Inhalt
Abk ürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis V
1. Einführung ins Thema 6
2. Ziel der Arbeit 8
3. Grundlagen der Immobilien Due Diligence 9
4. Rechtliche Due Diligence 14
4.1. Exkurs: Denkmalschutz und Denkmalpflege 17
4.2. Prüfraster rechtliche Due Diligence 21
5. Wirtschaftliche Due Diligence 23
5.1. Steuerliche Due Diligence 29
5.2. Prüfraster wirtschaftliche Due Diligence 32
6. Technische Gebäudezustandserfassung 34
6.1. Technische Due Diligence allgemein 34
6.2. Umweltrelevante Prüfung 35
6.2.1. Prüfraster Umwelt Due Diligence 38
6.3. Formale Untersuchung 39
6.4. Physische Untersuchung 42
6.5. Gutachten zur technischen Untersuchung von Gewerbeobjekten 44
6.5.1. Mindestanforderungen an Gutachten 45
6.6. Grobkostenschätzung zur Mängelbeseitigung 51
6.7. Prüfraster technische Due Diligence 54
7. Finanzielle Due Diligence als zusammenfassendes Instrument 58
8. Due Diligence Berichterstattung 60
9. Fazit 63
Literaturverzeichnis VI
II
Abkürzungsverzeichnis
Abs.!
AfA !
AG!
AHO!
Art.!
BauGB! Baugesetzbuch
BFH! Bundesfinanzhof
BGF!
BMZ!
bzw.!
DIN!
DIW!
Dr.!
EnEV!
ESt!
EuGH!
f!
ff!
GbR!
GdW!
GewSt!
gif!
GmbH!
GmbH & Co. KG! Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Compagnie
GrESt!
GrSt! Grundsteuer
HHW! Höchstes Hochwasser
IfG!
IfS!
ImmoWertV!
inkl.!
iSt.! Institut für immobilienwirtschaftliche Studien
IT! Information und Telekommunikation
III
IVD! Immobilienverband Deutschland
K.O.!
KMF! Künstliche Mineralfasern
M&A!
Nr.!
PCB!
PCP!
psch.!
RWA!
S.!
Tab.! Tabelle
TGA
u.a.
USt! Umsatzsteuer
usw.!
VVG!
z.B.!
Ziff.!
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Ausgangssituation der Projektentwicklung 9
Abbildung 2: Transaktionsprozess mit Immobilien Due Diligence 11
Abbildung 3: Immobilien Due Diligence aus Sicht des langfristig denkenden Investors 25 Abbildung 4: Informationen in der Entscheidungstheorie 40
Abbildung 5: Nachvollziehbarkeit des Gutachtens 45
Abbildung 6: Beschaffung von Informationen für ein Gutachten 47
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Unternehmensexterne Informationsquellen zur Standort- und Marktanalyse 27f Tabelle 2: Besitz und Verkehrssteuern im Bereich der Immobilienwirtschaft 29
Tabelle 3: Verwendungsverbote relevanter Gebäudeschadstoffe in der BRD 37
Tabelle 4: Darstellung der Grobkostenschätzung nach Gewerken 52
V
1. Einführung ins Thema
Immobilien stellen sowohl für private Wohnungskäufer als auch für Erwerber gewerblicher Objekte grundsätzlich knappe und somit meist hochpreisige Produkte dar. Ein vorschneller Kauf oder Verkauf einer Immobilie kann, bei ungenügender Sorgfalt, schnell zum finanziellen Desaster von einzelnen Personen oder ganzen Unternehmen werden. Auch das viel diskutierte Thema der Managerhaftung sei in diesem Zusammenhang erwähnt. 1
Gerade bei einer Nutzungsänderung von vorhandener Bausubstanz ist die klassische Sachwertermittlung als stützendes Verfahren der Verkehrswertermittlung zwar notwendig, meist aber nicht ausreichend. 2 Wird beispielsweise der Kauf eines Objektes näher betrachtet, ist es von besonderem Interesse, nicht nur die Substanz an sich, sondern den daraus für den Käufer resultierenden Nutzen zu bewerten. "Substanz substituiert künftige Ausgaben". 3 Eine genaue und sorgsame Erfassung sowie Bewertung der vorhandenen Bausubstanz gibt nunmehr deutlich Aufschluss über künftige Folgekosten des Objektes und stellt somit auch eine wesentliche Grundlage für die Investitionsrechnung dar. Zudem sind dann die jeweils unterschiedlichen Intensionen des Käufers zu berücksichtigen, die bisherige Substanz auch zukünftig nutzen zu wollen. Hier entstehen neue Sichtweisen auf den objektivierten Substanzwert, die keinesfalls vernachlässigt werden dürfen. 4
Allein diese Betrachtung der reinen technischen Seite eines Objektes verdeutlicht die Komplexität einer Ankaufsprüfung von Immobilien. Hinzu kommt die notwendige Beschaffung von Informationen zum rechtlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Zustand der Immobilie.
1 hierzu auch Hellerforth, Michaela: Due Diligence für Industrieimmobilien, 2004, S. 46 ff in: Lutz, Ulrich;
Galenza, Kerstin: Industrielles Facility Management, Springer Verlag, Berlin, 2004, S. 27-49 sowie
Knöfler, Kathrin: Rechtliche Auswirkungen der Due Diligence bei Unternehmensakquisitionen, Peter Lang
Verlag, Frankfurt am Main, 2001, S. 271ff.
2 Vgl. Strotkamp, Hans-Peter: Vortrag "Ist die Sachwertermittlung noch zeitgemäß?", S. 64, in: Sprengnetter, 17.
Jahreskongress "Immobilienbewertung" Manuskripte, Berlin, 2009.
3 Hommel, Michael; Dehmel, Inga: Unternehmensbewertung case by case, 5. überarbeitete und aktualisierte
Auflage, Verlag Recht und Wirtschaft, Frankfurt am Main, 2010, S. 58.
4 Vgl. Hommel, Michael; Dehmel, Inga: Unternehmensbewertung case by case, 5. überarbeitete und aktualisierte
Auflage, Verlag Recht und Wirtschaft, Frankfurt am Main, 2010, S. 58.
6
Eine Einbeziehung von Fachleuten mit spezifischen Kenntnissen der Branche oder des entsprechenden Themengebietes, wie zum Beispiel Architekten, Bausachverständigen, Gutachtern oder professionellen Immobilienprojektentwicklern, trägt klar dazu bei, Chancen und Risiken einer Immobilie umfassend zu erkennen und zu analysieren. Darauf aufbauend können von vornherein in den Vertragsverhandlungen objektspezifische Besonderheiten berücksichtigt und der neuen Nutzung entsprechend gewürdigt werden.
Somit bildet eine sorgsame Prüfung von nicht nur objektgebundenen Merkmalen gerade in der Immobilienwirtschaft die Grundlage für anstehende Investitionsentscheidungen. Diese Sorgfaltspflicht bzw. die erforderliche Anstrengung bei der Analyse von Investitionen, Objekt- und Unternehmenskäufen, Fusionen oder Börsengängen wird allgemein Due Diligence genannt. Mangels treffenderer Übersetzungen bedient man sich heute in Deutschland, genau wie im restlichen Europa, dem angloamerikanischen Terminus der Due Diligence. 5
Speziell die Immobilien Due Diligence hat die detaillierte und systematische Beschaffung, Analyse und Aufbereitung von Informationen inklusive deren Bewertung zu einer oder mehreren Immobilien zum Ziel. 6 Eine solche fundierte Prüfung der maßgeblichen Chancen und Risiken des Transaktionsprozesses findet grundsätzlich vor den Vertragsverhandlungen statt und hat als Ergebnis wertrelevante Informationen zur Stärkung der Verhandlungsposition zur Folge. Investitionsentscheidungen werden damit transparenter, der Entscheidungsprozess wird verkürzt. 7
Mit einer solchen sorgsamen Prüfung der Objektsituation werden also die Grundsätze der Wahrheit und der Vollständigkeit befolgt. Durch die Schaffung von Aufzeichnungen über die
5 Vgl. Eder, Georg: Erfolgsfaktor Due Diligence Prüfung, VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken, 2006, S. 15.
6 Vgl. Brüesch, Reto: Due Diligence Real Estate, Schwerpunkte in der Praxis, Masterthesis, Zürich, 2009, S. 8;
o.V.: Technical Due Diligence, Ingenieurversicherung, 17.03.2011, http://www.ingenieurversicherung.de/
content/technical-due-diligence sowie
Bock, Jens: Due Diligence bei der Akquisition von gewerblichen Immobilienprojekten, S. 211, in: Schulte, Karl-
Werner; Bone-Winkel, Stephan: Immobilienprojektentwicklung, 3. Auflage, Immobilien Manager Verlag, Köln,
2008, S. 211-231.
7 Vgl. Beisel, Daniel; Andreas, Friedhold E.: Beck'sches Mandatshandbuch Due Diligence, Verlag C.H. Beck,
München, 2007, S. 12f.
7
Prüfung des Objektes und möglicher Risiken dient die Due Diligence somit auch als Entlastungsbeweis. 8
2. Ziel der Arbeit
Absicht dieser Arbeit ist es, ein Prüfraster zur Zustandserfassung von Gewerbeobjekten zu erstellen und hierfür eine Form der Gutachtenerstellung sowie die Möglichkeiten der Berichterstattung aufzuzeigen. Das Ergebnis soll dabei nicht nur theoretisch plausibel, sondern vielmehr für den Immobilienprojektentwickler praktisch anwendbar sein. Dabei wird der Zusammenhang von objektspezifischem Zustand, der beabsichtigten zukünftigen Nutzung sowie deren Auswirkung auf die entsprechende Investitionsentscheidung verdeutlicht. Somit wird aufgezeigt, wie höchst individuell eine Sorgfaltsprüfung gerade heute im Bereich der Immobilienwirtschaft zu sein hat. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt dabei bei der technischen Due Diligence.
Um die Einordnung der technischen Zustandserfassung innerhalb der Immobilien Due Diligence aufzuzeigen, wird zunächst auf die, aus der Transaktion entstehenden Folgen eingegangen. Dies beinhaltet sowohl die Beurteilung wirtschaftlicher als auch rechtlicher Risiken. Dabei ist auch hier jedem Teilbereich ein Prüfraster angehängt. Besonders beim Prüfraster der technischen Due Diligence, gilt es zu beachten, dass es sich um ein umfangreiches, detailliertes Muster für Gewerbeimmobilien handelt. Es werden darin nicht, wie in einschlägiger Literatur üblich, lediglich zu prüfende Unterlagen, sondern exakt zu bearbeitende Themen und Prüfpunkte abgebildet. Somit wird eine umfangreiche und inhaltlich fundierte Grundlage geschaffen, aus der sich konkrete Anforderungslisten für das jeweilige Projekt individuell erstellen lassen.
Grundlagen der Immobilienwirtschaft werden vorausgesetzt und nur dann kurz erläutert, wenn es wirklich erforderlich ist.
8 Vgl. Eder, Georg: Erfolgsfaktor Due Diligence Prüfung, VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken, 2006, S. 16.
8
3. Grundlagen der Immobilien Due Diligence
Bevor es zu einer Ankaufsprüfung von Immobilien im Rahmen der Projektentwicklung kommt, ist es zunächst notwendig, die grundlegend möglichen Ausgangssituationen der Immobilienprojektentwicklung zu betrachten.
Drei mögliche Ausgangssituationen lassen sich unterscheiden:
Der Standort ist gegeben, die Projektidee ist zu entwickeln und notwendiges • ! Kapital zu beschaffen.
Die Projektidee ist (vor-)gegeben, Standort und Kapital sind zu finden. •
Das Kapital ist gegeben, Projektidee und Standort sind zu finden. •
Abbildung 1: Ausgangssituation der Projektentwicklung 9
9 Vgl. Greber, Agnes: Projektentwicklung und -realisierung, S. 6 in: Europäische Immobilien Akademie
Saarbrücken e.V.: Immobilien-Projektentwicklung, Seminarunterlagen, 2009 sowie
Pfnür, Andreas: Modernes Immobilienmanagement, Facility Management, Corporate Real Estate Management
und Real Estate Investment Management, 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Springer Verlag, 2004, S.167f.
9
Es müssen, egal welche Ausgangssituation zu Grunde liegt, erhebliche Informationsmengen in Bezug auf ihre Wertrelevanz hin untersucht werden. "Je komplexer und großvolumiger der Transaktionsgegenstand ist, desto aufwendiger muss die Informationsaufbereitung betrieben werden." 10 Somit wird der Schwerpunkt der Immobilien Due Diligence nicht nur durch den Informationsbedarf des Auftraggebers, sondern insbesondere durch die Komplexität und das Volumen der geplanten Transaktion sowie den jeweiligen Zeit- und Kostenrahmen bestimmt. 11
Ziele sind hier eine Verdeutlichung des Risikobewusstseins, die Risikominimierung, aber auch die Aufdeckung von Chancen. Ebenso werden Kostenverursacher erkannt, Deal Breaker offengelegt und Zukunftsperspektiven eröffnet. 12 Die Immobilien Due Diligence kanalisiert eben diesen Prozess und fokussiert auf seine wesentlichen Bestandteile. Als Ergebnis erhält der Auftraggeber Verhandlungsgrundlagen zur Investitionsentscheidung bzw. zur Kaufpreisfindung in Form eines Berichtes bzw. eines Gutachtens und gewinnt Erkenntnisse über zukünftige Pflichten und Aufgaben.
Je nach Eigenschaften des zu prüfenden Objektes erlaubt dann ein modularer Prozess, einzelne Analysen parallel zueinander durchzuführen. Diese können nach Belieben gegliedert werden, ergänzen sich jedoch gegenseitig und bilden letztendlich eine zusammenfassende Risikovoruntersuchung und sollten daher seriös und professionell durchgeführt werden. 13 Zur Verdeutlichung wird die Einbindung der Immobilien Due Diligence innerhalb des Transaktionsprozesses beispielhaft in Abbildung 2 dargestellt.
10 Holz, Ingo H.; Jacobi, Jens J.: Wirtschaftlichkeitsbetrachtung im Rahmen von Due-Diligence-Prozessen bei
Spezialimmobilien aus Sicht eines Projektentwicklers, S. 66, in: Bienert, Sven: Bewertung von
Spezialimmobilien, Risiken, Benchmarks und Methoden, 1. Auflage, Gabler Verlag, Wiesbaden, 2005.
11 Vgl. Bock, Jens: Due Diligence bei der Akquisition von gewerblichen Immobilienprojekten, S. 211, in:
Schulte, Karl-Werner; Bone-Winkel, Stephan: Immobilienprojektentwicklung, 3. Auflage, Immobilien Manager
Verlag, Köln, 2008, S. 211-231 sowie
Berens, Wolfgang; Strauch, Joachim: Due Diligence bei Unternehmensakquisitionen - eine empirische
Untersuchung, Band 1, Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main, 2002, S. 5.
12 Vgl. Schultheiß, Tobias: 100 Immobilienkennzahlen, Cometis Verlag, Wiesbaden, 2009, S. 151.
13 Vgl. Brüesch, Reto: Due Diligence Real Estate, Schwerpunkte in der Praxis, Masterthesis, Zürich, 2009, S. 21
sowie
Keck, Lothar E.: Risikovoruntersuchung, Technischen Zustand prüfen, Risiken absichern, in: Immobilien
Zeitung Nr. 39-40 vom 30.09.2010, S. 63.
10
Abbildung 2: Transaktionsprozess mit Immobilien Due Diligence 14
Die hier gewählte Einteilung einzelner Bereiche der Immobilien Due Diligence folgt nicht der mehr zersplitterten Gliederung anderer Autoren. 15 Grund hierfür ist die nicht eindeutig mögliche Zuordnung einzelner Teilbereiche, wie z.B. der Umwelt- und Steueranalysen. Beide werden vollständig im Rahmen der rechtlichen, wirtschaftlichen und technischen Sorgfaltspflicht geprüft und somit bei gewissenhafter Arbeit vollständig abgedeckt. Sie sind somit nicht zwingend eigenständige Bereiche der Immobilien Due Diligence.
Dagegen stellt die finanzielle Due Diligence einen deutlich selbstständigeren und umfangreicheren Punkt der Analyse dar. Es fließen dabei zwangsläufig alle finanzwirksamen Prüfergebnisse der anderen Bereiche zusammen, diese reichen jedoch längst nicht für eine ausgiebige Finanzanalyse aus. Neben der zusammenfassenden Funktion sind hier zusätzliche eigenständige zahlungswirksame Faktoren zu ermitteln. Dies hebt die finanzielle Due
14 eigene Darstellung
15 beispielsweise Schultheiß, Tobias: 100 Immobilienkennzahlen, Cometis Verlag, Wiesbaden, 2009, S. 151
sowie o.V.: Technical Due Diligence, Ingenieurversicherung, 17.03.2011, http://www.ingenieurversicherung.de/
content/technical-due-diligence.
11
Diligence gegenüber den anderen Bereichen hervor, sie ist Grundlage der Investitionsentscheidung. 16
Um den zeitlichen bzw. organisatorischen Ablauf einer Immobilien Due Diligence und entsprechende Kommunikationsvoraussetzungen aufzuzeigen, kann diese vereinfacht in verschiedene Phasen gegliedert werden.
In der Phase der Planung ist zunächst durch den Auftraggeber eine Beschreibung des Anlasses und des Umfanges der Sorgfaltsprüfung zu erfassen bzw. festzulegen. Schon hier gilt es, sich möglichst frühzeitig umfassende Kenntnisse zum Objekt zu verschaffen und eindeutige Analyseschwerpunkte zu ermitteln. Um einen reibungslosen Ablauf der gesamten Prüfung zu gewährleisten, ist in dieser Phase nicht nur eine Abstimmung des Vorgehens innerhalb des Due Diligence Teams, sondern insbesondere zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer nötig. Dies beinhaltet auch eine Einigung bezüglich des Zeit-, Kosten- und Honorarrahmens. Deal Breaker sowie das weitere Vorgehen bei deren Vorliegen sind hier schon eindeutig festzulegen. 17
Während der Durchführung der Sorgfaltsprüfung sind regelmäßige Mitteilungen der Zwischenergebnisse an alle Beteiligten erforderlich. Eine detaillierte Rücksprache bei anstehenden Änderungen des Prüfungsablaufs, bei Verlagerungen der Analyseschwerpunkte oder zeitlichen, personellen bzw. kostentechnischen Engpässen sorgt dabei für eine erhöhte Transparenz des jeweiligen Vorganges. Vorschläge zur Verbesserung der Prüfungsqualität oder der Zielrichtung der Untersuchung sind gerade hier durchaus angebracht und sollten gefördert werden. Wünsche und Vorstellungen des potentiellen Käufers stehen hier im Mittelpunkt. 18
In der Abschlussphase der Due Diligence erfolgt schließlich die Mitteilung der Abschlußergebnisse inklusive einer Aufstellung aller erkannten Risiken mit entsprechenden Lösungsvorschlägen. Zeit- und Kostenrahmen der Mängelbeseitigung sind hier im Rahmen einer Schätzung anzugeben. Ebenso sind die Chancen des Objektes aufzuzeigen und im
16 Vgl. Berens, Wolfgang; Strauch, Joachim: Due Diligence bei Unternehmensakquisitionen - eine empirische
Untersuchung, Band 1, Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main, 2002, S. 123.
17 Vgl. Eder, Georg: Erfolgsfaktor Due Diligence Prüfung, VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken, 2006, S. 20.
18 Vgl. Gehrmann, Cornelius: Due Diligence, eine Risikoanalyse in der Post-Merger Integrationsphase, VDM
Verlag Dr. Müller, Saarbrücken, 2006, S. 67f.
12
Rahmen eines offenen Dialoges sowohl positive als auch negative Kritik zur Qualität der Untersuchung zu nennen. 19
Eine allgemeine Vorgehensweise bei der Immobilien Due Diligence kann vereinfacht durch folgendes Konzept dargestellt werden: 20
Formulierung von Kriterien / Deal Breakern, bei deren Vorliegen der Prozess • ! sofort beendet wird, Vorgabe der notwendigen Datenverarbeitung, •
Beschaffung und Aufbereitung der erforderlichen Unterlagen, •
Durchführung der notwendigen Analysen nach Maßgabe des Auftraggebers und •
Verknüpfung mit den Ergebnissen der Analysen anderer Bereiche, 21 Entwicklung möglicher Strategien, abhängig von der Planung des Investors inklusive •
eines Zeit- und Kostenrahmens,
Erstellen der Dokumentation / eines Due Diligence Berichtes. •
Im Folgenden werden die erforderlichen Teilbereiche der Immobilien Due Diligence aufgezeigt und die jeweils zu berücksichtigenden Faktoren in Form eines Prüfrasters zusammengefasst.
19 Vgl. Hellerforth, Michaela: Due Diligence für Industrieimmobilien, 2004, S. 40 in: Lutz, Ulrich; Galenza,
Kerstin: Industrielles Facility Management, Springer Verlag, Berlin, 2004, S. 27-49.
20 Vgl. Hellerforth, Michaela: Due Diligence für Industrieimmobilien, 2004, S. 44 in: Lutz, Ulrich; Galenza,
Kerstin: Industrielles Facility Management, Springer Verlag, Berlin, 2004, S. 27-49;
Berens, Wolfgang; Strauch, Joachim: Due Diligence bei Unternehmensakquisitionen - eine empirische
Untersuchung, Band 1, Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main, 2002, S. 103 sowie
Niewerth, Johannes; Steinke, Christian: Immobilienbewertung, Verkäufer-Due Diligence: So geht's, in
Immobilien Zeitung Nr. 14 vom 03.07.2003, S. 11.
21 für die Datenanalyse und die Ergebnisinterpretation ist ein Großteil der Zeit aufzuwenden,
Vgl. Tegtmeyer, Ralf; Gürtler, Volkhard: Forum Gebäudemanagement an Hochschulen, HIS Hochschul
Informations System GmbH, Hannover, 2009, S. 172.
13
4. Rechtliche Due Diligence
Als wesentlicher Schritt im Rahmen der Immobilienprojektentwicklung zählt die Prüfung der rechtlichen Situation des Objektes. Hier werden sämtliche rechtlich relevanten Informationen des Objektes und der Transaktion erfasst und bewertet. Die Art der Transaktion bestimmt dabei wesentlich den Umfang der rechtlichen (legal) Due Diligence und die Folgen des Eintritts des Käufers in Risikopositionen. Es entstehen üblicherweise unterschiedliche rechtliche Folgen einer Transaktion für den Käufer je nach Kaufgegenstand - als Geschäftsanteile beim Share Deal bzw. die Immobilie selbst beim Asset Deal. 22
Die baurechtliche Zulässigkeit des geplanten Projektes ist entscheidend für den Wert des Grundstückes bzw. der sich darauf befindlichen Bebauung. Der Bebauungsplan zeigt anhand von Vorgaben und Ausnutzungskennziffern Art und Maß der zulässigen Bebauung auf. 23 Liegt kein Bebauungsplan vor, "muss geprüft werden, ob gemäß § 34 BauGB in Anlehnung an die umgebende Bebauung das Vorhaben errichtet werden kann." 24 Weiterhin kann in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden ein reguläres Bebauungsplanverfahren, aber auch ein Vorhaben- und Erschließungsplan erstellt werden. Städtebauliche Richtlinien sind hier zu hinterfragen, gerade bei der Entwicklung von Sonderimmobilien. 25
Die Prüfung des aktuellen Grundbuchauszuges verschafft den Nachweis über Eigentümer sowie Lasten und Beschränkungen des Grundstückes. Das Grundbuch ist somit ein amtliches Register, das die Rechtsverhältnisse eines Grundstückes der Öffentlichkeit darlegt, es genießt
22 Vgl. Bock, Jens: Due Diligence bei der Akquisition von gewerblichen Immobilienprojekten, S. 215, in:
Schulte, Karl-Werner; Bone-Winkel, Stephan: Immobilienprojektentwicklung, 3. Auflage, Immobilien Manager
Verlag, Köln, 2008, S. 211-231, sowie
Knöfler, Kathrin: Rechtliche Auswirkungen der Due Diligence bei Unternehmensakquisitionen, Peter Lang
Verlag, Frankfurt am Main, 2001 S. 37 ff.
23 Vgl. Sailer, Erwin; Grabener, Henning J.; Matzen, Ulf: Immobilienfachwissen von A-Z, 9. Auflage, Grabener
Verlag, Kiel, 2010 / 2011, S. 79 sowie
Sommer, Goetz; Kröll, Ralf: Lehrbuch zur Immobilienbewertung unter Berücksichtigung der ImmoWertV 2010,
3. Auflage, Werner Verlag, Köln, 2010, S. 101ff.
24 Greber, Agnes: Projektentwicklung und -realisierung, S. 16, in: Europäische Immobilien Akademie
Saarbrücken e.V.: Immobilien-Projektentwicklung, Seminarunterlagen, 2009.
25 Vgl. Holz, Ingo H.; Jacobi, Jens J.: Wirtschaftlichkeitsbetrachtung im Rahmen von Due-Diligence-Prozessen
bei Spezialimmobilien aus Sicht eines Projektentwicklers, S. 74, in: Bienert, Sven: Bewertung von
Spezialimmobilien, Risiken, Benchmarks und Methoden, 1. Auflage, Gabler Verlag, Wiesbaden, 2005 sowie
Keck, Lothar E.: Risikovoruntersuchung, Vertrauen ist gut, doch Kontrolle ist besser, in: Immobilien Zeitung Nr.
41 vom 14.10.2010, S. 18.
14
Arbeit zitieren:
Diplom-Kaufmann Immo Kramer, 2011, Immobilien Due Diligence als Vorbereitung des Erwerbes von Gewerbeimmobilien in den Bestand, München, GRIN Verlag GmbH
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