Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 3
2. WARUM WIRD WISSENSCHAFTSGESCHICHTE BETRIEBEN 4
3. DER VERMITTLER VON WISSENSCHAFTSGESCHICHTE 5
4. DIE DARSTELLUNG VON WISSENSCHAFTLICHEN ERKENNTNISSEN AM
BEISPIEL VON FRANZ JOSEPH GALL 6
4.1. Die Geschichte von Franz Joseph Gall und die Lehre der Phrenologie 7
4.2. Wie wirkte sein Werk auf seine Zeitgenossen und warum war er so erfolgreich? 8
4.3. Auswirkungen der Lehre von Franz Joseph Gall in Bezug auf die Geschichte der Wissenschaft 11
5. FAZIT 12
6. ANHANG 14
7. LITERATURVERZEICHNIS 15
2
1. Einleitung
Seit dem 18. Jahrhundert wird die Wissenschaftsgeschichte als eine Geschichte von Erfolgen dargestellt. Es handelt sich um die Darstellungen von berühmten Forschern und
Geschichtsschreibern, die geradlinig wissenschaftliche Erkenntnisse als eine Fortschrittsgeschichte vermitteln.
Doch es gibt auch eine andere Betrachtungsweise der Wissenschaft, die nicht die chronologisch aufgeführten Erfolge darstellt, sondern eine, die die Erkenntnisse als Prozessgeschichte versteht und auf ihre Auswirkungen und Nützlichkeit untersucht. Es soll analysiert und erläutert werden, aus welchen Gründen Wissenschaftsgeschichte betrieben wird und warum sie in unserer Gesellschaft als etwas Positives empfunden wird, beziehungsweise ohne Hintergrundwissen allgemeine Gültigkeit erhalten kann. Des Weiteren soll betrachtet werden, wie sich die Erkenntnisse der Wissenschaft auf unsere Gesellschaft auswirken und warum bestimmte Theorien großen Erfolg haben. Betrachten wir wissenschaftliche Erkenntnisse objektiv oder muss ein bestimmter Nutzen dahinter stecken, damit sich Theorien in unserer Gesellschaft etablieren? Wissenschaft hat in der breiten Öffentlichkeit einen Legitimationsdruck, dessen Gründe in dieser Arbeit untersucht werden sollen.
Die Rolle der Zeitungen als Vermittler zwischen Wissenschaft und Gesellschaft soll in die Ausführungen auch mit einbezogen werden.
Am Beispiel der Geschichte von dem erfolgreichen Mediziner Franz Joseph Gall, dem Begründer der Lehre der Phrenologie, soll untersucht werden, warum sich Theorien in unserer Gesellschaft etablieren und was vorläufige Ergebnisse von Wissenschaft für Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben.
Die folgenden Ausführungen sollen die Geschichte der Wissenschaft kritisch durchleuchten am Beispiel des Wissenschaftlers Franz Joseph Gall. Erst wird die Idee und die Geschichte von Franz Joseph Gall erläutert, um dann die Auswirkung der Lehre in Bezug auf die Wissenschaftsgeschichte und unsere Gesellschaft kritisch zu interpretieren.
3
2. Warum wird Wissenschaftsgeschichte betrieben
Ziel der Wissenschaftsgeschichte ist, die historischen Entstehungen und Entwicklungen der Wissenschaft in ihren jeweiligen Fachgebieten darzustellen. Doch warum wird eigentlich eine Geschichte der Wissenschaften betrieben und wovon handelt diese? Es werden häufig die Fragen nach dem „[...] Wer, dem Warum und dem Wie [...]" 1 gestellt. Doch die entscheidende Frage, die gestellt werden sollte, ist die Frage nach dem Wovon. 2 Zu welchem Zweck verfolgen Forscher zu bestimmten Zeitpunkten Theorien und versuchen diese zu beweisen? Und wer schreibt eigentlich eine Geschichte von der Wissenschaft und zu welchem Zweck wird diese genutzt?
Nach Wolf Lepenies wird diese Geschichte ihren Raum in akademischen Institutionen finden, je nachdem, wie und wo sie als nützlich empfunden wird. 3 Man stößt nicht zufällig auf bestimmte Erkenntnisse, sondern es muss einen Anhaltspunkt geben, warum bestimmte Formen des Forschens eingesetzt werden, um Beweise für angenommene Theorien zu finden. Diese Anhaltspunkte ergeben sich meist aus dem Wunsch der Gesellschaft, einen bestimmten Sachverhalt zu einem bestimmten Zeitpunkt erklärt zu bekommen. Die Geschichte der Hirnforschung seit dem 18. Jahrhundert beruht zum Beispiel auf dem Wunsch der Menschen, die Herkunft ihrer Seele, die individuellen Charaktereigenschaften und Fähigkeiten zu erfahren. Am Beispiel von Franz Joseph Gall soll an späterer Stelle erläutert werden, warum eine bestimmte Form der Erklärung zu einem bestimmten Zeitpunkt so großen Erfolg haben kann.
Bestimmte Formen des Forschens und die Suche nach Beweisen tauchen also in der Geschichte der Wissenschaft nicht grundlos auf. Doch warum wird Wissenschaft eigentlich als eine Geschichte von Erfolgen dargestellt?
Damit sich der Nutzen einer Forschung in unserer Gesellschaft legitimiert, muss er von Erfolgen gekrönt sein, um auf ein allgemeines Wohlwollen zu stoßen. Die Gesellschaft mit ihren Institutionen würde keinen Wissenschaftler unterstützen, der keine Erfolgsaussichten in seiner akademischen Disziplin hat.
Jedoch kann eine so verstandene Wissenschaftsgeschichte der Resultate nur ein chronologisches Register sein. Das Wesen der Wissenschaft sollte aber auf einer wertenden Tätigkeit basieren, nach der Wahrheit suchen und nicht nur nach den Erfolgen.
1 Lepenies, Wolf (Hrsg.): Georges Canguilhem: Wissenschaftsgeschichte und Epistemologie. Gesammelte
Aufsätze. Frankfurt a. M. 2006: S.22.
2 Vgl.: Ebd.: S.22.
3 Vgl.: Ebd.: S.22.
4
Wenn wir lernen, die Wissenschaftsgeschichte so zu verstehen, dann sind wir bereit zu einer ständigen Selbstkorrektur 4 und finden vielleicht dadurch, dass wir Ergebnisse als einen Prozess verstehen, tatsächlich die Wahrheit oder erkennen ihren Nutzen für die Zukunft. Es sollte nicht immer nur um die Wahrheit von Ergebnissen gehen, sondern es ist vielmehr entscheidend, ob die Ergebnisse, wenn wir sie in einen Prozess einordnen, uns auf eine andere Art und Weise weiterbringen. Ein solcher Prozess soll an späterer Stelle auch an Franz Joseph Galls Ergebnissen geschildert werden.
3. Der Vermittler von Wissenschaftsgeschichte
Eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung von Ergebnissen aus der Wissenschaft nehmen die Medien ein. Kein Wissen kann der Gesellschaft näher gebracht werden, wenn es keinen Vermittler gibt. Ab dem 18. Jahrhundert sind es überwiegend die Zeitungen, die diese Rolle übernehmen. Die Zeitungen haben das Ziel, eine kosmopolitische Bürgerschaft zu schaffen und diese über die aktuellen Ideen ihrer Zeit zu informieren. 5 Die Wissenschaft hat eine Fachsprache entwickelt, die für die Meisten aus der Gesellschaft nicht zu verstehen ist. Daher können und müssen die Zeitungen, Informationen in einer Sprache darstellen, die für jeden verständlich ist. Doch welchen Zweck verfolgt die Presse, wenn sie Theorien für die Bürger erläutert? Schon damals wird die Information als Waffe betrachtet. 6 Zeitungen halten sich an bestimmte Kriterien, nach denen sie bestimmte Fakten auswählen, die dargestellt werden sollen, denn sie haben nur hohe Auflagen, wenn sie der Gesellschaft aktuelle Sensationen liefern. Sie richten sich folglich nicht nach dem Anspruch der Wahrheit von Wissenschaft, sondern nach der Bedürfnisbefriedigung einer Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt. Es ist nicht leicht, einen aus der Aufklärung stammenden Text zu finden, der Informationen von einem spezifischen Zweck trennt. 7
Des Weiteren ist es nicht möglich, ohne die Medien bekannt zu werden. Die Laufbahn von Franz Joseph Gall zum Beispiel zeigt dieses. Gall wird in Paris „[...] von heute auf morgen zur Sensation [...]" 8 durch die schnelle Berichtserstattung der Presse. Die Sensationen, die sich durch Galls Lehre ergeben, interessieren die ganze Gesellschaft und werden deshalb von
4 Vgl.: Lepenies, 2006: S.32.
5 Vgl.: Postman, Neil: Die zweite Aufklärung. Vom 18. ins 21. Jahrhundert. Berlin, 1999; S.105.
6 Vgl.: Ebd.: S.111.
7 Vgl.: Ebd.: S.111.
8 Wegner, Peter-Christian: Franz Joseph Gall 1758-1828 . Studien zu Leben, Werk und Wirkung.
Hildesheim, 1991: Kapitel 5. "Informationen"; S.72.
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Arbeit zitieren:
Jennifer Reimer, 2010, Die Darstellung und Vermittlung von Wissenschaftsgeschichte, München, GRIN Verlag GmbH
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