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EINF ÜHRUNG IN DEN ARBEITSVERLAUF 3
1. DIE ETHNOGRAFISCHEN STUDIEN UND IHRE BESONDERHEITEN 5
1.1 Die unterschiedlichen Forschungsmethoden. 5
1.2 Perspektive und Augenmerk der Autoren 6
2. WAS BEDEUTET „JUGEND“? 9
2.1 Welche Rolle spielt sie in unserer Gesellschaft? 9
2.2 Wie sie zum Spielball der Wissenschaft wurde 11
3. „NORM“ UND „ABWEICHUNG“ 14
3.1 Der Labeling Approach 14
3.2 Bandendelinquenz nach Tertilts „Power Boys“ 16
3.3 Assimilationsprozess nach Sauters „Frankfurter Türken“ 20
3.4 Schutzfunktion der Gruppe beider Studien 22
4. STIGMATISIERUNGSPROBLEMATIK DER MIGRANTENGENERATIONEN 26
5. RESÜMEE 29
6. LITERATURVERZEICHNIS 32
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Einführung in den Arbeitsverlauf
Diese Arbeit zeigt die Problematik von überwiegend türkischen Jugendlichen der 2. und 3. Migrantengeneration in Deutschland.
Anhand zweier ethnografischen Studien von Sven Sauter „Wir sind Frankfurter Türken“ sowie Hermann Tertilt „Turkish Power Boys“ möchte ich verdeutlichen, wie Statusprobleme innerhalb der Gesellschaft, in Form von kulturellen Gruppierungen unter den Jugendlichen, einen Versuch der Bewältigung erfahren. Ich habe diese beiden Studien ausgewählt, da sich beide Autoren innerhalb von Frankfurt über einen vergleichbaren Zeitraum mit einer überwiegend türkischen Gruppierung in Form einer teilnehmenden Feldforschung, auseinandersetzten. Trotz aller Ähnlichkeiten, gibt es diverse Unterschiede in der Arbeitsweise und den Ansätzen von Thesen, sowie deren Darlegung und Begründungsgesuche.
Zunächst werde ich auf die unterschiedlichen Forschungsmethoden der beiden Studien näher eingehen, sowie einige Besonderheiten hervorheben, was die Perspektive und das Augenmerk der Autoren angeht.
Ziel dieser Arbeit ist es, einen Einblick in die Stigmatisierungsproblematik ausländischer Migranten zu erhalten und die daraus resultierenden Verhaltensabweichungen dieser Jugendlichen, innerhalb der gesellschaftlichen Norm näher zu bringen.
Um einerseits einen geschichtlichen Einblick der Entstehung von „Jugend“, als auch eine Position was „Jugend“ überhaupt bedeutet zu erfahren, werde ich im Anschluss über die Entwicklung des jungen Menschen als Objekt für wissenschaftliche Forschung, referieren.
Des Weiteren folgt eine Darstellung von abweichendem Verhalten und des damit verbundenen Verständnisses der gesellschaftlichen Norm. Während ich mich zunächst mit der Bandendelinquenz der „Turkish Power Boys“ auseinandersetzen werde, folgt im Zusammenhang der Assimilationsprozess der „Frankfurter Türken“ nach Sauter. So gesehen wird abweichendes Verhalten einerseits als Weg der Kriminologie dargestellt, andererseits erhält man durch den Kulturkonflikt Sauters
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einen Einblick in das abweichende Kulturverständnis zwischen der deutschen Gesellschaft und der türkischen Migranten.
Fortfahren werde ich mit den Gemeinsamkeiten beider Studien, was den Aspekt einer Schutzfunktion der Gruppen angeht und den damit verbundenen Beweggründen einzelner Personen in den Kreis eines Bündnisses beizutreten.
Im Anschluss wird im Bezug auf die beiden Studien, unter Einbezug von Erving Goffman, die Fragestellung beantwortet, welche differenzierbaren Stigmatisierungsprobleme für die Migrantenjugendlichen innerhalb der deutschen Gesellschaft bestehen und welche Konsequenzen daraus entstehen.
Abschließen werde ich meine Arbeit mit einem persönlichen Resümee.
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1. Die ethnografischen Studien und ihre Besonderheiten
Die Studie „Turkish Power Boys“ von Hermann Tertilt beruht auf einer Feldforschung von zwei Jahren, während diesen er unzählige Tage innerhalb der Gruppe verbrachte. Von Anfang 1991 bis zur Auflösung der Gruppe im Herbst 1992 beobachtete er die türkischen Jugendlichen und nahm an ihrem Alltagsleben teil. Während dieser Zeit führte Tertilt unzählige Einzel- sowie Gruppengespräche.
Sven Sauter beschäftigte sich ebenfalls über 2 Jahre mit überwiegend türkischen, jugendlichen Einwanderern der 2. und 3. Generation einer Folkloregruppe im Migrantentreff von Frankfurt. Nach diversen Gruppen- und Einzelgesprächen im Zeitraum von März 1994 bis März 1996 entstand seine ethnografische Studie „Wir sind Frankfurter Türken“.
1.1 Die unterschiedlichen Forschungsmethoden
Wenn auch der zeitliche Arbeitsraum beider Autoren von etwa gleicher Dauer war, muss man beiläufig die Intensität von Tertilts teilnehmender Beobachtung hervorheben. Im Gegensatz zu Sauter war er einem täglichen Umgang mit der Gruppe ausgesetzt und hatte sich im Vorfeld mit einer schwierigen Kontaktaufnahme auseinander zu setzen.
Nachdem aber das Misstrauen verschwunden war, vergaßen die Jugendlichen das Forschungsanliegen weitgehend und verhielten sich ihm gegenüber völlig frei und offen.
Herman Tertilt selbst, beschreibt sein Werk als eine kulturanthropologische Feldstudie 1 , „[…] in der exemplarisch die Lebensformen, Überzeugungen und Verhaltensweisen einer delinquenten Jugendbande dargestellt und analysiert werden“ (Tertilt, 1996, Seite 9).
Durch die eigene Darstellung der türkischen Jugendlichen, was ihr Verhalten und Verständnis in Bezug auf die deutsche Gesellschaft angeht, erfährt der Leser eine
1 Tertilt nutzt die Methode der kulturanthropologischen Feldstudie um zu fundierten Erkenntnissen zu
kommen. Hierbei liegt das Augenmerk auf der Erforschung verschiedener kultureller Gebräuche und
Sitten.
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authentische Beschreibung ohne hierbei auf Interpretationswege des Autors geleitet zu werden.
Im Gegensatz dazu ist die Forschungsmethode von Sven Sauter die, eines selbstreflexiven Gruppengespräches 2 . Die Gruppengespräche innerhalb der Folkloregruppe sollen so ausgerichtet sein, „dass alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen unzensiert und offen ihre Themen ansprechen können“ (Sauter, 2000, Seite 103).
Zwar verfolgen beide Autoren die teilnehmende Beobachtung als Methode der Datenerhebung. Während Sauter jedoch ausschließlich im Migrantentreff mit den Jugendlichen Gespräche und Einzelinterviews führt, ist Tertilt täglich mit der Gruppe der „Turkish Power Boys“ in verschiedensten Institutionen und Lebenssituationen unterwegs und beobachtet das Verhalten ohne durch Fragen die Richtung der Gruppenaktivitäten zu beeinflussen.
1.2 Perspektive und Augenmerk der Autoren
Die Interpretierung der Problemlagen der türkischen Einwandergeneration ist das Hauptaugenmerk von Tertils „Turkish Power Boys“. Der Zusammenhang von Bandendelinquenz und gesellschaftlichem Status sowie die Analyse des Männlichkeitsbewusstseins aus ethnologischer Perspektive sollen mit Hilfe von Erklärungsansätzen nachgewiesen werden. Hierzu bedient sich der Autor nicht nur bestehenden Erklärungsansätzen um das Verhalten einer ethnischen Gruppierung zu begründen, sondern verdeutlicht anhand seines empirischen Materials die gängigen Theorieansätze um eine eigene Interpretation zu entwickeln. Unter anderem befasst sich Tertilt auch mit dem Problem der Stigmatisierung („Labeling Approach“), worauf ich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal explizit eingehen werde.
Tertilt war im Laufe seiner Feldforschung dem Problem ausgesetzt, dass seine „[…] Rolle als teilnehmender Beobachter […] keineswegs eine neutrale, in der Teilnahme rein beobachtende sein“ konnte (Tertilt, 1996, Seite 12). Weiterhin bemerkt er: „Auch
2 Sauter folgt dem hermeneutischen Ansatzes, welcher aus der Ethnoanalyse abgeleitet ist. Sein
methodischer Zugang ist aus bestehenden Forschungsansätzen abgeleitet und beinhaltet die
teilnehmende Beobachtung, die Verfertigung von Feldnotizen sowie Einzelgesprächen und einer
relativ langen Feldphase.
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wenn ich im Unterschied zu Sozialarbeitern davon absah, einen pädagogischen Einfluss auf sie [die Power Boys] auszuüben, versuchte ich, mit den Jugendlichen ihre Probleme und Perspektiven oder aber die Konsequenzen ihrer Straftaten für ihr eigenes Leben zu diskutieren. Mit einer wissenschaftlichen distanzierten Haltung alleine wäre diese Auseinandersetzung nicht zu bewältigen gewesen; sie forderte vielmehr einen über mein Forschungsinteresse hinausgehenden persönlichen Einsatz“ (Tertilt, 1996, Seite 12).
Durch die intensivierte Auseinandersetzung mit den Jugendlichen, entwickelte der Autor eine tiefere Bindung zu seinen Forschungsobjekten, welche unter anderem daraus resultierte, dass Tertilt im Vorfeld seiner Forschung einen mehrwöchigen Intensivkurs an der Universität von Ankara belegte und sich somit viele Sympathien bei den Jugendlichen eroberte. Daraus resultierte nach anfänglichen Startproblemen eine engere Beziehung zu seinen „Forschungsobjekten“, die sich sogar in Familienbesuchen in der Türkei, äußerte.
Sven Sauter interpretiert in seiner Studie „die Herkunftsmatrix der Gruppe als Minderheitensubkultur in einer Mehrheitskultur […]“ und betrachtet als Ausgangspunkt die Adoleszenten aus Immigrantenfamilien in einem verleugneten Einwanderungsland (Sauter, 2000, Seite 111).
Sauter selbst betitelt seine Arbeit als: „eine kritische, distanzierte Betrachtung - ein Infragestellen der Begrifflichkeit oder besser: Entkategorisierung und keine Neudefinition der von mir kritisierten Begriffe und Kategorien“ (Sauter, 2000, Seite 34). Insbesondere bezieht sich Sauter auf politische und soziale Situationen und kritisiert gleichzeitig die bestehende wissenschaftliche Beschreibung der Adoleszenz sowie die Theoriebildung der Migrations- und Minderheitenforschung. Sauter hält die Ethnizitätsforschung als wichtig und unterteilt diese in 3 Ebenen, die aufeinander aufbauen:
1. „Selbstreflexive Ebene: Die eigene Nähe oder Fremde zur Adoleszenz kann selbstreflexiv als Zugangsweg genutzt werden, um die Spannungen, die sich durch den Forschungsgegenstand Adoleszenz unanwendbar herstellt, verstehend und erkenntnisleitend auflösen.
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2. Kulturanalytische Ebene: Die Kultur, die der Adoleszenz spezifische Räume zur Verfügung stellt oder verweigert, kann hierdurch einer profunden Analyse unterzogen werden und
3. auf der Ebene der Generationsspannung kann das nachhaltige Interesse einer professionellen Wissenschaftskultur an Jugend, Jugendsubkulturen und Adoleszenzformen auch verstanden werden als Suche nach Möglichkeiten, in einem scheinbar unverbindlich gewordenen Generationsvertrag und einer unüberschaubaren Segmentierung moderner Lebenswirklichkeiten
Orientierungspunkte einer hybriden Jugendkultur zu markieren, um eigene Unzulänglichkeiten und festgefahrene Standpunkte überwinden zu können. Neue Fragen werden da entwickelt, wo sonst starre Antworten angesiedelt waren“ (Sauter, 2000, Seite 296f).
Der Autor misst ethnografischen Studien und somit der Wissenschaft über Adoleszenz eine große Bedeutung zu. Kulturen, Generationen und damit verbundene Konflikte ändern sich im Laufe der Zeit, und müssen somit durch immer wiederkehrende Studien dazu beitragen, Entwicklungsprozesse verstehen und deuten zu können.
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Arbeit zitieren:
Dominik Pohl, 2007, Welche Stigmatisierungsprobleme bestehen für Jugendliche der 2. und 3. Migrantengeneration in Deutschland und welche Konsequenzen resultieren daraus?, München, GRIN Verlag GmbH
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