Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 03
2. Fehler und deren Korrektur in sportlichen Handlungen 04
3. Fehler im Tischtennissport 06
3.1. Typisierung von Fehlern 06
3.2. Skizzierung von Fehlerursachen 07
4. Fehlerkorrektur im Tischtennis 08
4.1. Grundregeln zur Korrektur von Fehlern 08
4.2. Formen der Fehlerkorrektur 10
5. Praxisbezogene Anwendungsbeispiele 12
6. Zusammenfassende Schlussbemerkungen 13
7. Literaturverzeichnis 15
8. Abkürzungsverzeichnis 16
9. Anhang (Bildmaterial) 17
2
1. Vorwort
Die Bedeutung der Fehlerkorrektur im Tischtennis ergibt sich bereits daraus, dass 85% 1 der Trainerhandlungen aus Maßnahmen zur Beseitigung von Bewegungsfehlern sowie der Bekräftigung des Richtigen in der aktuell vollzogenen Bewegung des Lernenden bestehen. Erfolgt die Vermittlung des Rückschlagspiels Tischtennis in einer spielgemäßen, ganzheitlichen Art und Weise, kommt der Bewegungsanalyse und der Fehlerkorrektur eine andere Rolle im Vergleich zur traditionellen Vermittlung zu. Die Bewegungsbeobachtung (beispielweise bei der Schlagausführung) lässt sich nicht auf den Aspekt der Schlägerführung reduzieren. So muss vordergründig eine Analyse der Gesamtkörperbewegung hinsichtlich möglicher Fehlerquellen erfolgen. Mit dem Anspruch der Praktikabilität im Schulsport sowie der Notwendigkeit zur frühzeitigen Korrektur im Bewegungslernen des Anfängerbereichs begründet es sich logisch, dass der Fokus vorliegender Arbeit auf den Bereich des Grundlagentrainings (= GLT) gerichtet sein wird. Dieser soll im Folgenden zunächst einmal näher charakterisiert werden: Döbler, Schnabel und Thieß (1989) skizzieren das Grundlagentraining als „ersten Ausbildungsabschnitt des Nachwuchstrainings, der die erste Etappe des langfristigen Leistungsaufbaus realisiert. Sie ist in ihrer Struktur und ihrem Inhalt durch eine hohe Vielfalt und allgemeine Ausbildung gekennzeichnet (bis zu 80 Prozent). Schwerpunkt der Ausbildung in den Sportspielen ist die Entwicklung eines breiten koordinativen und konditionellen Grundlagenniveaus sowie einer allgemeinen Spielfähigkeit. Die Wettkampf-anforderungen entsprechen den Ausbildungszielen und -aufgaben der einzelnen Abschnitte des GLT. Das GLT hat gleichzeitig die Aufgabe, die Eignung des Spielers (Talenterkennungstraining) für das jeweilige Sportspiel zu ermitteln. In den Sportspielen beginnt das GLT in den Altersklassen 8-10 und endet etwa bei der AK 13/14“. 2 Schnabel, Harre, Krug und Borde (2003) ergänzen diese Charakterisierung noch um die Prozesshaftigkeit der Persönlichkeitsentwicklung junger Sportler, die zudem eine taktische und psychomoralische Grundlagenausbildung für eine systematische Entwicklung sportlicher Höchstleistungen in der jeweiligen Sportart beinhaltet. Jener Sachverhalt ist durchaus als sehr komplex zu betrachten, da sich die Trainer-Spieler-Interaktion keinesfalls auf eine sachbezogene Ebene reduziert. Ziel der Arbeit soll es sein, die Komplexität der möglichen Fehler und deren Ursachen überblicksartig zu erfassen sowie diesbezügliche Handlungsempfehlungen und Tipps für die praktische Tätigkeit in
1 Wohlgefahrt: Spezielle Trainingslehre TT, S. 86.
2 Döbler et al.: Grundbegriffe der Sportspiele, S. 90.
3
Schule und Verein zu liefern. Dabei wird die Darstellung des vorliegenden Berichts zunächst vom allgemeinen hin zum speziellen Sportkontext erfolgen, um einen methodisch wohl strukturierten Zugang zur Thematik zu eröffnen.
2. Fehler und deren Korrektur in sportlichen Handlungen
Die Korrektur von Fehlern nimmt eine zentrale Stellung 3 innerhalb der Interaktion zwischen Trainer und Sportler ein. Dabei ist das Grundschema sportartenübergreifend gleich: Nach einem Bewegungsvollzug erwartet der Sportler von seinem Trainer eine Rückkopplung. Doch handelt es sich hierbei keineswegs um ein einseitiges Informieren. Insofern kann man diese Art des kommunikativen Handelns auch als korrektive Rückkopplung (= Feedback) bezeichnen, bei dem sich beide Seiten gleichermaßen und wechselseitig in ihrem Verhalten beeinflussen. 4 Was versteht man jedoch unter einem „Fehler“? Diesbezüglich ist zunächst also eine Begriffsbestimmung als Bezugsnorm erforderlich.
Konkretisiert wird der „Fehler“-Begriff durch Döbler et al. (1989) als „verallgemeinerte Bezeichnung für Verstöße gegen [...] technische Ausführungsvorschriften von Spiel-handlungen, für Mängel in der angestrebten Bewegungsausführung oder auch taktisches Fehlverhalten. In den beiden zuerst genannten Fällen führen Fehler meist zu Spielunterbrechungen [...]“. 5 Diese Darlegungen werden von den Autoren sinnvollerweise noch weiter differenziert bzw. spezifiziert, indem z.B. der sog. technische Fehler Erwähnung findet. Dieser stelle die „Abweichung des Bewegungsablaufs [...] vom jeweiligen Technikmodell bzw. technischen Leitbild in einem Maße (dar), das die Qualität und Effektivität einer sportlichen Technik mindert. (Er) tritt in den Sportspielen vor allem unter Wettkampfanforderungen wie hohe physische und psychische Belastungen, der Realisierung technischer Anforderungen in speziellen und schwierigen taktischen Situationen bei harter gegnerischer Einflussnahme und ungünstigen äußeren Bedingungen auf. Technische Fehler führen häufig zu Ballverlusten, zu Spielunterbrechungen und verschaffen dem Gegner Vorteile [...]“. 6
Genau aus diesem Faktum heraus ergibt sich die evidente Bedeutung zur Korrektur (Verbesserung, Beseitigung) von Fehlern, um sich dem Gegner gegenüber Vorteile zu
3 An dieser Stelle sei noch einmal auf den im Vorwort erwähnten 85%-igen Anteil der Trainerhandlungen verwiesen.
4 Friedrich proklamiert: „Gute, weil erfolgreiche Trainer zeichnen sich auch und gerade in der Fehlerkorrektur durch ein kommunikatives Können aus!“ (Friedrich: Fehlerkorrektur, S. 13.)
5 Vgl. Anm. 2, S. 75.
6 Ebd. S. 76. (Hervorhebungen von mir, A.S.)
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verschaffen und nicht umgekehrt. Zur Korrektur von Fehlern lässt sich demgemäß festhalten, dass in hohem Maße die Art und Weise der Rückinformation entscheidend ist (also das WIE hinsichtlich Blickkontakt, Ton, Gestik und Mimik). Laut Friedrich (2003) sind die psychologischen, menschlichen und pädagogischen Aspekte der Korrektur gar genauso wichtig wie die fachliche Richtigkeit. Des Weiteren ist die Fehlerkorrektur prozessual zu begreifen und beginnt mit dem Beobachten der Bewegungen [1], setzt sich fort mit der Ursachenanalyse der Mängel oder Fehler [2] und endet letztlich mit der gleichnamigen Korrektur des Fehlers [3]. Winterboer (1999) stimmt grundsätzlich der Dreigliedrigkeit zu, differenziert den Verlauf jedoch in Bewegungsanalyse [1], die Planung der Korrektur [2] sowie die Durchführung der Bewegungskorrektur [3]. Grundvoraussetzung für eine solch hochkomplexe Trainertätigkeit ist zunächst, sich eine genaue Kenntnis der Schlagausführung anzueignen. Auch die Vielfalt an bereits gesammelten Erfahrungen spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Das Vokabular der Rückmeldung muss stets entsprechend der Auffassungsgabe des Sportlers adressatenangepasst gewählt werden. Insofern ist bei allen informativen Prozessen in der Konsequenz dieser Gesichtspunkte eine didaktische Aufbereitung von Nöten. Des Weiteren bedarf es vor der Verbalisierung stets eines genauen Abwägens der Information (dabei sollte der Sportler von einer „Informationsüberflutung“ verschont bleiben). Zur Häufigkeit der Hinweise soll an dieser Stelle auf Punkt 4.1. verwiesen werden - Friedrich (2003, S. 14) konstatiert dazu treffend: „Weniger ist mehr!“ Auch zu den Beobachtungsaspekten lassen sich allgemeine Gesichtspunkte hervorheben: Eine spielgemäße, ganzheitliche Vermittlung von Sportarten erfordert die Beobachtung der Gesamtbewegung. Davon zu unterscheiden ist die Möglichkeit zur Beobachtung einzelner Teile der Ausführung (das „Ganze“ vs. „Details“). 7 Der optische Faktor „Observation“ sollte jedoch stets durch weitere Informationskanäle gestützt werden: So wohnt der Akustik z.B. eine wichtige Funktion inne, um das Statement des Trainers kompetent „abzurunden“. Zur Fehlerermittlung führt der jeweilige Beobachter einen ständigen Soll-Istwert-Vergleich durch, wobei die reale Bewegungsausführung der sog. „Idealtechnik“ gegenübergestellt wird.
7 Friedrich und Blache schlagen zum Erlernen des Beobachtens folgenden Lehrweg vor: Zunächst sollten einfache Grundbewegungen beobachtet und verbal beschrieben werden, um dann schließlich einzelne Teile komplizierterer Gesamtbewegungen
separat herauszugreifen und intensiv zu beobachten (z.B. Gewichtsverlagerung, Ausholpunkt, Beinstellung usw.). Einen näch-
sten Schritt würde dann der Versuch zur Beobachtung und Korrektur zweier Spieler gleichzeitig darstellen. Im Weiteren käme
darüber hinaus die Konzentration auf die sog. Hauptfunktionsphase (Schläger-Ballkontakt) und dann erst die Fokussierung
anderer Funktionsphasen mit hinzu. Im Anschluss an jenes Prozedere wird durch die Autoren ein Vergleich der Fehlerkorrektur
mit anderen Kollegen empfohlen. Zum Schluss sollte dann die Erstellung einer Fehlerhierarchie erfolgen [mit dem Ergebnis der
Unterscheidung in Haupt- und Nebenfehler] (Friedrich / Blache: Tischtennis-Reader, S. 25f.).
5
3. Fehler im Tischtennissport
Als „Fehler“ bezeichnet man das nicht regelgerechte oder unvollständige Ausführen einer sportartspezifischen Technik. Insofern versteht sich ein solch technischer Fehler als eine Abweichung des Bewegungsablaufs vom jeweiligen Technikmodell bzw. technischen Leitbild (vgl. Wohlgefahrt 2004). Jene Abweichung (also die resultierende Differenz des Soll-Istwert-Vergleiches) mindert zumeist die Effektivität der angewandten sportlichen Technik. Dies wiederum begründet den hohen Stellenwert und die Notwendigkeit einer sinnvollen und zweckmäßigen Praktizierung von Fehlerkorrektur im Grundlagentraining. Da dieser Abschnitt u.a. die erste Etappe des langfristigen Leistungsaufbaus realisiert und es automatisierte Fehler (siehe Abb.1) präventiv zu minimieren gilt, ist die Korrekturtätigkeit in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen und sollte von Seiten des Trainers gut durchdacht und entsprechend „aufbereitet“ werden.
3.1. Typisierung von Fehlern
Abb. 1. Typisierung von Fehlern (Knappe/Hasenkrüger, 1984, S. 112 und Bremer, 1984, S. 108ff.) [entnommen aus Wohlgefahrt 2004, S. 87.]
Mit der Kenntnis von den in Abb.1 dargestellten Fehlerarten soll der Trainer zur „sensibilisierten“ Erkennung von Fehlern befähigt werden. Nur wer der vielfältigen Möglichkeiten kundig ist, kann die jeweiligen Ist-Techniken den unterschiedlichen Typen zuordnen, um daraus wiederum stringent und sinnvoll zu „selektieren“. Die Notwendigkeit zur Auslese begründet sich dadurch, dass sich der Betreuer vor der Frage nach dem WIE die Frage nach dem WAS stellen muss: Welche(r) Fehler soll(en) überhaupt
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Arbeit zitieren:
Annabelle Senff, 2006, Fehlerkorrektur im Tischtennis, München, GRIN Verlag GmbH
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