Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung. 3
1 Die Wiener Galerie 4
2 Die Sprache der Wiener Galerie 5
2.1 Einführendes 5
2.2 Einflüsse und Besonderheiten 5
2.2.1 Einfluss der Sinti und Roma 5
2.2.2 Deutscher Einfluss. 5
2.2.3 Politische Einflüsse. 6
2.2.4 Fachsprachen 6
2.2.5 Die Paragraphensprache. 7
2.2.6 Bedeutungswandel 7
2.2.7 Endsilbe 8
2.2.8 Polysemie (Bedeutungsvielfalt) 8
2.2.9 Die O-Sprache. 9
3 Gaunerwörterschwund 9
4 Gaunerzinken 10
5 Das Verständigen in Gefängnissen 11
6 Fazit 13
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0 Einleitung
Die Sondersprachenforschung befasst sich mit den sprachlichen Varietäten sozialer (Rand-)Gruppen, wozu auch die Geheimsprachen gehören. Die Wiener Gaunersprache - mit der sich meine Hausarbeit beschäftigt - ist eine solche Geheimsprache. Es liegt nahe, dass besonders bei kriminellen Aktivitäten höchste Geheimhaltung geboten ist. Dies geht folglich mit der Verschlüsselung der Sprache einher, um gewisse Nachrichten für Außenstehende unverständlich zu machen. Doch schon früh versuchte besonders die Obrigkeit, diese Geheimsprache zu entschlüsseln. So erstellte man so genannte Gaunerwörterbücher. Dies waren, wie der Name schon besagt, Wörterbücher mit Gaunerfachausdrücken. Diese verfolgten den Zweck, auf frischer Tat ertappte kleine Gauner besser zu verstehen und so der Tat zu überführen. Es diente den Polizisten also dazu, die Unterhaltungen und vor allem die Korrespondenzen von Strafhäftlingen nachzuvollziehen. So erklärt zum Beispiel Rudolph Fröhlich in seinem Buch „Die Gefährlichen Klassen Wiens“ wo der Ausdruck müllisieren (verhaftet werden) wahrscheinlich seinen Ursprung hat: „In den Gefängnissen ist das hauptsächliche Unterhaltungsspiel der lange Puff, auch Mühle ziehen genannt.“ 1 So hat man, nachdem man müllisiert wurde also wieder viel Zeit, sich mit ‚Mühle ziehen’ zu beschäftigen. Die Quellen der Gaunerwörterbücher speisten sich aus Verhören und Gesprächen der Kriminalbeamten mit Verbrechern, Zuhältern und Dirnen, Kerkerinschriften (beispielsweise Graffiti in Gefängnissen) sowie aus Briefen und Notizen von Verbrechern und bereits aufgezeichneten Wortsammlungen seit 1805. 2
Es gibt aber immer noch Fragen, die sich mir stellen: Wieso heißen die Gauner in Wien „Wiener Galerie“? Was beeinflusst und beeinflusste sie? Wie sieht die Zukunft der Gaunersprache aus und welche Auswüchse hat diese Sprache? Diese Fragen versuche ich in meiner Arbeit zu beantworten.
1 Fröhlich, Rudolf: Die gefährlichen Klassen Wiens. Darstellung ihres Entstehens, ihrer Verbindung, ihrer
Taktik, ihrer Sitten und Gewohnheiten und ihrer Sprache. Mit belehrenden Winken über Gaunerkniffe und
einem Wörterbuche der Gaunersprache. Wien: Verlag von Albert A. Wenedikt´s Buchhandlung, 1851.
S. 137.
2 Petrikovits, Albert: Die Wiener Gauner-, Zuhälter- und Dirnensprache. Herausgegeben und mit einem
Nachwort versehen von Inge Strasser. Wien, Köln, Gratz: Böhlau, 1986. S. 7.
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1 Die Wiener Galerie
Die erste Frage, welche sich hier sofort aufdrängt ist folgende: Warum nennen sich die Wiener Gauner selbst Galeristen?
In den wenigen Fachbüchern, die zu diesem Thema verfasst wurden, gibt es keine Erklärungsversuche oder -ansätze. So bleibt die Unterredung mit den Mitgliedern dieser Gilde. Peter Wehle 3 tat dies und hörte diesbezüglich zwei Meinungen 4 :
1. Das Opernpublikum gliederte sich zu früheren Zeiten in drei verschiedene Gruppen. Dies waren die Logenbesucher (die Aristokraten und der Geldadel), das Parkett (die Bürgerlichen und allenfalls wohlhabende kunstinteressierte Handwerker) und die Galerie (auch Juchhe genannt). In der Galerie gab es Säulensitze, hinter denen man gar nichts sehen konnte. Die Besucher waren nicht feierlich gekleidet, weil sie nichts hatten. Daher ließe sich das Wort herleiten: von den Parias, den Ausgestoßenen; von denen, die nicht mehr dazugehören. 2. Hinter dem Kartentisch, an dem das (ländliche oder sonstige) Opfer durch Falschspieler gerupft oder geschoren (also ausgenommen) werden sollte, bildete sich oft eine Reihe von so genannten Zundgebern. Dies waren Herren, welche den Gauner mit Informationen über Blatt des Opfers oder von außen drohenden Gefahren versorgten. Dieser Halbkreis soll auch „Galerie“ geheißen haben. Doch auch Wehle erarbeitet einen weiteren Erklärungsversuch 5 : Es gibt schon lange bei der Polizei Sammlungen von Photographien der Gauner. Jene Sammlung hat bei den Betroffenen den Spitznamen „Galerie“ oder auch „Bildergalerie“. Ein Galerist ist somit der, dessen Konterfei bei der Polizei aufbewahrt wird. Neben dem Konterfei findet man auf den Fotografien auch eine Kennummer, auf die manche Galeristen sogar stolz sind, das dies ein Zeichen ist, dass der Abgebildete zur „Zunft“ gehört.
3 Peter Wehle ist ein wiener Kabarettist, Jurist und Germanist.
4 Wehle, Peter: Die Wiener Gaunersprache. Eine stark aufgelockerte Dissertation. Wien, München: Verlag
Jugend und Volk. S. 8.
5 Ebd. S. 8 f.
4
2 Die Sprache der Wiener Galerie 2.1 Einführendes
Die Sprachvariante der Wiener Unterwelt setzt sich zusammen aus rotwelschjiddischen Ausdrücken, aus Lehnwörtern der Nachbarsprachen und lokalen Mundartausdrücken, welche bei den Galeristen vielfach eine andere Bedeutung haben, als im gängigen Wiener Dialekt. 6 Sie ordnet sich grammatikalisch und syntaktisch der Wiener Alltagssprache ein, hat aber einen abweichenden Wortschatz und spezifische Redewendungen. 7
2.2 Einflüsse und Besonderheiten
2.2.1 Einfluss der Sinti und Roma
Mit dem fahrenden Volk der jüdischen Händler kamen schon früh die Zigeuner in Berührung, welche auch in der Wiener Gaunersprache ihre Spuren hinterlassen haben. Dies sind zwar nicht viele, aber sie sind zu finden. So zum Beispiel das Wort bango (krumm), welches aber nur noch die Älteren kennen, da die Jugend von dem Fortschritt der Medizin profitieren kann und dieses Wort somit nicht mehr braucht. Ein weiteres Beispiel ist folgendes: In Gaunerkreisen - aber nicht nur dort, sondern auch im Allgemeinsprachlichen - sagt man, wenn es besonders kalt ist: „Es håt an Fåden.“ („Es hat einen Faden.“) Schaut man nun zum Zigeunerischen, erfährt man, dass fadin ‚kalt’ bedeutet. 8
2.2.2 Deutscher Einfluss
Wörter, die im Hochdeutschen schon längst vergessen sind, sind im Wienerischen immer noch aktuell. Ist zum Beispiel ein Mann winnig auf eine Frau, so begehrt er sie. Schaut man in ein mittelhochdeutsches Wörterbuch, so findet man den Ursprung: winnec. 9
6 Ebd. S. 9.
7 Ebd. S. 7.
8 Ebd. S. 44 ff.
9 Ebd. S. 92.
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Arbeit zitieren:
Maria Reichmann, 2007, Die Wiener Gaunersprache, München, GRIN Verlag GmbH
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