Der Panther Im Jardin des Plantes, Paris Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, daß er nichts mehr hält. 5 Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt. Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, der sich im allerkleinsten Kreise dreht, ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, 10 in der betäubt ein großer Wille steht. Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein, geht durch der Glieder angespannte Stille -und hört im Herzen auf zu sein.
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Das Gedicht „Der Panther“ von Erich Maria Rilke entstand Ende 1902 1 in Paris, wo Rilke an der Wegscheide seines Denkens und Dichtens stand. In dieser Zeit klagt er über die neuen und nicht beherrschbaren Wirklichkeitseindrücke.
Kennzeichnend für die Epoche des Impressionismus (/Symbolismus) ist nicht nur der hier vorliegende kurze Dichtungstyp sondern auch die Ablehnung der zeitgenössischen Wirklichkeit, das vorliegende Gedicht verschönt nicht die Gefangenschaft des Tieres. Es vermittelt einen sinnlich-subjektiven Eindruck, die Gefühle des Panthers werden aus der Sicht des Beobachters vorm Käfig dargestellt. Das beobachtende Ich ,das völlig in den Hintergrund getreten ist, gibt den Augenblick des umhergehenden Panthers wider, die momentane Stimmung und den flüchtigen Reiz in Strophe drei. So findet man hier eine impressionistische Momentaufnahme und zugleich auch einen Ausdruck symbolistischer Wortkunst.
Wie der Titel bereits vermuten läßt, wird, und dem Charakter der Dinggedichte entsprechend, ein Objekt, hier der Panther thematisiert. Er geht zwar rastlos auf und ab, wirkt aber in seinem engen Käfig, hinter Gittern des Lebens müde. Die geringe Energie, die ihm in der Gefangenschaft geblieben ist und die manchmal noch einmal aufflammt, stirbt doch sofort wieder ab. Rilke beschreibt in einer präsentischen, stimmungsgeladenen Bildfolge den Handlungsträger Panther, seinen lustlosen Blick, wobei eine Steigerung in die Trostlosigkeit spürbar wird. Anlaß zum Ausdruck ist die Beobachtung des Panthers im Jardin des Plantes, doch läßt sich auch eine innere Veranlassung erkennen. Das Gedicht vermittelt ein Gefühl bedrückender Gegenwart. Dem Ich wird deutlich, daß sich etwas in bestimmter Weise verhält und dies erfüllt das Ich mit Wehmut, es möchte die Einstellung des Panthers mitteilen, analog zur eigenen Gefühlswelt.
Die Aussprache wandelt sich zwar nicht zur Ansprache, aber die Betrachtung des Panthers führt zu mitteilbaren Erkenntnissen, die indirekt an den Leser gerichtet werden; indirekt, da der Leser selbst nicht angesprochen wird.
Der Sprecher des Gedichtes bleibt verborgen, Hinweise auf ein lyrisches Ich, wie Personalpronomen oder Interjektionen sind nicht vorhanden. Diese sogenannte „Er-Lyrik“ ist kennzeichnend für ein beschreibendes, erzählendes Gedicht. Der Panther wird losgelöst vom Ich, in seinem Sosein beschrieben.- Ein Streben nach reiner Gegenständlichkeit.
1 Laut Hähnel, Klaus Dieter in :Rainer Maria Rilke.2.Auflage 1986, Berlin/Weimar. S.50.
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Auch ist das Verwenden jambischer Verse besonders geeignet für betrachtende, erzählende Gedichte, zumal die Sätze in einer ruhigen, zusammenhängenden Rede im Deutschen vorwiegend mit unbetonten Einsilbern beginnen (Artikel, Konjunktionen, Präpositionen etc.) So sind in diesem Gedicht grundsätzlich alle Zeilenanfänge jeweils mit einsilbigen Wörtern in nur einer unbetonten Silbe, also auftaktend mit einer Senkung, zu finden. Das zeigt folgendes Schema.:
xXxXxXxXxXx xXxXxXxXxX xXxXxXxXxXx xXxXxXxXxX xXxXxXxXxXx xXxXxXxXxX xXxXxXxXxXx xXxXxXxXxX xXxXxXxXxXx xXxXxXxXxX xXxXxXxXxXx xXxXxXxXx
Die zweite Zeile in jeder Strophe endet betont, der nächste Vers setzt wieder unbetont ein. Dadurch entsteht eine Satzbewegung, die durch das Auf und Ab von Hebung und Senkung gleitend fortgesetzt wird. Die jambischen Verse bewirken eine weiche und gleitende Aussprache.
Das Schema verdeutlicht auch die Anzahl der Hebungen in den Versen (5555,5555,5554). Die ersten zwei Strophen sind durchweg Fünfheber, so daß das Gedicht gleichmäßig im Fluß voranschreitet. In der dritten Strophe werden die ersten drei fünfhebigen Verse abrupt von einem Vierheber abgelöst, der das Ende/ das „Aufhören zu sein“ besonders stark, auch durch die plötzliche Kürze des Verses, untermalt.
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Arbeit zitieren:
Anna Kiesbauer, 1999, Werkinterpretation zum Thema Lyrik: Rainer Maria Rilke - Der Panther, München, GRIN Verlag GmbH
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