elude these censors -- to create the pleasure of unearned release of psychic energy, which is discharged in the form of laughter. He explains why jokes tend to be compact and condensed, with double meanings: this is to fool the childishly simple-minded censors, who see only innocent surface meanings and fail to penetrate the disguise of the forbidden wishes.“ 5
Minsky erweitert diese Theorie dann auch noch auf „humorous nonsense“ und er argumentiert, dass wir über diese Art von Humor lachen können, weil wir so Denkgrenzen überwinden können, die zu überschreiten die Zensoren uns normalerweise verbieten. 6 (Bezüglich Asterix sei auch angemerkt, dass das französische Original schon sehr gut ist, und schon viele Wortspiele enthält, die man in der Hochdeutsch-Version nur ungefähr nachbilden konnte. Aber der Punkt ist, dass der Lese-Genuss durch die Regel-Abweichung noch verstärkt wird.
(Und bezüglich des Verführungsbegriffs in der Literatur möchte ich die Duineser Elegien von Rilke ins Spiel bringen, bei denen man mit „logischer“ Analyse schnell an seine Grenzen stößt, und selbst Literaturwissenschafter sprechen in diesem Zusammenhang von „Verführung“. 7 )
5 Minsky, 1980. http://web.media.mit.edu/~minsky/papers/jokes.cognitive.txt 20. Juni 2009. S: 1.
6 Es sei angemerkt, dass es noch viele weitere Überlegungen zur Humor-Theorie gibt, aber für unsere Zwecke sollen Freud und Minsky genügen. (Überblick über Humor-Theorie: http://myweb.brooklyn.liu.edu/jlyttle/Humor/Theory.htm. 20. Juni 2009.
7 Stephens, 2004: 365 ff. In: Engel (Hrsg.), 2004.
4
Übersetzer als Verführer
In seinem Buch „The Mating Mind“ schreibt Miller, dass Kunst und Literatur zu „courtship“-Zwecken entstanden:
„The Ramble is a 37-acre woodland hosting 250 species of birds. Every spring, they sing to attract sexual partners. Their intricate songs evolved for courtship. Could some of our puzzling human abilities have evolved for the same function?” 8
“Miller believes that our minds evolved not as survival machines, but as courtship machines, and proposes that the human mind's most impressive abilities are courtship tools that evolved to attract and entertain sexual partners.” 9 Miller argumentiert dabei auch mit Laubenvögeln. Er sagt, dass sie mehr Chancen haben, ihre Gene weiterzugeben, je schönere Nester sie bauen. Die Nester werden dann gar nicht verwendet, sondern von den Weibchen nur betrachtet. Die Laubenvögel erzeugen also Kunstwerke, um ihre Genqualität zu zeigen. Und je bunter diese Nester sind desto besser. Wenn also die Laubenvögel bunte Metallteile oder Batterien verwenden, also Materialien, die „normalen“ Vögeln nicht zur Verfügung stehen, dann erhöhen sich die Chancen zur Genweitergabe.
Miller wendet diese Argumentation dann auf menschliche Kunst an, wie etwa die Dichtkunst, an. Er gibt dabei das Beispiel von Cyrano, der mit Worten zu verführen weiß. 11 Das heißt, durch das Verfassen von „origineller“ Literatur kann der Autor seine eigenen guten Gene zeigen. Gute Literatur kann nicht jeder schreiben. Das kostet viel Zeit und Mühe. Diese Investition kann sich nicht jeder leisten. Miller schreibt dann auch noch über Poesie, und er
8 Miller, 2000: 1.
9 http://en.wikipedia.org/wiki/Geoffrey_Miller_(evolutionary_psychologist). (24. Juni 2009).
10 http://de.wikipedia.org/wiki/Laubenv%C3%B6gel. (25. Juni 2009).
11 Miller, 2001: 377 ff.
5
Arbeit zitieren:
Bernhard Kopf, 2009, Entwurf einer Übersetzungstheorie der Verführung, München, GRIN Verlag GmbH
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