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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinition und Gegenüberstellung wesentlicher
Ansätze
2.1. Eugen Bleuler: Autismus als Symptom der Schizophrenie
2.2. Leo Kanner: Early infantile autism
2.3. Hans Asperger: Die autistische Psychopathie
2.4. Kritische Gegenüberstellung der Ansätze von Leo Kanner und
Hans Asperger
3. Das Erscheinungsbild des kindlichen Autismus
3.1. Das autistische Syndrom
3.2. Primäre Symptomatik
3.2.1. Wahrnehmung
3.2.1.1. Kognitive Störungen
3.2.1.2. Sensorische Störungen
3.2.1.3. Emotionale Störungen
3.2.2. Sprache
3.2.2.1. Kommunikationsstörungen
3.2.2.2. Besonderheiten des Sprachverhaltens
3.2.3. Motorik
3.2.3.1. Körperliche Störungen
3.2.3.2. Epileptische Störungen
3.2.4. Sozialbeziehungen
3.3. Sekundäre Symptomatik
3.3.1. Sonderleistungen
3.3.2. Eßstörungen
3.3.3. Aggression, Autoaggression
3.3.4. Ritualisierungen, Stereotypen, zwanghaftes
Verhalten
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4. Erklärungsansätze zur Ätiologie
4.1. Psychoanalytische Verursachungstheorie
4.1.1. Die psychogenetische Sichtweise Bettelheims
4.1.2. Die psychogenetische Sichtweise Margaret Mahlers
4.1.3. Die psychogenetische Sichtweise Niko und Elisabeth A
Tinbergens
4.2. Hirnorganische Verursachungstheorien
4.3. Biochemische Verursachungstheorien
4.4. Genetische Erklärungsansätze
4.5. Störung der Wahrnehmungsverarbeitung als Ursache
4.6. Multikausalität
5. Ambulante Therapieansätze in der Behandlung
autistischer Kinder
5.1. Grundprinzipien der therapeutischen Arbeit mit autistischen
Kindern
5.2. Ambulante Interventionen
5.2.1. Vorteile
5.2.1.1. Familienanbindung
5.2.1.2. Gewohnte Umgebung
5.2.2. Ziele
5.3. Stationäre Unterbringungen
5.3.1. Konzepte der Behandlung
5.3.2. Vorteile
5 3 3 Ziele
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6. Spieltherapie
6.1. Die nicht- direktive Kinder- Spieltherapie nach Virginia M.
Axline
6.1.1. Theoretische Grundlagen
6.1.2. Die nicht- direktive Therapie
6.1.3. Die nicht direktive Gruppentherapie
6.1.4. Das Spielzimmer und das Spielmaterial
6.1.5. Das Kind
6.1.6. Der Therapeut
6.1.6.1. Die 8 Grundprinzipien
6.1.7. Die Rolle der Eltern als indirekte Teilnehmer
6.2. Ziele der Spieltherapie
6.3. Umsetzung im ambulanten Therapiebereich
7. Sensorische Integrationstherapie
7.1. Theoretische Grundlagen
7.1.1. Störung der sensorischen Integration
7.2. Spezifische Behandlungsansätze
7.2.1. Sensorische Integrationstherapie nach Ayres
7.2.2. Basale Stimulation nach Fröhlich
7.3. Ziele der sensorischen Integration
7.4. Umsetzung im ambulanten Therapiebereich
8. Verhaltenstherapeutisch orientierte Autismustherapie
8.1. Theoretische Grundlagen
8.1.1. Operantes Verhalten
8.1.2. Klassisches Konditionieren
8.1.3. Generalisieren und Diskriminieren
8.1.4. Modellernen
8.1.4.1. Verbales Imitationstraining
8.1.5. Verstärker
8.1.6. Löschung
8.2. Spezifischer Behandlungsansatz
8 2 1 Therapie der sozialen Kompetenz nach Kusch/ Petermann
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8.2.2. Behandlung von Stereotypen
8.3. Verhaltenstherapeutische Ziele
8.4. Umsetzung im ambulanten Therapiebereich
9. Ganzheitlicher und umfassender ambulanter
Therapieansatz des Autismus- Therapie- Zentrum des
Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Münster
9.1. Autismus- Therapiezentrum in Münster
9.2. Klientel
9.3. Methoden und Themen bei der Therapie von autistischen
Kindern
9.4. Die therapeutische Arbeit mit den autistischen Kindern
9.4.1. Erstgespräche und Beratung bei der Diagnosefindung
9.4.2. Ganzheitliches Angebot
9.4.3. Einzel- und Gruppentherapie
9.4.4. Verstehender Dialog mit Grenzen und Regeln
9.4.5. Strukturierung und Orientierung
9.4.6. Eltern-, Angehörigen und Familienberatung
9.4.7. Krisenintervention
10. Resümee
11. Anhang
11.1 Merkmal- und Symptomkatalog zur Erkennung des
frühkindlichen Autismus
11.2. Frühsymptome
11.3. Therapieprogramm zur sensorischen Integration
Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Der frühkindliche Autismus hat wie kaum eine andere Entwicklungsstörung weltweit viele ÄrztInnen, PsychologInnen, PädagogInnen, WissenschaftlerInnen und TherapeutInnen beschäftigt. Obwohl es sich bei der autistischen Störung um eine der schwersten kindlichen Entwicklungsstörungen handelt, wird die Krankheit noch immer viel zu spät oder auch gar nicht entdeckt. Die Dunkelziffer autistischer Kinder beträgt in der BRD sogar 80%. Trotz der langjährigen wissenschaftlichen Arbeit ist es sehr schwierig, einheitliche Aussagen über die autistische Störung zu machen. Autistische Kinder zeigen oft völlig unterschiedliche Verhaltensweisen. Bis heute ist es noch nicht gelungen, das gesamte Erscheinungsbild des frühkindlichen Autismus in einer einheitlichen Theorie darzustellen und ursächlich aufzuklären. Autistische Kinder unterscheiden sich voneinander wie alle anderen Menschen. Sie sind nicht einheitlich zu beschreiben. Das Erscheinungsbild des kindlichen Autismus zeigt Berührungspunkte zur geistigen Behinderung. Von den autistischen Kindern sind zwei Drittel bis drei Viertel der Betroffenen im Effekt geistig retardiert sind. Der übrige Teil der Autisten wird als intellektuell normal eingestuft. Einige der Kinder wenige zeigen überdurchschnittliche geistige Leistungen. Zu den grundsätzlichen Schwierigkeiten der erwachsenen wie auch kindlichen Autisten zählen die Probleme im Bereich des Sozialverhaltens. Aus dem Grund ist es wichtig, daß der Autist schon im Kindesalter so früh wie möglich Hilfe bekommen und betreut wird. Nur so können sie lernen, sich im sozialen Alltag zurechtzufinden. Aus autistischen Kindern werden Erwachsene mit Autismus. Ihre Integration in die Gesellschaft wird in jenem Maß gelingen, wie intensiv sie im Kindes- und Jugendalter gefördert wurden. Auf der Therapie der autistischen Kinder liegt aus dem Grund der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit. Die Eltern der Kinder sollten in die Behandlung mit einbezogen werden.
Der erste Teil der Arbeit befaßt sich einleitend mit den Begriffsdefinitionen der Erstbeschreiber des Autismus, der Symptomatik und der Ätiologie des kindlichen Autismus. Bei der Ätiologie werde ich auf die Theorien von BRUNO BETTELHEIM, MARGARET MAHLER und NIKO und ELISABETH TINBERGEN eingehen. Überleitend zu dem therapeutischen Teil der Arbeit werde ichdie stationären und ambulanten Therapieansätze vorstellen.
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Der Hauptteil befaßt sich mit ausgewählten Therapieansätzen, welche in der ambulanten Behandlung bei autistischen Kindern angewandt werden. Die Schwerpunkte liegen hier auf der nicht- direktiven Spieltherapie von VIRGINIA M. AXLINE, der sensorischen Integrationstherapie von JEAN M. AYRES, der basalen Stimulation von ANDREAS FRÖHLICH sowie der verhaltenstherapeutisch orientierten Autismustherapie. Im Vordergrund steht hier immer die Anwendung der Therapieansätze im ambulanten Bereich. Abschließend stelle ich den praxisbezogenen Therapieansatz des Autismus- Therapie- Zentrums des Deutschen Roten Kreuzes in Münster vor. Ihre Mitarbeiter haben mich über die Wichtigkeit ihrer ambulanten ganzheitlichen Arbeit mit den autistischen überzeugt und mich für meine Diplomarbeit inspiriert.
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2. Begriffsdefinition und Gegenüberstellung wesentlicher Ansätze
Die Wurzeln des Wortes „Autismus“ liegen in der griechischen Sprache. Der griechische Ausruck „autos“, bedeutet übersetzt „selbst“, und wurde mit einer lateinischen Endung gebunden, entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Wortschöpfung Autismus. (KEHRER, 2000, 9)
Eingeführt wurde der Begriff „Autismus“ von dem Schweizer Psychiater EUGEN BLEULER im Jahre 1911, der mit diesem ein Grundsymptom der Schizophrenie beschrieb. BLEULER, wie der amerikanische Kinderpsychiater LEO KANNER (1943) und der österreichische Pädiater HANS ASPERGER (1944), beschrieben damit jeweils eine Gruppe von Kindern, die ein bis dahin unbeschriebenes Syndrom aufwiesen. (LÖSCHE, 1992, 3) Da die autistischen Kinder sich nicht aktiv in eine Phantasiewelt zurückziehen, sondern primär (von Geburt an) eingeschränkt fähig sind, soziale Kontakte zu entwickeln, trifft die Bezeichnung in der ursprünglich von BLEULER definierten Form nicht auf die Kinder zu. Die Mehrheit der Autoren hat sich aber für die Beibehaltung des Begriffs ausgesprochen, weil er inzwischen weltweit gebräuchlich ist. (REMMSCHMIDT, 2000, 9)
2.1. Eugen Bleuler: Autismus als Syndrom der Schizophrenie
BLEULER charakterisierte mit dem Begriff „Autismus“ das Verhalten an Schizophrenen. Die Betroffenen ziehen sich in eine gedankliche Binnenwelt zurück, und erhalten zunehmend weniger Kontakt zu ihren Mitmenschen aufrecht. (REMMSCHMIDT, 2000, 9) Der Begriff Autismus bezog sich auf eine grundlegende Störung im Zusammenhang mit der Schizophrenie, ein Ausdruck, den BLEULER ebenfalls prägte. (FRITH, 1992, 17) Diese psychische Krankheit wurde vor BLEULER’s Erklärung „Dementia praecox“ (frühkindlicher Schwachsinn) genannt. (KEHRER, 2000, 9) Der Begriff umschrieb die Einengung der Beziehungen zu Menschen und zur Außenwelt. Die Einengung ist so extrem, daß sie alles außer dem eigenen Ich des Betroffenen auszuschließen scheint. Diese Einengung konnte als ein Rückzug aus der Umwelt in das eigene Selbst beschrieben werden. (FRITH, 1992, 17)
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2.2. Leo Kanner: Early infantile autism
„Wir müssen also annehmen, daß diese Kinder mit der angeborenen Unfähigkeit zur Welt gekommen sind, den normalerweise biologisch angelegten, affektiven Kontakt zu Menschen herzustellen, genau wie andere Kinder mit angeborenen körperlichen oder geistigen Behinderungen zur Welt kommen (KANNER, 1943, S. 217- 250. In: FRITH, 1992, 19).“ KANNERS Ansatz über den Autismus wurde die größte Bedeutung zugesprochen. (AARONS/ GITTENS, 2000, 22) Er gilt als der Vater der amerikanischen Kinder- und Jugendpsychiatrie. Für KANNER stand fest, daß der Autismus von Geburt an besteht und spätestens ab dem zweiten Lebensjahr auffällig wird. Die Manifestation der autistischen Symptomatik bereits im Säuglingsalter gab KANNER die Veranlassung, von einem frühkindlichen Autismus zu sprechen. (EGGERS/ LEMPP/ NISSEN/ STRUNK, 1994, 557) 1943 beschrieb er unter dem Titel „Autistische Störungen des affektiven Kontakts“ in der heute eingestellten Zeitschrift „Nervous Child“ (FRITH, 1992, 18) systematische Beobachtungen an elf Kinder. Die Kinder wiesen eine Anzahl von Verhaltensweisen auf, und später als frühkindlicher Autismus bzw. KANNER- Syndrom bezeichnet wurden. Den familiären Faktoren kommt dabei nach den Untersuchungsergebnissen von KANNER eine besondere Bedeutung zu. Bei der Auswertung der Familiengeschichten von hundert Kindern mit einem „early infantile autism“ ergab sich, daß ausnahmslos alle Kinder aus Inellektuellenfamilien stammten. (EGGERS/ LEMPP/ NISSEN/ STRUNK, 1994, 559) KANNER vermutete, daß der Autismus Kinder von gebildeten Eltern aus höheren sozialen Schichten traf. AARONS/ GITTENS sehen dies jedoch als keine klinische Tatsache, sondern als Folge der erhöhten Neigung dieser Eltern eine Beratung zu suchen. (AARONS/ GITTENS, 2000, 22) Darüber hinaus stellte er fest, daß 85% der Elternteile ebenfalls autistisch-schizoide Wesenseigentümlichkeiten aufwiesen. (EGGERS/ LEMPP/ NISSEN/ STRUNK, 1994, 560)
Nach KANNERS eigenen Untersuchungen sind zwei Kardinalsymptome, die er „basic criteria“ nannte, von entscheidender Bedeutung:
1.) Eine extreme autistische Isolation, aus der menschlichen Umwelt. Sie beginnt innerhalb der ersten zwei Lebensjahre. (FRITH, 1992, 21) 2.) Ein ängstlich- zwanghaftes Bedürfnis nach Gleicherhaltung der dinglichen Umwelt. Sie zeigt sich in einer extremen Veränderungsangst. (EGGERS/ LEMPP/ NISSEN/ STRUNK, 1994, 557)
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Diese Kennzeichen beziehen sich nicht direkt auf das Verhalten, sondern auf psychologische Probleme auf einer tieferen Ebene. Sie erklären ein breites Spektrum von Verhaltensweisen. (FRITH, 1992, 21)
2.3. Hans Asperger: Die autistische Psychopathie
„Es soll im folgenden ein Typus von Kindern geschildert werden, der uns in vieler Beziehung des Interesses wert erscheint: Eine einheitliche Grundstörung, die sich ganz typisch im Körperlichen, in den Ausdruckserscheinungen, im gesamten Verhalten äußert, bedingt beträchtliche, sehr charakteristische Einordnungsschwierigkeiten; steht auch in vielen Fällen das Versagen an der Gemeinschaft im Vordergrund, so wird es doch wieder in anderen Fällen kompensiert durch besondere Originalität des Denkens und Erlebens, die oft auch zu besonderen Leistungen im späteren Leben führen
(ASPERGER, 1944, S. 76- 136. In: FRITH, 1992, 19).“ Der Wiener Kinderarzt und -psychiater HANS ASPERGER entdeckte bei einer Gruppe von Jugendlichen ein abnormen Verhaltens. Er bezeichnet sie als „autistische Psychopathie“. ASPERGER verstand darunter eine Abnormität der Persönlichkeit. (AARONS/ GITTENS, 2000, 22- 23) Er gilt als einer der Pioniere der europäischen Kinder- und Jugendpsychiatrie. ASPERGERS Artikel wurde während des zweiten Weltkrieges in deutscher Sprache veröffentlicht, wurde im Gegensatz zu KANNERS Artikel weitgehend ignoriert. (FRITH, 1992, 17) Nach Untersuchungen von ASPERGER an mehreren hundert Kindern und Eltern ist die autistische Psychopathie erbbedingt. Er weist darauf hin, daß er in jedem Fall autistisch- psychopathische, meist männlicher Erbträger feststellen konnte. Das Syndrom wird als Ausdruck einer vorwiegend vom Vater auf den Sohn vererbten Extremvariante eines bestimmten Typs der schizoiden Persönlichkeit gedeutet. Nach ASPERGER gehören zum Formenkreis der „autistischen Psychopathen“ autistische Kinder deren sprachliche Entwicklung normal oder verfrüht im Gegensatz zu einer retardierten motorischen Entwicklung einsetzte. Dabei handelt es sich vorwiegend um Jungen mit normaler bis durchschnittlicher Intelligenz aus vorwiegend intellektuellen Familien mit abnorm- autistischen Vätern. (EGGERS/ LEMPP/ NISSEN/ STRUNK, 1994, 556) ASPERGERS Definition der „autistischen Psychopathie“ bezog auch die Fälle ein, die schwere organische Schäden aufwiesen, als auch solche, die in den Bereich des Normalen übergingen. (FRITH, 1992, 17)
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2.4. Kritische Gegenüberstellung der Ansätze von Kanner und Asperger
Das autistische Syndrom wurde fast gleichzeitig von LEO KANNER (1943) und HANS ASPERGER (1944) entdeckt. (OERTER/ MONTADA, 1998, 954) Beide Fachleute glaubten, daß von Geburt an eine tiefgreifende Störung vorliege, auf die die höchst charakteristischen Probleme zurückgingen. Unabhängig voneinander vermuteten KANNER und ASPERGER, daß eine Kontaktstörung auf einer tieferen Ebene des Affekts oder des Triebs vorliege. Beide Autoren stellten die Besonderheiten der Kommunikation und die Schwierigkeiten in der sozialen Anpassung autistischer Kinder heraus. Beide widmeten Bewegungsstereotypen und dem uneinheitlichen Muster der intellektuellen Leistungen besondere
Aufmerksamkeit. Beide waren beeindruckt von gelegentlichen Beispielen überragender intellektueller Leistungsfähigkeit auf eng umgrenzten Gebieten. (FRITH, 1992, 19- 20) Anders als bei KANNER geht es ASPERGER nicht primär um die Beschreibung eines psychoseähnlichen Krankheitsbildes, sondern um die Darstellung einer erblichen Charakteranomalie. ASPERGER betrachtete sie als eine „Extremvariante der männlichen Intelligenz, des männlichen Charakters“. Er war der Meinung, daß sich das autistische Syndrom vorwiegend vom Vater auf den Sohn vererbe. (LÖSCHE, 1992, 6) LEO KANNER stellte in seinen Untersuchungen fest, daß genauso Jungen wie Mädchen (3:1) vom frühkindlichen Autismus betroffen sind. (MYSCHKER, 1999, 375) KANNER beschrieb die schwereren Formen mit einer niedrigeren Intelligenz. ASPERGER befaßte sich mit den leichteren Formen mit Kindern einer normalen bis übernormalen Intelligenz (LEMPP, 1992, 96) Gemeinsam ist den autistischen Störungen, daß die Betroffenen extreme Kontaktverweigerung zeigen. Das von ASPERGER beschriebende Bild der „Autistischen Psychopathen“ weist gegenüber dem sogenannten „KANNER’schen Autismus“ charakteristische Unterschiede auf. Die Betroffenen sind intelligenter, sie können bei entsprechender Unterstützung die höhere Schule absolvieren. Beim „KANNER’schen Autismus“ sind massivere Ausfälle, vor allem im neuropsychologischen Bereich, zu beobachten. (OERTER/ MONTADA, 1998, 954) Die Unterschiede zwischen den beiden autistischen Syndromen liegen vor allem im Krankheitsbeginn, im sprachlichen und im intellektuellen Bereich sowie in den motorischen Besonderheiten. Kinder mit dem „ASPERGER- Syndrom“ lernen früher sprechen und entwickeln eine differenziertere Sprache. Ferner weisen sie meist gute
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bis durchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten auf. Die Kinder beginnen häufig noch vor dem freien Laufen zu sprechen und gewinnen eine wandlungsfähige Sprache mit einem großen Wortschatz mit zum Teil originellen Wortschöpfungen. Ihre Sprache ist in der kommunikativen Funktion gestört. Die Kinder mit dem „ASPERGERohne Anpassung an die Zuhörer und führen häufig Syndrom“ reden,
Selbstgespräche. Sie zeigen keine charakteristischen Abweichungen in der Sprache, die für den frühkindlichen Autismus nach KANNER charakteristisch sind wie Echolalie, Umkehr der Pronomina, Sprachentwicklungsverzögerung. Im Gegensatz zu ASPERGER stellte KANNER einen späten Sprachbeginn und ein häufiges Ausbleiben einer Sprachentwicklung (etwa 50%) bei den autistischen Kindern fest. Die autistischen ASPERGER- Kinder wiesen eine rasche Entwicklung einer grammatisch und stilistisch Sprache mit einer kommunikativen Funktion auf, die allerdings in der Spontanrede gestört ist. Im Gegensatz zum frühkindlichen Autismus fehlen beim „ASPERGER- Syndrom“ die verzögerte Sprachentwicklung wie auch die Einschränkung der kognitiven Entwicklung. Die Kinder mit dem „ASPERGER- Syndrom“ denken originell und verfügen über eine gute Fähigkeit, logisch und abstrakt zu denken. Dagegen lassen sie ihre eng umgrenzten Sonderinteressen im sozialen Kontext auffällig werden. Ähnlich wie Kinder mit dem frühkindlichem Autismus nach KANNER, haben die Kinder nach ASPERGER eine ausgeprägte Aufmerksamkeitsstörung haben. Dies führt dazu, daß sie von innen gelenkt werden und sind ferner mit sich selbst beschäftigen. (REMMSCHMIDT, 2000, 22- 45)
Das „KANNER- Syndrom“ macht sich schon in den ersten Lebensmonaten bemerkbar, während das „ASPERGER- Syndrom“ seine markanten Auffälligkeiten vom 3. Lebensjahr an zeigt. In der Motorik fand KANNER keine Einschränkungen, sofern nicht eine zusätzliche Erkrankung vorliegt. ASPERGER stellte eine auffällige Motorik fest. Er verwies auf die motorische Ungeschicklichkeit, die grob- und feinmotorische Koordinationsstörungen sowie eine ungelenkte und linkische Motorik. (REMMSCHMIDT, 2000, 22- 23)
Beide diagnostische Bezeichnungen sind nicht ganz unproblematisch, da es sich in beiden Fällen nicht um einen Rückzug von der Außen- in eine Innenwelt, sondern um eine Beeinträchtigung der sozialen Kontaktfähigkeit handelt. Gleichwohl haben sich beide Begriffe fest etabliert. (STEINHAUSEN, 1996, 55 )
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3. Das Erscheinungsbild des kindlichen Autismus
3.1. Das autistische Syndrom
Autismus definiert sich als eine tief greifende Entwicklungsstörung, die zu schwerer Mehrfachbehinderung führt. Der kindliche Autismus ist ein Syndrom, welches diagnostiziert wird, wenn eine Reihe von charakteristischen Verhaltensweisen bzw. bei einem Kind nebeneinander auftreten. („HILFE FÜR DAS AUTISTISCHE KIND“ E:V, 1990, 3) Eine Entwicklungsstörung besteht in einer mangelhaften Umsetzung der verarbeiteten Reize in entsprechend, komplexe Verhaltensmuster. Die Folge ist eine mangelnde Reizverarbeitung. (PETERMANN, 1997, 312) Autismus zeigt sich in unterschiedlichen Schweregraden und Erscheinungsformen. Es stellt in seinen verschiedenen Äußerungsformen kein abgrenzbares Krankheitsbild, sondern eine veränderte Lebens- und Entwicklungsform des Menschen dar. Sie kann auf verschiedene Ursachenkonstellationen begründet sein. (SCHOR/ SCHWEIGGERT, 2001, 20) Es gibt eine Vielzahl von Symptomen, die bei der autistischen Störung auftreten können, aber nicht auftreten müssen. Nicht alle Symptome treffen auf jedes autistische Kind zu. (PETERMANN, 2000, 432) Die autistische Störung beeinflußt die gesamte psychische Entwicklung. Aus dem Grund sehen die Symptome in den verschiedenen Altersstufen sehr unterschiedlich aus. Bestimmte Merkmale treten erst später in Erscheinung, während andere Symptome mit der Zeit verschwinden. (FRITH, 1992, 11)
Der im Anhang unter Punkt 11.1. beigefügte „Merkmal- und Symptomkatalog zur Erkennung des frühkindlichen Autismus“ und unter 11.2. „Frühsymptome“ zeigen, wie vielfältig die Symptomatologie des autistischen Syndroms ist. Bei dem Erscheinungsbild des kindlichen Autismus ist die zeitliche Reihenfolge der Verhaltensauffälligkeiten und der gesamte Verlauf während des Lebens des betreffenden Menschen charakteristisch. Die ersten Symptome werden beim Säugling und Kleinkind vor dem 30. Lebensmonat beobachtet. Beginnt das Erscheinungsbild auch bei rückläufiger Betrachtung erst später, so kann es sich um eine andersartige Störung, möglicherweise um eine kindliche Schizophrenie handeln. (KEHRER, 2000, 31- 32)
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3.2. Primäre Symtomatik
3.2.1. Wahrnehmung
Wahrnehmung ist ein Prozeß, durch den sich ein Mensch über die Sinnesorgane Informationsübertragung an das Gehirn Kenntnisse aneignet. Der Menschen muß die Informationen erst so verarbeiten, daß für ihn eine Bedeutung entsteht. Die Bereiche der Wahrnehmung beinhalten auditive, vestibuläre, propriozeptive, taktile und visuelle Systeme. Sie sind prozeßhaft und integriert miteinander verknüpft. (BUNDSCHUH, 1994, 179)
3.2.1.1. Kognitive Störungen
Die kognitiven Störungen werden als charakteristische Basisstörungen betrachtet. Sie werden als allgemeines Defizit an Fähigkeiten verstanden, Sinn- und Bedeutungsgehalte aus sprachlichen Informationen abzuleiten. Hiervon ist vor allem das interpersonale Verstehen betroffen. (STEINHAUSEN, 1996, 57)
"Ähnlich wie der Blinde unfähig ist, die Welt leibhaftig zu sehen, so scheint der autistische Mensch nach neueren Erkenntnissen außerstande zu sein, das Innenleben von Personen wahrzunehmen. In gewissem Sinne könnte man von einer Blindheit für psychische Vorgänge sprechen- analog zu der für physische (FRITH, 1993, 48).“
Die Dreiheit der autistischen Störung, die in der Beeinträchtigung der Kommunikation, Phantasie und der sozialen Beziehungsfähigkeit besteht, ist mit dem Versagen eines einzigen kognitiven Mechanismus zu verstehen. Deshalb können sie nicht nachvollziehen, wie Verhalten aus bestimmten Situationen resultiert und können nicht begreifen, wie sich Überzeugung und Einstellung manipulieren lassen. Aus dem Grund fällt es ihnen auch schwer zu verstehen, was Täuschung und Betrug ist. (FRITH, 1993, 54)
Die Grundlage der Probleme autistischer Kinder ist eine unzureichende Verarbeitung von Informationen. Es werden weniger übergreifende Schemata ausgebildet, die es ihnen ermöglichen, die Informationen zuverlässig zu zuordnen. Das Defizit bei der Ausbildung von übergreifenden Schemata, die den Lebenszusammenhang repräsentieren und damit Einzelinformationen in einen funktionalen Sinnzusammenhang bringen, erschwert die Ausbildung und den Einsatz von Gedächtnisstrategien. Autistische Kinder sind weitgehend auf das unmittelbare Behalten angewiesen. Ein autistisches Kind nimmt einen Begriff auf, ohne ihn in
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einen umgreifenden Sprach- oder Lebenszusammenhang einzubeziehen. Ferner nimmt es auch Gegenstände und Handlungen auf, ohne sie in einen Sinnzusammenhang zu bringen. Die Informationen über Gegenstände oder Sprache bleiben nach der Speicherung von Einzelinformationen ohne Bezug zu einem Lebenszusammenhang. „Die Welt des Autisten ist eine Welt von Einzelereignissen, von Einzelobjekten, und sie ist viel weniger eine Welt der Zusammenhänge, eine Welt, in der Teile zu
Ganzheiten und Gestalten verbunden sind (KLICPERA/ INNERHOFER, 1999, 45- 46).“ Aus dem Grund finden sich die Kinder in einer bekannten Umwelt am besten zurecht und reagieren auf kleinste Veränderungen mit Abwehrverhalten. Das Abwehrverhalten der autistischen Kinder führt zu Wahrnehmungsdefiziten sowie in Folge zu kognitiven Ausfällen. (OERTER/ MONTADA, 1998, 956) Die Theorie der kognitiven Grundstörung (theorie of mind) sieht beim Autisten einen angeborenen Defizit, der sich beim kognitiven Erfassen der Umwelt in einer Fehlentwicklung zeigt. Diese Fehlentwicklung führt dazu, daß ihnen die Vorstellung von Bewußtseinslagen anderer Menschen, im Sinne der Metarepräsentationen fehlen. Daher können autistische Kinder nicht verstehen, daß ihr Gegenüber über eigene Ansichten, Überzeugungen und Vorhaben verfügt, die sein Handeln bestimmen und leiten. Diese Mängel führen zu Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion. Zusätzlich zur sprachlichen Information über nonverbales Verhalten werden Hinweise auf die Vorstellung des Interaktionspartners entschlüsselt und verstanden werden. Der Bereich des nonverbalen Verhaltens bereitet den Kindern zusätzlich Schwierigkeiten. (SCHOR/ SCHWEIGGERT, 2001, 32)
3.2.1.2. Sensorische Störungen
Das autistische Kind zeigt zahlreiche Symptome einer mangelhaften sensorischen Verarbeitung. Seine Auseinandersetzung mit der körperlichen Umwelt sind in gleicher Weise schlecht. (AYRES, 1998, 213)
Stärker als andere Kinder setzen die autistischen Kinder ihre Sinne ein. „Sie riechen an allem, auch an Gegenständen, die für den Normalen keinen Geruch ausströmen. Sie führen alles an die Lippen oder stecken es in den Mund, betasten Oberflächen oder beklopfen sie (...) Gelegentlich kommt auch Augenbohren vor, was bestimmte Lichtreflexe hervorruft (KEHRER, HANS PROF. DR. MED. (1995): Autismus und Geistige Behinderung. Georg Thieme Verlag Stuttgart. S. 147).“
Von den sensorischen Störungen können das visuelle, auditive, olfaktorische, gustatorische, taktile und propriozeptive Sinnessystem betroffen sein. Hinweise auf
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entsprechende Störungen können sich z.B. in Augenbohren, fehlende Reaktion auf Geräusche, Ablehnung von Berührung, Betasten und Beriechen von Overflächenstrukturen, Bevorzugung bzw. Ablehnung bestimmter Speisen, verminderte Schmerz- und Kälteempfindlichkeit, motorische Stereotypen und Autostimulation sowie allgemeine Hypo- bzw. Hypersensibilität ausdrücken. (STEINHAUSEN, 1996, 57) Im Bereich
- der sensorischen Wahrnehmung können signifikante Unregelmäßigkeiten hinzutreten, da die Verarbeitung von Sinnesreizen ist meist unzureichend ausgeprägt ist.
- der auditiven Wahrnehmung zeigen autistische Kinder eine Empfindlichkeit gegenüber Lärm und alltäglichen Geräuschen. Sie hören ungewöhnlich hohe und tiefe Töne sowie erwecken auch bei intaktem Gehör den Eindruck der Taubheit. - der visuellen Wahrnehmung weisen die Kinder häufig eine starke Lichtempfindlichkeit auf und verfügen über keine ausreichende Auge- Hand-Koordination. Auffallend ist ihr gutes oder schlechtes Orientierungsvermögen. Autistische Kinder weisen Schwierigkeiten beim Wiedererkennen von Gesichter auf und ignorieren oft Personen und Gegenstände in ihrem unmittelbaren Umfeld. - der gustatorischen und olfaktorischen Wahrnehmung zeigen die Kinder eine hohe Sensibilität gegenüber Geruchs- und Geschmacksreizen. Auf ihr Handeln und Verhalten nehmen kaum wahrnehmbare Gerüche Einfluß.
- der taktilen Wahrnehmung zeigen sich häufig Unempfindlichkeiten für Schmerz sowie für Temperaturen. Die Kinder weisen vielfach eine Empfindungslosigkeit in ihren Gliedmaßen auf. Sie offenbaren eine Abneigung gegen leichteste Berührungen, die sie oft als schmerzhaft empfinden. (SCHOR/ SCHWEIGGERT, 2001, 21- 23) Eine positive Reaktion erzeugt eine starke Druckberührung. In dem Gehirn des autistischen Kindes können nur starke Gefühlseindrücke bewußt gemacht werden. Sie fühlen Reizinformationen ihrer Muskeln und Gelenke intensiver als Reize auf ihren Augen und Ohren. (AYRES, 1998, 216- 226 ) Die Kinder sind schwerkraftverunsichert, da sie nicht in der Lage sind, die Reizeindrücke des Gleichgewichtsorgans im erforderlichen Ausmaß abzustimmen. Das autistische Kind hat keine gut entwickelte Körperwahrnehmung, die es als Voraussetzung für die Bewegungsplanung benötigt, Ferner hat es Schwierigkeiten,
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sich die Möglichkeiten eines Gegenstands abstrakt vorstellen zu können. (AYRES, 1998, 216- 226 )
Autistische Kinder haben im Vergleich zu nicht- autistischen Kindern eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne. Sie schauen häufiger auf den Hintergrund eines Bildes oder von Objekten. Beim Betrachten von Personen und Objekten werden autistische Kinder nicht von denselben Regeln geleitet, wie andere Kinder. Autistische Kinder besitzen die gleichen Wahrnehmungspräferenzen wie die nicht- autistischen Kinder. Die verkürzte Aufmerksamkeitsspanne zeigen autistische Kinder bei visuellen sowie akustischen Reizen. Eine autismusspezifische Störung in der
Aufmerksamkeitszuwendung wurde schon von LOVAAS (1971) vermutet. Mit ihrer sogenannten „Reiz- Überselektivitäts- Hypothese“ der Wahrnehmung konnte LOVAAS Anfang der siebziger Jahre nachweisen, daß autistische Kinder nur auf einen bestimmten Reiz-Teil, aus einer Gesamtheit des Reizmusters, reagieren. Dabei werden andere Reize für die Lösung einer Aufgabe eventuell bedeutsamere Teile, unbeachtet gelassen. (KUSCH/ PETERMANN, 1991, 73- 74) Sie haben besondere Probleme dabei, ihre Aufmerksamkeit schnell von einer Modalität zu einer anderen zu verschieben. Die Reaktionszeit der Kinder ist immer besonders lang, wenn zuvor ein Wechsel der Sinnesmodalität, in der ein Reiz beachtet werden soll, erfolgt ist. Dieses Phänomen ist auch zu beobachten, wenn nicht die Modalität, sondern die Art der zu beachtenden Merkmale geändert wird, zum Beispiel von der Form auf die Farbe. (KLICPERA/ INNERHOFER, 1999, 50)
Vor allem die Qualität des Blickkontakts ist bei autistischen Kindern anders als bei normalen Kindern. Nach Untersuchungen von BARON- COHENS (1992) nutzen sie das Blickverhalten des Sozialpartners nicht als Information über die Wünsche, Pläne und Gedanken des Partners. Sie blicken andere Menschen oft ungewöhnlich kurz oder unangemessen lang an. (CORDES, 1995, 62) Der geringe Blickkontakt zu anderen Menschen ist teilweise eine Folge des kürzeren und oberflächlicheren Musters von visuellen Reizen bei autistischen Kindern. Teilweise ist er auch Ausdruck der Kontaktverweigerung und der Versunkenheit in die eigene Welt. Ein geringer Blickkontakt wird von vermehrten Stereotypen begleitet. (KLICPERA/ INNERHOFER, 1999, 104)
Autistische Kinder sind in der Lage, ausdrucksvolle Gesten und emotionale Lautäußerungen zu erkennen. Es fällt ihnen jedoch schwer, emotionale Lautäußerungen den spezifischen Situationen zuzuordnen. (CORDES, 1995, 65)
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Eine derartige Beziehungsstörung kann sich auch nur auf einzelne Sinnesmodalitäten beschränken. Dabei handelt es sich dann um eine cerebrale Nicht- Verarbeitung der aufgenommenen Reize. Eine gestörte oder veränderte Art der Reizaufnahme und - verarbeitungkann als die wesentliche Grundstörung beim Autismus angesehen werden. Von ihr können alle anderen Symptome abgeleitet werden. Sie bilden die Ursache eines beeinträchtigten oder fehlenden Aufbaues eines gemeinsamen Realitätsbezugs. (LEMPP, 1992, 100)
Die Abnormalitäten autistischer Kinder im sensorischen Bereich werden in drei Punkte zusammen gefaßt:
1. Autistische Kinder tendieren in allen Reizmodalitäten dazu, einzelne Reize auszublenden und nicht zu verarbeiten. 2. Sie empfinden einzelne Reize als störend. 3. Es werden einzelne Reize betont wahrgenommen und verarbeitet. Alle drei Teilgebiete hängen miteinander zusammen. Die Anforderungen, die diese Aufgaben stellen, betreffen die logische Verarbeitung von Wahrnehmung und Reizen. Einen Reiz logisch zu verarbeiten bedeutet, ihn in Beziehung zu setzen zu anderen Reizen sowie ihn in die bestehende Ordnung zu integrieren, wofür die Vorstellung von einem Gesamtbild stellt die Grundlage dafür da. Ist dieses nicht hinreichend verfügbar, kann der neue Reiz nicht integriert werden und wird als Störreiz wahrgenommen. Er erweitert nicht die bestehende Ordnung, sondern bringt sie im Gegensatz ins Wanken. Aus dem Grund haben autistische Kinder gelernt, Reize nicht wahrzunehmen. Sie haben Probleme damit, einen neuen Reiz in eine Handlung aktiv einzubeziehen. Ihre Fähigkeit zur Konzentration hilft ihnen, Reize zu ignorieren. Das Ausblenden vieler Reize ist für sie notwendig, um die Ordnung, in der sie leben , nicht zu verlieren. Auf der anderen Seite sind sie gezwungen, sich auf die Reize zu fixieren, mit denen sie sich gerade beschäftigen. Dies könnte die Ursache der mangelnden Flexibilität bei der Aufmerksamkeit und der Schwierigkeiten des Wechselns von einer Sinnesmodalität auf eine andere, sein. (KLICPERA/ INNERHOFER, 1999, 50- 51)
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3.2.1.3. Emotionale Störungen
Viele autistische Kinder, mehrheitlich mit intellektuellen Einschränkungen, sind im Allgemeinen fröhlich und guter Stimmung. Weiterhin kann man bei anderen autistischen Kindern auch Schwankungen und Perioden von schlechtem Befinden, Reizbarkeit, ungenügendem Schlaf usw. beobachten, die gewöhnlich ein paar Tage und manchmal aber auch länger andauern. Bei den intelligenteren Autisten gibt es, als psychiatrische Komplikation, typische depressive Phasen. Intelligentere Autisten merken, daß sie anders sind als die meisten Menschen in ihrer Umgebung und manche leiden darunter.
Ihre Gefühlswelt ist nicht normal und einfühlsam. Es ist oft schwierig, ihre Gemütsverfassung zu erkennen. Wenn sie lachen, bedeutet dies nicht unbedingt, daß sie fröhlich sind. Wenn sie weinen, muß dies kein Ausdruck von Traurigkeit und Schmerz sein. Auch die Beurteilung der Mimik ist in dieser Beziehung nicht immer zuverlässig. Mit der Gefühlswelt der Autisten hängt auch das negatives Verhalten zusammen, welches viele von ihnen zeigen. Es macht sich in uneinfühlbare, plötzlich auftretende negative Handlungen wie z. B. unbegründetes Losschlagen auf ein anderes Kind oder das Zerstören von Spielzeug bemerkbar. Bei den autistischen Kindern fällt auch ihr gedanklicher Inhalt oft als ungewöhnlich auf. Hier sind überwiegend Negatives und Unerfreuliches, sowie manchmal auch ungewöhnliche naturwissenschaftliche oder historische Kenntnisse zu beobachten. Zerstörung und Tod sind ein häufiges Thema bei den autistischen Kindern. (KEHRER, 2000, 35- 40) Autistische Kinder zeigen alle Grundemotionen im Gesicht, haben aber oft einen neutralen Ausdruck. Sie zeigen mehr „gemischte“ Affekte, zum Beispiel eine Mischung aus Freude und Ärger. Den emotionalen Gesichtsausdruck anderer Menschen nutzen die autistischen Kinder nur eingeschränkt als Informationsquelle. Sie beachten eher die untere Gesichtsregion, besonders den Mund anderer Personen und orientieren sich an deren Kleidung. Gesunde Kinder entnehmen ihre Informationen dagegen vorwiegend der oberen Gesichtshälfte, besonders den Augen. (CORDES, 1995, 64- 65) Die Schwierigkeiten beim Erkennen des emotionalen Gesichtsausdrucks hängen damit zusammen, daß autistische Kinder andere perzeptuelle Strategien benutzen. Sie beurteilen den emotionalen Ausdruck vor allem auf Grund einzelner Merkmale und weniger nach dem Gesichtsausdruck (KLICPERA/ INNERHOFER, 1999, 115)
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3.2.2. Sprache
Mit der Sprache wird ein nicht klar abgrenzbarerer Phänomenbereich bezeichnet. Das Grundschema ist hier der wechselseitige Informationsaustausch zwischen Sendern und Empfängern. Die Kommunikation kann jedoch auch „nonverbal“ über andere Kanäle wie z.B. über Blicke, Gesten, Gebärden oder Körperhaltungen stattfinden. (ARNOLD/ EYSENCK/ MEILI, 1997, 2155- 2158)
3.2.2.1. Kommunikationsstörungen
„Die schweren Sprachauffälligkeiten von frühkindlichen Autisten, die weniger als eine Störung der
Syntax und vielmehr als eine des Konzeptes und des Kontextes von Sprache und somit weniger als
Verzögerung denn als Abweichung betrachtet werden müssen, verweise neben der sozialen
Kommunikationsstörung auch auf eine Störung des Einsatzes von Sprache im Denken
(STEINHAUSEN, 1996, 57).“
Die Sprache bietet viele meßbare Leistungsaspekte, anhand derer man auf die zugrundeliegende Kompetenz der autistischen Kinder schließen kann. Die Phonetik verweist auf die Fähigkeit, mit gesprochenen Lauten umzugehen. Die Syntax auf die Fähigkeit, mit den Grammatikregeln umzugehen. Die Semantik auf die Fähigkeit, Bedeutungen zu verstehen und herzustellen. Die Pragmatik verweist auf die Fähigkeit, die Sprache zum Zweck der Kommunikation einzusetzen. Schwierigkeiten im Bereich der Pragmatik sind ein universelles Kennzeichen des Autismus. (FRITH, 1992, 135- 136) Die sprachlichen Auffälligkeiten autistischer Kinder legen nahe, daß sie ein wesentlicher Bestandteil der Entwicklungsprobleme dieser Kinder sind. Die Auffälligkeiten gehen allerdings nicht von einer Störung des
Sprachaneignungsprozesses aus, sondern sind eine Folge der allgemeinen kognitiven sowie der sozialen Schwierigkeiten der Kinder. Spezielle Schwierigkeiten autistischer Kinder zeigen sich dort, wo es nicht mehr um die grundlegenden Fähigkeiten in den Teilbereichen der sprachlichen Kompetenz geht, sondern wo diese Fähigkeiten integriert und mit den sozialen Anforderungen des Alltag abgestimmt werden müssen. Dies geschieht im Sprachgebrauch und im Verständnis für die Bedeutung sprachlicher Äußerungen im Alltag bzw. über alltägliche Ereignisse. (KLICPERA/ INNERHOFER, 1999, 88) Die Kinder zeigen grundlegendes Defizit des Spracheinsatzes für die soziale Kommunikation vor, das sich als mangelnde Flexibilität des sprachlichen Ausdrucks, mangelnde Kreativität
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der Denkprozesse und ungenügende Modulation des Sprechens äußern. (STEINHAUSEN, 1996, 55)
3.2.2.2. Besonderheiten beim Sprachverhalten
Autistische Kinder weisen bereits vor der Phase des normalen Spracherwerbs Kommunikationsdefizite auf. Bevor kleine Kinder über richtige Wörter verfügen, plappern sie. Diese Vokalisationen sind bei autistischen Kindern weniger häufig und weniger informativ als bei anderen Kindern. (DAVISON/ NEALE, 1998, 555) Etwa 40% der autistischen Kinder sind mutistisch, das heißt, daß sie keine aktive Sprache sowie manchmal auch kein Sprachverständnis. Der größte Teil der autistischen Kinder zeigt verschiedene Sprachabnormalitäten. Die erste Sprachbesonderheit zeigt sich in der sogenannten Echolalie, welche das Wiederholen von vorgesprochenen Wörtern oder Sätzen beinhaltet. Auch bei normalen Kindern kommt die Echolalie als kurzes Durchgangsstadium jeder normalen Sprachentwicklung vor, denn ohne Imitation der Elternsprache kann kein Kind sprechen lernen. Bei den Autisten bleibt jedoch die Echolalie über Jahre bis sogar ins Jugendalter erhalten. Bei der Frage:“ Möchtest Du ein Bonbon haben?“ wiederholt das Kind im gleichen vorgesprochenen Tonfall:“ Willst Du ein Bonbon haben.“ Bei den autistischen Kindern wird auch eine verspätete Echolalie beobachtet, die sich darin äußert, daß z. B. Aufforderungen oder Verbote, bei einer anderen Gelegenheit wieder vorgebracht werden. Es kommt vor, daß das Kind dann diese Sätze fortwährend wiederholt, was man Iteration nennt. Diese wiederholten Sätze haben keinen Bezug zu der augenblicklichen Situation. Im Zusammenhang mit der Echolalie entwickelt sich bei autistischen Kindern oft eine weitere, spezifische Spracheigentümlichkeit, die sich pronominale Umkehr nennt. Aus der Fragewiederholung der Echolalie entsteht die Tendenz, sich selbst mit „Du“ zu benennen. Die autistischen Kinder benennen sich grundsätzlich nicht mit Ich, sondern mit dem Du oder eventuell auch mit ihrem Eigennamen. Bei normalen Kindern kann sich ebenfalls in einer Durchgangsphase der Sprachentwicklung eine pronominale Umkehr entwickeln. Aber nur soweit, bis sie begriffen haben, daß die Sprache für die eigene Person das Wort Ich vorgesehen hat. Die pronominale Umkehr kann bei autistischen Kindern über Jahre erhalten bleiben. (KEHRER, 2000, 32- 33)
Arbeit zitieren:
Silja Binner, 2002, Ausgewählte Therapieansätze in der ambulanten Behandlung autistischer Kinder, München, GRIN Verlag GmbH
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