Christian August Fürst von Anhalt-Zerbst (1690-1747). Porträt des französischen Malers Antoine Pesne (1683-1757) von 1725.
Original im Museum Eremitage, Sankt Petersburg, Russland
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Katharina II. die Große
Die Deutsche auf dem Zarenthron
Russlands bedeutendste Kaiserin war Katharina II. die Große (1729-1796), geborene Sophie Auguste Friederike Prinzessin von Anhalt-Zerbst-Dornburg, russisch Jekaterina II Alexejewna genannt. In ihrer Regierungszeit von 1762 bis 1796 leitete sie den Aufstieg Russlands zur europäischen Großmacht ein. Ihr Hof in Sankt Petersburg galt als einer der kulturellen Mittelpunkte Europas. Der Appetit der Monarchin auf stramme Offiziere war so legendär wie ihre Kriegslust, ihre Machtgier und ihr Kunstsinn. Sophie Auguste Friederike Prinzessin von Anhalt-Zerbst-Dornburg kam am 2. Mai 1729 als ältestes von fünf Kindern des preußischen Generals Christian August Fürst von Anhalt-Zerbst-Dornburg (1690-1747) aus dem Geschlecht der Askanier, und der Prinzessin Johanna Elisabeth von Holstein-Gottorf (1712-1760) im Schloss von Stettin (Pommern) zur Welt. In der Literatur wird sie meistens als Sophie oder Sophia von Anhalt-Zerbst erwähnt.
Sophie hatte vier Geschwister: Wilhelm Christian Friedrich (1730-1742), Friedrich August (1734-1793), Auguste Christine Charlotte (1736 geboren und ge-storben) sowie Elisabeth Ulrike (1742-1745). Das Fürstentum, aus dem sie stammte, galt als eines der ärmsten und bedeutungslosesten in Deutschland. Ihr Vater
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Prinzessin Anna Petrowna (1708-1728), Mutter von Zar Peter III. (1728-1762) von Russland. Porträt des russischen Malers Ivan Nikitich Nikitin (um 1690-1741)
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residierte als General und Militärgouverneur des Königs von Preußen in Stettin.
Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst-Dornburg verbrachte ihre Kindheit im Schloss in Stettin. Zeitweise besuchte sie adlige Verwandte in Braunschweig, Zerbst, Berlin und Varel.
Als Zehnjährige begegnete Sophie 1739 auf einem Familienfest im Eutiner Schloss erstmals ihrem späteren Bräutigam, dem ein Jahr älteren Karl Peter Ulrich Herzog von Holstein-Gottorf (1728-1762), auch Holstein-Gottorp. Dieser war der Sohn von Karl Friedrich, Herzog von Holstein-Gottorf (1700-1739), und von Anna Petrowna (1708-1728), der Tochter des russischen Zaren Peter I. der Große (1672-1725). Anna Petrowna, die Mutter von Peter, war bereits wenige Monate nach der Geburt ihres Sohnes gestorben. Nach dem frühen Tod seines Vaters Karl Friedrich im Jahre 1739 wurde Peter im Alter von elf Jahren dessen Nachfolger als Herzog von Holstein-Gottorf. Diesen Titel behielt er bis zu seinem Tod. Teile der schwedischen Stände wählten am 4. November 1742 Peter Herzog von Holstein-Gottorf, zum Thronfolger von Schweden. Doch Peter lehnte dieses Angebot ab.
Nach dem Tod des kinderlosen Fürsten Johann August von Anhalt-Zerbst am 7. November 1742 erlosch die Hauptlinie Anhalt-Zerbst. Nachfolger als Fürsten von Anhalt-Zerbst wurden der unverheiratete Johann Ludwig II. von Anhalt-Zerbst-Dornburg (1688-1746) und dessen Bruder Christian August von Anhalt-Zerbst-Dornburg, der Vater von Sophie.
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Prinzessin Johanna Elisabeth von Holstein-Gottorf (1712-1760), auch Holstein-Gottorp. Porträt des französischen Malers Antoine Pesne (1683-1757)
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Am 18. November 1742 ernannte die kinderlose Kaiserin Elisabeth Petrowna (1709-1762) von Russland ihren 14-jährigen Neffen Peter, den Sohn ihrer verstorbenen älteren Schwester Anna Petrowna, zu ihrem Thronfolger. Der Junge trat zum Russisch-Orthodoxen Glauben über, nahm den Namen Peter Fjodorowitsch an und wurde Großfürst. Im Dezember 1742 zog die 13-jährige Sophie von Anhalt-Zerbst zusammen mit ihren Eltern in das Zerbster Schloss. Dort lebte sie nur etwas mehr als ein Jahr lang.
1744 lud die russische Zarin Elisabeth Petrowna die Fürstin Johanna Elisabeth von Anhalt-Zerbst mit ihrer 15-jährigen Tochter Sophie an ihren Hof ein. Sophie sollte die Braut für ihren Cousin zweiten Grades Peter, russisch Pjotr Fjodorowitsch, werden. Vor der Russ-landreise, die sie im Januar 1744 in Zerbst antraten, machten die beiden Damen auf Wunsch von Friedrich II. dem Großen (1712-1786) in Berlin Station. An seiner Tafel versuchte der König von Preußen in kluger Voraussicht, die künftige Kaiserin von Russland für sich zu gewinnen. Nach weiteren Zwischenstationen, unter anderem in Reval und Sankt Petersburg, traf Sophie im Februar 1744 in Moskau ein. Ihre Mutter reiste unter einem falschen Namen als „Gräfin von Reinbek“ mit. Großfürst Peter war beim ersten Treffen mit Prinzessin Sophie in Russland 16 Jahre alt, sah gut aus, war aber klein und kindlich und sprach mit seiner Braut nur über Spielzeug und Soldaten. In ihren Memoiren gestand Katharina II. später, mehr als an der Person des Bräutigams sei sie an der russischen Krone interessiert
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Friedrich II. der Große (1712-1786), König von Preußen. Porträt des deutschen Malers
Johann Georg Ziesenius der Jüngere (1716-1776) von 1763
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gewesen. Sophie trat am Tag der Heiligen Peter und Paul in Moskau feierlich vom evangelisch-lutherischen zum orthodoxen Glauben über und lernte rasch die russische Sprache. Einen Tag später verlobte sich die Prinzessin von Anhalt-Zerbst am 29. Juni 1744 nach dem julianischen Kalender bzw. am 10. Juli 1744 nach dem gregorianischen Kalender mit Großfürst Peter. Zu Ehren von Jekaterina I. (1684-1727), der Mutter der regierenden Kaiserin Elisabeth Petrowna, erhielt sie den Namen Jekaterina (Katharina) Alexejewna. Rund ein Jahr später, am 21. August 1745 nach dem julianischen Kalender bzw. am 10. Juli 1745 nach dem gregorianischen Kalender, heiratete die 16-jährige Katharina den 17 Jahre alten Großfürsten Peter. Danach musste Katharina zehn Jahre lang eine qualvolle Ehe mit dem launischen und bösartigen Großfürsten ertragen, der von schwacher Statur war. Bereits in der Hochzeitsnacht zeigte sich, dass Großfürst Peter nur wenig Interesse und Zuneigung für Katharina empfand. Als seine frischvermählte Gattin im Schlafgemach auf ihn wartete, kam er spät nachts betrunken von der Feier zu ihr. Vielleicht hätte er aber auch nüchtern wenig ausrichten können, da er angeblich impotent war.
Die lebensfrohe und intelligente Großfürstin Katharina musizierte gern und las viel. Zu ihrer Lektüre gehörten vor allem historische und politiktheoretische Werke. Ihr lag viel daran, Politik besser zu verstehen. Über die Vorgänge am russischen Kaiserhof war sie immer gut informiert. Sie besuchte auch jeden russisch-orthodoxen Gottesdienst.
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Zarin Elisabeth Petrowna (1709-1762) von Russland. Porträt des französischen Malers Charles André Van Loo (1705-1765)
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Im Gegensatz dazu lebte Großfürst Peter in Oranienbaum (heute Lomossow) in seiner eigenen Welt. Seine Tante hatte ihm zur Hochzeit mit Katharina das Schloss von Menschikow geschenkt. Dort hielt sich Peter mit seinen holsteinischen Freunden auf. Er hatte eine Vorliebe für alles Preußische und hier vor allem für das Militär. Peter führte einen intensiven Briefwechsel mit dem von ihm glühend verehrten Friedrich II. von Preußen. Er stellte eine eigene Garde aus 1.500 holsteinischen Offizieren und Soldaten auf und trug gerne eine preußische Uniform. Damit zog er sich den Unwillen der Kaiserin Elisabeth Petrowna zu, die eine tiefe Abneigung gegen Preußen hatte. Anfangs bezog Großfürst Peter seine Gattin Katharina noch in seine Spiele mit den kleinen Soldatenfiguren ein und ließ sie eine preußische Uniform tragen. Bald aber hatten beide keinen Bezug mehr zueinander. Johanna Elisabeth von Holstein-Gottdorf, die Mutter von Katharina, lebte zwei Jahre lang am Hof der russischen Zarin Elisabeth Petrowna. Dort war sie in zahlreiche Intrigen verstrickt, geriet in Spionageverdacht und durfte auf Anordnung der Zarin nicht mehr schriftlich mit ihrer Tochter Katharina verkehren. Nach dem Tod ihres Ehegatten 1747 wurde Johanna Elisabeth Regentin für ihren Sohn Friedrich August in Anhalt-Zerbst. Bereits zuvor hatte die Fürstin großen Anteil an der Landesregierung in Anhalt-Zerbst. 1751 stieg ihr Bruder Adolf Friedrich (1710-1771) zum König von Schweden auf.
Die jungen Eheleute Paul und Katharina pflegtenteilweise mit gegenseitigem Einverständnis - ihre
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Großfürst Peter und Großfürstin Katharina mit Sohn Paul. Porträt der deutschen Malerin Anna Rosa Lisiewska (1713-1783) von 1776
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Liebschaften. Nach neunjähriger Ehe brachte die 25 Jahre alte Katharina am 1. Oktober 1754 einen Sohn zur Welt, den späteren Zar Paul I. (1754-1801). Obwohl es damals Gerüchte über eine Affäre der Großfürstin gab, erkannten ihr Ehemann und die Kaiserin Elisabeth Petrowna diesen Sohn namens Paul Petrowitsch als legitim an.
Der Sohn Paul stammte vermutlich von dem gut aussehenden Kammerherrn Graf Sergei Saltykow (1726-1765), den Katharina um 1751 als Geliebten genommen hatte. Paul wurde sofort nach der Geburt von seiner Mutter getrennt und von der Kaiserin Elisabeth Petrowna, also seiner Großtante, erzogen. Saltykow hat man vom Hof entfernt und als Sonderbotschafter zum König von Schweden geschickt, um die Geburt des künftigen russischen Thronerben zu verkünden. Katharina ernannte ihn später zum russischen Gesandten in der Freien und Hansestadt Hamburg.
Katharina genießt den zweifelhaften Ruf, sexbesessen und machtgierig gewesen zu sein. In der Literatur werden mehr als zwanzig Liebhaber von ihr erwähnt. Nur die wenigsten ihrer Liebhaber durften sich in ihre Politik einmischen, wenngleich sie dies oft versuchten. Nach der Trennung wurde keiner ihrer Liebhaber verfolgt, bestraft oder sonstwie benachteiligt. Stattdessen erhielten viele von ihnen großzügige Geschenke. Ungeachtet der Neutralität von Anhalt-Zerbst zu Beginn des „Siebenjährigen Krieges“ (1756-1763) beherbergte die Mutter von Katharina den französischen Marquis de Fraigne, der als Spion beschuldigt wurde. Der
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Arbeit zitieren:
Ernst Probst, 2011, Katharina II. die Große - Die Deutsche auf dem Zarenthron, München, GRIN Verlag GmbH
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