2
Inhalt
1 Einleitung 4
2 Vorklärung zum Untersuchungsgegenstand 5
3 Das s im Neuhochdeutschen. 6
4 Die Korpus-Analyse - Einleitendes zur Phonologie einer stummen Sprache 8
5 s -Qualitäten im Mittelhochdeutschen - Zeichenfeldanalyse 11
5.1 Initial 12
5.2 Medial 15
5.3 Final 23
6 Fazit 26
Literaturverzeichnis 27
3
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Das Phonemsystem der Konsonanten im Neuhochdeutschen
Abb. 2 Das Graphemsystem der Konsonanten im Neuhochdeutschen
Abb. 3 Die Verteilung von s im Neuhochdeutschen
Abb 4 Die Phonemspaltung von s’vom Mhd zum Nhd
4
1 Einleitung
Spätestens seit den sog. Junggrammatikern, welche sich um die Mitte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter der Leitung Albert Leskins formierten, gilt die Erkenntnis als gesichert, dass es sich bei der Sprache um ein lebendiges Medium handelt, welches sich, gebunden an den variierenden Gebrauch seiner Sprecher, im stetigen Wandel befindet. Die z.T. stark naturwissenschaftlich orientierte Forschung der Junggrammatiker und deren Weiterentwicklung durch Folgeschulen hat eine Reihe konkreter Beschreibungen hinsichtlich der diachronen Sprachentwicklung des Deutschen in Form der heute allgemein bekannten Lautgesetzte hervorgebracht. Lautwandel, Vernersches Gesetz u.ä. gelten heute als Grundlagenwissen eines jeden Studenten der älteren und ältesten sowie auch der neueren Literatur- und Sprachwissenschaft. Wer sich über lautliche und grammatische Gegebenheiten in den verschieden Phasen des Mittelalters kundig machen will, findet heute eine breitgefächerte Quellenlage in Form diverser Grammatiken vor. Das Mittelhochdeutsche erfährt hierbei eine besondere Fokussierung. Literaturwissenschaftlich gilt es als erste große Blüte der deutschen Geistesgeschichte und wird im Zuge dessen entsprechend breit thematisiert. Diesem Umstand geschuldet und suggeriert durch die zahlreichen grammatischen Darstellungen entsteht der Eindruck, dass das Mittelhochdeutsche als sprachgeschichtliche Periode relativ gut erforscht zu sein scheint. Schon länger steht dieser Sachverhalt in der Kritik. Zunehmend verschreibt man sich in der aktuellen sprachhistorischen Forschung dem sokratischen Grundgedanken: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Als sicher gilt nun, dass das Mittelhochdeutsche jene sprachhistorische Periode ist, über die man am wenigsten weiß. Das Althochdeutsche und Frühneuhochdeutsche hingegen sind um einiges besser erfasst.
Ziel dieser Arbeit ist es, jene Form der Forschung zu beleuchten, welche bestrebt ist, dem beschriebenen defizitären Umstand Abhilfe zu schaffen und sie, so weit es möglich ist, nachzuvollziehen - die Korpusanalyse. Konkreter Gegenstand der Untersuchung ist das ‚s‘ in seinen verschiedenen graphischen Realisierungen im Mittelhochdeutschen. Ferner soll versucht werden, Rückschlüsse auf deren phonetische Entsprechungen zu ziehen. Als Grundlage dieser Anstrengung dient das im Kreis um die Herausgeber der Paul’schen Grammatik in den letzten zehn Jahren erarbeitete Bochumer Mittelhochdeutsch Korpus. Das genaue Vorgehen sowie eine detailliertere Umschreibung des genauen
Untersuchungsgegenstandes sollen in einer kurzen Vorklärung im Anschluss aufgeschlüsselt werden.
5
2 Vorklärung zum Untersuchungsgegenstand
Bevor der Gegenstand dieser Untersuchung in seinen diversen graphischen und lautlichen Ausprägungen in verschiedenen zeitlichen Perioden des Deutschen dargestellt werden kann, muss zunächst deutlich gemacht werden, wie dieser überhaupt gefasst wird.
Das Objekt des Interesses soll, wie bereits oben schon erwähnt, das mittelhochdeutsche ‚s‘
sein. Eine solche Umschreibung ist natürlich völlig unzureichend und läuft Gefahr, hinsichtlich des Bezugsystems zu Missverständnissen zu führen. Ob es sich hierbei um einen bzw. mehrere spezifische Laute handelt oder eben um die graphische Form als
solche, wird nicht deutlich. Vielmehr jedoch soll ‚s‘ hier ein Spektrum phonetisch verwandter
Qualitäten meinen, dem es mittels der Betrachtung unterschiedlicher graphischer Realisierungen auf die Schliche zu kommen gilt. Wenn also im Folgenden mangels einer
anderen wortökonomischen Formulierung vom mittelhochdeutschen ‚s‘ die Rede sein wird,
so ist nachstehendes gemeint: Gefragt wird nach dem mittelhochdeutschen Frikativ, welcher sich aus germ. /s/ und germ. /t/ sowie ahd. /sk/ entwickelt hat. Dieser Frikativ - so die Annahme
1
-
kann im Mittelhochdeutschen dental/alveolar oder präpalatal und dabei stimmhaft bzw. stimmlos realisiert sein. In der Konsequenz unterscheiden wir im Neuhochdeutschen entsprechend die Phoneme /s/ (dental/alveolar, stl.), /z/ (dental/alveolar,
sth.) und /∫/
(präpalatal, stl.).
Ziel der Untersuchung ist folglich, zu ermitteln, ob sich im Mittelhochdeutschen eine systematische Verwendung unterschiedlicher Graphien für die Realisierung verschiedener Qualitäten des genannten Frikativs erkennen lässt, die auf ein dem Nhd. vergleichbares Vorhandensein unterschiedlicher Phoneme zu schließen erlaubt. Um eine gewisse Verständniskontinuität herzustellen, soll zunächst kurz auf den gesicherten Kenntnisstand zum ‚s‘ im Phonemsystem des Nhd. eingegangen werden. Von hier aus gilt es, die Problematik bei der Untersuchung des lautsprachlichen Zustandes einer Zeit, aus der es keine lautsprachlichen Daten gibt, darzulegen. Hierbei bietet sich die Gelegenheit, das genaue Vorgehen sowie das dabei verwendete Werkzeug (Bomiko) in seiner Beschaffenheit näher zu beleuchten. Im Anschluss daran sollen letztlich die Befunde der Korpusarbeit dargestellt werden und den Aussagen der bislang geltenden Grammatik des Mhd. vergleichend gegenübergestellt werden.
1 Die Angaben stützen sich auf die 25. Auflage der Paul’schen Grammatik (2007). Ergebnisse der Korpusanalyse wurden hier bislang nur z.T. miteinbezogen.
6
3 Das ‚s‘ im Neuhochdeutschen
Auch im Krebsgang sollte der erste Schritt stets dort beginnen, wo man gegenwärtig steht. Für die Rekonstruktion eines früheren sprachlichen Zustandes erscheint es daher immer sinnvoll, sich zunächst den aktuellen Stand der Dinge bezüglich des zu Untersuchenden Gegenstandes zu vergegenwärtigen. Einen ersten Überblick hierzu bieten folgende Tabellen:
Abb. 1
Abb. 2
2 Abb. entnommen aus: Bergmann/ Pauly (1992): Neuhochdeutsch. S. 25.
3 Abb. entnommen aus: ebd. S. 26.
7
Wie aus Abb. 1 ersichtlich wird, finden wir im Nhd. drei phonetische Variationen des Frikativs, welcher hier unter die Lupe genommen werden soll. Wir unterscheiden das Phonem /s/ (stl., dental/alveolar, z.B. in Gans, Haus, Vers etc.), /z/ (sth., dental/alveolar, z.B.
in Dose, Sonne, lesen etc.) und den stimmlosen, präpalatalen Frikativ /∫/
(z.B. in Schiff, mischen, schön etc.). Die genannten Laute korrespondieren in dieser Reihenfolge mit den Graphien (z.B. in Gans, müssen, Muße etc.),
4
(z.B. Rasen, Wiese, etc.) und (z.B. in Stein, Spinne, Schuh).
Das Phonem /z/ wird ausnahmslos durch realisiert. Für die anderen beiden Frikative ist jeweils entscheidend, in welcher lautlichen Umgebung sie auftreten. Für /∫/
gilt, dass, wenn
es silbenanlautend vor /t/ oder /p/ steht, geschrieben wird. In allen anderen Fällen wird es mit
5
,
Zur Verteilung der Phoneme ist zu sagen, dass im Anlaut nur /z/ sowie im Auslaut nur /s/ auftritt. Im Inlaut können beide vorkommen.
Abb. 3
/∫/ hingegen findet sich hingegen in allen drei Positionen (z.B. Spinne, Schalter, mischen, falsch).
4 vgl. Duden (2006). Bd. 4. Die Grammatik. S. 84-85.
5 vgl. ebd.
6 Abb. entnommen aus: Bergmann/ Pauly (1992): Neuhochdeutsch. S. 28.
Arbeit zitieren:
Robert Bachmann, 2007, ‚s‘-Qualitäten im Mittelhochdeutschen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen: ‚s‘-Qualitäten im Mittelhochdeutschen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen: neuer Titel erschienen: ‚s‘-Qualitäten im Mittelhochdeutschen
Robert Bachmann hat einen neuen Text hochgeladen
A Failure of Initiative: Final Report of the Select Bipartisan Committ...
U S Government Printing Office
Arbeitsbuch zur Grammatik der ...
Rolf Bergmann, Claudine Moulin, Nikolaus Ruge
Phonics First, Grades K-1: Short and Long Vowels, Initial and Final Co...
Jean Wolff, Don O'Connor, Pat Biggs
Tempus und "Mündlichkeit" im Mittelhochdeutschen
Zur Interdependenz grammatisch...
Sonja Zeman
0 Kommentare