Gliederung
A. Einleitende Worte 3
B. Hauptteil 3
I. Zur Person Richard Krautheimer 3
II. Positionen und Aspekte des Aufsatzes
„Einführung zu einer Ikonographie der mittelalterlichen Architektur“ 5
II. 1. Kirchen 7
II. 2. Baptisterien und Mausoleen 14
III. Überblick zur Architekturtheorie des Mittelalter 17
C. Schlussbetrachtung 19
Literatur - und Bildverzeichnis 20
Abbildungen 21
2
A. Einleitende Worte
„Ein Gebäude ist nicht nur eine Art von Bauform, sondern ist auch Ort für Rituale und ein Ausdruck der Haltung des Auftraggebers gegenüber religiösen und sozialen Problemen.“ 1 Diese Bemerkung Richard Krautheimers etwa 20 Jahre vor den konkret werdenden Forschungen zu einer Ikonographie der Architektur, deutet bereits auf Krautheimers Abkehr von einer rein formalistischen Betrachtungsweise von Bauausführungen. Mit dem 1942 erschienenen Aufsatz „Introduction to an Iconography of Medieval Architecture“ nimmt Richard Krautheimer eine Vorreiterstellung im Gebiet der Architekturikonographie ein. Ausgehend von mittelalterlichen Architekturkopien beantwortet Krautheimer die Frage nach der Bedeutung von Bauart. Basierend auf den im Mittelalter mit am häufigsten kopierten Bauten und unter Berücksichtigung deren Originale, wird ein Bezug zwischen Form und Inhalt hergestellt. Um die komplexen Aspekte der hier näher betrachteten Abhandlung Krautheimers abrunden zu können, wird daher abschließend ein kurzer Abriss über architekturtheoretische Ansichten zur Epoche des Mittelalters dargelegt. Dem vorausgeschickt sei ein Einblick in den Lebensweg Richard Krautheimers.
B. Hauptteil
I. Zur Person Richard Krautheimer
Richard Krautheimer (vgl. Abbildung 1, Seite 23) gehört zu den bedeutendsten Kunsthistorikern des 20. Jahrhunderts. Sein erkorenes Fachgebiet war die Architektur, mit seinen Veröffentlichungen in genanntem Bereich trug er dabei wesentlich zum Bedeutungszuwachs, besonders im Hinblick auf die Deutung von Baukunst, bei. Am 6. Juli 1897 wurde Richard Krautheimer in Fürth, Mittelfranken, geboren. Nachdem er aus dem ersten Weltkrieg zurückgekehrt war, begann er ein Jurastudium in München. Ausgelöst durch den Besuch der Vorlesungen Heinrich Wölfflins aber „[fiel]
Willibald Sauerländer: Richard Krautheimer (1897-1994). In: The Burlington Magazine, Vol. 137, No. 1
1103 (Feb., 1995), S. 119-120.
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[d]ie Wahl des Faches dann doch auf Kunstgeschichte.“ 2 Sein Studium setzte er in Berlin fort und brachte ihn „schließlich nach Halle“ 3 für die Ausarbeitung seiner Dissertation zum Thema „Die Kirchen der Bettelorden in Deutschland“. Im Anschluss war er 1923/24 für den Preußischen Denkmaldienst in Erfurt tätig, wo er auch seine spätere Frau, Trude Hess, kennenlernte. Ausgedehnte Reisen nach Italien, vor allem nach Rom folgten, er knüpfte viele Kontakte, unter anderem auch zur Bibliotheca Hertziana, wohin er immer wieder semesterweise eingeladen wurde. Um 1927 begann er mit einem seiner bedeutendsten Werke, dem „Corpus Basilicarum Christianarum Romae“, das einen Überblick über christliche Basiliken darstellt. Sich noch unbewusst, dass ein Arbeitsprozess von rund 40 Jahren vor ihm liegt, existieren „heute fünf opulente Bände (…), die Richard Krautheimer den Titel „Herr der Basiliken“ einbrachten […].“ 4 Seine heute nicht mehr vorhandene zweibändige Habilitationsschrift zur „Europäischen Plastik um 1400“ wurde aufgrund seines jüdischen Hintergrunds und dem damals aufkommenden Antisemitismus nicht angenommen. „So habilitierte [er] [s]ich denn in Marburg“ 5 , wobei er sich mit mittelalterlichen Synagogen befasste. Mit seiner Frau Trude floh er 1933 nach der nationalsozialistischen Machtergreifung zuerst nach Rom und schließlich in die USA. Ab 1935 lehrte Richard Krautheimer in Louisville, unterdessen er auch Aufsätze veröffentlichte. Anschließend war er als Dozent am Vassar College in der Nähe New Yorks berufstätig, zudem in New York am Institute of Fine Arts, „wo Walter Cook den vertriebenen Kunsthistorikern eine Lehr- und Arbeitsstätte bot […].“ 6 Während sein Langzeitwerk zum „Corpus“ weiter fortschritt, veröffentlichte Krautheimer zu Beginn der 1940er Jahre notabene die Aufsätze „Introduction to an Iconography of Medieval Architecture“, was wohl sein meistzitierter Aufsatz ist 7 , sowie eine Schrift zur „Carolingian Revival“. Als Dozent war er nun vorrangig am Institute of Fine Arts tätig, wobei sich die wissenschaftliche Schreibtä-
2
Richard Krautheimer: Ausgewählte Aufsätze zur europäischen Kunstgeschichte. Köln 1988, S. 8.
3 Ebd., S. 9.
4 Wolfgang Schenkluhn: Richard Krautheimers Begründung einer mittelalterlichen Architekturikonographie. In: Wolfgang Schenkluhn (Hrsg.): Hallesche Beiträge zur Kunstgeschichte, Heft 1. Halle 1999, S. 41.
5 Richard Krautheimer: Ausgewählte Aufsätze zur europäischen Kunstgeschichte. Köln 1988, S. 11.
6 Ebd., S. 16.
Vgl. Willibald Sauerländer: Richard Krautheimer (1897-1994). In: The Burlington Magazine, 7
Vol. 137, No. 1103 (Feb., 1995), S. 119-120.
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tigkeit auf ein paar Aufsätze beschränkte. 8 Sein Hauptaugenmerk legte er ab dann auf die Epoche der Renaissance. Nach dem zweiten Weltkrieg beschäftigte sich Krautheimer primär mit Vorbereitungen auf die eminente Monographie Ghibertis, die er 1956 mit seiner Frau Trude veröffentlichte und von Princeton University Press herausgebracht wurde. Nach dieser Arbeit widmete sich er wieder den Architekturwissenschaften, Ende der 1950er Jahre erschien der zweite Band des „Corpus Basilicarum Christianarum Romae“. 9 Neuartige Erkenntnisse, beispielsweise zur Entstehung der christlichen Basilika, wurden erlangt und flossen so in die wissenschaftliche Tätigkeit zur frühchristlichen Architektur mit ein. „Neue Fragen zielten auf die Funktion verschiedener Kirchentypen und ihrer Technik […].“ 10 Er publizierte unter anderem „Early Christian and Byzantine Architecture“ (1965), worin mehr als ein Jahrtausend christlicher Architektur versammelt ist. 11 Im Winter 1970/71 zog er nach seiner Emeritierung nach Rom. Mit dem Werk „Rome, Profile of a City, 312-1308”, welches er bereits 75-jährig publizierte, gelang ihm etwas zuvor noch nie Veröffentlichtes: die Geschichte einer Stadt anhand seiner Monumente. Der Leser wandert förmlich durch tausende Jahre an römischer Geschichte. 12 Seit 1971 war Krautheimer wieder an der Bibliotheca Hertziana in Rom tätig, dort schloss er seine Forschungen zum „Corpus Basilicarum“ ab. Als Anerkennung seiner vollbrachten Leistungen wurde er 1994 zum Civis Romanus, Ehrenbürger der Stadt Rom, ernannt. Richard Krautheimer starb am 1. November 1994 in Rom im Alter von 97 Jahren. 13
II. Positionen und Aspekte des Aufsatzes
„Einführung zu einer Ikonographie der mittelalterlichen Architektur“ Der epochemachende Aufsatz im Bereich der Architekturikonographie und
-ikonologie „Introduction to an Iconography of Medieval Architecture“ von Richard Krautheimer erschien bereits 1942 im anglophonen Bereich und wurde erst 1988 mit
8
Richard Krautheimer: Ausgewählte Aufsätze zur europäischen Kunstgeschichte. Köln 1988, S. 20.
9 Ebd., S. 23.
10 Ebd., S. 27.
Vgl. Willibald Sauerländer: Richard Krautheimer (1897-1994). In: The Burlington Magazine, 11
Vol. 137, No. 1103 (Feb., 1995), S. 119-120.
12 Vgl. ebd., S. 119-120.
13 Wolfgang Schenkluhn: Richard Krautheimers Begründung einer mittelalterlichen Architekturikonographie. In: Wolfgang Schenkluhn (Hrsg.): Hallesche Beiträge zur Kunstgeschichte, Heft 1. Halle 1999, S. 42.
5
dem Titel „ Einführung zu einer Ikonographie der mittelalterlichen Architektur“ ins Deutsche übersetzt. 14
Unsere heutige Auffassung von Architektur kann mit folgenden Begriffen abgegrenzt werden: Funktion, Konstruktion und Design („function, construction and design“ 15 ). Hierbei ist eine Korrespondenz ausgehend von Vitruvs ästhetischen Grundbegriffen der Architektur herzustellen, die firmitas (Festigkeit), utilitas (Zweckmäßigkeit) und venustas (Schönheit) lauten. Krautheimer stellt in seiner Abhandlung dem einen vierten Bereich zur Seite, nämlich den des (Bedeutungs-) Gehalts von Architektur („the ‚content’ of architecture“ 16 ). 17 Die architektonische Auffassung im Mittelalter für Krautheimer beschreibt sich dadurch, dass äußere Merkmale für den Plan eines mittelalterlichen Bauwerks nicht genügen. Keine mittelalterliche Quelle betont die Bauform eines Gebäudes oder seine Konstruktion, abgesehen vom verwendeten Material. Es wurden jedoch zweckmäßige und liturgische Funktionen immer in Betracht gezogen. 18 Die daraus gewonnene Konklusion kann so beschrieben werden, dass die religiöse Bedeutung eines Gebäudes einen zentralen Platz im Denken mittelalterlicher Architekten einnimmt, dies kann sich beispielsweise in der symbolischen Bedeutung eines Grundrisses oder aber schon einzelner Bauteile einer Kirche äußern. Der Gehalt, die „Seele“ eines Bauwerks, wenn man so sagen will, scheint zur wichtigsten Problematik mittelalterlicher Architekturtheorie zu gehören. Davon ausgehend resultierend, kann man feststellen, dass die Gesamtsumme genannter Sachverhalte das Thema einer Architekturikonographie formt. 19 Welche hervortretenden Elemente in der mittelalterlichen Architektur mit einer gewissen Bedeutung aufgeladen wurden, erklärt Krautheimer indem er „von den zahlreichen
14 Wolfgang Schenkluhn: Richard Krautheimers Begründung einer mittelalterlichen Architekturikonographie. In: Wolfgang Schenkluhn (Hrsg.): Hallesche Beiträge zur Kunstgeschichte, Heft 1. Halle 1999, S. 32.
15 Richard Krautheimer: Introduction to an Iconography of Medieval Architecture, In: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes 5 (1942), p. 1.
16 Ebd., p. 1.
17 Vgl. Schenkluhn (1999), S. 32.
18 Vgl. Richard Krautheimer: Einführung zu einer Ikonographie der mittelalterlichen Architektur. In: Krautheimer, Richard: Ausgewählte Aufsätze zur europäischen Kunstgeschichte. Köln 1988, S. 142.
19 Richard Krautheimer: Einführung zu einer Ikonographie der mittelalterlichen Architektur. In: Krautheimer, Richard: Ausgewählte Aufsätze zur europäischen Kunstgeschichte. Köln 1988, S. 142, 143.
6
architektonischen Nachbildungen [ausgeht].“ 20 Im nun Folgenden stellt Krautheimer konkrete Architekturkopien vor, zum ersten aus dem Baubereich der Kirchen und zum zweiten Baptisterien und Mausoleen. Anhand der Bezüge zwischen originalen und kopierten Bauwerken, werden jene bedeutenden Elemente dargelegt, die die nachgebildeten Gebäude übernommen haben und welche Bedeutung davonausgehend für diese folgen.
II. 1. Kirchen
Um etwas kopieren zu können, braucht es ein Vorbild, einen Schlüsselpunkt, ein „Original“. Richard Krautheimer nimmt hierfür die Anastasisrotunde in Jerusalem. Sie wird in folgendem Maße charakterisiert. Mindestens seit einer Restaurierung im Jahr 628 und wahrscheinlich von Anfang an ist es ein Rundbau (vgl. Abbildung 2, Seite 23). Der äußere Umgang umfasste offenbar die gesamte Rotunde (vgl. Abbildung 3, Seite 23). Den Kern der Rotunde rahmte ein Umgang, welcher drei kleinere Apsiden birgt, mit Empore ein. Im Ganzen zwanzig Stützen, acht Pfeiler in den Hauptachsen und drei Säulen in den Diagonalachsen, tragen das Bauwerk. In den Diagonalen stehen über den drei Säulen des Erdgeschosses zwei Säulen und ein Pfeiler, wobei in den Hauptachsen die beiden Pfeiler mit den darüber liegenden übereinstimmen. Unsicherheit besteht bezüglich der Dachform, ob eine Einwölbung bestand oder ein Holzdach existierte. 21 Durch nachfolgende Beispiele werden Elemente bestimmt, die in den Augen mittelalterlicher Menschen zu den hervorstehenden eines Gebäudes zählten. Es werden Beziehungen verdeutlicht, die zwischen den Bauwerken bestehen. Nach Krautheimer wiesen alle drei folgend genannten Beispiele in den Augen mittelalterlicher Zeitgenossen Einstimmigkeiten auf, als Original wird Aachen genommen, nachstehende zwei Bauten sollen die Pfalzkapelle kopiert haben.
Die Aachener Pfalzkapelle (vgl. Abbildung 4, Seite 24) wurde um 790 bis 805 22 erbaut. Wie anhand des Grundrisses ersichtlich ist, handelt es sich hierbei um einen eingewölbten, Zentralbau in Form eines Oktogons. Der Dom mit dem Grab Karl des
20 Ebd., S. 143.
21 Vgl. Richard Krautheimer: Einführung zu einer Ikonographie der mittelalterlichen Architektur. In: Krautheimer, Richard: Ausgewählte Aufsätze zur europäischen Kunstgeschichte. Köln 1988, S. 142, 147.
22 Richard Reid: Baustilkunde. 3500 Bauten aus der alten und neuen Welt. Leipzig 2006, S. 138.
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Karina Fuchs, 2010, Krautheimers Architekturikonologie, München, GRIN Verlag GmbH
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