Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Institut für Kunstgeschichte
HS Florentinische Bildfrömmigkeit im Zeitalter der Renaissance
Religiöse Motivation und soziale Repräsentation
5. Semester
Ars Moriendi
Kunst des heilsamen Sterbens
Karina Fuchs
Fachsemester:
Buchwissenschaft 5 / Kunstgeschichte 5
2
Gliederu
Gliederu
Gliederu
Gliederung
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A.
Einleitende Worte 3
B.
Hauptteil
I.
Zum Begriff ,,Ars Moriendi" 4
II.
Musterhafte Aufbau eines Sterbebüchleins anhand des
Blockbuchs von Hans Sporer 8
III.
Predigt Girolamo Savonarolas zur Thematik Ars Moriendi 15
III. 1. Bildsprachelemente in der Predigt und ihre Verknüpfung mit
den Sterbebüchlein 15
C. Zusammenfassende Schlussbetrachtung 21
Abbildungen 23
Literatur- und Bildverzeichnis 30
3
A
A
A
A. Einleitende Worte
. Einleitende Worte
. Einleitende Worte
. Einleitende Worte
,,Was du thust, bedenke das Ende, so wirst du nimmermehr Uebles thun."
1
So
predigte Girolamo Hieronymus Savonarola am 2. November 1496 über die ,,Kunst
des guten Sterbens". Ars Moriendi, die Sterbekunst, definiert sich durch
Handbüchlein, die im Spätmittelalter weit verbreitet waren und Anweisungen
beinhalten, wie den Versuchungen der letzten Lebensstunden standgehalten werden
kann.
2
Eine Verbindung von Savonarolas Predigt zu den damalig verbreiteten
Sterbebüchlein kann hergestellt werden, denn Savonarola machte sich in seiner
Predigt das Sprechen in Bildern zunutze. Dem vorausgeschickt sei eine Darstellung
zum Begriff Ars Moriendi. Hierbei soll eine allgemein gültige Annäherung angestrebt
werden, die einer Hinführung zum nachfolgenden Punkt dient. Anhand eines
konkreten Beispiels, dem Blockbuch des Nürnbergers Hans Sporer, kann der Aufbau
einer Bilder-Ars erläutert werden. Wie bereits erwähnt, wird im anschließenden
Aspekt die Predigt Savonarolas nach den verwendeten Bildsprachelementen
untersuchtund wie diese schließlich in Form von Holzschnitten umgesetzt wurden.
Eine Verknüpfung beider genannter Bereiche, Predigt und Sterbebüchlein, rundet
diesen Gesichtspunkt ab. Die herausgearbeiteten Ansichten finden sich abschließend
in einer resümierenden Zusammenfassung dieser Arbeit.
1
Wilhelm von Langsdorff (Hrsg.): Hieronymus Savonarola. Ausgewählte Predigten. Mit einer
einleitenden Monographie in deutscher Übersetzung herausgegeben von Wilh. von Langsdorff, Pastor
in Rittmitz. Leipzig 1890, S. 126 ff.
2
Peter Jezler: Himmel Hölle Fegefeuer, Das Jenseits im Mittelalter. Kat. Ausst. Zürich 1994, S. 398.
4
B.
B.
B.
B.
Hauptteil
Hauptteil
Hauptteil
Hauptteil
I.
Zum Begriff ,,Ars Moriendi"
Eine ganze Anzahl berühmter Theologen des 15. bis ins 16. Jahrhundert verfasste
Artes bene moriendi
3
, unter anderem auch Martin Luther (,,Ein Sermon von der
Bereitung zum Sterben"). Die Zahl der Todesbüchlein, in denen eine eigentliche Ars
moriendi gelehrt wurde, gibt es in einer riesigen Anzahl. Die Sterbebüchlein, ihre
Blütezeit liegt vom 15. bis zum beginnenden 16. Jahrhundert
4
, keimen in der
klerikalen Praxis. ,,Man begann ausführlich über den Tod zu predigen und kam
schließlich dazu, anfänglich für den Priester bestimmte Anweisungen zum Umgang
mit Sterbenden herzustellen, die dann bald nicht mehr nur in die Hände der Priester
gelangten."
5
Mit dem größten Einfluss auf nachfolgende Werke kann die Publikation
Johannes Gersons aus dem Jahr 1408 bezeichnet werden. Seine Ars moriendi ,,zeigt
uns nachhaltig die Ausrichtung dieser Literaturgattung auf die Praxis."
6
Johannes
Gerson, Kanzler an der Sorbonne und Hauptvertreter der Reformbestrebungen des
Konstanzer Konzils, nahm mit ,,De arte moriendi" aus dem ,,Opus tripartitum"
vielumfassenden Einfluss. Wie schon die Admonitio
7
des Anselm von Canterbury
waren die Beiträge zum Thema Ars moriendi zu Beginn des 15. Jahrhunderts
praktische Anweisungen für Pfarrer. Erst später wandelten sich die Sterbebüchlein zu
theologischen Abhandlungen, fanden eminente Verbreitung und eine Übertragung in
3
Vgl. Alois M. Haas: Todesbilder im Mittelalter. Fakten und Hinweise in der deutschen Literatur,
Darmstadt 1989, S. 176.
4
Brigitte Riese: Art. ,,Ars Moriendi". In: Gurst, Siegfried Hoyer, Ernst Ullmann und Christa
Zimmermann (Hrsgg.): Lexikon der Renaissance, Leipzig 1989, S. 50 ff.
5
Alois M. Haas: Todesbilder im Mittelalter. Fakten und Hinweise in der deutschen Literatur,
Darmstadt 1989, S. 176.
6
Ebd., S. 176.
7
Die ,,Admonitio morienti" stammt höchstwahrscheinlich von Anselm von Canterbury aus dem 11.
Jahrhundert. Dem Sterbenden wurden Fragen auf seinem den Tod angemessenen Seelenzustand
bezogen, gestellt. Einen inhaltlichen Faktor bilden die Mahnungen zur Buße. Das Werk Anselm von
Canterburys stellt eine essentielle Quelle für spätmittelalterliche Texte dar. Vgl hierzu: Art. ,,Ars
moriendi". In: Wolf Stadler (Hrsg.): Lexikon der Kunst. Malerei, Architektur, Bildhauerkunst. Bd. 01
Aac-Barm. Eggolsheim 2007, S. 272.
5
Volkssprachen.
8
Johannes Gersons Todesbüchlein umfängt vier Teile, der erste Part
enthält vier Ermahnungen (Unterwerfung unter Gottes mächtiger Hand,
Anerkennung der uns von Gott erwiesenen Wohltaten, geduldiges Ertragen von
Leiden und Tod als Buße für unsere Sünden, vollkommene Hingabe an Gott), der
zweite Teil umfasst die sechs sogenannten Anselmischen Fragen (ob der Kranke fest
im christlichen Glauben und gehorsam als ein treuer Sohn der Kirche sterben wolle,
ob er von Gott Verzeihung seiner Sünden begehre, ob er im Fall der Wiedergenesung
besser leben wolle als bisher, ob er sich einer oder einiger ungebeichteten Todsünden
bewusst sei und sie beichten wolle, ob er, wenn nötig und möglich, restituieren wolle,
ob er allen Beleidigern gerne verzeihe). Der dritte Teil schließt Gebete zu Gott, zu
Maria, den Engeln, den Heiligen (Patronen) ein und im vierten wie auch letzten Teil
gibt Gerson eine Reihe von Vorschriften, was den Sakramentempfang zum Beispiel
betrifft oder das Vorlesen frommer Legenden oder des Dekalogs, so weit noch Zeit
gegeben ist.
9
Geprägt von der Schrift des Pariser Universitätslehrers Gerson ,,zeigt
sich in gewissen Einzelheiten das ganz anders konzipierte Blockbuch aus der Mitte
des 15. Jahrhunderts."
10
Die älteste bekannte Ausgabe der Ars moriendi stammt aus
dem Jahr 1450. Es ist als Blockbuch mit Holzschnitten in den Niederlanden
gedruckt und heute in einem Exemplar erhalten, das sich im British Museum in
London befindet.
11
Ebenfalls aus dieser Zeit stammt eine frühe Kupferstichserie des
Meisters ES, welches als Vorlage für Kopien verschiedener Künstler diente.
12
Besondere Eindrücklichkeit wird dadurch erreicht, dass jeweils neben dem Text ein
Bild gestellt ist. Ein geradezu einzigartiger Verlagserfolg wurden diese sogenannten
Sterbebüchlein. In Blockbuchform fand die Sterbeliteratur weite Verbreitung.
8
Vgl. Art. ,,Ars moriendi". In: Wolf Stadler (Hrsg.): Lexikon der Kunst. Malerei, Architektur,
Bildhauerkunst. Bd. 01 Aac-Barm. Eggolsheim 2007, S. 272.
9
Vgl. Alois M. Haas: Todesbilder im Mittelalter. Fakten und Hinweise in der deutschen Literatur,
Darmstadt 1989, S. 176, 177.
10
Werner Goez: Luthers ,,Ein Sermon von der Bereitung zum Sterben" und die mittelalterliche ars
moriendi. In: Lutherjahrbuch 48. Jahrgang (1981), S. 104.
11
Vgl. Art. ,,Ars moriendi". In: Helmut Kindler (Hrsg.): Kindlers Malereilexikon. Band 6. München
1984, S. 87.
12
Vgl. Karin Hahn: Art. ,,Ars Moriendi". In: Engelbert Kirschbaum SJ (Hrsg.): Lexikon der
christlichen Ikonographie, Allgemeine Ikonographie: A Ezechiel, Band 1, Freiburg 1968, Sp. 188.
6
,,Vereinfacht lassen sich zwei Arten unterscheiden: illustrierte Blockbücher (das
älteste um 1450), die in elf Szenen den Streit zwischen Engel und Teufel um den
Sterbenden abbilden [...] [sowie] Traktate, die in Gebeten und Meditationen den
,,guten" Tod behandeln und dabei didaktisch-distanziert vorgehen."
13
Außerhalb der
Buchillustration blieb die bildliche Darstellung der Spiegel der Kunst gut zu
sterben
14
, wie Ars moriendi auch genannt wird, die Ausnahme. Hierbei ist zu sagen,
dass in der Monumentalmalerei die Ars moriendi gelegentlich gezeigt wird. Als
Beispiel können die Fresken in Solna/Schweden aus dem 16. Jahrhundert angeführt
werden (vgl. Abb. 1), ebenfalls Lucas Cranach der Ältere setzte sich in einem
Tafelgemälde mit der Thematik der Ars moriendi auseinander. Ein
Zusammenwirken der Riten beim Sterben und des jüngsten Gerichts spielte dabei
eine wesentliche Rolle. Exempelhaft wird auf das Tafelbild ,,Der Sterbende" (Abb. 2)
aus dem Jahr 1518, welches Lukas Cranach den Älteren zugeschrieben wird,
verwiesen. Unter dem Motto stehend ,,Allein der Glaube hilft, aber nicht die Werke
auf Erden" wurde die Holztafel ,,Der Sterbende" von Valentin Schmitburg 1518 in
Auftrag gegeben.
15
Das Epitaph zeigt drei Szenerien, die übereinander angeordnet
sind. Unten der Sterbende kurz vor dem Augenblick seines Todes, darüber ist Gott
in Dreifaltigkeit dargestellt, der Gericht über die verstorbene Seele hält. Im oberen
Bild die Familie des Verstorbenen, die für ihren toten Vater betet. Eine rege Aktivität
begleitet die Szene im unteren Drittel des Bildes. Links neben dem Sterbebett steht in
rot gekleidet offenbar der Arzt des Sterbenden und betrachtet eine blutähnliche
Flüssigkeit, welche er in einem Glasgefäß befindlich, vor sich gegen das Licht
hochhält. Hinter dem Mediziner treiben Höllenwesen ihr Unwesen, so öffnet
beispielsweise ein nilpferdähnliches Getier seinen riesigen, feuerspeienden Schlund.
Rechts im Gemälde sehen wir einen Juristen auf einem Holzschemel hockend, der
13
Philip Brady: Art. ,,Ars Moriendi". In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche,
erster Band, A bis Barcelona, dritte, völlig neu bearbeitete Auflage, Freiburg 1993, Sp. 1036.
14
Vgl. Karin Hahn: Art. ,,Ars Moriendi". In: Engelbert Kirschbaum SJ (Hrsg.): Lexikon der
christlichen Ikonographie, Allgemeine Ikonographie: A Ezechiel, Band 1, Freiburg 1968, Sp. 187.
15
Vgl. Gustav Ebe: Der deutsche Cicerone: Führer durch die Kunstschätze der Länder deutscher
Zunge, Leipzig 1898. S. 196.
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