Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. War Petrus in Rom? - Einführung in die Fragestellung 4
3. Das Petrusgrab als ein möglicher Beweis für seinen Aufenthalt 5
3.1. Argumentation für die Grablegung in Rom 6
3.1.1. Literarische Hinweise 6
3.1.2. Archäologische Hinweise 7
3.2. Argumentation gegen die Grablegung in Rom 10
3.3. Zusammenfassung und Kritik 12
4. Weitere Hinweise für Petri Aufenthalt in Rom 13
4.1. Literarische Hinweise 13
4.2. Die Petrustradition 15
5. Schlussbetrachtung 16
6. Literaturverzeichnis 18
7. Anhang 20
7.1. Anlagen 20
3
1. Einleitung
Ein einziges großes Kunstwerk: riesige Marmorsäulen, edle Kunstwerke aus Gold und Mosaik, Schmuckstücke der bedeutendsten Künstler der Geschichte - der Petersdom. Gelingt es, den Blick von all dem abzuwenden, blickt man in strahlende Gesichter, die fasziniert und beeindruckt sind von der unglaublichen Weite des Raumes und all dem Glanz der Petersbasilika. Vor dem riesigen Hochaltarziborium Berninis versammeln sich Pilger der verschiedensten Nationen an der Confessio: sie alle schauen über die 92 ewigen Lichter hinab zum „Grab“ des heiligen Petrus. Bei einem Blick nach oben zur Kuppel Michelangelos erkenne ich die lateinische Inschrift: „Tu es Petrus et super hanc petram
aedificabo ecclesiam meam et tibi dabo claves regni caelorum.“ 1 , in der deutschen Übersetzung: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und Dir gebe ich die Schlüssel zum Himmelreich.“ (Mt 16, 18). Mit diesen Worten soll Jesus sich der Bibel zufolge an Simon Barjona, genannt Petrus, gewandt haben.
Während ich noch von der Pracht des Doms beeindruckt bin, halte ich ein stilles Gebet, verlasse die Kirche und beginne mir, trotz tiefer Glaubensüberzeugung, irgendwann die Frage zu stellen, ob Petrus nun tatsächlich in Rom war und ob ich wirklich in der Basilika stand, die über seinem Grab errichtet worden ist. Heute, etwa 2000 Jahre nachdem Jesus der Überlieferung zufolge die oben genannten Worte zu seinem Jünger sprach, fragen sich noch viele neben mir: Ist Petrus nun „der Felsen“? Hat er tatsächlich einst den Weg nach Rom auf sich genommen um die heilige Botschaft Christi zu verkünden bevor er dort eines Märtyrertodes starb? Ist er tatsächlich der Grundstein der Kirche und das wahre Fundament von Sankt Peter? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Forscher, Kritiker und auch Geistliche schon seit etwa 700 Jahren, doch das Problem scheint unlösbar. Offenbar gibt es für die Wissenschaft keine eindeutigen Belege, um diese Frage mit präziseren Antworten als „eventuell“ oder „wahrscheinlich“ zu beantworten.
Das zu Beginn geschilderte Erlebnis nehme ich zum Anlass, mich im Rahmen meiner Facharbeit ebenfalls der Frage nach dem Aufenthalt des heiligen Petrus in Rom zu widmen und einige Hinweise genauer zu untersuchen. Meinen Schwerpunkt setze ich bei der Grablegung Petri in Rom und versuche -bildlich
1 siehe Abb. 1 im Anhang auf Seite 20
4
gesprochen- anhand einiger Indizien Licht in die vatikanischen Grotten unter Sankt Peter zu bringen.
Deshalb werde ich zunächst in Kapitel 2 erläutern, wie Petri Aufenthalt in Rom und sein dortiges Wirken aus kirchlicher Sicht beschrieben wird. Anschließend werde ich in Kapitel 3 auf das Petrusgrab als Indiz für seinen Romaufenthalt eingehen und aufzeigen, was gegen die Grablegung in Rom spricht. In Kapitel 4 werde ich meine Untersuchung hinsichtlich weiterer Hinweise für Petri Aufenthalt in Rom vorstellen, dazu gehören literarische Schlüsselstellen sowie die lange und konstante Petrustradition seiner Grabverehrung in Rom. Zuletzt stelle ich in Kapitel 5 meine Schlussbetrachtung vor.
2. War Petrus in Rom? - Einführung in die Fragestellung
Nach Ansicht der katholischen Kirche ist Petrus der erste Bischof von Rom - und somit auch selbst in Rom gewesen. Die ihm von Jesus persönlich zugesprochene Schlüsselgewalt sowie die Apostolische Sukzession begründen daher die Primatstellung des Papstes. Die Frage nach dem Aufenthalt des Apostels in Rom wird daher nicht unberechtigt „heiß diskutiert“. „Von der Kreuzigung und Bestattung [Petri] in den Neronischen Gärten berichtete erstmals Bischof
Eusebius im 4. Jahrhundert“. 2 Nach christlicher Überlieferung reiste er nach Rom und bekehrte dort Menschen zum Glauben an Jesus Christus. Als direkter Zeuge Jesu Auferstehung berichtete er von seinen Erlebnissen und traf an diesem Ort sogar den Apostel Paulus, mit dem er gemeinsam Kaiser Neros Hofkünstler Simon Magus überführte. Als der Magier daraufhin bei seiner Flugkunst tödlich stürzte, ließ der zornige Kaiser die beiden Jünger Jesu in das Gefängnis Carcere
Mamertino werfen. 3 Unter der Herrschaft Neros wurden viele Christen festgenommen und zum Tode verurteilt, unter dem Vorwand, sie seien für den Brand von Rom im Jahre 64 n. Chr. verantwortlich. So wurden auch die beiden Apostelfürsten Opfer einer Intrige Neros, dem bald übrigens selbst die Schuld für den großen Brand zugeschoben wurde. Nach kirchlicher Überlieferung gelang es Petrus jedoch, aus dem Gefängnis zu flüchten. An der Stadtgrenze Roms begegnete ihm Jesus. Dieser stellte ihm die Frage: „Quo vadis dominae?“ (dt.: „Wohin gehst du, Herr?“) Daraufhin antwortete Jesus: „Venio Romam iterum crucifigi.“ (dt.: Ich gehe nach Rom, um mich erneut kreuzigen zu lassen!“)
2 http://www.heiligenlexikon.de/Literatur/Grab_des_Petrus.html
3 ebenda
5
Daraufhin beschloss Petrus nach Rom zurückzukehren, wo er anschließend den Märtyrertod erlitt. Aus freiem Willen ließ er sich, um nicht denselben Tod wie
Jesus zu sterben, mit dem Kopf nach unten kreuzigen. 4 Die Hinrichtung fand nach der Überlieferung im Neronischen Zirkus statt, nahe dem Gelände, auf dem heute
der Petersdom steht. 5 Anschließend wurde Petri Leichnam, wie die meisten der in diesem Zirkus Exekutierten, in einer Nekropole in den vatikanischen Gärten neben dem Zirkus Kaiser Neros begraben. “Anderer Überlieferung nach wurde er zusammen mit dem des Paulus zunächst auf einem alten Friedhof an der Via Appia Antica beigesetzt, in den Katakomben des Sebastian […].
Petrus' Reliquien wurden dann umgebettet an die Stelle, über der Kaiser Konstantin 324 die älteste Peterskirche errichten ließ 6 […]. Den Auftrag zur vollständigen Erneuerung dieser immer mehr zerfallenden Kirche erteilte Papst Nikolaus 1452, im Jahr 1626 konnte dieses Bauwerk, der Petersdom, fertig gestellt und eingeweiht werden. Unter dem Hochaltar werden Petrus' Gebeine verehrt.“ 7
Doch seit dem Mittelalter wird die Gründung der Gemeinde durch Petrus, sein dortiger Märtyrertod sowie seine Grablegung in Rom häufig infrage gestellt. „Das Schweigen der Bibel [sei] ganz entscheidend“, so Oscar Cullmann in „Petrus:
Jünger - Apostel -Märtyrer“. 8 Papst Pius XII. forderte als erster Papst eindeutige Beweise und gab den Auftrag, Grabungen unter dem Petersdom durchzuführen.
3. Das Petrusgrab als möglicher Beweis für seinen dortigen Aufenthalt Über das Thema, ob der heilige Petrus nun wirklich in Rom begraben wurde, streiten Wissenschaftler, Geistliche und Laien seit einiger Zeit. Bislang gibt es keine eindeutigen Beweise, die eine Grablegung des Apostels in Rom, zumindest für Kritiker, eindeutig genug belegen. Leider kann die Existenz einer dortigen Grabstätte Petri seinen Aufenthalt ebenfalls nicht ausreichend belegenschließlich könnten die Gebeine nach seinem Tod umgebettet worden sein. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass Petri sterbliche Überreste dort beigesetzt wurden, wo sein Martyrium stattfand. Darüber, dass er tatsächlich den
4 vgl. http://www.verlag-bischoff.de/public_vfb/pages/de/family/wissen_und_lehre/2011-02-hw.html
5 diese Überlieferung stammt z.T. aus den apokryphen Petrusakten, die um 180 - 190 n. Chr. entstanden sind (siehe auch Kapitel 4.1)
6 des Weiteren vertritt die katholische Kirche die Auffassung, dass der Schädel Petri sich gemeinsam mit dem von Paulus im Tabernakel über dem Hochaltar in der Lateranbasilika befindet
7 http://www.heiligenlexikon.de/BiographienP/Petrus.htm
8 Peter Nathan, zitiert nach: http://www.visionjournal.de/visionmedia/article.aspx?id=5820
6
Märtyrertod erlitt, bestehen kaum Zweifel. Bei der Frage nach dem Ort des Geschehens ist man sich, wie gesagt, noch uneinig.
3.1. Argumentation für die Grablegung
Um die Grablegung Petri in Rom zu belegen, haben Experten recherchiert und einige literarische sowie archäologische Hinweise entdeckt. Archäologen können heute anhand vieler Indizien die Ereignisse der Geschichte ziemlich genau rekonstruieren, und beispielsweise „relativ schlüssig belegen, dass [das] Armengrab [unter Sankt Peter] von frühster Zeit eine Stätte großer Verehrung
war und durch alle Epochen blieb.“ 9 Auch die literarischen Zeugnisse, die ich im Folgenden nenne, können heute als „echt“ bezeichnet werden, auch wenn diese Echtheit nicht von allen bestätigt wird - aber bekanntlich gibt es immer Befürworter und Gegner einer These.
3.1.1. Literarische Hinweise
„[Dass] die Peterskirche über dem Grab der Apostels Petrus errichtet worden ist, gehört zu den ältesten Lehren der katholischen Kirche. Das früheste Zeugnis, das auf die Möglichkeit einer solchen Grabstätte hinweist, stammt bereits aus einem Theologendisput des zweiten Jahrhunderts nach Christus. Damals hatte sich in Kleinasien eine christliche Sekte gebildet, deren Mitglieder sich "Kataphrygier" nannten. Die Anführer dieser Sekte versuchten ihre Rechtgläubigkeit durch die Behauptung zu beweisen, [dass] sie die Gebeine des Apostels Philippus […] besäßen.“ 10
Von Eusebius von Cäsarea, einem Bischof, Kirchenpolitiker und -historiker 11 stammt nun folgende Überlieferung: der römische Presbyter Gaius soll sich um 200 n. Chr. mir folgendem Argument an den Wortführer dieser eben genannten Sekte gewandt haben:
„Ich kann die Siegesdenkmäler[gr.: Tropaien] […] der Apostel zeigen. Denn wenn du zum Vatikan gehen willst oder zur Straße nach Ostia, so wirst du die
Siegesdenkmäler jener finden, die diese Kirche (in Rom) gegründet haben.“ 12 „Unter einem "Tropaion" […] verstand man ein Erinnerungsmal, das die frühen Christen häufig an solchen Stellen errichteten, wo Märtyrer ihren Verfolgern zum
9 Matthias König, Weihbischof in Paderborn: „Grab des hl. Petrus unter St. Peter in Rom“, 2011
10 „DER SPIEGEL“, Ausgabe 52/1955, unbekannter Verfasser, entnommen aus: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41960818.html
11 vgl. „DER SPIEGEL“, Ausgabe 15/1972, unbekannter Verfasser, entnommen aus: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42971914.html
12 Euseb. hist. eccl. 2,25,7; entnommen aus: Heid, Stefan; „Blutzeuge - Tod und Grab des Petrus in Rom“, 1. Auflage 2010; Verlag Schnell & Steiner GmbH in Regensburg, S. 158
Arbeit zitieren:
Jessica Bischof, 2011, Das Petrusgrab in Rom als Beweis für den dortigen Aufenthalt des Apostels?, München, GRIN Verlag GmbH
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