Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Lehrplan und Unterrichtsgestaltung. 4
2.1. Bildungsinhalte und Unterrichtsfächer 4
2.2 Der Staatsbürgerkundeunterricht. 5
3 Lehrerflucht aus SBZ und DDR 1945 - 1961 7
3.1 Gründe der Republikflucht 7
3.2 Maßnahmen gegen die Lehrerflucht 9
3.3 Ein Beispiel - Der „Abschiedsbrief“ eines republikflüchtigen Lehrers 11
4 Fazit 12
Literaturverzeichnis 14
2
1 Einleitung
„In der DDR hat man von mir eine Weltanschauung verlangt, ohne daß ich die Welt anschauen durfte.“ Manfred Krug (*1937), dt. Schauspieler 1
Diese Zerrissenheit, wie sie in diesem Zitat der Schauspieler Manfred Krug schildert, fand sich auch in vielen anderen Menschen, die in der Sowjetischen Besatzungszone - kurz SBZ - und DDR lebten, wieder. Besonders schwer hatten es solche, die diese Weltanschauung vor anderen vertreten sollten und selbst nicht mehr daran glaubten - so zum Beispiel einige Lehrer. Der Lehrerberuf birgt immer grundlegende Differenzen zwischen den fördernden, pädagogischen, auf umfangreiche Bildung bedachten Aspekten zum einen und den „zufügenden, Zwang ausübenden, sogar unterdrückenden institutionell-organisatorischen Facetten“ 2 zum anderen. Doch was macht man als Lehrer, wenn man diesen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden oder diese bestimmte Weltanschauung nicht mehr vertreten kann und/oder will? Welche Beweggründe gab es, dass Lehrer und Lehrerinnen alles aufgaben und die DDR verließen? Wie sah der Unterricht in der DDR aus und inwiefern wurde die Weltanschauung im Unterricht gelehrt? Diese Fragen versuche ich in meiner Hausarbeit zu beantworten. Zunächst gehe ich kurz etwas näher auf Unterrichtsfächer und Bildungsinhalte ein, um dann die Lehrerflucht aus der SBZ und DDR etwas näher zu beleuchten. Hierbei lege ich mein Augenmerk auf die Gründe der Lehrerflucht und die Maßnahmen, die von der DDR-Regierung getroffen wurden, um die Republikflucht eben dieser zu verhindern, beziehungsweise einzudämmen.
1 Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, Fachverlag für Kommunikation und Management,
Onlinepublikation, http://www.zitate.de/ergebnisse.php, Stand: 09.02.2007, 14:15 Uhr.
2 Vgl.: Bilder zur Geschichte des Lehrerberufs in Mitteldeutschland. Lehrer, Lehrerbild,
Lehrerbildung. Broschüre zur Ausstellung. Halle/Saale 2007. Franckesche Stiftungen zu Halle.
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
3
2 Lehrplan und Unterrichtsgestaltung
2.1. Bildungsinhalte und Unterrichtsfächer
Das Erziehungsziel der sozialistischen Schule sah vor, „[…] die Jugend zu allseitig entwickelten Persönlichkeiten zu erziehen, die fähig und bereit sind, den Sozialismus aufzubauen und die Errungenschaften der Werktätigen bis zum äußersten zu verteidigen.“ 3
Dieser Anspruch des Lehrplanes wurde in dessen Umfang sichtbar. So umfassten die Stoffangaben in den Lehrplänen der zehnklassigen Oberschule rund 400 Druckseiten. Später sprach man aufgrund dessen auch von einer „Pädagogik vom Lehrplan aus“. 4 Der Inhalt der als bindend erachteten schulischen Allgemeinbildung wurde von den Stundentafeln repräsentiert. So ergaben sich 1987/1988 folgende Aufteilungen 5 :
Gesellschaftswissenschaftl.
Bildung (mit Geographie)
Technischem Zeichnen und
Für inhaltliche Differenzierung und Individualisierung blieb hier kaum Platz. Seit der Abschaffung des erst 1946 eingeführten Kursunterrichtes im Jahre 1948 blieb die Einheitsschule bis 1957 vollkommen undifferenziert. Erst seit 1957 konnten die Schüler mit guten Leistungen in der ersten Fremdsprache ab
3 Fischer, Andreas: Das Bildungssystem der DDR. Entwicklung, Umbruch und Neugestaltung
seit 1989. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darmstadt 1992. S. 80.
4 Vgl. ebd. S. 81.
5 Ebd. S. 81.
4
Klasse 7 fakultativ eine zweite Sprache erlernen. Auch Nadelarbeit und Stenographie für die Mädchen wurden seitdem angeboten. Doch die Erziehungswissenschaftler plädierten vielfach für eine noch größere Ausweitung des fakultativen bzw. wahlweise obligatorischen Unterrichts. Trotz dieser Forderungen blieb sein Anteil am Unterrichtsvolumen gering. 6 Die bei weitem wichtigste Veränderung im Bildungskanon war in den späten fünfziger Jahren die Verbindung der Bildung und Erziehung mit produktiver Arbeit und mit der Praxis des sozialistischen Aufbaus. So verband man z.B. das schulische Lernen mit der Arbeit in der Produktion 7 . Unterricht und produktive Arbeit fanden überwiegend in polytechnischen Zentren statt. Die produktive Arbeit ab dem 9. Schuljahr wurde dann in die Produktionsabteilungen der Betriebe unter den Normen sozialistischer Produktion gelegt. 8
2.2 Der Staatsbürgerkundeunterricht
Staatsbürgerkunde wurde zumeist vom FDJ-/ Pionierleiter der Schule ab der 7. Klasse unterrichtet. Er sollte den Schülern ein festes Klassenbewusstsein (Bekenntnis zum Arbeiter-und-Bauernstaat) vermitteln und sie zu staats- bzw. parteitreuen Bürgern formen. Der Unterricht vermittelte den Staatsaufbau, die Ideologie des Marxismus-Leninismus sowie Rechte und Pflichten des DDR-Bürgers. Es war von großer Bedeutung, dass das kommunistische System dem kapitalistischen System als überlegen gegenübergestellt wurde, denn der “Sieg” des Kommunismus über den Kapitalismus sei eine aus seiner Vollkommenheit zwangsläufig ergebender Entwicklungsschritt in der Evolution des Menschen. 9 Dies wurde auch in den in den Lehrbüchern deutlich 10 :
6 Ebd. S. 82.
7 Man sah die produktiver Arbeit der Schüler in sozialistischen Betrieben vor (10
Wochenstunden verteilt auf das 7. bis 10. Schuljahr).
8 Ebd. S. 83.
9 Schieck, Dana: DDR-Geschichte. Onlinepublikation. http://www.ddr-
geschichte.de/Bildung/Schule/Direktlink/Staatsburgerkunde/staatsburgerkunde.html. Stand:
09.02.2007, 16:07 Uhr.
10 Die Tabelle ist einer Abbildung im Lehrbuch für Staatbürgerkunde Klasse 8 aus dem Jahr
1984 nachempfunden. Beil, Herbert; Bock, Werner; Büchner-Uhder, Willi (Leitung):
Staatsbürgerkunde. Klasse 8. Volk und Wissen Volkseigener Verlag. Berlin 1984. S. 6.
5
Arbeit zitieren:
Maria Reichmann, 2007, Lehrerflucht aus DDR und SBZ, München, GRIN Verlag GmbH
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