Suckel , Ines FB Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit
der Hochschule Darmstadt
Inhalt
Einleitung 3
Geschichte der „Lohwald Siedlung“ 8
Die Sozialisationsumwelt „Lohwald-Siedlung“ 12
Die Menschen. 12
Wohnungen , Wohnungsumfeld u. Infrastruktur. 13
Auswirkungen der Sozialisationsumwelt „Lohwald“ auf soziale Ungleichheit. 14
R äumliche Ausschließung. 14
Konflikttr ächtige Lebenssituation durch schlechte Wohnbedingungen 15
Exklusion vom Arbeitsmarkt 17
Gesellschaftliche Stigmatisierung und Diskriminierung. 19
Leben und Sozialisation in „bevorzugten“ Stadtteilen Offenbachs. 21
Abschlie ßende Gedanken 22
Literatur. 25
Tabellen und Diagramme (verwendetes Zahlenmaterial) 26
Bev ölkerung und Wohnungen 26
Arbeitslose in OF nach statistischen Bezirken 41, 43 u. 44. 27
Arbeitslose in OF (gesamt) von 1998 - 2002 28
Altersstruktur 29
Einwohner in OF nach statistischen Bezirken. 30
Personen und Bedarfsgemeinschaften mit laufender
Hilfe zum Lebensunterhalt (HLU) zum 31.12.1999. 31
Verzeichnis der Abbildungen 33
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„Soziologie … soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will. …“ (Max Weber) 1
Einleitung
Seit dem Besuch der Vorlesungen von Prof. Dr. Gehrmann zum Thema „Soziale Ungleichheit“, lässt mich die in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens auftretende Problematik nicht mehr los.
Mit dieser Hausarbeit möchte ich eine soziologische Sichtweise auf den Sozialraum „Stadt“ im Hinblick auf soziale Ungleichheit wagen. Ich sage bewusst „wagen“, denn ich gehe davon aus, dass eine gewisse „Erschütterung“ und Ohnmacht hinsichtlich des Ausmaßes der Spirale „sozialer Ungleichheit“ nicht ausbleiben wird.
Sicherlich gebührte jedem Bereich, in dem soziale Ungleichheit auftritt, Respekt, und es wäre interessant, sich eingehend mit all diesen Bereichen auseinander zu setzen, aber das würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Ich werde also meinen Blick fokussieren und zwar - nicht zuletzt, weil ich in den 80er Jahren lange dort Zeit wohnte - auf die Stadt Offenbach am Main, insbesondere auf den ehemals sozialen Brennpunkt „Lohwald“, der nach einem Beschluss der Stadt Offenbach in 1999, aufgelöst und deren Bewohnerinnen und Bewohner schließlich komplett umgesiedelt wurden.
Man könnte sich jetzt natürlich fragen, warum ich mir gerade einen Stadtteil Offenbachs aussuchte, den es seit 2003 nicht mehr gibt, anstelle eines aktuellen. Meine Antwort darauf ist, dass ich der Ansicht bin, es gibt keinen Stadtteil Offenbachs, weder in der Vergangenheit als auch aktuell, der so radikal widerspiegelt, was bestimmte Sozialisationsumwelten für einen immensen Einfluss auf soziale Ungleichheit haben.
Die Lohwald-Siedlung ist nicht etwa „per Zufall“ oder „von Schicksals wegen“ zu dem geworden, was sie war, nämlich zu einem „sozialen Brennpunkt“ und damit zu einem Nährboden für soziale Ungleichheit, sondern sie ist ein sozialer Raum, deren Struktur das Ergebnis einer Vielzahl von Entscheidungen ist, deren Zusammenwirken letztlich deren Struktur ausmachen.
Wie die Stadtsoziologie möchte auch ich danach fragen, welche gesellschaftlichen Kräfte Einfluss auf die Entwicklung auf die Lohwald-Siedlung nahmen und welche Folgen die daraus entstandenen Strukturen letztlich für das soziale Leben dort hatten. 2
Ich möchte, um mit den Worten Martina Löws zu „jonglieren“, „Die Eigenlogik von Offenbach begreifen. Ich möchte herausfinden, wie Offenbach und hier speziell die Lohwald-Siedlung ‚tickt‘, welche Ideen darin generiert, welche realisiert und schließlich akzeptiert werden. Um diese Eigenlogik zu durchschauen, betrachte ich Offenbach / Lohwald wie einen Organismus, der einen Charakter ausbildet und über eine eigene „Gefühlsstruktur“ verfügt, die in Städtebilder gefasst und in Alltagsroutinen reproduziert wird. 3
Beginnen werde ich mit einem Blick auf die Geschichte der Lohwald-Siedlung (was war die Grundidee / der Anlass bei deren Gründung, welche politischen Entscheidungen beeinflussten weiterhin die Struktur der Siedlung und worin mündeten schließlich die verschiedenen Entwicklungsschritte). Danach beschreibe ich die Sozialisationsumwelt „Lohwald“ (wer lebte dort, wie gestaltete sich der Raum „Lohwald“ hinsichtlich Gebäuden, Wohnungen, Außenanlage, Anbindung an das öffentliche Netz etc.), um schließlich auf die Folgen einzugehen, die eine Sozialisation in dieser Umwelt für die dort lebenden Menschen mit sich bringt. Sprich: auf die vielfältigen Aspekte daraus resultierender sozialer Ungleichheit.
Im abschließenden Teil dieser Hausarbeit werde ich die Erkenntnisse im Hinblick auf die Sozialisation in einer benachteiligten Sozialisationsumwelt zusammen tragen und reflektieren, welche Ideen und Überlegungen zukünftig dabei von Nutzen sein können, eine Sozialisationsumwelt so zu gestalten, dass soziale Ungleichheit nicht mehr in dem Maße auftritt, wie es in der Lohwald-Siedlung der Fall war.
Um Unklarheiten hinsichtlich verwendeter Begrifflichkeiten wie z..B. „Sozialisationsumwelt“, „Soziale Ungleichheit“ u.v.m. vorzubeugen, werde ich diese in einer Liste, folgend dieser Einleitung, erklären.
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Erläuterung verwendeter Begriffe
Sozialer Raum 4 Soziale Räume bezeichnen in der Wissenschaftstradition der Soziologie seit Georg Simmel (1908) nicht einfach Territorien im physikalischgeografischen Sinn, sondern räumlich bezogene und erfahrene Kontexte sozialen Handelns. Erst über die Tätigkeit des Menschen wird ein Territorium zum sozialen Raum und die Menschen erfahren dementsprechend den Raum als Ortszusammenhang von zugänglichen Möglichkeiten und einschränkenden Verwehrungen. Das diese Zusammenhänge aufnehmende Konzept der Aneignung ist in der Sozialen Arbeit der letzten dreißig Jahre intensiv diskutiert und in erster Linie auf die Kindheits- und Jugendphase angewandt worden (vgl. Deinet 2005, Krisch 2009).
Das Konzept des Sozialen Raums wurde von dem französischen Soziologen Pierre Bourdieu entwickelt. Es dient der Darstellung und Analyse sozialer Strukturen und individueller Positionen. Die Verteilungsstrukturen des gesamtgesellschaftlichen und des individuellen Kapitals, d.h. Vermögens im umgreifenden Sinn, zeichnet Bourdieu in einem konstruierten dreidimensionalen sozialen Raum nach. Er untersucht die Kapitalausstattung von Individuen und Gruppen anhand von Merkmalen wie Beruf, Einkommen und Ausbildungsniveau als wichtigste Lebensbedingungen, erweitert durch für ihn sekundäre Merkmale wie Geschlecht, Alter, Ethnie, Nationalität. Das soziale Feld bildet die Handlungsebene, das „Spielfeld“, innerhalb des sozialen Raumes. Bourdieu berücksichtigt dabei den Ausgangspunkt eines Lebenslaufs, die soziale Herkunft, den Umfang des in der Familie „ererbten“ Kapitals, auch in Form inkorporierten (d.h. verinnerlichten) kulturellen Kapitals, und die in den Habitus des Individuums eingegangenen Dispositionen Soziale Ungleichheit 5 Soziale Ungleichheit liegt vor, wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefügen von den wertvollen Gütern (der Wert der Güter richtet sich nach den Zielvorstellungen der Gesellschaft) einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten. Die Umwelt / der Lebensraum, in dem der Mensch sozialisiert wird. Sozialisationsumwelt
Sozialisation meint all jene Prozesse, durch die der Einzelne über die Beziehung zu seiner physischen und sozialen Um- und Mitwelt (Lebenswelt) und über das Verständnis seiner selbst relativ dauerhafte Verhaltensweisen erwirbt, die ihn befähigen, am sozialen Leben teilzuhaben und an dessen Entwicklung mitzuwirken. Ihre Grundlagen wurden im frühen 20. Jhd. von der Chicago-School Sozialökologische
entwickelt. Entscheidende Determinanten der Stadtentwicklung und - 6 Theorie
struktur sind ihr gemäß ökonomische, demographische und technologische Entwicklungen. Muster des Wachstums von Städten wird zu einer Theorie verallgemeinert, bei der soziale und ökonomische Prozesse zusammenwirken
Ihr liegt die Marx’sche Kapitalismustheorie zugrunde, die von einer Politisch-ökonomische
Dominanz der Interessen privater Eigentümer über politische Theorie der New Urban Entscheidungen ausgeht.
Sociology
Theorie, die die Selbstgestaltungskräfte von Agglomerationen (lat. Politische Theorie
agglomerare = fest anschließen) betont. Nach Definition der UNO wird damit eine Kernstadt bezeichnet, die ein dicht besiedeltes Gebiet außerhalb der Stadtgrenze besitzt. Die räumliche Entwicklung der Stadt steht im Vordergrund, für die das Baugesetzbuch die nötigen Instrumentarien liefert.
Maximaler Nutzen schlägt sich durch höchste Erreichbarkeit (meist im Ökonomische Theorie
Zentrum) schlägt sich im Bodenpreis nieder. Die Nutzungen, die aus der zentralen Lage eine hohe Gewinnerwartung ableiten, sind auch bereit, den höchsten Preis zu bezahlen. 7 »Der Deutsche Städtetag hat Soziale Brennpunkte definiert als Sozialer Brennpunkt
Kollektivunterkünfte und Wohngebiete, in denen die Lebensbedingungen der Bewohner und die Entwicklungschancen und Sozialisationsbedingungen von Kindern und Jugendlichen in besonderem
Maße von negativen Faktoren bestimmt werden. In diese Definition sind die traditionellen Obdachloseneinrichtungen aufgenommen, auch Sanierungsgebiete, »moderne« Trabantenstädte, Wohnsilos in Großstädten, aber auch kleinere Wohnblocks in ländlichen Regionen.« (Thien 1998, S. 86)
Wiedereingliederung in die Gesellschaft mit Mitteln der Pädagogik, Resozialisation
Medizin und Psychotherapie ( Siehe Duden. Das Fremdwörterbuch) Prozess, bei dem sozial schwächere Bevölkerungsschichten an den Marginalisierung
Rand (margin) der Gesellschaft gedrängt werden und dadurch nicht mehr am wirtschaftlichen Leben teilnehmen können.
Von lateinisch de-„privare” = berauben; bezeichnet allgemein den Deprivation
Zustand der Entbehrung, eines Entzuges oder der Isolation von etwas Vertrautem, eines Verlustes, eines Mangels oder das Gefühl einer (sozialen) Benachteiligung.
Soziale Deprivation (vgl. Friedrich, Hannes 1979, S 23) bezeichnet jede Form von sozialer Ausgrenzung durch Zugehörigkeit zu einer sozialen Randgruppe oder Armut.
„Segregation“ bezeichnet die räumliche Absonderung einer Segregation
Bevölkerungsgruppe nach Merkmalen wie sozialer Schicht, ethnischkulturellem Hintergrund oder Lebensstil.
„Oft freilich wohnt die Armut in versteckten Gässchen dicht neben Palästen der Reichen; aber im allgemeinen hat man ihr ein apartes Gebiet angewiesen, wo sie, aus den Augen der glücklicheren Klassen verbannt, sich mit sich selbst durchschlagen mag, so gut es geht.“ 8
Sicherlich ist es nicht Ziel dieser Arbeit, die Geschichte der Lohwald-Siedlung in Offenbach zu schildern. Aber, um verstehen zu können, welche gesellschaftlichen Kräfte und Entscheidungen das Bild dieses ehemaligen Stadtteils von Offenbach/Main prägten, wie diese die Sozialisationsumwelt der Bewohnerinnen und Bewohner beeinflussten und inwiefern die daraus resultierenden Sozialisationsprozesse zu sozialer Ungleichheit führten, ist es unabdingbar, sich mit deren Geschichte vertraut zu machen.
Geschichte der „Lohwald Siedlung“
Der ehemalige Stadtteil Lohwald lag im Osten Offenbachs, im Norden grenzte er an Offenbach-Waldheim und im Süden an Offenbach-Bieber. Im Osten fand sich die Nachbargemeinde Mühlheim am Main. Im Westen befanden sich Kleingärten und einige Autoverwerter.
Alles in Allem wirkten Wohnblöcke und Umgebung mehr trostlos als einladend.
Entstehung
- Vom Marioth-Gelände über „Waggonhausen“ zur „Lohwald-Siedlung“ - 9
(vgl. Frankfurter Rundschau Online, 29.05.2008) Um 1900 gründete der Frankfurter Unternehmer Jakob Latscha die Grundstücksgesellschaft Marioth-GmbH. Er kaufte preiswerte Grundstücke, auf denen Arbeitersiedlungshäuser („Wohneigentum für den kleinen Mann“) entstehen sollten. Während des ersten Weltkriegs verkaufte er das sogenannte „Marioth-Gelände“ an die Stadt Offenbach.
In den 1930er-Jahren entstand dort eine Eisenbahnwaggon-Siedlung, in der die Stadt Offenbach/M. Menschen unterbrachte, die wegen Armut und Arbeitslosigkeit keine andere Unterkunft finden konnten. Quasi die „Grundsteinlegung“ des späteren sozialen Brennpunktes Lohwald. 10
Arbeit zitieren:
Ines Suckel, 2010, Ausgewählte empirische Befunde und soziologische Überlegungen zu den Auswirkungen unterschiedlicher sozialräumlicher Sozialisationsumwelten auf soziale Ungleichheit, München, GRIN Verlag GmbH
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