Inhaltsverzeichnis
Einf ührung 3
Konstruierte Mehrsprachigkeit 8
Lustige Mehrsprachigkeit 11
Politische Mehrsprachigkeit 13
Entfremdung durch Schriftverfremdung 15
Fazit ? 17
Literaturverzeichnis 18
2
Einleitung
Ziel
Diese Arbeit will sich, in Ergänzung zu Kremnitz (2004), wo das Phänomen nur am Rande behandelt wurde, mit Fremdwörtern und wortinterner Mehrsprachigkeit in der Literatur auseinandersetzen.
Vorgehensweise
Wir wollen in dieser Arbeit untersuchen, wie solche mehrsprachigen Wörter in literarischen Texten eingesetzt werden.
Wir wollen also nicht einfach fremdsprachige Wörter untersuchen, die in einen Text eingefügt sind, sondern das Wort selbst muss sowohl die Sprache des Haupttextes als auch mindestens eine weitere Sprache in sich tragen. Mit anderen Worten, das „Fremde“ muss in irgendeiner Weise deutlich in einem „hiesigen“ Wort zu sehen sein, damit es unter unsere Definition fällt. Das heißt, dass „alte“ Fremdwörter oder Lehnwörter, bei denen man die fremde Herkunft nicht mehr ohne weiteres erkennen kann, („Freitag ist eine Lehnübersetzung von 'veneris dies' (Freya statt Venus)“ 4 , hier nicht behandelt werden.
Die bei der Recherche gefundenen Beispiele wortinterner literarischer Mehrsprachigkeit werden in vorhandene und schon bestehende Kategorien hinsichtlich ihrer Wirkung eingeordnet.
Aus dieser Einordnung soll deutlich werden, dass diese Worte verschiedene Funktionen in literarischen Texten erfüllen.
Natürlich werden sich die hier vorgestellten Kategorien teilweise überschneiden. Wir möchten trotzdem diese Kategorisierung vornehmen, weil wir glauben, dass man dadurch die unterschiedlichen Schwerpunkte der einzelnen Mehrsprachigkeits-Arten besser erkennen und das Phänomen so besser verstehen kann. Die schon bestehende Sekundärliteratur zu diesem Thema wird nicht systematisch aufgearbeitet sondern nur je nach Bedarf eingearbeitet. Es ist im Rahmen einer Seminararbeit leider nicht möglich, den Stand der Forschung komplett darzustellen, aber es ist natürlich klar, dass sich schon andere Autoren mit diesem Thema beschäftigt haben. Allerdings scheint dabei der Fokus ein etwas „linguistischerer“ zu sein. So hat etwa Ayad 5 eine Kategorisierung von Sprachmischung vorgelegt, derer wir uns hier allerdings nicht anschließen wollen.
Wobei die Einteilung von Ayad schon erwähnenswert scheint. Er bringt unter anderem die folgenden Kategorien:
4 Schrodt, 2000: 1. http://apuzik.deutschesprache.ru/Woerter_aus_der_Fremde.html. (25. Juni 2009).
5 Ayad, 1980: 190-191.
3
-Verwendung der Fremdsprache als Kennzeichen einer gewissen sozialen Schicht -Sprachmischung um eine fremde Welt darzustellen -Individuelle Figuren-Charakterisierung durch Fremdsprachen-Elemente ...
Die Kategorien scheinen interessant, wir wollen sie dennoch nicht übernehmen, weil der Autor in seiner Argumentation nicht in erster Linie wortinterne Mehrsprachigkeit behandelt und man sich bei einer eventuellen Übernahme seiner Kategorien genauer damit auseinandersetzen müsste, wozu hier schlicht und einfach der Platz fehlt. Außerdem ist es auch nicht unser Ziel, alle möglichen Arten von wortinterner Mehrsprachigkeit darzustellen und kritisch zu betrachten, sondern wir wollen nur beispielsartig die Vielfalt des Phänomens aufzeigen.
Nicht-Ziele
Diese Arbeit will das Thema nicht historisch aufarbeiten. 6 Und es sollen auch keine schon vollständig „eingedeutschten“ Fremdwörter behandelt werden. Die Mehrsprachigkeitsarten sollen nur nach ihrer inhaltlichen Funktion eingeordnet werden. Tiefergehende „sprachwissenschaftliche“ Überlegungen, etwa bezüglich Wortbildungsart usw., wollen wir hier nicht behandeln.
Es ist weiters nicht das Ziel dieser Arbeit, alle möglichen Mehrsprachigkeitsarten anzuführen. Die Argumentation erfolgt nur beispielsartig. Es soll nur gezeigt werden, dass es verschiedene Arten von wortinterner Mehrsprachigkeit gibt, und dass dabei inhaltliche Unterscheidungen möglich sind.
Und wir wollen nicht auf Kreolsprachen und auch nicht auf den Begriff „Lehnwörter“ eingehen.
Definition
Unter wortinterner Mehrsprachigkeit verstehen wir Wörter, die zwei oder auch mehrere Sprachen in sich tragen.
Da hierbei die Überschneidung zum Begriff Fremdwort groß ist, haben wir auch das Wort „Fremdwörter“ in die Arbeit aufgenommen.
Wikipedia 7 bietet die folgende Definition für Fremdwörter:
„Fremdwörter sind Wörter, die aus anderen Sprachen übernommen wurden. Hinsichtlich Lautstand, Betonung, Flexion, Wortbildung oder Schreibung
6 Eine lesenswerte Zusammenfassung der Geschichte des Fremdwortes findet man hier: http://apuzik.deutschesprache.ru/Woerter_aus_der_Fremde.html. (26. Juni 2009).
7 http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f0/Wikipedia-logo-de.png. (25. Juni 2009).
4
der Zielsprache ist das Fremdwort (noch) unangepasst und wird daher oft als ‚fremd’ empfunden.“ 8
Wir wollen uns aber an dieser Stelle nicht auf weitere Definitionen einlassen sondern verdeutlichen es lieber danach an Beispielen.
Das Fremde
In dieser Arbeit geht es auch stark um den Begriff des „Fremden“. Hierzu auch die Definition von Wikipedia:
„Das Fremde bezeichnet etwas, dass als abweichend von Vertrauten wahrgenommen wird, das heißt aus Sicht dessen, der diesen Begriff verwendet, als etwas (angeblich) Andersartiges oder weit Entferntes. Fremdheit kann positive Assoziationen im Sinne von Exotik oder negative Assoziationen (siehe Fremdenfeindlichkeit) hervorrufen.“ 9 Und die Arbeit ist auch von Derridas Arbeit über Einsprachigkeit inspiriert, wo er schreibt, dass man sich auch seiner eigenen Muttersprache nicht so sicher sein kann, weil man sich auch diese aneignet. Das hat Derrida sehr schön in den folgenden zwei Sätzen zusammengefasst: „Man spricht immer nur eine Sprache. Man spricht niemals nur eine Sprache.“ 10
In diesem Sinn wollen wir also einerseits beschreiben, wie das „Fremde in das Eigene“ geholt wird, und damit will die Arbeit auch ein Plädoyer für mehr Fremdes im Eigenen sein.
Interferenz?
für das in dieser Arbeit verwendete Phänomen könnte man sicher auch den linguistischen Begriff der Interferenz hereinbringen. „...die gegenseitige Einwirkung und Beeinflussung von Strukturen, die zwei verschiedenen Sprachsystemen angehören.“ 11
Da wir aber hier nicht linguistisch argumentieren wollen, beschränken wir uns darauf, diesen Begriff in der Einleitung zu erwähnen.
Interessant ist dabei, dass Weinrich bei Inferenzen von der „Verletzung“ einer Norm unter Anführungszeichen spricht:
8 Wikipedia: Zugriff: 15. Juni 2009.
9 http://de.wikipedia.org/wiki/Fremde. (20. Juni 2009).
10 Derrida, 1996. http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=7613&ausgabe=200411. (20. Juni 2009).
11 Czochralski, 1971: 5. In: Weinrich, 2001: 190.
5
„Es versteht sich, dass jede Interferenz einen Normenkonflikt bedeutet. Man muss sich jedoch in der Interferenz-Linguistik hüten, den Zusammenstoß zweier Normen oder die ‚Verletzung’ einer Norm durch ein interferierendes Element allzu schnell als Fehler zu diagnostizieren.“ 12 Weinrich weißt also darauf hin, dass man schnell versucht sein könnte, das neue Fremde im Eigenen als Fehler zu bezeichnen.
An dieser Stelle kann man wohl auf die Wiener Gruppe verweisen, die mit ihren Regel-Abweichungen im Nachkriegs-Österreich auch auf massive Widerstände gestoßen ist. 13 Das im Folgenden angeführte Gedicht von Jandl, mit seiner wortinternen Mehrsprachigkeit hat, ist auch in dieser Tradition zu sehen. Das führt direkt zu Jelineks Burgtheater, wo sie unter anderem die Kontinuität der „Nazi-Ästhetik“ im Nachkriegs-Heimatfilm kritisiert 14 , und damit verbunden sind die psychologischen Erklärungsansätze von Milgram 15 und Zimbardo 16 .
Es ist nicht das Ziel, an dieser Stelle ins Detail zu gehen, als Hintergrund scheint es aber wichtig, weil man den Begriff „fremd“ in Österreich leider nicht objektiv verwenden kann.
Mit anderen Worten, diese Arbeit hat also Hintergedanken, wortinterne Mehrsprachigkeit als ein positives Phänomen darzustellen. Einen positiven gesellschaftlichen Beitrag könnte man zwar vielleicht eher leisten, indem ich vielleicht doch noch einmal den Mut aufbringe, bei Ute Bock als ehrenamtlicher Deutsch-Lehrer zu arbeiten, aber ich möchte mit der Arbeit zumindest auch im stillen Kämmerlein für mehr Fremdes im Eigenen plädieren, auch vor dem Hintergrund einer
12 Weinrich, 2001: 191.
13 Siehe: Rühm, 1985: Vorwort.
14 Jelinek, 2004.
15 http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment. (25. Juni 2009).
16 http://en.wikipedia.org/wiki/Stanford_prison_study. (25. Juni 2009).
17 http://en.wikipedia.org/wiki/Milgram_experiment. (25. Juni 2009).
18 http://www.prisonexp.org/. (25. Juni 2009).
6
Arbeit zitieren:
Bernhard Kopf, 2009, Wortinterne literarische Mehrsprachigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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