Behindertenarbeit am Beispiel des Reitsportes und Konsequenzen für die Arbeit im sonderpädagogischen Bereich
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 1
II Allgemeine Grundlagen - Reitsport für Menschen mit Handicap 2
1. Definitionen 2
1.1 Beeinträchtigungen 2
1.2 Behinderung (als schwerste Form der Beeinträchtigung) 2
1.3 Sonderpädagogik 3
2. Themenkomplex Therapeutisches Reiten 3
2.1. Hippotherapie 4
2.2. Heilpädagogisches Reiten und Heilpädagogisches Voltigieren 5
2.3. Behindertenreitsport 6
3. Therapeut und Sportpartner Pferd 8
3.1. Charakter des Pferdes 8
3.2. Ausbildung des Pferdes 9
4. Menschen mit Handicap 12
4.1 Körperbehinderungen 12
4.1.1 Sehbehinderungen 14
4.2 Geistige Behinderungen 14
5. Reiten als Sport für Behinderte 15
5.1. Reiten als Freizeitsport 16
5.2. Reiten als Leistungssport für Behinderte 16
5.3. Fahren als Sport für Behinderte 20
6. Fallbeispiel - Reiten mit Handicap 22
7. Konsequenzen für die sonderpädagogische Arbeit 25
8. Schlussbetrachtung 29
Quellenverzeichnis 30
I
Behindertenarbeit am Beispiel des Reitsportes und Konsequenzen für die Arbeit im sonderpädagogischen Bereich Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Schematische Darstellung der verschiedenen Bereiche im Therapeutischen Reiten, Quelle: http://www.rethagen-rt.de/uploads/pics/Diagramm_01.jpg .................................................................... 4 Abbildung 2: Dr. Angelika Trabert während des wöchentlichen Trainings mit ihrer 16jährigen Hannoveraner-Stute Walmorel im Reitstall Brähler, Herbstein; Foto:
Annika Schäfer ...................................................................................................... 7 Abbildung 3: Muskulatur des Pferdes; Nacken-Rückenband (schraffiert), Hals-
Bauchband (gepunktet), nach HEIPERTZ ............................................................. 10 Abbildung 4: Dr. Angelika Trabert und Walmorel, Quelle: www.angelika-trabert.de .. 23 Abbildung 5: Dr. Angelika Trabert und Walmorel während des Trainings im Januar
2011, Foto: Annika Schäfer ................................................................................ 24 Abbildung 6: Gertenhalter für Personen mit drei verkürzten Fingern ohne Mittelgelenke, ermöglicht den korrekten Einsatz einer Dressurgerte .................. 24
II
Behindertenarbeit am Beispiel des Reitsportes und Konsequenzen für die Arbeit im sonderpädagogischen Bereich
I Einleitung
Unsere Gesellschaft verfügt über eine Vielfalt von Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation jener, die ein „Handicap“ besitzen. Die Zahl der behinderten Menschen in Deutschland beträgt zum Ende des Jahres 2009 7,1 Millionen, dies entspricht 8,7 % der Bevölkerung 1 . Es gilt, diesen Menschen besondere Maßnahmen zukommen zu lassen, um ihre Lebensqualität aufzuwerten oder sie gar zur Führung eines selbstständigen Lebens zu befähigen. Dieser Aufgabe widmen sich zahlreiche Institutionen.
In Hippotherapie und Heilpädagogischem Reiten/Voltigieren kommen Medizin und Psychologie, sowie Pädagogik zusammen, um die therapeutische Wirkung des Pferdes zu nutzen. 2 Aber auch das Behindertenreiten bzw. der Reitsport, der von Menschen mit Handicap durchgeführt wird, macht sich diese besondere Wirkung, welche durch das Pferd erlangt wird, zunutze. Schon mehrfach haben Reiter, die eine Behinderung erfahren haben, auch nach ihrer Erkrankung den Reitsport wieder aufgenommen und große Erfolge erzielt. Aber auch Menschen, welche mit körperlichem oder geistigem Handicap geboren wurden, verzeichnen solche Erfolge. Reiten ermöglicht - im Gegensatz zu anderen Sportarten - eine hervorragende Integration von behinderten und nicht behinderten Reitsportlern, sei es während des Trainings, im sozialen Bereich oder auch bei Turnieren. In den folgenden Ausführungen werden Begrifflichkeiten geklärt, das Pferd als Therapeut dargestellt und verschiedene Spielarten des Reitens mit Handicap näher erläutert.
1
Behindertenarbeit am Beispiel des Reitsportes und Konsequenzen für die Arbeit im sonderpädagogischen Bereich
II Allgemeine Grundlagen - Reitsport für Menschen mit Handicap
1. Definitionen
1.1 Beeinträchtigungen
Beeinträchtigungen sind Erschwerungen verschiedenster Art und unterschiedlicher Intensität, die die Entwicklung eines Menschen beeinflussen können. Dabei können sie in verschiedenen Bereichen der Entwicklung auftreten. Man unterscheidet Beeinträchtigungen nach ihrem Schweregrad, nach dem Umfang und der Dauer. 3
1.2 Behinderung (als schwerste Form der Beeinträchtigung)
"Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistigen Fähigkeiten oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft beeinträchtigt ist", so die gesetzliche Definition von allen und somit auch von Körperbehinderungen nach § 2 Abs. 1 Sozialgesetzbuch IX. 4
Behinderung bezeichnet allgemein sowohl Schädigungen als auch Funktionsausfälle und -minderungen des Menschen, die seine Entwicklung zur selbstständigen und verantwortlichen Lebensführung beeinträchtigen und ihn gesellschaftlich im Vergleich zu den Gesunden graduell benachteiligen oder hilfsbedürftig machen. Behinderungen können in verschiedenen Bereichen der Entwicklung auftreten, zum Beispiel im körperlichen, motorischen, geistigen, emotionalen und/oder sozialen Bereich. 5
Bleidick, ein deutscher Heilpädagoge, definiert Behinderung wie folgt: „Als behindert gelten Personen, die infolge einer Schädigung ihrer körperlichen, geistigen oder seelischen Funktionen soweit beeinträchtigt sind, dass ihre unmittelbaren Lebensverrichtungen oder ihre Teilhabe am Leben der Gesellschaft erschwert werden.“ 6
2
Behindertenarbeit am Beispiel des Reitsportes und Konsequenzen für die Arbeit im sonderpädagogischen Bereich
1.3 Sonderpädagogik
Die Sonderpädagogik ist ein Teilbereich allgemeiner
pädagogischer Theorie und Praxis. Sie beschäftigt sich mit Menschen, die einen besonderen Förderbedarf aufweisen, um ihr Recht auf eine, ihren Möglichkeiten entsprechende, schulische Bildung und Erziehung zu verwirklichen. Die
Sonderpädagogik unterstützt und begleitet die Menschen mit Förderbedarf durch individuelle Hilfen, um für diese ein möglichst großes Maß an schulischer und beruflicher Eingliederung, gesellschaftlicher Teilhabe und selbstständiger
Lebensgestaltung zu erlangen. Ihr Ziel liegt außerdem in der Erforschung und Verbesserung der auf die zu Erziehenden gerichteten Maßnahmen. 7
2. Themenkomplex Therapeutisches Reiten
Eine Abgrenzung des „Therapeutischen Reitens“ vom „Reiten als Behindertensport“ ist zwingend erforderlich, weil die Voraussetzungen und der Personenkreis sich deutlich unterscheiden.
Da in dieser Arbeit der Schwerpunkt auf dem Reitsport liegt, werde ich auf das komplexe Thema „Therapeutisches Reiten“ nicht ausführlich eingehen. Jedoch soll es auch knapp beschrieben werden, da oftmals „Reiten als Therapie“ die Basis für den aktiven Reitsport für Menschen mit Behinderung darstellt und diese nicht selten eng mit dem Therapeut Pferd verbunden hat.
Abbildung 1 verdeutlicht, dass Medizin, Psychologie, Pädagogik und Pferdesport sich in einigen Bereichen überlappen und über verschiedene Brücken mit dem Pferd einen Bewegungsdialog und eine Beziehungsgestaltung aufbauen können.
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Behindertenarbeit am Beispiel des Reitsportes und Konsequenzen für die Arbeit im sonderpädagogischen Bereich
Abbildung 1: Schematische Darstellung der verschiedenen Bereiche im Therapeutischen Reiten, Quelle: http://www.rethagen-rt.de/uploads/pics/Diagramm_01.jpg
2.1. Hippotherapie
Hippotherapie ist eine spezielle physiotherapeutische, ärztlich verordnete und überwachte bewegungstherapeutische Maßnahme, die sich der Bewegung des Pferdes als therapeutisches Medium bedient. 8
Sie gilt als eine krankengymnastische Einzelbehandlungsmaßnahme, die in ein physiotherapeutisches Gesamtbehandlungskonzept eingebunden sein sollte. Hippotherapie wird grundsätzlich vom Arzt verordnet und von Physiotherapeuten mit der beruflichen Zusatzausbildung Hippotherapie des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten e.V. (DKThR) in Warendorf mit speziell dafür ausgebildeten Pferden durchgeführt. Diese Therapiepferde werden jeweils von einem Pferdeführer am Langzügel oder auch an der Longe im Schritt und auf genaue Anweisung der Physiotherapeuten geführt. Der begleitende Physiotherapeut macht sich dabei die therapeutisch besonders wertvollen dreidimensionalen Schwingungsimpulse des Pferderückens sowie die Zentrifugal-, Beschleunigungs- und Bremskräfte zu Nutze, die auf den Patienten einwirken. Das Pferd überträgt auf den Rumpf des aufrecht sitzenden Patienten etwa 90-110 dreidimensionale Schwingungsimpulse pro Minute, die fast identisch mit dem Bewegungsablauf des Gehens eines durchschnittlichen Erwachsenen sind. Die Hippotherapie bietet dabei wie keine andere Behandlungsmethode Menschen mit unterschiedlichsten neurologischen
4
Arbeit zitieren:
Annika Schäfer, 2011, Behindertenarbeit am Beispiel des Reitsportes und Konsequenzen für die Arbeit im sonderpädagogischen Bereich, München, GRIN Verlag GmbH
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