Institut für Geschichte Fakultät für Alte Geschichte Marcel Jablonka
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 3
2. Die Entstehung der Prätorianer Seite 3
3. Tiberius und Seianus Seite 6
4. Die Rolle der Prätorianer unter Caligula Seite 10
5. Kaiser auf Wunsch der Garde: Claudius Seite 12
6. Nero Seite 14
7. Zusammenfassung Seite 16
8. Literaturverzeichnis Seite 17
2
1. Einleitung
Die Position der Prätorianer in der Geschichte des Römischen Kaiserreichs ist eine sehr bedeutende. Von der eigentlichen Aufgabe als Protektoren des Kaisers entwickeln sie schnell eigene Ambitionen oder werden zum Instrument kaiserlicher und nicht-kaiserlicher Macht. Doch gibt es mit Ausnahme der Bücher des Marcel Durry keine umfassende Darstellung in der Geschichtswissenschaft, erst recht keine deutschsprachigen, die sich mit den Prätorianern über einen längeren Zeitraum beschäftigen. Diese Arbeit soll sich mit der Geschichte der Kohorten und deren Präfekten von Augustus bis zur Tyrannei des Nero beschäftigen, wobei besonderes Augenmerk auf ihr Verhältnis zur kaiserlichen Familie gelegt wird. Die Arbeit ist streng chronologisch ausgerichtet, da so die Entwicklung der prätorianischen Kohorten am besten zu Geltung kommen kann.
2. Die Entstehung der Prätorianer
Prätorianische Kohorten bestanden bereits zur Zeit der Republik.
Ihre Bezeichnung kommt wahrscheinlich vom römischen Titel des Prätors, an den die Einheit gebunden war. Sie fungierten als Leibwache desselben in gefährlichen Gebieten. Das Prätorium war das Zelt des Feldherrn.
Die Prätorianer spielten unter Octavian und Antonius eine rein militärische Rolle. Laut Keppie sollen sie Stärken von mindestens sechs- bis zehntausend Mann umfasst haben, welche direkt am Kampfgeschehen teilnahmen 1 .
Nach Actium wurden diese Einheiten aufgelöst und die Veteranen zur Besiedlung von Kolonien Gunugu und Aosta verwendet, bzw. mit einem Stück Land aus dem Dienst entlassen 2 .
Ihre „offizielle“ Gründung erfolgte wahrscheinlich in den Jahren 27 oder 26 v.Chr. durch Augustus 3 , viele Historiker vertreten aber auch die Möglichkeit einer Existenz ab 31 v.Chr. 4 . Gegliedert wurden sie in neun Kohorten zu je 500 Mann. Auch hier bestehen unterschiedliche Ansichten. So vertritt Mommsen die Meinung, Augustus habe zwar neun Kohorten aufgestellt, allerdings in doppelter Stärke (1000 Mann pro Einheit) 5 . Hierbei stützt er sich
1 Keppie, S.104.
2 Dio, 53.25.5.
3 Bohec, S. 21. Dessau, Bd1,256. Tac. Ann. IV 5.
4 Keppie, 107.
5 Mommsen, MH I 61.
3
offenbar auf die Angaben Dios 6 , nach denen die Leibgarde zu jener Zeit 10000 Mann stark war. Nun bieten epigraphische und literarische Quellen kaum ausreichend Information dies zu klären. Ein sehr schlagfester Beweis wird allerdings durch die Archäologie erbracht. Die Legionslager der damaligen Zeit waren ca. 18-20 ha groß und für eine Belegung mit ca. 5000 Soldaten ausgelegt. Eine Kohorte der Prätorianer muss also zwangsläufig aus 500 Mann bestanden haben, da die im Jahre 23 gegründete castra praetoria eine Fläche von ca. 17 ha einnahm 7 .
Zu den neun Einheiten der Prätorianer(nummeriert I-IX) kommen drei weitere Einheiten der cohortes urbanae (nummeriert X-XII) 8 , welches fälschlicherweise zu der Ansicht führen kann, die Prätorianer hätten bereits zu Zeiten Augustus aus 12 bzw. mindestens 10 Kohorten bestanden 9 . Zu den Prätorianer sind weiterhin kleinere Einheiten der Reiterei und der speculatores zu zählen 10 .
Die Prätorianer setzten sich in der Regel ausschließlich aus Soldaten zusammen, deren Ursprung in Italien lag 11 . Dieser Zustand hielt weitgehend 12 konstant an, zu Zeiten Augustus und Tiberius war die Rekrutierung sogar auf Latium, Etrurien und Umbrien beschränkt. Erst ab Septimus Severus wird mit dieser Regel gebrochen und auch Nicht-Italiker treten in den Dienst der Prätorianer. Als Prätorianer war man gegenüber dem einfachen Legionär etwas Besonderes. Der Garde galt als Elitetruppe, besonders in Bezug auf Ausbildung und Ausrüstung. Die Dienstzeit 13 lag bei 12 Jahren gegenüber den 16 der Legionen, und der Lohn betrug das zwei bis dreifache 14 . Zuzüglich hierzu waren die Sonderzahlungen der Prätorianer
6 Dio, 55.24.6, diese Angabe Dios ist falsch, gibt sie doch den Zustand der Prätorianer zu eigenen Lebzeiten an, d.h. in der Periode des Septimus Severrus in der die Prätorianer vorübergehend wirklich aus 1000 Mann/ Kohorte bestanden. Ebenso Tac.hist. II 93.
7 Bohec, 21. Keppie, 110. Kennedy, 275.
8 Keppie, S.107.
9 Ein Beispiel bei Keppie (S.109) macht dies deutlich. Inschriften bezüglich des Wechsel eines gewissen Virgius von der Kohorte XI zu der Kohorte IV lassen sich in erster Hinsicht auf die Existenz einer 11. Kohorte deuten. Keppie jedoch ist der Ansicht, das es sich hierbei jedoch nicht um eine prätorianische Kohorte handelt, sondern um eine städtische. Der Wechsel/ Aufstieg von den städtischen zu den prätorianischen Einheiten war ein gängiges Verfahren.
10 Junkelmann, S.91.
11 Webster, S.45. Keppie, S.116. Tac. Ann. IV.5.
12 Nach Dessau Bd1 S.259 z.B. Mazedonier.
13 Nach Meinung Mommsen (Kaisergeschichte MH.I.57) erschafft Augustus hiermit wahrscheinlich zum ersten Mal einen geregelten Militärdienst (stehenden Dienst), der in dieser Form vorher noch nicht existierte.
14 Dio 53.11.5, 54.25.6. Speidel, M.A. in Eck, Kaiser & Herr, S.66-71. Weschklein, S.48-54.
4
ebenfalls wesentlich höher als jene des verbleibenden Heeres. Die Dauer des militärischen Dienstes wurde im Jahre 5 n.Chr. von Augustus für alle Einheiten um vier Jahre erweitert 15 . Eine weitere mit den Prätorianern verbundene Besonderheit war ihre Konzentrierung in Rom. Da dieses nach republikanischer Tradition eine militärfreie Zone ist, war ihre Stationierung besonders heikel. Augustus ließ nie mehr als drei Kohorten in und um Rom einquartieren, die restlichen wurden in umliegenden Städten untergebracht 16 . Genaue Angaben sind nicht bekannt, mögliche Orte könnten aber Ostia, Tibur, Praeneste, Antium, Terracina und Alba Fucens 17 gewesen sein.
Den Prätorianern war es zudem, untersagt Rom in Rüstung zu betreten, da dies die Bevölkerung zu sehr beunruhigt hätte. An militärischer Ausrüstung führten die Prätorianer daher nur Schild, Seitenwaffen und zuweilen Helm mit sich.
Die Kohorten unterstanden bis 2 v.Chr. direkt Augustus, ab dieser Zeit ging das Kommando über die Einheiten an zwei Präfekten, die praefecti praetorio. Dio liefert uns diesbezüglich eine Textstelle, welche die Ernennung der Präfekten und Aufgaben sowie Rechte der Prätorianer sehr anschaulich darlegt:
„... von den Rittern aber sollen die beiden besten deine Leibwache befehligen; denn es
bringt Gefahren mit sich, sie nur einem Manne anzuvertrauen, während eine größere Zahl als zwei Verwirrung stiftet. Zwei soll es daher von diesen Präfekten geben, damit du, wenn einer von ihnen sich unpässlich fühlt, keineswegs ohne Beschützer bleibst. Männer sollen zu diesem Amt genommen werden, die schon wiederholt Feldzüge mitgemacht und zahlreiche sonstige Verwaltungsposten versehen haben! Und befehligen sollen sie natürlich sowohl die Prätorianer als auch sämtliche in Italien stehenden Truppen und dabei das Recht haben, Übeltäter zu bestrafen, ausgenommen die Centurionen und jene anderen, die den Amtsträgern senatorischen Rangs zugeteilt sind. Denn über diese Soldaten sollen die senatorischen Beamten selbst die Gerichtsbarkeit besitzen, damit sie dank der Möglichkeit, jene zu strafen und
auszeichnen zu dürfen, ihrer unbedingten Hilfe sicher sein können. Über die restlichen Soldaten in Italien aber sollen die erwähnten Präfekten, unterstützt von nachgeordneten Offizieren, den Oberbefehl führen und ausserdem noch über die Caesarianer, sowohl diejenigen, die sich in deinem Gefolge befinden, als auch die anderen, soweit sie gewisse Bedeutung haben. Diese Pflichten wahrzunehmen, wird für die Präfekten passen und genügen; werden sie nämlich mit mehr Aufgaben betraut, als sie ordnungsgemäß erfüllen können, so besteht Gefahr, dass sie für wichtige Dinge keine Zeit mehr aufbringen oder überhaupt nicht mehr in der Lage sind, allen Aufgaben zusammen gerecht zu werden. Und diese Präfekten sollen ebenso wie der Stadtpräfekt und Untercensor ihr Amt auf Lebenszeit haben. Bestelle noch einen anderen Beamten als praefectus vigilum und einen weiteren verantwortlich für die Getreideversorgung und den Markt im allgemeinen, beide aus dem Ritterstand, und
15 Speidel, M.A. in Eck, Kaiser & Herr, S.66f. Dio 55.23.1.
16 Sueton Aug 49.
17 Keppie, S.113.
zuzüglich Aquileja (Dessau, Bd1, S.257).
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Marcel Jablonka, 2003, Die Entstehung und Entwicklung der Prätorianer in der Frühen Kaiserzeit, München, GRIN Verlag GmbH
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