Alles ist Kultur. Zu diesem Schluss gelangt man unweigerlich allein in Anbetracht der Vielzahl von Worten, welche das Suffix „Kultur“ tragen. Da gibt es Wohnkultur, Esskultur, Popkultur, Unternehmenskultur, Streitkultur. Es scheint fast so, als könne man jeden beliebigen Begriff zu einem Kulturgegenstand machen. Laut UNESCO ist eine vereinfachte Einteilung die Kulturfelder „Politik, Bildung, Gesellschaft und Ökonomie“ nicht ausreichend. Denn befragt man die Hüterin der sogenannten 1
Weltkultur, so stellt sich der Kulturbegriff als ein weites Feld dar: „Kultur [kann] in ihrem weitesten Sinne als die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden […], die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Dies schließt nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die
Grundrechte des Menschen, Wertsysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen;[ein]“ 2
Wir sind also auf Schritt und Tritt von Kultur umgeben - egal was wir tun, alles trägt zu Manifestation und Bildung unserer Kultur bei. Bewusst oder unbewusst, Kultur scheint unseren Alltag zu prägen und unser Alltag prägt
unsere Kultur. Man könnte annehmen, dass genau dies die Schwachstelle der Kulturvermittlung ist - dass Kultur so allgegenwärtig ist, dass wir ihre Anwesenheit weder wahrnehmen, noch zu schätzen wissen.
In diesem Zusammenhang drängt sich die Frage auf, ob Kulturevents ein möglicher Ausweg aus dem Dilemma sein könnten. In der gängigen Bedeutung, haftet dem Begriff „Event“ etwas Besonderes an 3 , was dazu verleitet, Events als
etwas zu betrachtet, was aus unserem Alltag hervorsticht und an einem außergewöhnlichen Ort stattfindet.
Wenn man nun aber davon ausgeht, dass unsere Kultur auch Produkt unseres Alltages ist, so bemerkt man, dass das Kulturevent ganz klar von diesem Gedanken abgegrenzt werden muss, da es sonst nur logisches Resultat - und somit unspektakulärer Teil - unseres Alltages wäre 4
Tatsche ist, es gibt Kulturevents. Betrachtet man die unterschiedlichen Herangehensweisen an diese Begriffsdefinition, fällt auf, dass selten die in meinen Augen wichtigste Frage beantwortet wird: die Frage nach dem Zweck solcher Veranstaltungen. Warum gibt es Kulturevents? Sind sie nur ein weiterer Bestandteil unseres Alltages, unserer banalen Wünsche und Bedürfnisse, oder sind sie ein Mittel um aktiv auf Kultur aufmerksam zu machen?
Aus dieser Fragestellung heraus ergab sich für mich der Anlass, Kulturevents auf ihren Zweck hin zu systematisieren.
2.2. SYSTEMATISIERUNG NACH DEM ZWECKE
Voraussetzung für die adäquate Systematisierung von Kulturevents ist eine klare Definition von „Kultur“. Es gibt je nach Disziplin unterschiedliche Auslegungen, die sich auf unterschiedliche Teilbereiche des von der UNESCO definierten Kulturbegriffes stützen. Die soziologische Definition, welche Kultur als Lebensform betrachtet oder gar den etymologischen Ansatz, welcher den geschichtlichen 5
Ursprung des Wortes vom lateinischen „colere“ aus dem Bereich der
, zu verwenden erscheint Landwirtschaft für die Kulturbegriffsdefinition gebraucht 6 hier unzweckmäßig.
Da Kulturevents in dieser Arbeit in einem betriebswirtschaftlichen Kontext stehen, werde ich im Folgenden den Kulturbegriff verwenden, welchen Manfred Bruhn in seinem Buch über Kultursponsoring nennt, denn sie entspricht am ehesten dem Verständnis von Kultur im populären Sprachgebrauch, wo meistens von den „künstlerischen Ausdrucksformen Bildende[r] und Darstellende[r] Kunst, Musik und Literatur“ 7 ausgegangen wird.
2.2.1.
Unabhängig von der Art des Events gibt es immer drei Beteiligte, die zwangsläufig involviert sind, und ohne die es keine Kulturevents gäbe: Die Veranstalter, die Kulturschaffenden und das Publikum. Alle haben sie ihre eigenen Gründe weshalb sie an Kulturevents partizipieren, welche das sind, möchte ich im Folgenden umreißen. Die Liste möglicher Kulturevents ist lang, und die der potentiellen Veranstaltern noch länger, doch der Umfang dieser Arbeit lässt nicht zu, auf jeden Teilnehmer einzeln einzugehen, so dass die nun genannten Beispiele als exemplarisch zu betrachten sind.
Beweggründe der Veranstalter
Kommunen, Länder und der Staat fördern Kultur und entdecken immer neue Wege ihr zu Beliebtheit zu verhelfen. Seien es Weinfeste, eine Lange Nacht der Museen, Konzerte oder Messen. Was auf den ersten Blick nach einem Verlustgeschäft im Namen der Volksbildung aussieht, hat aber im Endeffekt ein bestimmtes Ziel: die Generierung von Einnahmen. Ein Stadtfest kurbelt die lokale Gastronomie an, Besucher der Kulturnacht mieten sich in örtlichen Hotels ein, Konzerte und andere Angebote machen die Stadt attraktiv für potentielle - steuerzahlende - Einwohner. Doch selbstverständlich darf nun nicht voreilig darauf geschlossen werden, die Politik wolle nur Standortmarketing betreiben. In vielen Verfassungen steht die
Kulturförderung und Ermöglichung von kultureller Bildung festgeschrieben 8
woraus sich auch ideologische Beweggründe ergeben, womit die öffentliche Hand eine Sonderstellung unter den Veranstaltern einnimmt. Wenn Galerien Ausstellungen organisieren, Bars Poetry Slams in ihr Programm aufnehmen,
Arbeit zitieren:
Michaela Strobel, 2011, Systematisierung von Sport-, Kultur- und TV-Events, München, GRIN Verlag GmbH
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