Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Warum Wissen managen? 3
2. Grundlegende Begrifflichkeiten und Unterscheidungen 6
2.1 Daten, Informationen, Wissen 6
2.2 Wissenskategorien und Wissensumwandelung 9
3. Wissensmanagement 11
3.1 Bausteine und Aufbau des Wissensmanagements 13
3.2 Organisationale Voraussetzungen für erfolgreiches Wissensmanagement in
Unternehmen 18
4. Fazit 21
5. Quellenangaben 24
2
1. Einleitung: Warum Wissen managen?
Die Rahmenbedingungen für Unternehmen sind im Zuge von Transformationsprozessen in unseren hochindustriellen Gesellschaften einer stetigen Veränderung unterworfen. Unternehmen werden zunehmend einem globalen Wettlauf mit Konkurrenten um Märkte, Kunden und Produkte ausgesetzt. Steigender Kostendruck sowie dynamische Umweltentwicklungen und technologische Erfindungen beschleunigen diesen Wandel noch zusätzlich, so dass im Zuge der Globalisierung bisher geltende Normen und Regeln immer mehr in Frage gestellt und traditionelle Strukturen verändert werden. Diese veränderten Bedingungen sind auch zu einer neuen Herausforderung für das Management geworden. Durch die Entmaterialisierung der Wertschöpfung, bei der immer weniger Gebäude oder Maschinen, sondern Know-How den größten Anteil an der Wertschöpfung hat, konnte sich Wissen neben den drei klassischen Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Boden als vierte Größe etablieren. Um in dem neuen dynamischen Umfeld bestehen zu können, sind Generierung, Erwerb, Nutzung und auch Erhalt wirtschaftlich relevanten Wissens somit zu den bestimmenden Wettbewerbsfaktoren geworden. Unternehmen haben sich zwar immer schon mit dem Umgang von Wissen beschäftigt (da jede kollektive und individuelle Handlung im Arbeitsprozess größtenteils erfahrungs- und wissengeleitet ist) 1 , aber unter der neuen Prämisse lassen sich Unternehmen nun direkt als ‚wissensverarbeitende Systeme‘ betrachten. 2
Speziell bei hochtechnologischen Gütern (z.B. Flugzeugbau, Halbleiterindustrie) und komplexen Dienstleistungen (z.B. Unternehmensberatung) liegt der entscheidende Wettbewerbsvorteil im Wissensvorsprung. Damit einhergehend wird in der Unternehmerpraxis auf breiter Basis erkannt, dass dem Wissen der einzelnen Mitarbeiter eine nachhaltige Bedeutung zukommt und es somit essentiell für den Erfolg
1 Vgl. dazu auch: Weber & Wehner (2002)
2 Vgl.: Wilkesmann & Rascher (2005), S. 11
3
des Unternehmens ist, nicht nur neues Wissen zu schaffen, sondern auch das bereits vorhandene zu konservieren und weiterzugeben.
Ein zentrales Problem ist die Tatsache, dass enorme Wissenspotentiale von Mitarbeitern innerhalb von Unternehmen häufig aufgrund von unsachgemäßer Dokumentation oder Anwendung verloren gehen. Oftmals wird das Wissen der Mitarbeiter nicht ausreichend transparent gemacht und dadurch nur bruchstückhaft genutzt. Um die Ressourcen und das Potenzial des Unternehmens optimal zu nutzen, ist es von großer Wichtigkeit ein zentrales Wissensmanagement zu etablieren. So gilt es beispielsweise zu vermeiden, dass zwei Abteilungen einen kupferfreien Chipsatz entwickeln, weil beide nichts von den Entwicklungsprozessen des jeweils anderen wussten. Solche Vorkommnisse verursachen hohe Kosten und eine unnötige Ressourcenbindung. Da Wissen zudem personengebunden ist, birgt es die Gefahr beim Abwandern der Informationsträger (sprich der Mitarbeiter) verloren zu gehen. Genau aus diesem Grunde beginnen immer mehr Firmen ihr Wissen durch Formen des Wissensmanagement systematisch zu sammeln (z.B. in Form von Wissensdatenbanken) und damit über die einzelne Person hinaus nutz- und übertragbar zu machen. So verwundert es nicht, dass sich immer mehr Managementtätigkeiten und -strategien auf die Erhaltung, Veredlung und Generierung von wertschöpfendem Wissen beziehen. Diese sind im Allgemeinen unter dem Begriff des Wissensmanagement bekannt geworden und gehören seit Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zum festen Repertoire der Managementtheorie und - praxis. 3
Die große Bedeutung von Wissensmanagement verdeutlicht auch noch einmal eine Studie der Giga Information Group aus dem Jahre 2002. Hier wurde festgestellt, dass 4% des Wissens in einem Unternehmen in strukturierter und 16% in unstrukturierter Form vorliegen. Die verbleibenden 80% sind personengebunden, so dass nur ein Bruchteil des vorhandenen Wissens dem Gesamtunternehmen zur Verfügung steht. 4
3 Vgl.: Wilkesmann & Rascher (2005), S. 10
4 Vgl.: Langenhan (2002), S. 12
4
In der Literatur lassen sich grundsätzlich zwei unterschiedliche Ansätze in Bezug auf Wissensmanagement ausmachen:
Zum einen der technikorientierte Ansatz, dessen Hauptziel darin besteht, Wissen im Unternehmen mit Hilfe von elektronischen Datenverabeitungsprogrammen möglichst schnell zu verarbeiten und weitergeben zu können. Im Zentrum stehen hier das Management von Informationen, Daten sowie Hard- und Software. Im Gegensatz dazu, steht der humanorienterte Ansatz, bei dem der Mensch als Wissensträger im Mittelpunkt der Betrachtungen steht. Hier wird davon ausgegangen, dass Wissensmanagement kein Thema ist, welches sich nur an der technischen Seite orientieren sollte, sondern auch den humanen Aspekten Rechnung tragen muss. So fanden Mandl und Reinman-Rothmeier in einer Studie heraus, dass eine rein technische Ausrichtung, die die organisationalen sowie menschlichen Faktoren vernachlässigt und somit höchstens Informationsmanagement, aber kein Wissensmanagement darstellt. 5 Reine Speicher- und Verarbeitungssysteme können die kognitiven Aspekte individuellen Wissens nicht ausreichend weitergeben. Trotzdem bleibt auch der humanorientierte Ansatz laut Langenhan nur auf einen Aspekt des Wissensmanagement
fokussiert, während wiederum andere Gesichtspunkte außer Acht gelassen werden. 6
Für eine erfolgreiche Implementierung von Wissensmanagement ist daher ein ganzheitlicher Ansatz mit einem klar definierten Konzept und einer ebensolchen Vorgehensweise von Nöten. Dieser muss zum einen die technischen Aspekte (z.B. Einführung von Wissensdatenbanken oder Intranet) und zum anderen die menschliche Komponente im Rahmen von Maßnahmen zur Veränderung der Unternehmenskultur (z.B. Motivation der Mitarbeiter damit sich diese am Wissensmanagement beteiligen und es als kontinuierlichen Verbesserungsprozess begreifen) beachten. Ziel eines derartigen ganzheitlichen Ansatzes muss es sein, „das in der Organisation vorhandene Potential an Wissen derart aufeinander abzustimmen, dass ein integriertes, organisationsweites Wissenssystem entsteht, welches eine effiziente,
5 Vgl.: Mandl & Reinmann-Rothmeier (2000), S. 9
6 Vgl.: Langenhan (2002), S. 13
5
gesamtorganisatorische Wissensverarbeitung im Sinne der Organisationsziele
gewährleistet.“ 7
Im Rahmen dieser Arbeit soll im ersten Schritt ein grundlegendes Verständnis für den Produktionsfaktor Wissen geschaffen werden. Dazu werden die verschiedenen Wissensarten vorgestellt und definiert sowie die damit zusammenhängenden Begrifflichkeiten wie Daten oder Informationen erläutert und abgegrenzt. Auf Basis dessen wird daraufhin das Zusammenspiel dieser und anderer Faktoren bei der Generierung, Speicherung, Umwandlung und Weitergabe von Wissen betrachtet. Im zweiten Schritt wird schließlich ein Einblick in die Theorie sowie die Strukturen und Abläufe des Wissensmanagement gegeben. Schlussendlich sollen die wichtigsten Voraussetzungen für ein erfolgreiches, ganzheitliches Wissensmanagement herausgestellt und erörtert werden und ein kurzes Fazit im Bezug auf die Relevanz und Rolle des Wissensmanagements in der heutigen Zeit gezogen werden.
2. Grundlegende Begrifflichkeiten und Unterscheidungen
Viele Begriffe, welche im Zusammenhang mit Wissensmanagement verwendet werden, wurden bereits in anderen Bereichen der Wissenschaft mehrfach behandelt und definiert. Trotzdem oder gerade deshalb ist es wichtig, im folgenden Abschnitt noch einmal eine klare Definition und Abgrenzung der entsprechenden Termini im Rahmen des Wissensmanagements vorzunehmen. Auf diese Weise soll ein einheitliches Verständnis für die Schlüsselbegriffe sichergestellt werden, um so die Vorraussetzung dafür zu schaffen, dass die Konzepte und Modelle des Wissensmanagements unmissverständlich betrachtet und diskutiert werden können.
2.1 Daten, Informationen, Wissen
Als Schlüsselbegriffe des Wissensmanagements lassen sich deutlich die Begriffe Daten, Wissen und Informationen herausstellen. 8 Problematisch ist, dass bei diesen Begriffen im alltäglichen Sprachgebrauch oft auf eine Unterscheidung verzichtet wird und sie
7 Langehan (2002), S. 13
8 Vgl.: Wilkesmann & Rascher (2005), S. 12 ff.
6
stattdessen synonym gebraucht werden. Doch auch in der einschlägigen Literatur scheint eine eindeutige Definition der Begriffe nicht zu existieren. So führt Langenhan beispielhaft ein halbes Dutzend unterschiedliche Definitionen des Begriffes ‚Wissen‘
an. 9
Für das weitere Vorgehen im Rahmen dieser Arbeit, werden aufgrund dessen die folgenden Definitionen nach Wilkesmann und Rascher auf Basis von Willke (1998) und Weggemann (1999) angenommen, da sie eine gute Quintessenz der existenten Sichtweisen darstellen: 10
Daten bilden das Rohmaterial für die Erschaffung von Information und sind die symbolische Reproduktion von Zahlen, Quantitäten, Variablen oder Fakten. Dies können beispielsweise die Zahlen in einer Bilanz sein. Informationen stellen diese Daten nun in einen Sinnzusammenhang. Der Leser der Bilanz muss wissen, was die einzelnen Zahlen für eine Bedeutung haben. So kann er beispielsweise ersehen, dass 3% Umsatzrückgang im ersten Quartal einem Wert von 35.000€ entsprechen. Indem sie als Daten an andere Personen weitergegeben werden, können Informationen unpersönlich gemacht und so in Form von Datensammlungen kommuniziert werden.
Wissen wird durch die persönlichen Fähigkeiten des Individuums generiert, Informationen zweckorientiert und sinnvoll mit persönlichen Erfahrungen und anderen Informationen zu verknüpfen. Nur so weiß der Leser der Bilanz, was der Umsatzeinbruch für das Unternehmen bedeutet und dass dieser im ersten Quartal nach dem Weihnachtsgeschäft dem regulären Marktzyklus entspricht und nicht alarmierend ist.
Es lässt sich also grundsätzlich festhalten, dass Wissen nicht isoliert vom Wissensträger, also dem Individuum, betrachtet werden kann. Es erhält seinen Wert, indem es zweckorientiert eingesetzt wird. Wissen entsteht dabei durch den Prozess der zweckdienlichen Verknüpfung, Verarbeitung und Verankerung von Informationen im
9 Vgl.: Langenhan (2002), S. 15f.
10 Vgl.: Wilkesmann & Rascher (2005), S. 13 m.w.N.
7
Arbeit zitieren:
Daniel Schuldt, 2011, Wissen und Wissensmanagement. Arbeiten mit dem vierten Produktionsfaktor., München, GRIN Verlag GmbH
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